2023-07 Die Marketingspiele der sozialen Netzwerke - Agrarbetrieb

Die Marketingspiele der sozialen Netzwerke

Anscheinend reichen die wertvollen, persönlichen Daten der Nutzer nicht mehr ganz aus. Neuerdings sollen die Anzahl von Posts und Tweets, die man visualisieren kann, bzw. die Anzahl der Follower, die man hinzufügen kann, limitiert werden. Das sind die neuen Macht- und Marketingspiele der glorreichen sozialen Netzwerke, die einst so gnädig mit ihren Nutzern waren.

Als Landwirt hat man nun mal andere Prioritäten als den ganzen Tag auf die kuriosesten Facebook-Werbungen zu klicken, sein Frühstück, Mittag- oder Abendessen auf Instagram zu posten oder sich komische, teils, man muss schon sagen, durchaus sehr niveaulose Videos auf Tik Tok anzuschauen. Die Ackerfelder warten auf meine Aufmerksamkeit. Sie wollen gesät, bearbeitet und geerntet werden, so dass irgendwann auch etwas Vernünftiges auf unserem Tisch landet — das der eine oder andere dann wieder über ein Bild auf Social Media verewigt.

Am 1. Juli sorgte ein Tweet von keinem Geringeren als Elon Musk, der neue „König“ des Twitter-Imperiums, für ganz viel Aufruhr.

Er führte nämlich ein paar Einschränkungen ein, was die Anzahl der Posts /Tweets angeht, die sich ein Nutzer pro Tag anschauen kann. Bei den Kunden, die für Twitter monatlich bezahlen, liegt das Limit bei großzügigen 6.000 Posts/Tag. Bei nicht-verifizierten Kunden bei nur noch 600 Posts/Tag und schließlich bei nicht-verifizierten Neukunden bei 300 Posts/Tag. (Quelle: hier das entsprechende Tweet von Elon Musk höchstpersönlich.)

Nun sind dies natürlich weiterhin noch jede Menge Posts, auf welche man täglich Zugriff haben kann. Für den Otto-Normalbürger, der sein Leben nicht auf Twitter verbringt, mehr als genug. Auch Hardcore-Fans tun sich schwer, diese Zahlen zu überschreiten.

Hier geht es jedoch um etwas ganz anderes, nämlich:

Die Einschränkungen, die eine zentralisierte Einheit (sei es eine Person, ein Konzern oder die Regierung selbst) sofort implementieren kann, ohne Rücksicht auf Verluste.

Dieser Eingriff sollte jedem zum Denken geben, denn es ist nicht das erste und definitiv nicht das letzte Mal, dass jemand einen Riegel vor die Tür schiebt und für eine „andere“ Art Zensur sorgt.

Der Kampf der Social Media Giganten

Mit Elon Musk (Twitter) ist Mark Zuckerberg (Meta / ehemals Facebook) auf einen ebenbürtigen Gegenspieler getroffen. Kein anderer kennt die digitale Welt besser als der ehemalige Co-Founder von PayPal und Founder von Tesla, SpaceX sowie Neuralink. Zwar ging der Kauf von Twitter nicht so glanzlos über die Bühne, wie manch einer gedacht und gehofft hatte, aber letztendlich setzte sich Elon Musk durch und übernahm den hellblauen Vogel aus San Francisco.

Es folgten massive Entlassungen und viele Versprechungen, die für jede Menge Wirbel sorgten. Der Mainstream liebt die Stories, die von charismatischen Milliardären präsentiert werden und hält damit das ganze ‚Theater‘ am Leben. Die Einführung eines Abos kam für viele Twitter-Nutzer überraschend. Für Jene, die den robusten Geschäftsmann seit Jahren verfolgen und kennen, war dieser „move“ absolut vorhersehbar.

Auf der anderen Seite des Spektrums finden wir das Zuck’sche-Ökosystem, welches erst mit seiner eigenen Kryptowährung scheiterte und nun in die künstliche Welt des Metaverse eintauchen möchte. Die Tatsache, dass ein amerikanischer Konzern über ein massives Datenvolumen von Menschen verfügt, die den gesamten Globus bewohnen, ist weiterhin für viele Regierungen der Welt ein großer Dorn im Auge.

Während Pinterest oder Snapchat fast schon irrelevant geworden sind, zogen die Chinesen mit Tik Tok davon. Die kurzen Videos, die täglich viral gehen, begeistern nicht nur die Jugendlichen, sondern auch gestandene Familienväter und -mütter. Ähnlich wie bei Instagram, erleben wir immer mehr Menschen über 40 Jahren, die sich auf Tik Tok ein neues Zuhause gebastelt haben. Von Botox über Diäten bis hin zu Innendesign und trendigen Deko-Tipps ist alles dabei.

Damit erleben wir heute einen Kampf zwischen zwei US-amerikanischen und einem chinesischen Social-Media-Netzwerk.

Marketingspiele par excellence

Wie können Bauernhöfe, Landwirte, Solo-Entrepreneure sowie kleine Familienunternehmen jeglicher Branche von diesen zentralisierten Einheiten profitieren?

Einerseits, haben wir nicht das nötige Kleingeld, um mit den Großen bei den Werbeklicks auf Facebook und Instagram zu konkurrieren und andererseits, verfügen wir nicht über die Manpower, um anspruchsvolle, strategische Posts zu verfassen, die wir dann den ganzen Tag kreuz und quer über die führenden Social-Media-Plattformen verteilen können.

In erster Linie, müssen wir begreifen, dass mit der steigenden Inflation, viele Großunternehmen ihre Werbebudgets zurückgefahren und sich teilweise auch durchaus von YouTube, Instagram und Co. komplett verabschiedet haben. Das bedeutet übersetzt: die Preise, um Werbung im Facebook-Ökosystem zu schalten, sind gesunken.

Ein weiterer Faktor, der essentiell ist und bei welchem wir, also die „Kleinen“, absolut punkten können, liegt in der Tatsache, dass wir auf der emotionalen Ebene unschlagbar sind. Während ein Konzern tollpatschig versucht, seine potentiellen Kunden zum Kauf zu animieren, steht bei unseren Produkten und Dienstleitungen eine echte Person dahinter. Es steckt eine einmalige, glaubhafte Story dahinter. Es steckt Charakter und Persönlichkeit dahinter. Unsere Aufgabe ist es, diese Story dem Kunden näher zu bringen und uns auf emotionaler Ebene mit ihm zu verbinden. Das können die Großen nunmal nicht, egal wie viel Geld sie in ihre ausgeklügelten Marketingmaßnahmen investieren.

Mit Goliath durch die Anwendung von Goliath-Strategien zu kämpfen, ist sinnlos. David ist erfinderisch, kreativ und menschlich, und genau da liegt unsere Stärke.

Ein offenes, transparentes Marketing erzielt langfristig bessere Ergebnisse als irgendwelche Marketingspiele, welche von Menschen erfunden wurden, die nur darin interessiert sind, die Karriereleiter empor zu steigen und bei der nächsten Bonusrunde entsprechend abzukassieren.

Bildquelle: Foto von Pixabay auf Pexels

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