Syngenta-ChemChina Story

Die Syngenta-ChemChina Story nach der Übernahme

2017 war das Jahr der Mega-Deals. Aus den Top 7 der Agrarchemie blieben nur noch vier Akteure übrig: Syngenta-ChemChina, Bayer-Monsanto, BASF und Dow Chemical-DuPont.

Erst vor ein paar Tagen wurde die Übernahme von Monsanto durch Bayer von der EU-Kommission bewilligt. Es müssen noch ein paar Auflagen erfüllt werden, aber insgesamt steht das Licht auf grün. China hat den Jahrhundert-Deal bereits genehmigt; nur aus den USA liegt noch keine finale Entscheidung vor.

Während sich die einen noch um den Papier- und Genehmigungskram kümmern müssen, funktionieren die anderen schon im Duett. So auch im Falle von Syngenta-ChemChina.

Für 44 Milliarden USD hat sich China quasi über Nacht in ein Agrochemie-Powerhouse umgewandelt. [Quelle: Financial Times]

Eine derart wichtige Branche die von deutschen und amerikanischen Unternehmen dominiert wird, das war für China schon immer ein Dorn im Auge. Da mussten die Schweizer von Syngenta herhalten.

Aber was hat sich nach der Übernahme tatsächlich getan? Wie hat sich das Ganze auf das Tagesgeschäft ausgewirkt?

Nach der Syngenta-ChemChina Fusion – das Geschäft stagniert

Erik Frywald, CEO des Konzerns bezeichnete 2017 als ein „historisches Jahr für Syngenta aufgrund des Zusammenschlusses mit ChemChina“.

Die wichtigsten Eckdaten kurz im Überblick:

  • 12,65 Milliarden USD Konzernumsatz (ein Minus von 1% ggü. 2016: 12,79 Mrd. USD)
  • 6% Umsatzanstieg im Bereich Saatgut
  • 3% Umsatzrückgang im Bereich Pflanzenschutzmittel (der Umsatz lag bei 9,2 Mrd. USD)
  • 1,7 Mrd. USD Free Cashflow aufgrund der Verbesserung des betrieblichen Umlaufvermögens (in 2016 lag der Cashflow bei 1,4 Mrd. USD)
  • Akquisition von Nidera Seeds von COFCO International ist abgeschlossen
  • Erfolgreiche Markteinführung von Elatus (Getreidefungizid) und Avoxa (Getreideherbizid)
  • Erfolgreiche Markteinführung von Fortenza in Lateinamerika (Saatgutbehandlung, Insektenbekämpfung bei Mais und Soja)

Gleichzeitig mussten die Schweizer auch ein paar Präparate abgeben wie z.B. Fusilade (gehört jetzt Nufarm), Seguris und Bontima (wurden an Adama abgegeben).

Auch regional zeichneten sich große Unterschiede ab. So konnten Osteuropa und Russland die Schwäche Westeuropas kompensieren; Resultat: leichtes Umsatzplus von 1%. In Nordamerika stieg der Umsatz um 5%. In Lateinamerika hingegen wurde ein zweistelliges Umsatzrückgang von 14% verzeichnet.

Neue Syngenta-Präparate die in Deutschland zugelassen sind bzw. auf eine Zulassung warten

Avoxa

Ist ein Getreideherbizid zur Resistenzvorbeugung bei Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Trespen. In Deutschland ist es seit März zugelassen in Winterweizen, -roggen und -triticale. In Gerste ist es nicht erlaubt.

Elatus

Ist ein Getreidefungizid. Seit März 2017 zugelassen.

Vibrance

Getreidebeize mit dem fungiziden Wirkstoff Sedaxane. In den USA seit 3 Jahren zugelassen, hierzulande allerdings noch nicht.

Boxer Cadou SC

Herbizidpack zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz im Herbst. Ist zugelassen.

Adepidyn

Ist ein Wirkstoff und damit ein neues Fungizid aus der Gruppe der Carboxamide zur Bekämpfung von Ährenfusarium in Getreide. Noch keine Zulassung in Deutschland.

SY Galileoo

Ist eine Hybridgerste die besonders winterhart, blattgesund und ertragsstabil ist. In Deutschland zugelassen.

SY Baracooda

Ebenfalls eine Hybridgerste. Ebenfalls zugelassen. Im Vergleich zu den bisherigen Hybriden soll es ertragsstabiler sein.

Quelle: Syngenta, Jahresbericht 2017

Der Kampf der Großen

Erlebt die Agrobranche ein „deja vu“? Kommt nach dem Zusammenschluss irgendwann doch noch die Zerstückelung?

Die Geschichte hat uns schon einige wichtige Lektionen gelehrt.

Dieser Zyklus scheint nichts Neues zu sein. Aus kleinen Unternehmen werden große Player die wiederum mit anderen Big Player zu Giganten fungieren. Sie spielen ein paar Jahre fröhlich auf der „Wiese“ bis sie entweder „too big to fail“ werden oder wieder in kleine Stücke zerfallen. Klar, das Szenario ganz von der Bildfläche verschwinden ist auch eine Möglichkeit. 

Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass aus einem Uniprojekt eins der weltweit größten Tech- Unternehmen des Jahrhunderts entsteht? (Facebook)

Andererseits, wer hätte gedacht, dass die größte US-Spielzeugkette einst Pleite gehen wird? (Toys ‚R‘ Us)

Die Szenarien sind vielfältig. Fakt ist, heute dominieren vier Giganten das Agrochemie-Spielfeld und wir müssen uns darauf einstellen. Zwei dieser Konzerne sitzen bei uns in Deutschland: BASF und Bayer/Monsanto. Wie das Spiel ausgeht, das werden wir in ein paar Jahren sehen.

Heute ist erst Anpfiff zur ersten Halbzeit. Und eine Mannschaft wartet noch auf das finale „go“.

Es bleibt spannend.

Dominanz im Bereich Pflanzenschutzmittel & Co.

Eure Meinung ist gefragt.

Haben die Chinese mit Syngenta einen guten Deal gemacht?

Schaffen sie es mit Syngenta-ChemChina den anderen drei Teilnehmern die Stirn zu bieten oder lassen sie sich auf einen „Kuscheltanz“ ein?

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