Digitalisierung im Ackerbau

Digitalisierung im Ackerbau – Macht sich Ernüchterung breit?

Das Thema Digitalisierung hat uns in der Landwirtschaft schon längst erobert. Die Begriffe Smart Farming, Digital Farming, Precision Farming und Landwirtschaft 4.0 sind mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Alltags geworden.

Ein sogenannter Influencer aus unserer Branche; ja, sowas haben wir auch ;), überraschte nun den einen oder anderen mit seinem ernüchternden Statement.

„Betriebe mit den höchsten Reinerträgen haben ein Minimum an Digitalisierung“, so Michael Horsch, Geschäftsführer der Horsch Maschinen GmbH, auf dem diesjährigen Farm & Food Kongress 4.0 in Berlin.

Quelle: Farm & Food 4.0 – International Congress, YouTube

Bitte beachtet hierbei folgende Differenzierung auf die M. Horsch in seinem Vortrag hingewiesen hat:

In der Tierproduktion hat Digitalisierung sehr viel gebracht, im Ackerbau hingegen sehr wenig.

Also, nicht alles gleich über einen Kamm scheren.

Ich bin selber im Ackerbau tätig und gleichzeitig ein Befürworter digitaler Anwendungen WENN diese einen Mehrwert bieten und uns in der Landwirtschaft entlasten. Alles andere ist nur ein „fancy“ Zubehör, ohne jeglichen Nutzen.

In der Landwirtschaft geht es um Effizienz- und Produktivitätssteigerung.

Es geht darum die Büro-, Papier- und Bürokratiearbeit zu minimieren, so dass wir unseren Feldern das Optimum bieten können. Digitalisierung hilft uns zwar bei der Datensammlung und Systematisierung, allerdings auch hier gibt es Einschränkungen; denn jeder Landtechnik-Anbieter liebt seine eigene Software dermassen, dass Precision Farming vom Mainstream (Massentauglichkeit) noch recht weit entfernt ist.

John Deere öffnet seine digitale Einsatzzentrale für externe Softwareanbieter

Genau das ist nötig, um Digitalisierung auch im Ackerbau voranzutreiben. Wir brauchen die Zusammenarbeit und Anbindung mehrerer Anbieter in einer Plattform.

John Deere macht einen ersten Schritt in dieser Hinsicht indem es seine digitale Einsatzzentrale für externe Softwareanbieter geöffnet hat. Unter MyJohnDeere.com lassen sich ab sofort nicht nur Daten an Maschinen senden, sondern auch Schlagkarteien und Wetterdaten einbinden, sowie Applikationskarten importieren. Das sind alles Funktionen, die ab sofort mit externen Anbietern möglich sind.

Laut Angaben von John Deere, sind fortan mehr als 20 Unternehmen aus über 29 Ländern Europas sowie Russland an der Online-Plattform von JD angebunden.

Der große Nutzen: Flexibilität und Schnelligkeit weil alles auf einem Blick.

Ein eventueller Nachteil: Datenschutz.

JD versichert alle Nutzer, dass sie die Datenkontrolle beim Austausch zwischen der Einsatzzentrale und den angebundenen externen Softwarefirmen behalten.

Digitalisierung bedeutet nicht automatisch große Investitionen

Lasst mich als erstes mit einem weit verbreitetem Irrtum aufräumen:

Man benötigt keine Millionen Euros, um sein Betrieb über Smartphones und Tablets zu verwalten.

Man braucht nicht reich sein, um sein Büro in die Cloud zu verlegen und ein paar Landmaschinen mit Nachrüstlösungen smart zu machen. Ein alter Fendt Vario kann jederzeit mit einem Beacon digitalisiert werden und schon weiß man, wo sich der alte Genosse befindet. Da muss man nicht gleich die Geldbörse zucken und tausende für ein neues Gerät ausgeben.

Übergangsweise helfen auch kostenlose Tools wie Google Drive, Trello und Slack. Sobald man ein etwas komplexeres System aufgebaut hat, sollte man alles schön verschlüsselt in einer unabhängigen Software (am besten ein Agrartool) aufbewahren.

Aber Roland, wir hauen uns durch Digitalisierung doch selbst die Beine weg. Damit ebnen wir doch den Weg frei für Roboter uns entbehrlich zu machen.

Landwirtschaft 4.0 (oder was auch immer noch für Versionen folgen werden) bedeutet nicht, dass:

  • unsere jahrzentelange Erfahrung
  • unser Gefühl für den richtigen Zeitpunkt für die Saat oder die Ernte sowie
  • unser Händchen für den Boden im Ackerbau oder für die Tiere in der Viehzucht

durch Technologie ersetzt werden.

Die Technologie ist dafür da uns zu unterstützen.

Ich muss mir immer wieder anhören wie schlecht Facebook, Instagram oder überhaupt die ganzen Smartphones sind.

Liebe Freunde, diese ganzen Apps, Softwarelösungen, Tablets, Smartphones, Computer etc. sind nichts anderes als Tools. Sie sind per se nicht schlecht und auch nicht gut. Sie sind neutral. Wir sind diejenigen die sie nutzen und jeden Tag aufs neue aktivieren.

Wir haben die Kontrolle – oder so sollte es zumindest sein. Das Gefühl der Smartphone-Abhängigkeit wird immer realer und wenn das so weitergeht, dann sind die Anonymen Alkoholiker nichts im Vergleich zur Gruppe der ‚Smartphone-Addicted‘.

Wie wir diese Tools nutzen bestimmt ob sie eine positive oder negative Auswirkung haben. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir ständig am Ball bleiben und unser digitales Know-how vertiefen, damit wir auch weiterhin das meiste aus diesen Tools herausholen.

Digitalisierung im Ackerbau – sind wir hinten dran oder recht gut dabei? Was glaubt Ihr?

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