Entwarnung fur Familienbetriebe in Deutschland

Entwarnung: Kein Aus für Familienbetriebe in Deutschland

Der langsame aber sichere Tod der Familienbetriebe in Deutschland wird schon lange prophezeit. Gierige Investoren, die nur eins im Visier haben, nämlich Profite schlagen, würden alles zunichte machen, um als alleinige Herrscher unserer Böden zu werden.

Es zeigt sich jetzt, dass dies nicht ganz der Realität entspricht.

Mag sein, dass die Sendung „Bauer sucht Frau“ bei einigen Zielgruppen gut ankommt, aber Fakt ist, dass „Bäuerlichkeit“ nicht mehr so ganz im Trend liegt.

Viele Betriebe mussten ihre Türen schließen. Die Agrarunternehmensstruktur in Deutschland zeigt jedoch weiterhin eine Dominanz der Familienbetriebe. Die letzte Agrarstrukturerhebung aus 2016 kam auf eine Anzahl von 274.500 landwirtschaftliche Betriebe (Quelle: Statistisches Bundesamt, Destatis).

Das sind rund 9.000 Betriebe weniger als drei Jahre zuvor.

Nun äußerte sich der Wissenschaftler Bernhard Forstner vom Thünen-Institut auf der Jahresversammlung des Europäischen Netzwerks der Agrarsozialversicherungssysteme (ENASP) wie folgt:

  • „Familienbetriebe werden weiterhin dominieren“
  • „Familienbetriebe werden größer, komplexer und wettbewerbsorientierter“

Familienbetriebe haben sich verändert. Sie haben sich einem erheblichen Wandel unterzogen.

Nebem dem vermehrten Einsatz neuer und innovativer Technologien, gab es folgende sichtliche Veränderungen:

  • Es werden Kooperationen gebildet.
  • Familienbetriebe setzen auf Diversifizierung (z.B. durch Gründung neuer Unternehmenszweige)
  • Es finden Beteiligungen an anderen Betrieben statt.

Ähnlich wie bei den Kollegen in Großbritannien, die sich jetzt mit dem Brexit herumschlagen müssen, stieg auch hierzulande die Bedeutung von Fremdarbeitskräften. Des weiteren nehmen immer mehr Familienbetriebe in Deutschland, die Angebote professioneller Dienstleister in Anspruch.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Familienbetriebe in Deutschland – Harte Arbeit, alle packen an

Jeder der auf einen Bauernhof aufgewachsen ist oder so wie ich, ein Familienbetrieb leitet, weiss ganz genau, was das mit sich bringt.

365 Tage pro Jahr arbeiten.

Alle Familienmitglieder, egal ob groß oder klein, alt oder jung, müssen anpacken.

Tja, kaum eine andere Berufsgruppe kommt an dieses Arbeitspensum bzw. erfordert so viel Einsatz von den Familienmitgliedern.

Was sagt der Wissenschaftler vom Thünen-Institut zum Thema Wettbewerbsfähigkeit?

Forstners Meinung nach, bieten Familienbetriebe in Deutschland folgende Vorteile im Vergleich zu Kapitalgesellschaften:

  • Hohe gesellschaftliche Akzeptanz
  • Hohes Maß an Flexbilität insb. in Krisensituationen
  • Breite politische Akzeptanz

Eins sollte bei der ganzen „Euphorie“ nicht aus den Augen gelassen werden, u.z. die

Betriebsgröße und wachsende Komplexität der Familienbetriebe.

Werden diese beiden Faktoren in den zukünftigen Auswertungen und Statistiken nicht berücksichtigt, dann kann es möglicherweise zu falschen agrarpolitischen Schlußfolgerungen kommen. Weiterhin wird dadurch auch die Qualität der Struktur- und Einkommensanalysen beeinträchtigt.

Welchen Einfluß hat die EU-Agrarpolitik auf unsere Agrarunternehmensstruktur?

Keinen entscheidenden Einfluß, so die Meinung von Forstner.

Quellen: Thünen-Institut, Agra-Europe

Familienbetriebe bekommen Rückendeckung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium

Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens will das Bodenrecht verschärfen. Preismissbrauch auf dem Bodenmarkt muss unterbunden werden.

Landwirtschaftliche Bodenmärkte sollen vor Finanzinvestoren geschützt werden. Die negativen Auswirkungen müssen abgewehrt werden, so eine Pressemeldung von Agra-Europe.

Ein paar Zahlen zur Verdeutlichung der „Krise“ (laut Schätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums):

  • Rund 30% der Einzelflächen werden seit der Finanzkrise in 2007 jährlich an Nichtlandwirte veräußert.
  • 20% der Flächentransfers in Ostdeutschland erfolgen über Anteilsverkäufe, d.h. diese Deals entziehen sich der Kontrolle des Grundstückverkehrsgesetzes.
  • Nur in 2-3% der Fälle, in denen Nichtlandwirte kaufen möchten, wird das Vorkaufsrecht zugunsten aktiver Landwirte ausgeübt.

Schlussfolgerung des Staatssekretärs:

Der gigantische Preisanstieg für Agrarflächen lässt sich mit der Produktivitätsentwicklung der Landwirtschaft nicht erklären.

Wohin geht die Reise?

Ich bin alles andere als ein Wahrsager, aber folgendes kann ich auf Basis dessen was ich tagtäglich sehe und erlebe, sagen:

Es wird schneller. Wir müssen uns schneller verändern, anpassen, neues annehmen und umsetzen.

Es wird technologischer. Neue, innovative Technologien werden in unser Alltag als Landwirte integriert. Wir müssen lernen mit neuer Software und Apps zu arbeiten sowie hochmoderne Maschinen zu bedienen.

Es wird futuristischer. Roboter, Drohnen, Gentechnik 2.0, schwimmende Farmen – das muss unser menschliches Gehirn erstmals verstehen bevor wir damit arbeiten können. Von uns Landwirten wird erwartet, dass wir umsetzen. Die Weltbevölkerung auf dem Planeten wächst, die Agrarflächen schrumpfen. Das führt zu „jede Menge Spass“ bei der Umsetzung.

Es wird kompetitiver. Der ewige Kampf Großinvestoren vs. „kleiner Mann“ wird weitergehen, egal was uns die Politik verspricht. Wir leben nunmal auf einem Planeten wo Geld und Profitabilität die Oberhand haben und so schnell wird sich das wohl auch nicht ändern.

Die Starken werden überleben.

Der Rest wird, wie so oft in der Geschichte der Menschheit, auf der Strecke bleiben.

Wer hat behauptet, dass das Leben fair ist?!

Eure Meinung:

Welches Schicksal werden Familienbetriebe in Deutschland haben?

2 Kommentare
  1. Michael Schenk
    Michael Schenk sagte:

    Das Ganze ist eine Scheindiskussion, die am lautesten dem Familienbetrieb hinterherweinen haben völlig falsche, romantisch verklärte Vorstellungen. Kleine Handtuchfelder, alle Tierarten auf dem Hof (möglichst freilaufend) – das ist nicht Landwirtschaft, sondern Landhobby. Bei uns (Sachsen-Anhalt) kann man den Unterschied zwischen Familienbetrieb als Rechtsform Einzelunternehmer oder kleine Personengesellschaft und Nicht-Familienbetrieb (wie will man ihn nennen?) kaum noch ausmachen. Betriebe, die einer oder mehreren Familien gehören und von diesen aktiv geführt werden, bewirtschaften zwischen 50 und 3.000 ha oder halten zwischen 0 und 700 Milchkühen. Agrargenossenschaften, Agrar-GmbH und Agrar-Aktiengesellschaften sind ähnlich groß wie große Familienbetriebe und gehören auch wenigen (vielleicht 3) bis vielen (bis 30) Familien, von denen aber nicht unbedingt alle mitarbeiten, viele sind oft Ruheständler. Und es fressen nicht die Großen die Kleinen, sondern die Guten die Auslaufbetriebe, die nicht mehr mithalten können oder wollen (fehlender / ungeeigneter Hofnachfolger bzw. Geschäftsführer-Nachfolger). Vor 15 Jahren war es noch eine Sensation (in der Branche, die allgemeine Bevölkerung bekommt davon nichts mit oder kann das gar nicht einordnen), als eine Familien-GbR eine benachbarte Agrargenossenschaft übernommen hat, heute ist alles möglich.
    Letzendlich sind wir eine Marktwirtschaft, das wollten wir (dafür sind wir 1990 auf die Straße gegangen), und so sind die Regeln: Der Boden und andere Produktionsfaktoren (zumnehmend gute Leute) wandern zum besten Wirt. In der Landwirtschaft dauert das alles nur viel länger (Pfadabhängigkeit von Lebensentscheidungen- fehlende Alternativen)

    Antworten
    • Roland
      Roland sagte:

      Danke für den Kommentar, sehr gut zusammengefasst.
      Die Unterschiede zwischen den Regionen wird es immer geben. Es kann auch sein das es in manchen Regionen nur noch ganz wenige Menschen geben wird die das Land bewirtschaften oder pflegen.

      Unsere Landwirtschaft wird in 20 Jahren ganz anders ausschauen als heute. Weniger Menschen werden für die Bewirtschaftung gebraucht ( sind auch zu wenig gut ausgebildet ). Die technischen Möglichkeiten helfen diese Lücke teilweise zu schließen.

      Die gut geführte Familien Betrieb werden flexibler und schneller sein, egal wie groß die Betriebe sind. Die Entscheidungen werden schneller getroffen und die Verbundenheit zum eigenen Betrieb ist viel stärker.
      Es werden sich auch neue Möglichkeiten ergeben wie zB. Vertical Farming in den Städten.
      Wir Landwirte dürfen uns da nicht verschließen auch mal neue Pfade zu erkunden. Alternativen gibt es. Das hat aber viel mit loslassen zu tun und man muss sich die richtigen Fragen stellen um neuen Weg ( Alternative ) für sich und seinem landwirtschaftlichen Betrieb zu finden.

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