Landwirtschaft-Ernte-Klimawandel

Ausfälle bei Ernte – was ist zu tun?

Von der “schlechtesten Ernte des Jahrhunderts” hört man manchen reden. Die Trockenheit lässt nicht wenige Landwirte verzweifeln.

Der diesjährige Sommer meint es nicht gut mit uns Landwirten im Norden und Osten des Landes. Zuzusehen, wie die Investitionen und die ganze Arbeit der Vormonate buchstäblich vor den Augen verbrennt, ist hart.

Laut der Deutschen Presse-Agentur (DPA) beziffern erste Schätzungen die Schäden aufgrund der Dürre in den letzten Wochen auf mehr als eine Milliarde Euro.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat entsprechend Hilfen für Dürreausfälle bei der Ernte für betroffene Landwirte gefordert.

Grundlage für die Gewährleistung von Nothilfen durch den Staat ist, dass Schäden von “nationalem Ausmaß” festgestellt werden.

Bei den ersten Schadenseinschätzungen hinsichtlich der Ernte scheint dies gegeben zu sein:

  • Schleswig-Holstein: 422 Millionen Euro
  • Sachsen: 308 Millionen Euro
  • Sachsen-Anhalt: 237 Millionen Euro
  • Hessen: 150 Millionen

Quelle: Spiegel

Schäden bei der Ernte – Handlungsbedarf in Krisenzeiten

Der gestrige “Dürregipfel” in Berlin brachte zunächst keine Ergebnisse. Entscheidungen sollen erst nächste Woche getroffen werden, wenn genauere Aussagen zu dem Ausmaß der Schäden für die Landwirte getroffen werden können.

“Ich kann nicht ohne repräsentative Zahlen, Daten und Fakten den nationalen Notstand ausrufen und nach Gefühl Zahlungen veranlassen.” Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerium

Um die Bereitstellung von Futter für Nutztiere sicherzustellen, sollen für diesen Bereich jedoch schneller Entscheidungen fallen.

Futter für Tiere

Die Dürrezeit erschwert den Landwirten die Bereitstellung von Futter für Tiere. Die Trockenheit hat nämlichen in manchen Regionen auch den Grasschnitt für Viehfutter eingeschränkt.

Am Mittwoch soll deshalb bereits über eine Verordnungsänderung abgestimmt werden, die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in die Wege geleitet wurde.

Der Entwurf sieht vor, dass die Länder in diesem Jahr in Gebieten, die vom Wetter ungünstig betroffen sind, eine Zeitraum von acht Wochen festlegen können, in dem die ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) mit Zwischenfruchtmischungen bestellt sein müssen.

Die Abänderung des Zeitraumes, der normalerweise von 1. Oktober bis 31. Dezember läuft, kann nur für Einzelfälle erfolgen, für die ein Antrag gestellt worden ist.

Da die Verordnung nicht automatisch für alle Bundesländer oder Landkreise greift, solltet Ihr Euch bei Eurer Landesdienststelle informieren.

Beginnen tut der achtwöchige Zeitraum am Tag nach der Aussaat der letzten ÖVF-Zwischenfrucht.

Klimawandel kein Zukunftskonstrukt

Die heißen Sommer der letzten Jahre zeigen jedem: der Klimawandel ist kein abstraktes Konstrukt, vor welchem wir seit Mitte des 19. Jahrhunderts gewarnt worden sind.

Wir sind mittendrin. Die Hitze ging an niemanden vorbei. Aber insbesondere die Landwirte haben derzeit mit hohen Verlusten bei der Ernte die Rechnung zu tragen.

Der Verbraucher selbst spürt die wirtschaftlichen Ausmasse der Ausfälle bei der Getreideernte noch nicht. Dem Nachfrage-Preis-Modell nach, könnte man meinen, dass ein knappes Angebot an Getreide sich im Preis niederschlägt, etwa beim Brotpreis.

Dem ist nicht der Fall. Zum einen, weil der Getreideanteil hier nicht so hoch wie gedacht ist, zum anderen können Ausfälle der Ernte durch Importe aus anderen Ländern kompensiert werden.

Heiße Sommer sind keine Ausnahme mehr. Sie werden mehr und mehr zur Regel.

Im Gegenzug dafür gibt es mittlerweile zur Wintersaison auch gut und gerne auch mal zuviel Wasser. Die Ernte geht hier wortwörtlich den Bach runter.

Intervenieren in Krisenzeiten ist gut und schön.

Allerdings: wenn die Ausnahme zur Regel wird, wie soll dann vorgegangen werden. Sicherlich gilt es sich anzupassen.

Aber was gilt es anzupassen?

Zum einen müssen neue Modelle in der Landwirtschaft gefunden werden. Es muss gewährleistet werden, dass die Felder quasi ganzjährig eine Grundlage für ein gesundes Pflanzenwachstum gewährleisten.

Schaut man sich die rasante Entwicklung der landwirtschaftlichen Technologien an, wird es hier keine Zweifel geben:

Es wird Lösungen geben, um in zukünftigen Trockenperioden Wasser ressourcenschonenden „an die Pflanze“ zu bringen. Sicherlich kann man sich in anderen Trockengebieten der Erde, ob in Kalifornien oder afrikanischen Regionen, etwas abkucken.

Intelligente Technologien werden die landwirtschaftlichen Strukturen ändern. Das Klima ist ein Faktor, der diesen Prozess beschleunigen könnte.

Ob Smart Farming, Vertical Farming, intelligente Maschinen, Methoden wie die Tröpchenbewässerung, … es fehlt nicht an interessanten Ansätzen.

Mit Technik gegen Dürre

Quelle: ARD

Insbesondere die Landwirtschaft befindet sich in einem Spannungsfeld von vielen Interessen: Lebensmittel sind ein grundlegend wichtiges Gut, weshalb politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessengruppen besonders stark ihren Einfluss ausüben möchten.

Es bringt nichts, wenn sich die Landwirtschaft an neue klimatische Bedingungen anpasst, in neue Technologien investiert, während Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in alten Mustern denken und handeln.

Wie seht Ihr die zukünftige Entwicklung – welche Änderungen außerhalb der Landwirtschaft sind wichtig, um Landwirten eine gute Zukunftsperspektive zu geben?

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert