Kartoffelernte Kartoffeln im Agrarbetrieb

Kartoffelernte 2015: Hohe Erzeugerpreise, niedrige Hektarerträge

Wer erinnert sich noch an die Rekordmengen aus dem letztem Jahr?

Knapp 11,5 Millionen Tonnen waren es. Eine Top Kartoffelernte. Ganz anders im aktuellen Jahr.

Die Kombination rückläufige Anbauflächen plus ungünstiges Wetter während der Vegetationsperiode führt in 2015 zu einer geringeren Erntemenge. Die Auswirkungen sind weitreichend: niedrige Hektarerträge (bis zu 20% weniger in Bayern, das zweitgrößte Anbaugebiet Deutschlands) und teilweise bis zu 100% höhere Erzeugerpreise.

Miese Kartoffelernte aufgrund wochenlanger Trockenheit

Im Süden und in der Mitte Deutschlands sieht es mit den Kartoffeln gar nicht gut aus. Das Bundesagrarministerium (BMEL) geht von einer Erntemenge in Höhe von 9,9 Millionen Tonnen aus. Das wären 15,1% weniger als in 2014. Der mehrjährige Durchschnitt wäre damit um 9,9% unterschritten.

Bevor wir die zwei „Hauptverdächtigen“ die zu dieser Erntesituation geführt haben näher unter die Lupe nehmen, lassen Sie uns einen Blick aufs Feld werfen – besser gesagt aufs Kartoffelfeld.

In dem nachfolgenden YouTube Video der Rhöner Landtechnik sehen wir einen Fendt 718 Vario, einen Grimme SE 150-60 sowie einen John Deere 6215 R bei der Kartoffelernte 2015.

Los gehts…

Zwei Faktoren die zum schlechten Ergebnis führen

Gehen wir doch mal auf Ursachenforschung und schauen uns die beiden Hauptelemente an, die zum aktuellen Ergebnis führen.

1. Reduzierte Anbauflächen.

Jawohl, viele Erzeuger haben sich dafür entschieden die Anbauflächen zu reduzieren.

Das war jedoch keine unüberlegte Entscheidung, sondern vielmehr eine Konsequenz der unbefriedigenden Preisentwicklung in der letzten Kampagne. Nur die beiden Bundesländer Niedersachsen und Rheinland-Pfalz haben sich dieser Entscheidung widersetzt. Hier wurden die Flächen nicht reduziert.

Die Anbauflächen liegen in diesem Jahr bundesweit bei rund 234.000 Hektar. Das sind 4,4% weniger als in 2014 und 6,5% unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Laut BMEL wurde ein weiterer Rekord gebrochen:

„Der Anteil des Kartoffelanbaus an der Ackerfläche in Deutschland sank erstmals unter 2 Prozent.“

2. Extreme Trockenheit.

Der zweite Faktor der zu einer niedrigeren Kartoffelernte geführt hat, liegt ebenfalls auf der Hand. Die hohen Temperaturen und die niedrigen Niederschläge während weiten Phasen der Vegetationsentwicklung haben für alles andere als eine entspannte Situation auf dem Feld gesorgt.

Hinzu kommen die vielen Winterniederschläge sowie die extremen Frühjahrsstürme welche die Auspflanzung von Frühkartoffeln erschwert haben. Obwohl sich die Lage für die späten Kartoffelsorten in weiten Teilen der Bundesrepublik etwas entspannt hat, bietet die diesjährige Kartoffelernte sicherlich keinen Anlass zum Jubeln.

Hektarerträge zweistellig unter dem Vorjahresniveau

Kommen wir zu den für uns Landwirte äußerst spannenden Indikatoren – in diesem Falle, die Erträge pro Hektar.

Kurz gefasst heisst es in diesem Jahr: wenig Regen, wenig Ertrag.

Laut BMEL betragen die Hektarerträge im Bundesdurchschnitt rund 421 Dezitonnen pro Hektar. Das sind 11,2% unter dem Vorjahresniveau und 3,6% unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Die Diskrepanzen zwischen den jeweiligen Bundesländern sind ebenfalls bemerkenswert:

  • Niedersachsen (größte Anbaufläche): Erträge von 472 Dezitonnen pro Hektar, also Bundesdurchschnitt
  • Bayern (zweitgrößte Anbaugebiet): Ertragsrückgänge um mehr als 20%

Und, wie sieht es mit den Preisen aus?

Angebot runter, Preise hoch.

Sowohl die Erzeugerpreise, als auch die Verbraucherpreise liegen über 2014. Während sich die Erzeugerpreise nahezu verdoppelt haben, müssen Verbraucher ebenfalls tiefer in die Taschen greifen. Für Kleingebinde liegen die Preise ca. 25% höher als im letzten Jahr.

In der Landwirtschaft ist jedes Jahr anders. Mal haben wir eine Top Kartoffelernte und dann leidet der Weizen, die Zuckerrübe oder der Mais. Die Natur und die landwirtschaftlichen Zyklen sind auch heute noch in der High-Tech-Zeit schwer vorhersehbar.

Warum soll es nur an den Börsen Überraschungen geben? Wir würden uns doch auf dem Feld langweilen hätten wir nicht ab und zu auch mal ein paar Herausforderungen…

Wie sieht es mit der Kartoffelernte bei Euch aus? Habt Ihr die Anbauflächen reduziert oder unverändert gelassen?

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert