Zuckermarkt Zuckerrueben im Agrarbetrieb

NEWS: Zuckermarkt, Agrarexporte, Übernahmen

Trendwende am Zuckermarkt? Von wegen! Wer sich über die leichte Erholung der Preise gefreut hat, ist jetzt bitter enttäuscht. Die Preise schauen erneut in die ungewollte Richtung – und zwar nach unten. Der im August 2018 erreichte Preistief wurde heuer erneut erreicht. In London rutschten die Kurse unter 300 USD je Tonne Weißzucker. In New York gings mit den Rohrzuckerpreisen zeitweise sogar unter 11 Cent je lb.

Wieso fallen die Zuckerpreise weltweit weiter? Was steckt dahinter?

Steigen wir doch tiefer in die Materie ein und schauen auf die von der International Sugar Organization (ISO) aktuell veröffentlichten Zahlen.

  • Aktuelle Wirtschaftsjahr 2018/19: Zuckerüberschuss in Höhe von 1,7 Mio. Tonnen erwartet (frühere Prognose lag bei 1,8 Mio. t).
  • Prognose Wirtschaftsjahr 2019/20: globales Zuckerdefizit von 4,8 Mio. Tonnen.
  • Globalen Bestände sind sehr hoch; Zuckerüberschuss im Wirtschaftsjahr 2017/18 lag bei 7,3 Mio. Tonnen.
  • Zuckerproduzent #1 BRASILIEN: Die Produktion soll in 2019/20 auf 34,1 Mio. Tonnen steigen (+17,4%). Hinzu kommt, dass die Brasilianer die zollfreien Importe von Ethanol aus den USA von aktuell 600 Mio. Liter pro Jahr auf 800 Mio. Liter pro Jahr erhöhen; das könnte heissen Ethanol-Produktion aus Zuckerrohr runter und Zuckerproduktion hoch.
  • An der New Yorker Börse werden vermehrt Short-Positionen platziert; diese setzen die Zuckerpreise weiterhin unter Druck.
  • Zuckerproduzent #2 INDIEN: Die Produktion soll in 2019/20 aufgrund der Dürre und der verzögerten Monsunzeit auf 28 Mio. Tonnen (-15%) sinken. Aus Indien kommen jedoch zwei weitere Probleme, die die globale Entwicklung am Zuckermarkt stark beeinflussen: (1) die rekordhohen Zuckerbestände von geschätzten 14,2 Mio. Tonnen und (2) die Zuckersubventionen womit die indische Regierung Exporte von bis zu 6 mio. Tonnen Zucker in 2019/20 unterstützen will.
  • EUROPA: Auch hier müssen Zuckerbestände abgebaut werden. Derzeit geht man von einer kleineren Rübenernte (aufgund reduzierter Anbauflächen und der anhaltenden Dürre) und einer sinkenden Zuckerproduktion aus.

FAZIT: Demnach schrumpfen zwar weltweit die Produktion und Überschüsse, jedoch nicht genügend stark um den Preisverfall am Zuckermarkt aufzuhalten.

Rübenfahrer gesucht

Zuckerrüben fahren ist nicht einfach. Deshalb suche ich immer eifrig nach Kollegen die Lust haben mitzufahren und Teil einer besonderen Community zu werden.

Folgendes solltet Ihr wissen, wenn Ihr Euch auf diese Reise einlassen wollt.

EU weiterhin weltgrösster Agrar- und Lebensmittelexporteur

EU-Produkte punkten weiterhin mit ihrer Qualität und ihrem ausgezeichneten Ruf. Laut EU-Kommission liegt der Exportwert bei rund 138 Mrd. EUR, nur 0,2% weniger als in 2017. Damit behält die Gemeinschaft weiterhin den #1 Platz als weltgrößter Exporteur von Agrar- und Lebensmittelprodukten.

Was die Importe dieser Produktgruppe anbelangt, so sind diese in der EU um 1,4% auf 116 Mrd. EUR zurückgegangen. Damit liegt die EU nunmehr auf Platz #2 hinter den USA.

Positiv auf die Bilanz haben sich die zuletzt geschlossenen Handelsübereinkünfte mit folgenden Ländern ausgewirkt:

  • den Mercosur-Ländern => südamerikanisches Staatenbund bestehend aus fünf Mitgliedstaaten Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay, Venezuela und den assoziierten Mitgliedern Bolivien, Chile, Peru, Kolumbien und Ecuador
  • sowie mit Kanada, Mexico, Japan, Singapur, Südkorea und Vietnam.

Zudem lies uns der irische EU-Agrarkommissar Phil Hogan in seiner letzten Pressemitteilung wissen, dass die Verhandlungen mit Chile, Neuseeland und Australien gut voranschreiten.

Eine weitere Betriebsübernahme im Milchsegment

Hört man den Begriff Übernahme in unserer Branche, dann denkt fast jeder sofort an die Mega-Fusion Bayer-Monsanto.

Diesmal geht es um einen wesentlich kleineren Deal, jedoch nicht unbedeutend für die Milchbranche. Das Deutsche Milchkontor (DMK) übernimmt zum 1. Januar 2020 das holländische Joint Venture DV Nutrition bestehend aus DOC Kaas (Teil der DMK Group) und Volac vollständig.

Damit ist Volac komplett raus. Diese war für das Marketing und den Vertrieb aller DV Nutrition hergestellten Produkte zuständig. Nun übergehen die gesamten Vermögenswerte in den Besitz der DMK Group.

Was kostet dieser Deal?

Weder die DMK Group noch Volac haben sich zum Kaufpreis geäußert.

Die Wettbewerbsbehörden müssen noch ihre Freigabe erteilen.

220 Mio. EUR für eine 13.400 ha große britische Farm

Verkauft! Eine der bekanntesten und größten Farmen Englands hat seinen Besitzer gewechselt. Es handelt sich hier um die Strutt & Parkers Farm. Diese gehört fortan der Investmentgesellschaft „Robigus und Belport“.

Der Verkaufspreis lag bei 220 Mio. EUR. Ob das auch der Endpreis war, ist noch unklar. Fakt ist, die 100 Jahre alte englische Farm mit rund 13.400 ha Fläche befindet sich nun in den Händen von Investoren. Die Investmentgesellschaft hat ihren Sitz ebenfalls in Großbritannien. [Quelle: Farmers Weekly]

Kurz vor dem Brexit, so einen Deal abzuschliessen ist sicherlich sehr mutig. Was für den Kauf spricht aus Sicht europäischer Investoren die sich finanziell beteiligt haben, ist der billige Pfund.

Der Zuckermarkt im Wandel

Ich bin selbst Rübenbauer und „spüre“ daher die ganzen Veränderungen ‚live‘ sozusagen.

Das Wetter hat in den letzten beiden Jahren nicht ganz so mitgespielt. Die fallenden Preise an den Börsen in London und New York sorgen weiterhin für Spannung. Und die Tatsache, dass z.B. Indien getrieben von staatlichen Subventionen verstärkt aufs Export-Gaspedal drückt, macht die Sache auch nicht einfacher.

Die Konzentration im Agrarsektor geht weiter. Ich gehe davon aus, dass wir weitere Werksschließungen bzw. Übernahmen auch im Zuckermarkt bald wieder erleben werden.

Was glaubt Ihr? Rechnet Ihr mit einer Erholung am Zuckermarkt in 2020 oder geht’s weiter runter mit den Preisen?

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