Ökolandbau in Deutschland auf Wachstumskurs

Ökolandbau in Deutschland weiterhin auf Wachstumskurs

In wenigen Tagen starten die Öko-Feldtage in Frankenhausen bei Kassel und das Thema Expansion der ökologischen Landbaufläche in Deutschland wird sicherlich Top auf der Agenda sein. Das Wachstum im Ökolandbau hält weiter an. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland ist von 1,37 auf 1,52 Mio. Hektar gewachsen. Das entspricht einem Anstieg von 10,8%.

Bevor wir die aktuellen Strukturdaten zum Ökolandbau in Deutschland näher unter die Lupe nehmen, lasst uns schnell einen Blick nach Kassel werfen. Hier finden am 3. und 4. Juli auf den Flächen der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen die Öko-Feldtage 2019 statt.

Neben der Innovationsschau wo allerlei technische Neuheiten und Prototypen vorgestellt werden, gibt es mehr als 500 Demoparzellen und 50 Technikvorführungen aus den Bereichen Saatgut, Landtechnik, Betriebs- und Futtermittel und Beratung. Mehr als 300 Unternehmen, Verbände und Organisationen sind dabei.

Die Freilandmesse bietet zusätzlich auch vier ackerbauliche Diskussionsforen an, wo Ihr die neuesten Trends erfahren und Euch mit Gleichgesinnten austauschen könnt.

  • Forum QUERgedacht: hier geht’s um Politik.
  • Forum WEITERgedacht: diese richtet sich an die junge Zielgruppe und wird durch Studenten des Fachbereichs Öko­logische Agrarwissenschaften der Universität Kassel gestaltet.
  • BÖLN-Forum: hier gibt es Infos zum Umstieg; weiterhin werden aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert
  • Bio-Kompost Forum: hier dreht sich alles um das Thema Kompostierung

Von 20 auf 30. Mio. EUR – Die Förderinstrumente für den Ökolandbau in Deutschland wirken

Eine Geldspritze zeigt in den meisten Fällen Wirkung – so auch im Falle der Expansion ökologischer Landbauflächen.

Per 31.12.2018 betrug die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland 1,52 Mio. Hektar. In 2018 stieg der Umfang um 150.000 Hektar an. Der Flächenanteil Bio an Gesamt liegt derzeit bei 9,1%. Das sind ein Prozentpunkte mehr als im Vorjahr wo die Zahl bei 8,1% lag.

Derzeit wirtschaften 32.000 Betriebe ökologisch. Das entspricht einem Wachstum von 7,9%. Die Erhöhung der Fördermittel von jährlich 20 auf 30 Mio. EUR zeigt Wirkung.

Die Bundesagrarministerin Julia Klöckner erklärte, dass der Wunsch auf Biolebensmitteln umzusteigen nicht nur beim Verbraucher ausgeprägt sei, sondern immer mehr auch bei den Landwirten. Zudem betonte sie, dass der konventionelle Anbau immer nachhaltiger wird, während der Ökolandbau effizienter. [Quelle: Welt Newsticker]

Das Ziel 20% Ökolandbau bis 2030 rückt etwas näher. Die zehn Jahre sind schnell vorbei, d.h. im Schnitt muss jedes Jahr mindestens ein Prozent Wachstum her. Bleiben die Fördermittel auf dem gleichen Niveau bzw. werden diese sogar erhöht, dann ist das für viele sicherlich eine interessante Option.

Welches Bundesland hat die Nase vorn?

Welches Bundesland hat denn die meiste Ökofläche?

Mit 342.517 Hektar (VJ 314.182 ha) und ein Plus von 9% liegt Bayern weiterhin auf Platz #1. Auch die Anzahl der Ökobetriebe ist in Bayern mit 8.896 an erster Stelle.

Baden-Württemberg nimmt den zweiten Platz ein mit einer Ökofläche von 197.751 ha (VJ 165.640) und 8.344 Ökobetriebe. Den dritten Platz belegt Brandenburg mit 162.653 ha (VJ 155.431) und lediglich 753 Ökobetriebe.

Welches Bundesland hat die größte Flächensteigerung hingelegt?

Das größte Flächenwachstum gab es in Sachsen-Anhalt. Die Ökofläche liegt derzeit bei 93.973 (VJ 73.046) was einem Plus von 21.000 ha bzw. 28,7% entspricht. Auf Platz #2 mit einem Plus von 19% liegt Baden-Württemberg. Ebenfalls zweistellig wuchs die Ökofläche in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Bremen.

In welchem Bundesland befinden sich die meisten Ökobetriebe?

Bayern (8.896 Betriebe) belegt die Pole-Position gefolgt von Baden-Württemberg (8.344 Betriebe) und Hessen (1.938 Betriebe).

Welche Bundesländer belegen die letzten Plätze?

Wenn wir Berlin, Hamburg und Bremen ganz bewusst aus dem Ranking „entfernen“, dann sind es in punkto geringste Anzahl von Ökobetrieben die Bundesländer Saarland (227), Thüringen (319) und Sachsen-Anhalt (507).

Damit der Vergleich auch Sinn macht und wir nicht die kleinsten Bundesländer bestrafen, dann müssen wir unseren Blick ganz stark in Richtung Nordrhein-Westfalen lenken. In dem bevölkerungsdichtestem Bundesland Deutschlands (ex. Berlin / Hamburg / Bremen) nahm die Ökofläche weit unterdurchschnittlich zu. In NRW stiegt die Ökofläche um 3,4% auf 85.320 ha (VJ 82.487 ha) an.

Quellen: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Umstellung auf Ökolandbau

Soll ich als Landwirt auf Ökolandbau umsteigen oder nicht?

Diese Frage meine lieben Freunde und Kollegen muss jeder für sich selbst beantworten. Ihr wisst ganz genau, dass eine derartige Entscheidung nichts mit dem Medienhype oder irgendwelchen „grünen“ Versprechungen / Hoffnungen zu tun hat. Ganz klar, wir müssen etwas tun, um unsere Böden zu schützen sowie den Insekten und Bienen weiterhin ein tolles Zuhause anbieten zu können. Das steht außer Frage. Dafür setze ich mich u.a. auch mit meinem Blumenwiesenpatenschaften-Projekt stark ein.

Unsere Nachbarn aus Österreich haben beim Thema Ökolandbau, Bio und Bioware ganz eindeutig die Nase vorn. In der aktuellsten Ausgabe der Studie „The World of Organic Agriculture“ aus 2019 liegt Österreich mit 24% Bioanteil an der Gesamtlandwirtschaftsfläche auf den zweiten Platz in Europa, gleich nach Liechtenstein mit 37,9% und auf Platz drei weltweit. Samoa belegt mit 27,6% den weltweit zweiten Platz. [Quelle: Research Institute of Organic Agriculture (FiBL), FiBL Yearbook „The World of Organic Agriculture“]

Jeder von uns der in Österreich Urlaub macht, egal ob in den Bergen oder sich mal in Wien auf eine Städtereise begibt, weiss wie stolz die Österreicher auf ihr Bio sind. Und das mit Recht, denn ein Viertel Ökofläche von der Gesamtlandwirtschaftsfläche ist ein Wahnsinns-Ergebnis. Zur Wiederholung: wir hier in Deutschland, streben bis 2030 die 20%-Marke an. Tja, unsere Bio-Nachbarn werden bis dahin sicherlich schon in Richtung 40% unterwegs sein. Es bleibt spannend.

Habt Ihr auf Ökolandbau umgestellt? Was waren Eure größten Herausforderungen dabei?

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