Pflanzenvielfalt in Deutschland - Agrarbetrieb

Pflanzenvielfalt in Deutschland verzeichnet Negativrekord

Die bisher umfassendste Studie zur Pflanzenvielfalt in Deutschland zeigt ein absolut düsteres Szenario auf: bei über 70% der mehr als 2.000 untersuchten Arten sind in den letzten 60 Jahren Rückgänge zu verbuchen. Die Flora-Diversität nimmt in Deutschland ab.

Das wir in Deutschland ein gewaltiges Problem in punkto Artenvielfalt haben, ist mir als Landwirt bereits seit Längerem bekannt. Das die Lage jedoch derart allarmierend ist, überrascht mich jedoch auch. Umso wichtiger finde ich derartige Studien, die den Ernst der Lage ganz präzise aufzeigen. Denn wir alle müssen unbedingt etwas dagegen tun; auf die Politik warten, hilft nicht.

29 Millionen Daten zur Verbreitung von Gefäßpflanzen in Deutschland flossen in die bislang umfassendste Analyse ein. Demnach wurden 2136 der gut 4300 etablierten Pflanzenarten hierzulande in die Berechnung mit aufgenommen. Pflanzenarten mit einer sehr geringen Meldehäufigkeit wurden nicht berücksichtigt.

An der Studie beteiligte sich ein Forscherteam bestehend aus mehreren Institutionen:

  • Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
  • Die Universitäten Rostock, Halle und Jena
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
  • Naturschutzbehören aller 16 Bundesländer

Ade Pflanzenvielfalt, Hello Monokulturen

Das was Naturliebhaber schon immer befürchtet haben, rückt näher.

Wollen wir wirklich, dass das „Blumen-Layout“ unserer Felder im Norden und Süden sich angleicht? Wo bleibt der Reiz und die Attraktivität der Vielfalt? Wer hat schon Lust bundesweit die identischen Kräuter wiederzufinden? Steuern wir mit Vollgas auf eine öde Landschaft zu?

Die Ergebnisse der aktuellen Studie sollten wir ernst nehmen:

  • „Schleichender Biodiversitätsverlust„. Seit 1960 haben die rückläufigen Arten Einbußen von durchschnittlich 15% verzeichnet.
  • Rückgänge sind nicht nur auf seltene bzw. gefährdete Arten beschränkt.
  • Archäophyten sind die großen Verlierer. Dies sind Pflanzenarten die vor der Entdeckung Amerikas nach Deutschland gelangten wie z.B. die Saat-Wucherblume, der Echte Frauenspiegel oder der Gute Heinrich.
  • Neophyten nehmen zu. Pflanzenarten die nach der Entdeckung Amerikas in 1492 unser Land erreicht haben wie z.B. das Schmalblättrige Greiskraut, breiten sich aus.
  • Verluste können nicht kompensiert werden. Die Zunahme der Neophyten kann die dramatische Reduzierung der Archäotypen pro Flächeneinheit nicht ausgleichen.

Die dramatische Lage könnte gravierende Auswirkungen auch auf andere Bereiche und Systeme haben. Seit Jahren weisen wir auf das Bienen- und Insektensterben hin. Auf die Themen Nährstoffmangel und Bodenqualität machen wir ebenfalls immer wieder aufmerksam. Wir leben in komplexen Ökosystemen, wo uns die Ursachen und Wirkungen teilweise völlig unklar sind.

Wer glaubt, dass eine Reduzierung der Pflanzenvielfalt keine Auswirkungen auf die Tierwelt (insb. Bienen und Insekten) und auch auf uns Homo Sapiens hat, lebt völlig illusorisch.

Die menschliche Ignoranz gegenüber den vielschichtigen Beziehungen auf diesem Planeten wird uns eher früher als später in Form eines Boomerangs serviert werden.

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

– – Albert Einstein

Was tun, um die Pflanzenvielfalt aufrecht zu halten?

OK, den Ernst der Lage haben wir erkannt.

Was nun? Welche Lösungsansätze liegen uns vor? Wie kommen wir aus diesem Schlammasel wieder raus?

Die Studie führt uns die Tatsache vor Augen, dass dies kein regionales sondern ein bundesweites Phänomen ist. Kein Bundesland kann sich also aus der Verantwortung herausziehen. Da Land- und Forstwirtschaft rund 80% der Flächen in Deutschland ausmachen, fordert das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das genau hier an dieser Steller angesetzt wird.

„Naturveträgliche Nutzungsformen sind dringend geboten.“

– – Prof. Dr. Beate Jessel, BfN-Präsidentin (BfN)

Ein weiterer Ansatz der BfN ist die Verbesserung der Datenerfassung und des Monitorings, denn im Gegensatz zu seltenen Pflanzenarten, deren Bestände recht gut untersucht werden, fällt dies im Falle mittelhäufiger und häufiger Arten eher mau aus. Damit soll quasi ein sog. Frühwarnsystem geschaffen werden, das die schleichenden Verluste in punkto Biodiversität rechtzeitig aufzeigt.

QUELLEN

  • Eichenberg D., Bowler D. E., Bonn A., Bruelheide H., Grescho V., Harter D., Jandt U., May R., Winter M., Jansen F. (2020): „Widespread decline in central European plant diversity across six decades“; Global Change Biology. 2020 Dec 16. DOI: 10.1111/gcb.15447
  • Online lesbar auf Wiley Online Library
  • Online verfügbar auf PubMed

Blumenwiesenpatenschaften als Lösungsansatz

Ich bin ein großer Naturliebhaber und lege enormen Wert auf Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft.

In einer Welt dominiert von Konzernen und getrieben von Profit, wo marketingtechnisch viel Geld dafür ausgegeben wird, um „nachhaltig“ rüberzukommen, kämpfen kleine Familienbetriebe ums Überleben. Das was mehrere Generationen aufgebaut haben, wird von Politik, Wirtschaft und Co. zusehends mit den Füssen getreten. Die Gier ist grenzenlos. Respekt, Wertschätzung und Liebe für alles was uns umgibt, absolute Fremdwörter.

Seit mehreren Jahren versuche ich mit meinem Projekt „Blumenwiesenpatenschaften“ eine Alternative für alle diejenige zu bieten, die ein Herz für Flora und Fauna in Deutschland haben und bereit sind etwas FÜR die Artenvielfalt hierzulande zu tun. Durch die Teilnahme an diesem Projekt, zaubert jeder von Euch ein Stückchen Paradies für Bienen, Hummeln und Insekten zurück. Die Felder sind bunt und die Krabbeltiere fühlen sich pudelwohl.

Statt immer zu kämpfen, sollten wir lieber den Freiraum dafür erschaffen, dass sich die Natur selbst erholt.

Die selbstheilenden Kräfte unseres Planeten darf man nicht unterschätzen. Umso wichtiger ist es für mich eine Blumenoase zu kreieren, die nicht nur unser Herz höher schlagen lässt, sondern gleichzeitig auch unser Ökosystem nachhaltig unterstützt.

Wie können wir den Rückgang der Pflanzenvielfalt in Deutschland aufhalten? Noch wichtiger sogar: wie können wir diese Vielfalt steigern?

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