Roboterbienen und Honigbienen

Roboterbienen sollen uns aus der Patsche helfen

Letztes Jahr im April schrieb ich zum ersten Mal einen Artikel über Roboterbienen. Den Anlass gab mir der amerikanische Einzelhandelsriese Walmart, der als erster ein Patent auf Roboterbienen anmeldete. Der dramatische Rückgang der Bienenpopulation in mehreren Ländern der Welt hat Wissenschaftler dazu gebracht, einen Plan B zu entwickeln. Ein Aussterben der Bienen hätte fatale Folgen.

Artenschutz, Biodiversität, Blühstreifen, Volksbegehren – vor ein paar Jahren noch Wörter die hier und da anzutreffen waren, heute bereits in aller Munde.

Mit dem Slogan „Rettet die Bienen“ ziehen jetzt ein Bundesland nach dem nächsten in den „Krieg“. Die Stimme der Bürger und Kollegen aus der Landwirtschaft wird immer lauter. Ignorieren tun es mittlerweile auch die Politiker nicht mehr, spätestens seit dem Debakel mit den EU-Wahlen, wo die Grünen so richtig abgeräumt haben.

Es geht mir hier nicht um politische Statements, denn davon haben wir alle genug. Es geht mir darum, mit Hilfe unserer landwirtschaftlichen Flächen ein buntes und gesundes Ökosystem, eine sogenannte „Wohlfühloase“ für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Würmer und Käfer aller Art und Couleur zu kreieren. Deshalb habe ich u.a. auch die Intitiative der Blumenwiesenpatenschaften ins Leben gerufen.

„Die deutschen Bauern haben im vergangenen Jahr mehr als 200.000 km Blühstreifen als Nahrung für Bienen und zum Erhalt der Artenvielfalt angelegt. Wir wissen, dass auch wir unseren Teil zum Artenschutz beitragen müssen. Deshalb werden es in diesem Jahr sicherlich noch deutlich mehr Blühflächen werden“ so Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes.

Quelle: Deutscher Bauernverband

Die Aktion „Rettet die Bienen“ hat super funktioniert. Jetzt heisst es, das Ganze auch auf europäischer Ebene auszurollen. Dafür sind 1 Million Unterschriften aus 7 EU-Ländern nötig.

Die EU-Kommission hat die Bürgerinitiative „Rettet die Bienen“ letzten Monat, am 27. Mai 2019 registriert. Jetzt heisst es ganz fleissig Unterschriften sammeln. Die Organisatoren haben dafür ein Jahr Zeit.

Zu den wichtigsten Zielen dieses Volksbegehrens zählen:

  • Lebensräume für Bienen und Insekten schaffen / erhalten / verbessern
  • den Einsatz von Pestiziden stark reduzieren bzw. gefährliche Pestizide gänzlich verbieten
  • Schutzgebiete etablieren
  • Strukturvielfalt in Agrarlandschaften fördern
  • die Förderung der Biodiversität zum Top Ziel der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden zu lassen.

Quelle: Europäische Kommission

Wissenswertes über Bienen

Am 20. Mai hat zum ersten Mal der #Weltbienentag der Vereinten Nationen stattgefunden. Die Initiative wurde vom slowenischen Landwirtschaftsminister Dejan Židan ins Leben gerufen. Deutschland agierte als starker Partner und Unterstützer der Intitiative.

Ein paar Daten und Fakten zu Bienen:

  • Rund 80% der Pflanzen die unsere Nahrung sichern, müssen bestäubt werden.
  • Die geschätzte Bestäubungsleistung liegt jährlich bei 2 Mrd. EUR.
  • Es gibt 20.000 Bienenarten weltweit.
  • In Deutschland leben 560 Bienenarten.
  • Jeder Deutsche isst 1 kg Honig pro Jahr.
  • Bienen legen 240.000 km für 1 kg Honig zurück.
  • 135.000 deutsche Imker halten rund 900.000 Bienenvölker.
  • Fünf Bienenlieblings-Pflanzen: Apfelbäume, Löwenzahn, Astern, Weide, Winterheide (Erica)

Quelle: BMEL

Honig direkt aus dem Bienenstock zapfen

Zwei australische Bienenzüchter, Sohn Cedar und Vater Stuart Anderson haben die Art und Weise wie wir Honig ernten revolutioniert. Imker auf der ganzen Welt dürften sich freuen, denn das was früher mühselig und wenig gewinnbringend war, ändert sich jetzt mit der Hilfe eines Zapfhahns.

Honigernte FRÜHER: Erst mussten die Bienen verlegt werden, um anschließend den Honig aus den Waden zu schleudern. Nicht vergessen sollten wir auch die aufwendige „Kostümierung“ vor jeder Honigernte.

Honigernte HEUTE: Das alles ändert sich mit dem Zapfhahn – der Goldsaft fliesst jetzt direkt von der Wabe ins Glas. Weiterführende Infos findet Ihr auf Flow Hive.

Quelle: Zoomin.TV Deutschland, YouTube

Teamwork mal anders – Roboterbienen unterstützen Honigbienen bei der Bestäubung

Mini-Drohnen schwärmen aus und erledigen die Arbeit von Honigbienen. Das was wir vor ein paar Jahren in Science-Fiction oder Horror-Filmen gesehen haben, ist Realität geworden. Wissenschaftler sind sich sicher: mit Hilfe von AI (Artificial Intelligence, deutsch künstliche Intelligenz) lässt sich in punkto Roboterbienen noch sehr viel machen.

Das Ziel ist klar: die kleinen und mit mit Hilfe von AI, klugen künstlichen Bestäuber sollen so wie ihre Amtskollegen, die Fremdbestäubung übernehmen. Es geht also um die Übertragung von Pollen vom männlichen Pflanzenteil (Antheren) zum weiblichen Pflanzenteil (Stigma).

Die Bewegungen der Bienen sind äußerst komplex. So kommt es, dass die Tech-Herausforderungen wie z.B. Flugweite, Energiespeicher, Beweglichkeit oder Vernetzung derzeit noch recht groß ausfallen.

RoboBee – das Ergebnis von 12 Jahren Forschung

Die Roboter-Biene RoboBee wurde von Wissenschaftlern des Wyss Institute der Harvard University aus den USA entwickelt. Die clevere Mini-Drohne ist halb so groß wie eine Büroklammer und kann sogar vom Schwimmen unter Wasser zum Fliegen übergehen.

Die Idee der Amerikaner bei der Entwicklung der RoboBees war folgende:

  • Erschaffung autonomer Roboterbienen,
  • die eigenständig und selbstgesteuert fliegen,
  • in Kolonien ein koordiniertes Verhalten aufweisen
  • und damit eine effektive Einheit bilden.
Quelle: National Science Foundation, YouTube

Erkenntnisse von Roboterbienen aus Holland und China

In den Niederlanden testen Wissenschaftler der Technischen Universität Delft den Einsatz von Roboterbienen in Gewächshäusern. Dabei setzt das Forscherteam ein besonderes Augenmerk auf das Lernen von „echten“ Fliegen und Bienen. Dies liegt auch u.a. daran, dass das derzeitige Roboterbienen-Modell nur 6 Minuten oder 1 km fliegen kann. Da gibt’s noch jede Menge noch dazuzulernen.

In China durften Drohnen gegen Landarbeiter antreten. Auf der einen Seite bestäubten Landarbeiter Apfelbäume von Hand mit kleinen, in Pollentöpfe getauchten Pinseln und auf der anderen Seite kamen High-Tech-Bestäuber zum Einsatz. Zwar muss noch vieles optimiert und verbessert werden, insb. im Bereich Steuerung, aber erste Ergebnisse die in der Zeitschrift Agricultural Science and Technology veröffentlicht wurden, sind sehr vielversprechend.

Eure Meinung

Werden sich Roboterbienen durchsetzen und uns tatsächlich unterstützen können? Sollten wir nicht lieber viel mehr für unsere „natürlichen“ Freunde tun, damit auch die nachfolgenden Generationen echte Insekten und Bienen kennenlernen? Das eine schliesst ja das andere nicht aus, oder doch? Bevorzugt Ihr lieber ein Mix aus echt + künstlich?

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