Sikkim – der erste 100-prozentige Bio-Bundesstaat der Welt

Sikkim – der erste 100-prozentige Bio-Bundesstaat der Welt

Ein Bundesstaat welches zu 100% aus Öko-Landwirtschaft besteht. Keine Pestizide. Keine chemische Dünger. Der indische Bio-Bundesstaat Sikkim gewann in 2018 den prestigeträchtigen Future Policy Gold Award der UNO für Ernährung und Landwirtschaft (FAO).

Wie erfolgreich ist denn das Experiment welches 2003 in Indien startete? Sind die Konsumenten bereit für gesundes Obst und Gemüse tiefer in die Taschen zu greifen? Lässt sich dieses Modell auch anderswo auf der Welt implementieren?

Sikkim liegt im Nordosten Indiens, in der wunderschönen Region des Himalaya-Gebirges, der an Bhutan, Tibet und Nepal grenzt. In 2003 führte der Staat als erstes in ganz Indien, den ökologischen Landbau ein. Chemische Düngemittel, Pestizide und Gentechnik wurden per Gesetz verboten. Aus der Resolution entstand die „Sikkim Organic Mission“ mit dem Hauptziel, die Bevölkerung und Landwirte über die Vorteile von Bio-Landwirtschaft mittels Schulungs- und Aufklärungsprogramme zu informieren.

DAS ERGEBNIS:

Die rund 66.000 Bauern nutzen pflanzliche Insektenschutzmittel, Kompost und organische Dünger. Dies wiederum führte zu einer Erholung von Flora und Fauna mit einer Zunahme der Wildtier- und Bienenpopulationen, so die lokalen Behörden.

Der nachfolgende Videobeitrag mit dem Titel „Die Öko Rebellen vom Himalaya“ der auf phoenix ausgestrahlt wurde, zeigt die Parallelen zwischen Sikkim auf und das was in punkto Öko-Landbau bei uns in Deutschland passiert.

Quelle: phoenix, YouTube

Ein Bio-Bundesstaat und seine Herausforderungen

Sikkim gilt weltweit als Vorzeigeland. Inwieweit sich das Konzept auf große Biohöfe und groß angelegte Bio-Ackerflächen übertragen lässt, ist noch nicht ganz schlüssig. Jeder der in der Bio-Landwirtschaft tätig ist, weiss was es heißt, vom konventionellen Anbau auf Bio umzusteigen.

Genau das passierte in Sikkim in den ersten Jahren nach der Umstellung — während einige Bauern mit Ernteausfällen kämpfen mussten, misslang bei anderen der Anbau komplett.

Dem von der konventionellen Landwirtschaft „ausgebeuteten“ Boden fehlten die Nährstoffe. Ohne synthetische Dünger tat sich der Boden schwer. Als Landwirt weiss ich nur allzu gut, dass es einige Jahre braucht, bis sich der Boden von der konventionellen Landwirtschaft erholt.

Kaum gelang die Ernte klopfte sozusagen schon die nächste Herausforderung an der Tür: die Konsumenten. Denn diese hatten die Wahl: importiertes Obst und Gemüse aus anderen Regionen, meist aus konventioneller Landwirtschaft oder Bio-Gemüse / -Obst vom heimischen Bauer. Wie so oft, ist die importierte Ware schöner, größer, farbenfroher und günstiger, was dazu führt, dass die Bio-Anbauer aus Sikkim jede Menge Verkaufsstrategien anwenden müssen, um die Käufer von ihrer Ware zu überzeugen.

Während die erste Herausforderung durch z.B. staatliche Unterstützung gelöst werden kann, um Ernteausfälle auszugleichen und die Existenz der Bauern zu sichern, gestaltet sich der zweite Punkt etwas schwieriger. Wenn Konsumenten nicht bereit sind, für gesunde jedoch nicht ganz so perfekte Ware etwas mehr zu bezahlen, dann stellt sich die Frage, ob dieses Projekt langfristig funktionieren wird.

Quellen und weiterführende Informationen:

Sikkim Organic Mission, Sikkim State Organic Certification Agency, Future Policy Award 2018

Kann ein ähnliches Modell auch in Deutschland umgesetzt werden?

Auch hierzulande greifen immer mehr Menschen auf Bioware zu und möchten sich gesund ernähren. Das was es einst fast exklusiv nur in Reformhäuser zu kaufen gab, steht jetzt in jedem Supermarkt im Regal.

Die Nachfrage ist definitiv da und anders als in Indien, haben die Konsumenten im DACH-Raum etwas mehr Geld im Portmonnaie. Ob sie auch bereit sind für heimisches Obst und Gemüse mehr zu bezahlen, lässt sich am besten auf den jeweiligen lokalen Märkten beobachten.

Ich betreibe sowohl Bio- als auch konventionelle Landwirtschaft daher verstehe ich die Vor- und Nachteile beider Modelle sehr gut. Meine Aroniaplantage ist bio-zertifiziert. Die jeweiligen Produkte vermarkte ich unter dem Markennamen Frankenaronia. Hier geht’s zum Shop für alle Interessierte: FRANKENARONIA.

Während Österreich mit etwa 26% Bioflächenanteile eine Vorreiterrolle in der EU einnimmt, tummeln wir uns mit ein paar Prozentpunkten eher im hinteren Bereich der Statistik. (Quelle: statista).

Nun zu meiner Antwort auf die obige Frage:

Meiner Meinung nach hat unser Nachbarland Österreich sehr gute Chancen eins (oder sogar mehr) seiner Bundesländer in 100% Bio-Bundesstaaten zu transformieren. Die aktuellen Zahlen sprechen Bänder, genauso wie die Bereitschaft der österreichischen Bauer und Bürger diesen ersten Platz in der EU zu behalten und sogar auszubauen.

In Deutschland gestaltet sich das Ganze viel schwieriger. Das Argument, dass wir ein viel größeres Land sind als Österreich mit 10x mal mehr Einwohner zieht nicht so ganz. Immerhin startete das Experiment in Indien und da können wir uns nun wirklich nicht hinstellen und sagen, „wir sind ein großes Land mit einer hohen Einwohnerzahl“. Da würde uns jeder Inder auslachen; zurecht auch.

Nach zahlreichen Gesprächen mit österreichischen Kollegen, fallen zwei Punkte auf, wo unsere Nachbarn ein absolut Klasse Job machen:

#1. Unterstützung für Familienbetriebe

#2. Kooperationen / Strategische Allianzen / Genossenschaften – es gibt viel mehr „Miteinander“ und weniger „Gegeneinander“

Da ich Informationen aus erster Hand mit Euch teilen möchte, werde ich an dieser Stelle die Schweizer auslassen. Leider habe ich weniger Kontakte zu Schweizer Landwirte und kann deshalb nicht so gut beurteilen, wie die dortige Lage im Vergleich zu Deutschland ist.

Österreich, Deutschland oder Schweiz: Welches Land wird das erste Bio-Bundesstaat im DACH-Gebiet etablieren?

Bildquelle: Foto von Free-Photos auf Pixabay

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