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Metaverse und Landwirtschaft: Wie vermarkten wir in der Zukunft?

Metaverse und Landwirtschaft: Wie vermarkten wir in der Zukunft?

Ob Facebook, Instagram oder Twitter in 10 Jahren noch hier sein werden ist unklar; eins wird sich definitiv verändern: die Art und Weise wie wir unsere Produkte bzw. Dienstleistungen vermarkten. Die entstehende Metaverse zwingt jeden von uns anders zu denken und zu interagieren. Diejenigen die nicht bereit sind von einer festen zu einer Wachstums-Denkweise zu switchen, werden sich zukünftig extrem schwer tun.

Alles um uns herum bricht zusammen. Die Systeme die Jahrzehnte und gar Jahrhunderte funktionierten, haben ausgedient. Diejenigen die das nicht sehen oder sehen wollen werden auf der Strecke bleiben. In den kommenden Jahren wird auf vielen Ebenen Chaos herrschen, was ich persönlich für etwas Positives halte, denn nur dann können wir etwas Neues kreieren, das die Menschheit in seiner Denkweise und vor allem spirituell voranbringt.

In den letzten Jahren haben wir uns in eine konfuse Konsumgesellschaft gewandelt, die geprägt war von Lebensmittelverschwendung, einer sinnlosen Anhäufung unzähliger Elektro- und Mobilgeräte und starker Einsamkeit. So kann eine Gesellschaft nicht funktionieren auch wenn Banken, Pharmagiganten und Großkonzerne wie Amazon, Google, Microsoft oder Facebook die besten Jahre ihrer Existenz verzeichnen. Diese Entwicklung ist ungesund und das spüren immer mehr wahre Seelen auf diesem Planeten.

Für mich als Landwirt, der sehr eng mit der Natur verbunden ist und das externe Fiasko oft quasi aus der Ferne beobachten durfte, war schon immer klar, dass es so nicht mehr lange gehen würde.

Insbesondere in den Großstädten verbringen die Menschen ihr ganzes Leben in einer sogenannten Kiste. Sie wohnen in einer Kiste (Apartment), sie fahren zur Arbeit in einer Kiste (Auto), sie sitzen den ganzen Tag am Schreibtisch in einer Kiste (Büro), sie essen zu Mittag aus einer Kiste (Lunch-Box), sie gehen Sport machen in eine Kiste (Fitnessstudio) und abends setzen sie sich auf die Couch und kucken in eine Kiste (Fernseher). Die Natur bleibt aus und vor und so bricht auch die einst sehr enge Verbindung zwischen Mensch und Natur. Das was einst normal war, rückt im Leben des modernen City-Menschen immer mehr in die Ferne.

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten: Immer mehr Menschen wachen auf und stellen fest, dass es so nicht mehr weiter geht. Und das allerbeste kommt noch: sie wollen auch nicht mehr in die alten Denk- und Lebensweisen zurück kehren. Sie wollen etwas Neues, Besseres und vor allem Lebenswerteres kreieren. Sie wollen wieder im Einklang mit Mutter Natur leben.

Wie manifestiert sich das?

Es wird regional und saisonal auf dem Wochenmarkt, beim Bauer oder im naheliegenden Hofladen eingekauft. Statt auf Antibiotika zurückzugreifen wird auf Kräutertees, Honig (insb. Manuka-Honig) und andere Hausmittel gesetzt. Man ist eher bereit einem stressige Job den Rücken zu kehren und sich auf seine Talente und Passion zu fokussieren. Die Kommunikation mit anderen Gleichgesinnten gewinnt an Intensität und es entstehen neue Communities die ganz anders „ticken“. Hektik und Stress werden bewusst wahrgenommen und durch inneren Frieden substituiert.

Die Transformation ist im vollen Gange und das ist eine fantastische Sache.

Was hat es mit der Metaverse auf sich?

Zum ersten Mal tauchte der Begriff Metaverse in einem Science-Fiction-Roman auf. In 1992 veröffentlichte der Autor Neal Stephenson sein Buch „Snow Crash“ in dem er eine virtuelle Realität beschreibt, in der Menschen als dreidimensionale Avatare miteinander und mit Software-Agenten interagieren.

Das Konzept wurde seitdem weiter ausgearbeitet und verfeinert. Neben Hollywood fand der Begriff vor allem in Silicon Valley, Seattle und anderen Tech-Hochburgen jede Menge Anhänger. Die Metaverse repräsentiert demnach eine Zukunft bestehend aus einem Mix aus virtuellen Welten und verschiedenen Elementen der echten Welt — und das ohne jeglichen Grenzen.

Noch können sich wenige Mitbürger diese „Realität“ in Aktion vorstellen aber das wird sich ändern.

Es gibt Branchen die dies schon recht gut in ihre Strategien bzw. vielmehr in ihr Dasein integriert haben, u.z. sind das die Gaming-Industrie und die Modebranche mit ihren virtuellen Outfits. In der Businesswelt gilt der Einsatz digitaler Hologramme im Meetingraum als etwas seltsames und außergewöhnliches aber auch dies wird sich in den kommenden Jahren normalisieren.

Falls Ihr zum ersten Mal von dem Begriff Metaverse hört, macht Euch keine Sorgen. Es ist ein recht neues Konzept was jedoch mehr und mehr in das Mainstream strömt. Die entsprechenden „Einrichtungen“ werden in den kommenden Wochen und Monaten sicher darüber berichten müssen, da die Anhänger dezentraler Blockchain-Technologien dafür sorgen werden, dass die Massen davon erfahren — was erneut eine gute Sache ist.

Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Einen Vorgeschmack auf das was auf uns zukommt, erhalten unsere jungen und Erwachsenen Landwirte die gerne Videospiele spielen heute schon. Zwar ist das nicht die Metaverse von der ich spreche, sondern nur ein winziger Teil davon, aber sie sind dieser neuen Welt schonmal ansatzweise ausgesetzt worden. Hoffentlich wird es ihnen dann leichter fallen (aber nicht unbedingt), diese neue Realität zu verstehen, wenn alle Komponenten miteinander verbunden sind.

Wir können uns mit den Händen und Füssen davor wehren, dass wir zusehends in eine immer vernetzteren Welt steuern, das hilft jedoch nicht. Vielen alteingesessenen Landwirten wird dies schwer fallen und trotzdem hoffe ich, dass zahlreiche meiner Mitgenossen nicht auf der Strecke bleiben, sondern vielmehr ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie wir die neuen Technologien positiv (Schlüsselwort!) mit der Natur in Einklang bringen, damit die menschliche Spezies von guten und schönen Erfahrungen in dieser 3D-Welt inspiriert wird.

Das ist der Grund weshalb ich derartige Themen aufgreife und Euch hier auf Agrarbetrieb näher bringen möchte. Ich glaube an das Gute im Menschen und möchte zusammen mit Euch eine bessere und lebenswertere Zukunft schaffen, wo wir endlich alle miteinander verbunden sind.

Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Branche sehr gut mit der Metaverse co-existieren kann. Sicherlich werden autonome Maschinen vieles auf unseren Feldern revolutionieren und uns dazu zwingen, die Ackerfelder cleverer zu bearbeiten. Wir werden unser Gehirn stärken nutzen müssen und wir werden endlich kreativer sein dürfen. Wenn sich das ganze nicht mehr nur auf die eine Komponente namens „Profit“ ausrichten wird, dann werden unsere Felder bunter und variierter aussehen als heute. Mono-Kulturen sind ein Weg das in die Sackgasse führt. 30cm lange, geradlinige Gurken, perfekte Möhren und gleichaussehende Äpfel ohne Geschmack haben ausgedient.

Wir leben auf einem großartigen Planeten der nur so strotzt von Ressourcen. Die Erde kennt das Wort „Mangel“ nicht. Fauna und Flora kennen nur ein Wort: „Wachstum“. Der Natur den Rücken kehren bzw. schlimmer noch, immer wieder versuchen die Natur zu verändern ist vollkommen dumm. Wir müssen Mutter Natur respektieren und ihr zuhören. Wenn wir das tun, dann können wir ein fantastisches Co-Habitat entwickeln. Dafür benötigen wir keine Kontrollsysteme wie z.B. Regierungen, Polizei, Militär und Co.

Habt keine Angst vor dem Chaos und vor dem was auf uns zurollt. Ganz im Gegenteil, ergreift die Initiative und kreiert das was IHR wollt.

Denkt immer daran: Chaos ist der beste Ort, von dem aus man etwas erschaffen kann.

Lasst uns die Metaverse gemeinsam so gestalten, wie wir sie wollen. Behaltet Eure Macht, gibt sie nicht ab. Ihr seid spirituelle Wesen in einem 3D-Kostüm. Lasst Euch daher bitte nicht vom Kostüm blenden. Bleibt stark.

Bildquelle: Foto von Joshua Sortino auf Unsplash

Blockchain in der Landwirtschaft

Blockchain in der Landwirtschaft und im Lebensmittelsektor

Bei dem Begriff Blockchain denken die meisten sofort an Bitcoin, Litecoin und Ethereum. Es stimmt, alle diese Kryptowährungen basieren auf Blockchain-Technologie und digitale Signaturen aber das dezentrale „Peer-to-Peer“-Prinzip lässt sich auf fast alle anderen Branchen übertragen.

Die Blockchain wird im Lebensmittel- und Landwirtschaftssektor bis 2023 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 47,8% hinlegen. Der Sektor wird von 60,8 Millionen US-Dollar in 2018 auf schätzungsweise 429,7 Millionen US-Dollar in 2023 wachsen, so ein aktueller Bericht von ReportLinker.

Alleine in Deutschland landen jährlich rund 11 Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll. Weltweit sind es gemäß der Welternährungsorganisation FAO 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel pro Jahr, also ein Drittel der globalen Lebensmittel, die verloren gehen. Diese enorme Verschwendung soll durch den Einsatz von Blockchain gestoppt werden. Es soll für Transparenz in der Lieferkette sorgen.

Blockchain 101: Was steckt dahinter?

Starten wir am besten mit der Definition.

Eine Blockchain (Blockkette) ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, „Blöcke“ genannt, die mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind. Jeder Block enthält dabei typischerweise einen kryptographisch sicheren Hash (Streuwert) des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten.

Wikipedia

Das ganze nochmal für alle Non-Techies, denn es ist auch so schon kompliziert genug:

Bei der Blokchain werden Daten dezentral über beliebig viele lokale Server gespeichert. Ein Datenbündel muss sich erst einer kollektiven Überprüfung unterziehen, bevor es als „Block“ mit einer verschlüsselten Signatur dem Datenstrang hinzugefügt wird. Und genau diese Vorgehensweise macht es Hackern derzeit unmöglich, die Blockchain zu knacken.

Wieso wird diese Technologie so schnell adoptiert? Wo liegen die Vorteile?

Wir haben einerseits das Login-basierte System und andererseits das Blockchain-System – bei der Zweiteren fällt der Mensch als Gefahrenquelle weg. Demnach hat Blockchain in punkto Sicherheit ganz klar die Nase vorn.

Da die Daten von allen autorisierten Teilnehmer einer Wertschöpfungskette fast in Echtzeit abgerufen werden, weiss jeder was sich wo befindet. Das spricht für eine erhöhte Transparenz.

Das Verfahren der kryptografischen Verkettung in einem dezentral geführten Buchführungssystem ist die technische Basis für Kryptowährungen, kann aber darüber hinaus in verteilten Systemen zur Verbesserung bzw. Vereinfachung der Transaktionssicherheit im Vergleich zu zentralen Systemen beitragen. Eine der ersten Anwendungen von Blockchain ist die Kryptowährung Bitcoin.

Wikipedia

Die 3 wichtigsten Vorteile kurz im Überblick:

  • dezentral
  • sicher
  • transparent

Blockchain im Lebensmittelmarkt

Die ganzen Lebensmittelskandale der letzten Jahre haben das Vertrauen der Verbraucher in den Handel und der jeweiligen Big Brands etwas schwinden lassen. So dürfte es keinen wundern, dass nahmhafte Lebensmittelunternehmen wie Walmart, Carrefour, Nestle, Coca-Cola, Univeler usw. angefangen haben Blockchain zu nutzen, um die Lebensmittelsicherheit und -integrität zu erhöhen.

Ein paar Beispiele:

  • Walmart, Kroger und andere US-Handelsriesen haben sich mit IBM zusammengeschlossen, um Blockchain-Systeme in ihre Wertschöpfungsketten zu integrieren
  • Die französische Handelskette Carrefour nutzt Blockchain, um die Herkunft der Lebensmittel zurückzuverfolgen
  • The Grass Roots Farmers Kooperative nutzt Blockchain, um zu verfolgen, wie Tiere gezüchtet werden
  • Coca-Cola setzte Blockchain ein, um Zwangsarbeitsfälle in der Zuckerrohrlieferkette zu identifizieren

Eine besonders wichtige Rolle spielt die Blockchain-Technologie bei der Identifizierung von Ineffizienzproblemen und der Offenlegung von Produktions- und Lieferinformationen. Aber bis die gläserne Kuh oder der transparente Huhn beim Endverbraucher ankommt, dauert es noch ein paar Jährchen.

Blockchain in der Landwirtschaft

Was kommt auf uns Landwirte zu? Wird Blockchain dafür sorgen, dass der Getreidehandel an Transparenz gewinnt? Was ist denn mit dem Endverbraucher – ist dieser bereit, mehr Geld für Transparenz zu zahlen?

Ende 2016 führte das australische Unternehmen AgriDigital den weltweit ersten Verkauf von 23,46 Tonnen Getreide über Blockchain durch. Es war ein Erfolg. Seitdem waren knapp über 3.000 Benutzer in Verkäufe von mehr als 5,6 Millionen Tonnen Getreide über das Cloud-basierte System mit 1,102 Millionen US-Dollar Erzeugerzahlungen involviert [Stand: 19.03.2019].

In der Viehzucht scheint es etwas einfacher vonstatten zu gehen. Die amerikanische Company GoGo Chickens verfolgt Hühnchen mit Fußreifen und sammelt die Informationen online. Das australische Projekt „From Paddock to Plate“ verfolgt die Produktion und Lieferung von Rindfleisch, um Australiens Ruf einer Qualitätsproduktion zu schützen.

Die Blockchain-Technologie spielt in erster Linie für kleinere landwirtschaftliche Betriebe und Kooperativen eine wichtige Rolle bei der Effizienzsteigerung. Mit Hilfe von Krypto-Konten und mobile Apps lässt sich schnell ein Kreis des Vertrauens kreieren.

Die Herausforderungen

Sicherlich sind Euch folgende zwei Nachrichten nicht entgangen:

  • JPMorgen startet seine eigene Kryptowährung für internationale Zahlungen. (Quelle: BBC)
  • Facebook soll anscheinend nach dem Kauf des Blockchain-Startups Chainspace nun auch an seiner eigenen Kryptowährung rumbasteln. (Quelle: Cointelegraph)

Was spricht gegen die breite Annahme dieser Technologie?

In Blockchain zu investieren erfordert vor allem das richtige Know-how und genau das fehlt kleineren und mittleren Unternehmen. Die Großen können sich die Expertise einkaufen; die nötigen Mittel haben sie ja dazu.

Eine weitere Hürde ist das Thema „Regulierung“. Die massiven Preisfluktuationen die wir bei Kryptowährungen erleben, sind ein Paradies für Spekulanten. Es gibt zur Zeit immer noch kein Konsensus zwischen der politischen und Tech-Elite, wie man Blockchain-Technologie benutzen und Transaktionen die mit Crypto stattfinden, ausführen sollte.

Zu allem addiert sich noch das Thema Komplexität. Die Blockchain-Technologie versteht bei weitem nicht jeder (da hilft auch die komplizierte Formulierung auf Wikipedia nicht weiter). Und auch in punkto Anwendung, müsste noch viel getan werden, damit es einfacher wird.

Was glaubt Ihr?

Wie können wir Eurer Meinung nach das Thema Blockchain in der Landwirtschaft vorantreiben? Was spricht dagegen?

Digitalisierung im Ackerbau

Digitalisierung im Ackerbau – Macht sich Ernüchterung breit?

Das Thema Digitalisierung hat uns in der Landwirtschaft schon längst erobert. Die Begriffe Smart Farming, Digital Farming, Precision Farming und Landwirtschaft 4.0 sind mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Alltags geworden.

Ein sogenannter Influencer aus unserer Branche; ja, sowas haben wir auch ;), überraschte nun den einen oder anderen mit seinem ernüchternden Statement.

„Betriebe mit den höchsten Reinerträgen haben ein Minimum an Digitalisierung“, so Michael Horsch, Geschäftsführer der Horsch Maschinen GmbH, auf dem diesjährigen Farm & Food Kongress 4.0 in Berlin.

Quelle: Farm & Food 4.0 – International Congress, YouTube

Bitte beachtet hierbei folgende Differenzierung auf die M. Horsch in seinem Vortrag hingewiesen hat:

In der Tierproduktion hat Digitalisierung sehr viel gebracht, im Ackerbau hingegen sehr wenig.

Also, nicht alles gleich über einen Kamm scheren.

Ich bin selber im Ackerbau tätig und gleichzeitig ein Befürworter digitaler Anwendungen WENN diese einen Mehrwert bieten und uns in der Landwirtschaft entlasten. Alles andere ist nur ein „fancy“ Zubehör, ohne jeglichen Nutzen.

In der Landwirtschaft geht es um Effizienz- und Produktivitätssteigerung.

Es geht darum die Büro-, Papier- und Bürokratiearbeit zu minimieren, so dass wir unseren Feldern das Optimum bieten können. Digitalisierung hilft uns zwar bei der Datensammlung und Systematisierung, allerdings auch hier gibt es Einschränkungen; denn jeder Landtechnik-Anbieter liebt seine eigene Software dermassen, dass Precision Farming vom Mainstream (Massentauglichkeit) noch recht weit entfernt ist.

John Deere öffnet seine digitale Einsatzzentrale für externe Softwareanbieter

Genau das ist nötig, um Digitalisierung auch im Ackerbau voranzutreiben. Wir brauchen die Zusammenarbeit und Anbindung mehrerer Anbieter in einer Plattform.

John Deere macht einen ersten Schritt in dieser Hinsicht indem es seine digitale Einsatzzentrale für externe Softwareanbieter geöffnet hat. Unter MyJohnDeere.com lassen sich ab sofort nicht nur Daten an Maschinen senden, sondern auch Schlagkarteien und Wetterdaten einbinden, sowie Applikationskarten importieren. Das sind alles Funktionen, die ab sofort mit externen Anbietern möglich sind.

Laut Angaben von John Deere, sind fortan mehr als 20 Unternehmen aus über 29 Ländern Europas sowie Russland an der Online-Plattform von JD angebunden.

Der große Nutzen: Flexibilität und Schnelligkeit weil alles auf einem Blick.

Ein eventueller Nachteil: Datenschutz.

JD versichert alle Nutzer, dass sie die Datenkontrolle beim Austausch zwischen der Einsatzzentrale und den angebundenen externen Softwarefirmen behalten.

Digitalisierung bedeutet nicht automatisch große Investitionen

Lasst mich als erstes mit einem weit verbreitetem Irrtum aufräumen:

Man benötigt keine Millionen Euros, um sein Betrieb über Smartphones und Tablets zu verwalten.

Man braucht nicht reich sein, um sein Büro in die Cloud zu verlegen und ein paar Landmaschinen mit Nachrüstlösungen smart zu machen. Ein alter Fendt Vario kann jederzeit mit einem Beacon digitalisiert werden und schon weiß man, wo sich der alte Genosse befindet. Da muss man nicht gleich die Geldbörse zucken und tausende für ein neues Gerät ausgeben.

Übergangsweise helfen auch kostenlose Tools wie Google Drive, Trello und Slack. Sobald man ein etwas komplexeres System aufgebaut hat, sollte man alles schön verschlüsselt in einer unabhängigen Software (am besten ein Agrartool) aufbewahren.

Aber Roland, wir hauen uns durch Digitalisierung doch selbst die Beine weg. Damit ebnen wir doch den Weg frei für Roboter uns entbehrlich zu machen.

Landwirtschaft 4.0 (oder was auch immer noch für Versionen folgen werden) bedeutet nicht, dass:

  • unsere jahrzentelange Erfahrung
  • unser Gefühl für den richtigen Zeitpunkt für die Saat oder die Ernte sowie
  • unser Händchen für den Boden im Ackerbau oder für die Tiere in der Viehzucht

durch Technologie ersetzt werden.

Die Technologie ist dafür da uns zu unterstützen.

Ich muss mir immer wieder anhören wie schlecht Facebook, Instagram oder überhaupt die ganzen Smartphones sind.

Liebe Freunde, diese ganzen Apps, Softwarelösungen, Tablets, Smartphones, Computer etc. sind nichts anderes als Tools. Sie sind per se nicht schlecht und auch nicht gut. Sie sind neutral. Wir sind diejenigen die sie nutzen und jeden Tag aufs neue aktivieren.

Wir haben die Kontrolle – oder so sollte es zumindest sein. Das Gefühl der Smartphone-Abhängigkeit wird immer realer und wenn das so weitergeht, dann sind die Anonymen Alkoholiker nichts im Vergleich zur Gruppe der ‚Smartphone-Addicted‘.

Wie wir diese Tools nutzen bestimmt ob sie eine positive oder negative Auswirkung haben. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir ständig am Ball bleiben und unser digitales Know-how vertiefen, damit wir auch weiterhin das meiste aus diesen Tools herausholen.

Digitalisierung im Ackerbau – sind wir hinten dran oder recht gut dabei? Was glaubt Ihr?

Syngenta-ChemChina Story

Die Syngenta-ChemChina Story nach der Übernahme

2017 war das Jahr der Mega-Deals. Aus den Top 7 der Agrarchemie blieben nur noch vier Akteure übrig: Syngenta-ChemChina, Bayer-Monsanto, BASF und Dow Chemical-DuPont.

Erst vor ein paar Tagen wurde die Übernahme von Monsanto durch Bayer von der EU-Kommission bewilligt. Es müssen noch ein paar Auflagen erfüllt werden, aber insgesamt steht das Licht auf grün. China hat den Jahrhundert-Deal bereits genehmigt; nur aus den USA liegt noch keine finale Entscheidung vor.

Während sich die einen noch um den Papier- und Genehmigungskram kümmern müssen, funktionieren die anderen schon im Duett. So auch im Falle von Syngenta-ChemChina.

Für 44 Milliarden USD hat sich China quasi über Nacht in ein Agrochemie-Powerhouse umgewandelt. [Quelle: Financial Times]

Eine derart wichtige Branche die von deutschen und amerikanischen Unternehmen dominiert wird, das war für China schon immer ein Dorn im Auge. Da mussten die Schweizer von Syngenta herhalten.

Aber was hat sich nach der Übernahme tatsächlich getan? Wie hat sich das Ganze auf das Tagesgeschäft ausgewirkt?

Nach der Syngenta-ChemChina Fusion – das Geschäft stagniert

Erik Frywald, CEO des Konzerns bezeichnete 2017 als ein „historisches Jahr für Syngenta aufgrund des Zusammenschlusses mit ChemChina“.

Die wichtigsten Eckdaten kurz im Überblick:

  • 12,65 Milliarden USD Konzernumsatz (ein Minus von 1% ggü. 2016: 12,79 Mrd. USD)
  • 6% Umsatzanstieg im Bereich Saatgut
  • 3% Umsatzrückgang im Bereich Pflanzenschutzmittel (der Umsatz lag bei 9,2 Mrd. USD)
  • 1,7 Mrd. USD Free Cashflow aufgrund der Verbesserung des betrieblichen Umlaufvermögens (in 2016 lag der Cashflow bei 1,4 Mrd. USD)
  • Akquisition von Nidera Seeds von COFCO International ist abgeschlossen
  • Erfolgreiche Markteinführung von Elatus (Getreidefungizid) und Avoxa (Getreideherbizid)
  • Erfolgreiche Markteinführung von Fortenza in Lateinamerika (Saatgutbehandlung, Insektenbekämpfung bei Mais und Soja)

Gleichzeitig mussten die Schweizer auch ein paar Präparate abgeben wie z.B. Fusilade (gehört jetzt Nufarm), Seguris und Bontima (wurden an Adama abgegeben).

Auch regional zeichneten sich große Unterschiede ab. So konnten Osteuropa und Russland die Schwäche Westeuropas kompensieren; Resultat: leichtes Umsatzplus von 1%. In Nordamerika stieg der Umsatz um 5%. In Lateinamerika hingegen wurde ein zweistelliges Umsatzrückgang von 14% verzeichnet.

Neue Syngenta-Präparate die in Deutschland zugelassen sind bzw. auf eine Zulassung warten

Avoxa

Ist ein Getreideherbizid zur Resistenzvorbeugung bei Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Trespen. In Deutschland ist es seit März zugelassen in Winterweizen, -roggen und -triticale. In Gerste ist es nicht erlaubt.

Elatus

Ist ein Getreidefungizid. Seit März 2017 zugelassen.

Vibrance

Getreidebeize mit dem fungiziden Wirkstoff Sedaxane. In den USA seit 3 Jahren zugelassen, hierzulande allerdings noch nicht.

Boxer Cadou SC

Herbizidpack zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz im Herbst. Ist zugelassen.

Adepidyn

Ist ein Wirkstoff und damit ein neues Fungizid aus der Gruppe der Carboxamide zur Bekämpfung von Ährenfusarium in Getreide. Noch keine Zulassung in Deutschland.

SY Galileoo

Ist eine Hybridgerste die besonders winterhart, blattgesund und ertragsstabil ist. In Deutschland zugelassen.

SY Baracooda

Ebenfalls eine Hybridgerste. Ebenfalls zugelassen. Im Vergleich zu den bisherigen Hybriden soll es ertragsstabiler sein.

Quelle: Syngenta, Jahresbericht 2017

Der Kampf der Großen

Erlebt die Agrobranche ein „deja vu“? Kommt nach dem Zusammenschluss irgendwann doch noch die Zerstückelung?

Die Geschichte hat uns schon einige wichtige Lektionen gelehrt.

Dieser Zyklus scheint nichts Neues zu sein. Aus kleinen Unternehmen werden große Player die wiederum mit anderen Big Player zu Giganten fungieren. Sie spielen ein paar Jahre fröhlich auf der „Wiese“ bis sie entweder „too big to fail“ werden oder wieder in kleine Stücke zerfallen. Klar, das Szenario ganz von der Bildfläche verschwinden ist auch eine Möglichkeit. 

Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass aus einem Uniprojekt eins der weltweit größten Tech- Unternehmen des Jahrhunderts entsteht? (Facebook)

Andererseits, wer hätte gedacht, dass die größte US-Spielzeugkette einst Pleite gehen wird? (Toys ‚R‘ Us)

Die Szenarien sind vielfältig. Fakt ist, heute dominieren vier Giganten das Agrochemie-Spielfeld und wir müssen uns darauf einstellen. Zwei dieser Konzerne sitzen bei uns in Deutschland: BASF und Bayer/Monsanto. Wie das Spiel ausgeht, das werden wir in ein paar Jahren sehen.

Heute ist erst Anpfiff zur ersten Halbzeit. Und eine Mannschaft wartet noch auf das finale „go“.

Es bleibt spannend.

Dominanz im Bereich Pflanzenschutzmittel & Co.

Eure Meinung ist gefragt.

Haben die Chinese mit Syngenta einen guten Deal gemacht?

Schaffen sie es mit Syngenta-ChemChina den anderen drei Teilnehmern die Stirn zu bieten oder lassen sie sich auf einen „Kuscheltanz“ ein?

Landwirtschaft Einkommensalternativen

Landwirtschaft: Jeder dritte Betrieb setzt auf Einkommensalternativen

Ein zweiter Job, eine weitere Einkommensquelle weil das Geld vorne und hinten nicht ausreicht – das kennt man nur von Niedrigverdienern, oder doch nicht? Wie sieht es denn eigentlich bei uns in der Landwirtschaft aus?

Letztes Jahr gab es in Deutschland rund 280.800 landwirtschaftliche Betriebe. Rund 30% dieser Betriebe schafften sich Einkommensalternativen.

Kurz durchatmen… und weiter gehts…

Trend #1: Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sinkt kontinuierlich.

In 2013 gab es laut Statistischem Bundesamt rund 285.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. In 2015 meldet das Handelsunternehmen Agravis nur noch 280.800 landwirtschaftliche Betriebe. Das ist ein Verlust von 4.200 Betrieben innerhalb von 2 Jahren.

[Exkurs] Das „Sterben“ der Bauernhöfe nimmt auch im benachbarten Österreich kein Ende…

 

Quelle: YouTube Video von Die Veguerilla

Trend #2: Rund 30% der Betriebe setzen auf Einkommensalternativen.

Jedes dritte landwirtschaftliche Betrieb setzt auf eine weitere Einnahmequelle. Bevorzugt werden hierbei folgende Standbeine:

  • Urlaubs- und Freizeitangebote auf dem Bauernhof
  • Verarbeitung und Vermarktung eigener Produkte (z.B. Hofladen)
  • Erzeugung erneuerbarer Energien (z.B. Biogasanlagen)

Trend #3: Die Zahl der kleinen Betriebe nimmt weiter ab.

Konzentration ist nicht nur im deutschen Lebensmittelhandel ein großer Trend, sondern auch in der Landwirtschaft. Immer mehr große Betriebe und immer weniger kleine Betriebe…

Laut Agravis bewirtschaften 7 von 10 Bauern eine Fläche von weniger als 100 Hektar.

Erschreckend ist auch folgende Zahl:

In Deutschland verschwindet täglich rund 74 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche durch bauliche Maßnahmen wie z.B. Straßenbau.

Einkommen in der Landwirtschaft: Wer verdient was?

Der negative Trend zieht sich auch im Bereich durchschnittliche Jahreseinkommen durch. Die Zahlen haben sich durch die Bank verschlechtert.

Betriebe mit sonstigem Futterbau und Milchviehbetriebe verdienen am wenigsten. Ackerbaubetriebe führen weiterhin die „Mehrverdiener“-Gruppe an.

Im Einzelnen stellt sich das Ganze dann wie folgt dar (Eurobetrag pro Familienarbeitskraft):

  • Insgesamt: 29.979 EUR/Jahr vs. 45.656 EUR in 2013/2014
  • Ackerbaubetriebe: 46.265 EUR/Jahr vs. 58.823 EUR in 2013/2014
  • Milchviehbetriebe: 26.441 EUR/Jahr vs. 47.218 EUR in 2013/2014
  • Betriebe mit sonstigem Futterbau: 23.062 EUR/Jahr vs. 35.640 EUR in 2013/2014
  • Veredlungsbetriebe: 30.935 EUR/Jahr vs. 46.122 EUR in 2013/2014

Für alle die Zahlen gerne in einer visuellen Darstellung bevorzugen, empfehle ich die hierzu erstellte Infografik der Firma Agravis. Hier gehts zum Download der Infografik

Dokumentar: Bauer sucht Einkommen…

 

Quelle: YouTube Video von DocumentaryTuber

[Exkurs] Ernte 2015: 12% weniger Silomais in 2015

Rekordernte in 2014. Zweistelliges Minus in 2015. So nah liegen Gewinn und Verlust beisammen.

Die Witterungsbedingungen letztes Jahr waren alles andere als optimal für die Silomaisernte. Der Deutsche Maiskomitee veröffentlichte letzte Woche die aktuellen Zahlen.

  • Die Erntemenge 2015 lag bei 87,2 Mio Tonnen und damit 12% weniger als in 2014 (99,2 Mio. Tonnen).
  • Der Silomaisertrag lag bei 413,6 dt/ha (unter dem 5-Jahresdurchschnitt 2009-2014). In 2014 waren es 473,3 dt/ha.

Die Silomaisernte fiel nicht überall gleich schlecht aus. Es hab deutliche regionale Unterschiede – bedingt auch durch das Wetter. Die Ernteergebnisse im Süden der Republik fielen besonders schlecht aus. Im Nordwesten sind die Erträge wiederum recht stabil gewesen.

Ernteprognose 2016: Weizen und Gerste unter Vorjahresniveau

Der Deutsche Reiffeisenverband (DRV) hat seine Ernteprognose für 2016 veröffentlicht. Bei einer unveränderten Gesamtanbaufläche soll die diesjährige Getreideernte bei 48,3 Mio. Tonnen ausfallen. Damit soll das letztjährige Niveau erreicht werden; die Erntemenge lag letztes Jahr bei 48,9 Mio. Tonnen.

Ein Minuszeichen soll bei den Sorten Weizen (-1,7%), Gerste (-4,4%) und Roggen (-6%) stehen. Die Rapsernte soll auf Vorjahresniveau ausfallen, d.h. 5 Mio. Tonnen.

Bei Mais erwartet man hingegen eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Die Hektarerträge bei Mais sollen mit 8,7% über dem Vorjahresniveau liegen.

Wie siehts denn mit einer Einkommensprognose für landwirtschaftliche Betriebe aus?

Ernteprognosen gibts ja wie Sand am Meer…

Einkommensprognose hingegen, weniger oder gar keine. Da traut sich wahrhaftig keiner der „Großen“ aus dem Fenster. Wer freut sich schon auf Schlagzeilen wie zum Beispiel „xxx kleine Betriebe müssen schliessen wegen Dumpingpreisen bei Milch und Fleisch“.

Eine Erholung ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil, wenn das mit der Konzentration in Richtung „viel Fläche in wenig Händen“ weiter geht, dann dürfen wir alle bald verkünden, dass 50-60% der landwirtschaftlichen Betriebe zusätzlich noch bei Aldi, Rewe & Co. an der Kasse stehen müssen, um am Leben zu bleiben.

Oder doch nicht, vor allem wenn Roboter vermehrt eingesetzt werden… Wobei das ist eine typische Tätigkeit die auch im Kassenbereich bei Aldi & Co. durch Roboter ausgetauscht werden könnte (siehe Self-Checkout-Systeme und Self-Scan).

Was glaubt Ihr?

Treiben Dumpingpreise immer mehr landwirtschaftliche Betriebe am Rande ihrer Existenz? Lösungsvorschläge für die Landwirtschaft sind gefordert.