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Laborfleisch aus dem Weltall

Laborfleisch jetzt auch im Weltall erhältlich

Das was viele auf dem Planeten Erde immer noch für unmöglich halten, ist uns nun im Weltall gelungen. Eine israelische Firma hat auf der internationalen Weltraumstation ISS zum ersten Mal Laborfleisch hergestellt. Die Astronauten können zu ihren beliebten Pommes bald auch ein selbstgezüchtetes Rindersteak verzehren. Ein 3D-Drucker macht es möglich.

Ich staunte nicht schlecht als ich vor ein paar Tagen auf einen Artikel der amerikanischen Zeitschrift Business Insider stoss, wo genau darüber berichtet wurde. Da ich schon öfters über das Thema Fleisch aus dem Reagenzglas hier auf Agrarbetrieb berichtet habe, wusste ich, dass ich diese Neuigkeit unbedingt mit Euch teilen möchte.

Die Zweifel, dass sich sowas wie Laborfleisch hier bei uns auf der Erde durchsetzt sind gross. Jetzt kommt aber sowas. Klar werden Tech-Innovationen im Weltall anders aufgenommen als hier „unten“. Immerhin sind das unsere Pioniere, die es ins Ungewisse wagen. Da ist die Akzeptanz selbstverstädnlich grösser als beim Otto Normalbürger.

Was genau haben die Wissenschaftler gezüchtet und wie sind sie dabei vorgegangen?

Der israelische Food Technology Startup Aleph Farms hat Muskelgewebszellen von Rindern entnommen und diese mit auf die Raumstation ISS gebracht. Mit Hilfe eines 3D-Biodruckers wurden die Zellen vermehrt und zu kleinem Muskelgewebe gezüchtet. Die Methode beruht auf der Nachahmung eines natürlichen Prozesses der Muskelregeneration im Körper einer Kuh.

Das Experiment fand am 26. September unter kontrollierten Mikrogravitationsbedingungen in der russischen Einheit der Raumstation statt. Bereits im Dezember 2018 hatte Aleph Farms bekannt gegeben, binnen zwei Wochen einen „Streifen“ als Steak-Prototyp aus Zellen im Labor gezüchtet zu haben. Dies deutet darauf hin, dass Fleisch in allen rauen Umgebungen angebaut werden kann. Diese vielversprechende Technik könnte bald die Menschen auf der Raumstation mit Fleisch versorgen.

Quelle: Aleph Farms, YouTube

Keine Zukunft ohne Laborfleisch

Clean Meat, Kunstfleisch, Laborfleisch oder Fleisch aus dem Reagenzglas… mit dem ganzen Klimadebakel und den weltweiten Demonstrationen dürfte es keinen mehr wundern, dass die Forscher in diesem Bereich mächtig aufs Gaspedal drücken. Die Profitsituationen hat bis dato keiner so richtig durchleuchtet, deshalb bleiben wir erstmals bei dem was wir wissen.

Fleisch züchten, ohne dabei die Umwelt zu belasten.

Fleisch züchten, ohne Massentierhaltung und Tierquälerei.

Fleisch züchten für eine stetig steigende Weltbevölkerung, ohne dabei auf die bestehende Ressourcen zurückzugreifen.

Das klingt für viele Parteien wie Musik in den Ohren. Ob Laborfleisch ethisch OK ist oder nicht, interessiert keinen. Hauptsache die Wissenschaftler kriegen auch den Geschmack so hin wie beim echten Fleisch. Spätestens wenn der Konsument den Unterschied zwischen Steak aus Kunstfleisch vs. echtem Fleisch nicht mehr erkennt, dann ist der Ekel-Faktor auch kein Problem mehr.

Zurück zum Experiment aus dem Weltall:

Es ist nicht das erste Mal, dass „frische“ Nahrung an Bord einer Weltraumstation entsteht. Vor rund vier Jahren hatten Weltraumfahrer einen Romasalat gezüchtet. Das war kein Einzelfall. Zwar wurde Salat und Grünzeug nicht 399 km von der Erde entfernt gezüchtet, dafür aber in der Antarktis auf der Eden ISS.

In einem speziellen Gewächshaus des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurden auf einer Anbaufläche von 13 qm zum ersten Mal Salat, Gurken, Tomaten, Kohlrabi, Radieschen und verschiedene Gewürze geerntet. Das was in einem Antarktis-Gewächshaus unter solchen Extrembedingungen möglich ist, dürfte es auch auf dem Mond und auf Mars möglich sein.

Was spricht also dagegen, dass wir bald auch Fleisch auf Raumstationen züchten?

Die Wissenschaftler tüfteln weiter. Bald dürfte der Durchbruch geschafft sein.

Interessant fand ich auch folgende Aussage von Didier Touba, CEO von Aleph Farms:

„Im Weltraum stehen uns weder 10.000 noch 15.000 Liter Wasser zur Verfügung, um 1 kg Rindfleisch zu produzieren“. [Quelle: The Guardian]

Was spricht für Kunstfleisch?

Einerseits, die oben bereits aufgeführten Punkte u.z. Reduzierung der Treibhausgasemissionen, Schonung natürlicher Ressourcen, weniger Umweltbelastung, keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei, weniger Probleme bei der Ernährung mit Fleisch einer wachsenden Erdbevölkerung.

Zweitens, eine Tatsache was oft nicht berücksichtigt wird, u.z. die Zeitersparnis sowohl bei der Herstellung als auch beim Zubereiten. Anders als echtes Fleisch, soll Laborfleisch binnen 2-3 Wochen produziert werden können. Hinzu kommt, dass Fleisch aus dem Reagenzglas schneller zubereitet werden kann; das Garen dauert nur ein paar Minuten, so Aleph Farms. Also ein „echtes“ Minutensteak.

Drittens, die Gewinne die daraus erzielt werden können. Wie profitabel dieses Business ist, darüber will sich derzeit noch keiner äußern. Der Fokus liegt auf den Durchbruch i.S. Herstellung. Die hohen Finanspritzen von namhaften Investoren wie Richard Branson oder Bill Gates und das Involvement großer Korporationen deuten auf eine klare Schlussfolgerung hin: wir haben es hier mit „big money und big profits“ zu tun.

Freut Ihr Euch schon auf Euer erstes Rindersteak aus Laborfleisch? So wie es aussieht rückt dieser besondere Tag immer näher.

Gemüse für den Weltall Antarktis-Gewächshaus

Gemüse für den Weltall: Antarktis-Gewächshaus Eden-ISS macht’s möglich

Wie kann die Landwirtschaft bei zukünftigen Mond- und Marsmissionen unterstützen? Die klimatischen Anforderungen sind anspruchsvoll. Können wir im Weltall bald Gemüse anbauen? Der Testlauf in dem Antarktis-Gewächshaus Eden-ISS liefert beeindruckende Ergebnisse.

Salat, Gurken, Tomaten, Radieschen, verschiedene Gewürze – sie alle wachsen nicht etwa hier bei uns auf deutschem Boden. Nein. Sie wachsen in der Antarktis, in einem speziellen Gewächshaus des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Es ist der ultimative Härtetest für das „erdische“ Gemüse. Das Klima ist unberechenbar und die Temperaturen von bis zu minus 45 Grad eine absolute Herausforderung für die Technik im Gewächshaus. Hinzu kommen die zahlreichen Systemausfälle und Stürme, die es der Mannschaft manchmal unmöglich machen die 400 Meter von der Forschungsstation Neumayer III bis zum Gewächshaus im Schnee zu gehen.

Ein prima Testszenario, denn im Weltall wird auch nicht alles glatt laufen.

So musste das Kontrollzentrum in Bremen für einige Tage die Steuerung der Systeme im Gewächshaus übernehmen. Das muss geübt werden, denn sollten wir in der nahen Zukunft ein derartiges Gewächshaus auf dem Mars oder einem anderen Planeten aufbauen, dann muss sichergestellt werden, dass die Systeme durchgehend funktionieren.

Lasst uns doch an dieser Stelle am besten „Live“ in das Antarktis-Gewächshaus schalten. Paul Zabel, Ingenieur beim DLR erklärt uns wie er das erste Gemüse #MadeInAntarctica züchtet.

Quelle: German Aerospace Center, DLR, YouTube

Die erste Ernte aus dem Antarktis-Gewächshaus

Auf einer Anbaufläche von 13 Quadratmetern gedeihte das Antarktis-Gemüseparadies.

Ohne Erde.

Ohne Tageslicht. Zum Einsatz kamen spezielle LED’s.

Ohne Pestizide.

Dafür wurden die Wurzeln mit einer entsprechenden Nährstofflösung versorgt und es gab einen geschlossenen Luft- und Wasserkreislauf.

Das Endergebnis überraschte das gesamte Team. Die Ernte fiel besser aus als erwartet.

  • 39 kg Salat
  • 35 kg Gurken
  • 17 kg Tomaten
  • 7 kg Kohlrabi
  • 4 kg Radieschen

Schwierigkeiten gab es mit Paprika und Erdbeeren. Sie waren beide „anspruchsvoller“ in der Pflege.

Die Kräuter und das Gemüse aus dem Antarktis-Gewächshaus bereichern den Speiseplan der 10 Mitglieder der Überwinterungscrew der Forschungsstation, die während des eisigen Polarwinters hier ausharren müssen.

So wie es aussieht, soll das Projekt noch bis Ende diesen Jahres laufen.

Quelle: DLR

Quelle: German Aerospace Center, DLR, YouTube

Wird es bald ein deutsches Gewächshaus auf dem Mars geben?

Die Erfahrungen die auf der Antarktis gewonnen werden spielen eine besonders wichtige Rolle bei zukünftige Missionen zu Mond und Mars. Die Tatsache, dass öfters Mal die Technik versagt und die jeweiligen Systeme ausfallen, helfen dem Team wichtige Erkentnisse zu sammeln und diese bei darauffolgenden Einsätzen zu verwerten.

Einerseits ist Eden-ISS ist ein Testlauf für künftige bemannte Weltraummissionen. Andererseits, können die vielen wertvollen Informationen und das gesammelte Know-how auch dafür verwendet werden, dass wir einen Lebensmittelanbau in Wüsten und ähnlichen lebensfeindlichen Regionen hier bei uns auf der Erde ermöglichen.

Tesla-Gründer Elon Musk will ab 2025 den Mars besiedeln

Bleiben wir doch beim Thema. Geht es wirklich bald auf Mars?

Wenn es nach Tesla-Gründer und Milliardär Elon Musk geht, dann schon. Mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX strebt er die Kolonialisierung des Roten Planeten an. Sollte die Erde nicht mehr bewohnbar sein, dann müssten Alternativen herhalten.

„Die Menschheit sollte eine multi-planetare Spezies werden.“ – Elon Musk

Übrigens, er ist nicht der Einzige der an eine Mars-Besiedlung glaubt und aktiv dafür etwas tut. Da wäre noch Richard Branson, der Gründer der Virgin-Gruppe und Jeff Bezos, der Gründer von Amazon. Sie sind das Power-Trio was viel Geld auf den Tisch legt bzw. in die Raumfahrtindustrie investiert, um die Mars-Kolonialisierung möglich zu machen.

Was soll der Spass kosten?

Aktuell liegen die Kosten bei rund 10 Mrd. US-Dollar pro Passagier. Und weil sich das nur recht wenige Erdbewohner erlauben können, strebt Musk eine dramatische Kostensenkung an.

Er ist davon überzeugt, dass ein Platz im Raumschiff für rund 140.000 USD PRO Passagier erzielbar ist.

Was spricht für Mars?

Mars hat Sonnenlicht und es gibt eine Atmosphäre. Die Tage sollen genauso lang sein wie auf der Erde und es soll möglich sein, Pflanzen zu züchten. [Hier kommen eventuell u.a. auch die Kenntnisse der deutschen Forscher vom Antarktis-Gewächshaus Eden-ISS ins Spiel.]

Bis jetzt kommt Elon Musk recht schwer mit seinem Projekt voran.

Der Weg ist stolperig und mit den Rückschlägen gilt es klar zu kommen. Letztes Jahr explodierte eine Rakete des Unternehmens beim Start auf der US-Weltraumstation Cape Canaveral in Florida. Zuvor hatte SpaceX eine Rakete verloren, die Nachschub bringen sollte.

Zum Vergleich: NASA, die bekannte US-Raumfahrtagentur rechnet mit einer bemannten Mars-Mission erst in den 2030er Jahren.

Quellen: SpaceX, CNBC

Seid Ihr bereit für den Planeten Mars? Wo könnte man die wertvollen Erkenntnisse des deutschen Teams vom Antarktis-Gewächshaus Eurer Meinung nach noch einsetzen?

Kartoffelernte Kartoffeln im Agrarbetrieb

Kartoffelernte 2015: Hohe Erzeugerpreise, niedrige Hektarerträge

Wer erinnert sich noch an die Rekordmengen aus dem letztem Jahr?

Knapp 11,5 Millionen Tonnen waren es. Eine Top Kartoffelernte. Ganz anders im aktuellen Jahr.

Die Kombination rückläufige Anbauflächen plus ungünstiges Wetter während der Vegetationsperiode führt in 2015 zu einer geringeren Erntemenge. Die Auswirkungen sind weitreichend: niedrige Hektarerträge (bis zu 20% weniger in Bayern, das zweitgrößte Anbaugebiet Deutschlands) und teilweise bis zu 100% höhere Erzeugerpreise.

Miese Kartoffelernte aufgrund wochenlanger Trockenheit

Im Süden und in der Mitte Deutschlands sieht es mit den Kartoffeln gar nicht gut aus. Das Bundesagrarministerium (BMEL) geht von einer Erntemenge in Höhe von 9,9 Millionen Tonnen aus. Das wären 15,1% weniger als in 2014. Der mehrjährige Durchschnitt wäre damit um 9,9% unterschritten.

Bevor wir die zwei „Hauptverdächtigen“ die zu dieser Erntesituation geführt haben näher unter die Lupe nehmen, lassen Sie uns einen Blick aufs Feld werfen – besser gesagt aufs Kartoffelfeld.

In dem nachfolgenden YouTube Video der Rhöner Landtechnik sehen wir einen Fendt 718 Vario, einen Grimme SE 150-60 sowie einen John Deere 6215 R bei der Kartoffelernte 2015.

Los gehts…

Zwei Faktoren die zum schlechten Ergebnis führen

Gehen wir doch mal auf Ursachenforschung und schauen uns die beiden Hauptelemente an, die zum aktuellen Ergebnis führen.

1. Reduzierte Anbauflächen.

Jawohl, viele Erzeuger haben sich dafür entschieden die Anbauflächen zu reduzieren.

Das war jedoch keine unüberlegte Entscheidung, sondern vielmehr eine Konsequenz der unbefriedigenden Preisentwicklung in der letzten Kampagne. Nur die beiden Bundesländer Niedersachsen und Rheinland-Pfalz haben sich dieser Entscheidung widersetzt. Hier wurden die Flächen nicht reduziert.

Die Anbauflächen liegen in diesem Jahr bundesweit bei rund 234.000 Hektar. Das sind 4,4% weniger als in 2014 und 6,5% unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Laut BMEL wurde ein weiterer Rekord gebrochen:

„Der Anteil des Kartoffelanbaus an der Ackerfläche in Deutschland sank erstmals unter 2 Prozent.“

2. Extreme Trockenheit.

Der zweite Faktor der zu einer niedrigeren Kartoffelernte geführt hat, liegt ebenfalls auf der Hand. Die hohen Temperaturen und die niedrigen Niederschläge während weiten Phasen der Vegetationsentwicklung haben für alles andere als eine entspannte Situation auf dem Feld gesorgt.

Hinzu kommen die vielen Winterniederschläge sowie die extremen Frühjahrsstürme welche die Auspflanzung von Frühkartoffeln erschwert haben. Obwohl sich die Lage für die späten Kartoffelsorten in weiten Teilen der Bundesrepublik etwas entspannt hat, bietet die diesjährige Kartoffelernte sicherlich keinen Anlass zum Jubeln.

Hektarerträge zweistellig unter dem Vorjahresniveau

Kommen wir zu den für uns Landwirte äußerst spannenden Indikatoren – in diesem Falle, die Erträge pro Hektar.

Kurz gefasst heisst es in diesem Jahr: wenig Regen, wenig Ertrag.

Laut BMEL betragen die Hektarerträge im Bundesdurchschnitt rund 421 Dezitonnen pro Hektar. Das sind 11,2% unter dem Vorjahresniveau und 3,6% unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Die Diskrepanzen zwischen den jeweiligen Bundesländern sind ebenfalls bemerkenswert:

  • Niedersachsen (größte Anbaufläche): Erträge von 472 Dezitonnen pro Hektar, also Bundesdurchschnitt
  • Bayern (zweitgrößte Anbaugebiet): Ertragsrückgänge um mehr als 20%

Und, wie sieht es mit den Preisen aus?

Angebot runter, Preise hoch.

Sowohl die Erzeugerpreise, als auch die Verbraucherpreise liegen über 2014. Während sich die Erzeugerpreise nahezu verdoppelt haben, müssen Verbraucher ebenfalls tiefer in die Taschen greifen. Für Kleingebinde liegen die Preise ca. 25% höher als im letzten Jahr.

In der Landwirtschaft ist jedes Jahr anders. Mal haben wir eine Top Kartoffelernte und dann leidet der Weizen, die Zuckerrübe oder der Mais. Die Natur und die landwirtschaftlichen Zyklen sind auch heute noch in der High-Tech-Zeit schwer vorhersehbar.

Warum soll es nur an den Börsen Überraschungen geben? Wir würden uns doch auf dem Feld langweilen hätten wir nicht ab und zu auch mal ein paar Herausforderungen…

Wie sieht es mit der Kartoffelernte bei Euch aus? Habt Ihr die Anbauflächen reduziert oder unverändert gelassen?

Getreideernte 2015 bei Agrarbetrieb

Getreideernte 2015: Rekordergebnis 2014 um 11% verfehlt

Letzte Woche war es soweit. Der Deutsche Bauernverband veröffentlichte seinen finalen Bericht zur Ernte 2015. Das Ergebnis: die Getreideernte in 2015 liegt bei 46,5 Mio. Tonnen. Das sind 11% weniger als im Rekordjahr 2014. Im Vorjahr lag die Ernte bei 52 Mio. Tonnen.

In einer aktuellen Pressemeldung zur Getreideernte 2015, äußerte sich DBV-Präsident Joachim Rukwied wie folgt:

„Die Getreideernte fällt von Region zu Region sehr unterschiedlich aus. (…) Die durchschnittlichen Ernteergebnisse verdecken die dramatischen Probleme der Betriebe in den von der Trockenheit besonders betroffenen Regionen. So wurden in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und den östlichen Bundesländern 15 Prozent bis 30 Prozent weniger Weizen geerntet als im Vorjahr.“

Bevor wir in die Details einsteigen, d.h. die geernteten Mengen und Qualitäten der einzelnen Kulturen bewerten, lassen Sie uns einen gemeinsamen Blick auf folgendes Video von ffarmer99 werfen.

Drei Mähdrescher mit jeweils ca. 12 Meter Schneidwerken zeigen was sie drauf haben. Im Rennen ein New Holland CR 10.90, John Deere S 690 I und Claas Lexion 770. Die Ernte 2015 kann losgehen…

Getreideernte 2015 mit 3 Power-Mähdrescher

Getreideernte 2015: Die Performance der einzelnen Kulturen

1. Winterweizen bleibt bestimmende Getreidesorte in Deutschland.

  • Die Anbaufläche wurde um 2% auf 3,2 Mio. Hektar ausgedehnt.
  • Die Weizenerträge liegen bei durchschnittlich 7,6 Tonnen pro Hektar (12% unter 2014).
  • Die Erntemenge wird 24,6 Mio. Tonnen betragen (2,8 Mio. Tonnen weniger als in 2014).
  • Unterschiedliche Qualitäten erwartet: Die Fallzahlen (wichtig bei der Bestimmung der Backqualität) erreichen die geforderten Werte. Ganz anders ist hingegen die Entwicklung der Proteingehalte. Diese fallen im Süden der Republik bzw. in Niedersachsen und Rheinland niedrig aus.

2. Wintergerste schneidet besser ab als erwartet.

  • Die Anbaufläche wurde um 2,4% (das entspricht 1,26 Mio. Tonnen) gegenüber 2014 ausgeweitet.
  • Die Ertragsleistung der Wintergerste liegt bei durchschnittlich 7,3 Tonnen pro Hektar (6% weniger als in 2014).
  • Die Erntemenge liegt bei 9,2 Mio. Tonnen. Das sind 3% weniger als im Vorjahr. Wichtig hierbei: Wintergerste wird als erste gedroschen, d.h. die Ernte 2015 ist für diese Sorte abgeschlossen. Es werden keine weiteren Mengen erwartet.

3. Sommergerste mit deutlich geringeren Erträgen trotz Flächenausweitung.

  • Ausdehnung der Anbauflächen um mehr als 7% auf aktuell 371.000 Hektar.
  • Die Erntemenge liegt bei 2 Millionen Tonnen. Das sind 5% weniger als in 2014.
  • Die Erträge für Sommergerste liegen mit 5,3 Tonnen pro Hektar um mehr als 11% unter dem Vorjahresergebnis.

4. Roggenernte 2015 verzeichnet ein zweistelliges Minus.

  • Die Anbaufläche ist konstant geblieben.
  • Die Erntemengen brechen um 15% ein und liegen bei 3,2 Mio. Tonnen (in 2014 waren es 3,85 Mio. Tonnen).
  • Die Erträge brechen ebenfalls ein und liegen im Schnitt bei 5,2 Tonnen pro Hektar. In den Roggenanbauregionen Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind die Erträge um mehr als 20% eingebrochen. Die Bundesländer Niedersachsen und Bayern verzeichnen ein Minus von 15%.

5. Winterraps leidet unter dem Verbot insektizider Beizmittel.

  • Anders als bei den oben aufgeführten Kulturen, sind die Anbauflächen für Winterraps um knapp 8% zurück gegangen.
  • Die Rapsernte wird auf 5 Mio. Tonnen geschätzt. Das sind 1,25 Mio. Tonnen weniger als in 2014.
  • Die Erträge fallen um 13% niedriger aus als in 2014 und liegen im Schnitt bei 3,9 Tonnen pro Hektar.

6. Landwirte sorgen sich um ihre Mais- und Zuckerrübenbestände.

Die Aussichten für die diesjährige Mais- und Rübenernte sind alles andere als rosig. Die anhaltende Trockenheit bereitet uns Landwirte große Sorgen. Unsere Mais- und Rübenbestände befinden sich noch in der Wachstumsphase und benötigen dringend Wasser. Gleiches gilt auch für den Aufwuchs von Grünland.

Inwieweit uns der Regen noch aus der Patsche helfen kann, werden wir ja bald erfahren. Hoffnung stirbt zuletzt… ist auch in der Landwirtschaft keine besonders tolle Strategie.

Preise unten, Getreideernte unten

Eine Preisverbesserung ist nicht erkennbar und das obwohl die EU-28 Länder von einer reduzierten Erntemenge in diesem Jahr ausgehen. Knapp 302 Mio. Tonnen sollen es werden, so der DBV. In 2014 lag die Getreideerntemenge in der EU-28 bei 329 Mio. Tonnen.

Das Spiel Angebot und Nachfrage geht weiter. Einer geringeren Weizen- und Maisernte stehen die Rekorderträge der letzten Jahre, die Top Versorgungslage und ein stetig steigendes (Welt-)Angebot entgegen.

Wie sieht die Getreideernte in diesem Jahr bei Ihnen aus? Top oder eher Flop? Woran liegt es? Freue mich auf Euer Kommentar.

Ernte 2014 bei Agrarbetrieb Weizenernte

Weizenernte 2015: USDA-Report meldet 719 Mio. Tonnen

Letzte Woche wurde der neue USDA-Report veröffentlicht: 719 Millionen Tonnen Weizen, so die aktuelle Prognose der Analysten. Demnach erwartet uns die bisher weltweit zweitgrößte Weizenernte. Ähnlich lauten die Prognosen auch für Europa. Die Schätzungen liegen nur knapp hinter der Rekordernte aus 2014 zurück.

Globale Weizenernte erneut auf Rekordniveau

Die Einschätzungen der USDA-Analysten gehen von einem Anstieg der globalen Weizen-Bestände in 2015/16 aus. Wie immer, bestimmen Angebot und Nachfrage das Endergebnis.

  • Angebot: Es wird mit der bislang zweitgrößten globalen Weizenernte von 719 Millionen Tonnen gerechnet.
  • Nachfrage: Der Verbrauch soll nur sehr gering steigen. Die Analysten rechnen mit knapp 717 Mio. Tonnen. Die erwartete Erntemenge soll demnach die Nachfrage decken.

Die Ergebnisse des aktuellen USDA-Reports waren für viele überraschend. Die US-Analysten und der IGC sind ursprünglich von einer Deckungslücke ausgegangen.

Weizenernte in den USA und Europa

Die US-Ernte 2015 wird auf 56,8 Mio. Tonnen geschätzt. Diese soll demnach leicht höher ausfallen als im Vorjahr mit 55,1 Mio. Tonnen.

Die Schätzungen für die Europäische Union sehen ähnlich hoch aus. Die USDA-Analysten gehen von einer Weizenernte in Höhe von 150,3 Mio. Tonnen aus. Das sind ca. 6 Mio. Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Die Rekordernte 2014 betrug 156,4 Mio. Tonnen. Die europäischen Exporte werden bei 32,5 Mio. Tonnen erwartet. Das Jahr zuvor lagen die Exporte bei 34,5 Mio. Tonnen.

Exkurs Bayern: Getreideanbaufläche steigt um 3,6%

Rekorde werden auch in Bayern gebrochen. Das Bayerische Landesamt für Statistik hat in einer aktuellen Pressemitteilung die Ausweitung der Getreideanbaufläche (ohne Körnermais) um 3,6% auf rund 1,07 Millionen Hektar bestätigt. Das sind rund 36 600 ha mehr als im vergangenen Jahr.

Verantwortlich für die deutliche Flächenausweitung sind die beiden flächenstärksten Getreidearten Winterweizen und Wintergerste.

Im Einzelnen sieht es mit der Bestellung der bayerischen Getreideflächen wie folgt aus:

  • Winterweizen: Anbaufläche wurde um 21.800 ha auf 549.400 ha erhöht (bisher höchste Winterweizenfläche)
  • Wintergerste: Flächenausweitung um 19.600 ha auf 257.200 ha
  • Roggen (inkl. Wintermenggetreide): Flächenreduzierung um 4.500 ha auf 37.000 ha
  • Hafer: Flächenreduzierung um 3.600 ha auf 23.100 ha
  • Triticale: 89.000 ha; nur geringfügig unter der Vorjahresanbaufläche
  • Sommergerste: Flächenausweitung um 2.300 ha auf 101.700 ha
  • Sommerweizen: Flächenausweitung um 2.200 ha auf 9.000 ha
  • Winterraps: Flächenreduzierung um 13% auf 106.500 ha
  • Kartoffeln: Flächenminderung um 3% auf 39.600 ha
  • Zuckerrüben: Flächenreduzierung um 6.600 ha auf 53.200 ha

Das Bayerische Landesamt für Statistik weist darauf hin, dass die oben aufgeführten Zahlen nur vorläufige Anbautendenzen wiederspiegeln. Fundiertere Zahlen erhalten wir voraussichtlich Ende Juli mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der Bodennutzungshaupterhebung 2015.

Auf welche Getreidearten fokussieren Sie sich dieses Jahr? Was erwarten Sie von der diesjährigen Weizenernte? Ich freue mich auf Ihr Kommentar.

 

Agrarbetrieb Geschenk Landwirte 01