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2024-01 Essbare Landschaften in Deutschland - Agrarbetrieb

Essbare Landschaften in Deutschland

Hast Du Lust, mit Gleichgesinnten Obst, Nüsse und Kräuter zu ernten? Ist Dir schon einmal aufgefallen, wieviele kulinarische Möglichkeiten die Stadt, in der Du lebst, und die nähere Umgebung bieten? Damit sind nicht die Restaurants und Fast-Food-Ketten gemeint, sondern die essbaren Landschaften.

Wir reden und schreiben (mich inbegriffen) immer wieder gerne über Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität, beziehen uns dabei jedoch fast ausschließlich auf die Ware im Supermarkt oder auf den regionalen Märkten. Was ist jedoch mit den ganzen essbaren Beeren und Kräuter z.B., die sich nicht in Schutzgebieten befinden und auch keinem Eigentumsrecht unterliegen?

Ich bin vor geraumer Zeit auf eine Organisation aufmerksam geworden, die genau diesen Aspekt der „Esskultur“ berücksichtigt. Mundraub sorgt dafür, dass das Bewusstsein für die regionale und saisonale Kulinarik steigt.

Wie erfolgt das genau?

Essbare Landschaften zum Greifen nah

Auf der digitalen Mundraub-Karte werden Fundorte mit Obstbäumen, Obststräuchern, Nüssen und Kräuter aufgeführt, wo Ihr nach Belieben ernten könnt. Dabei gilt es ein paar wichtige Prinzipien zu beachten und zu befolgen:

  • Vergewissert Euch, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden.
  • Die Fundorte dürfen nicht in Schutzgebieten liegen.
  • Geht behutsam mit den Bäumen und Sträuchern um.
  • Die Fundorte sind nach bestem Gewissen geprüft worden.
  • Die Organisation übernimmt keine Haftung oder Garantie für die Essbarkeit der Früchte, Nüsse und Co.

Im Zentrum der Organisation steht die Gemeinschaft, deshalb werden alle dazu ermutigt, das Gepflückte mit Freunden und Familie zu teilen. Es geht dabei nicht darum, im großen Stil ein Geschäft zu betreiben; dafür benötigt man sowieso eine behördliche Genehmigung. Gleichzeitig werden wir aufgefordert, uns bei der Pflege und Nachpflanzung von Obstbäumen zu engagieren.

Hier geht’s zur digitalen Karte: https://mundraub.org/map

Wie das ganze quasi „live und in action“ aussieht, sehen wir in diesem kurzen Beitrag der NDR.

Quelle: mundraub, YouTube

Eine lobenswerte Initiative

Die Mundraub-Organisation ist ein tolles Beispiel das aufzeigt, wie stark wir als Gemeinschaft fungieren, wenn wir uns zusammen tun. Jeden Tag markieren „Mundräuber“, so wie sie liebevoll genannt werden, neue Fundorte auf der Karte und laden zum pflücken ein.

Mittlerweile wurde das Konzept auch ins Ausland verlagert, d.h. die Karte wächst. Unsere Nachbarländer Österreich, Schweiz, Tschechien oder Polen tragen zum Wachstum und zur Verbreitung dieser genialen Idee bei.

Wenn wir also die oben aufgeführten Kriterien beachten, dann werden wir feststellen, dass es jede Menge schöne Flecken auf der Karte gibt, die wir als essbare Landschaften sehr wohl nutzen können.

Ganz wichtig für jene, die oft am Straßenrand bzw. Waldrand, z.B. Nüsse, sammeln möchten: Oft werden diese Flächen verpachtet, daher sollte man vorher wirklich recherchieren, ob diese sich für die Ernte eignen.

In einer Welt, in der immer mehr Ackerflächen sich in immer weniger Händen befinden, stärkt eine derartige Initiative vielleicht zusätzlich noch das Bewusstsein der Bevölkerung in punkto „Fremdbestimmung“, Big Agro-Business und Kartelle. Denn während Bauernhöfe, die seit Generationen für den Erhalt der Landwirtschaft in unserem Land zuständig waren, aus diversen finanziellen Schwierigkeiten (z.B. steigende Preise bei Düngemittel, sinkende Getreidepreise) ihre Tore schließen müssen (Beitrag: Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe geht zurück), füllen sich irgendwelche Aktionäre, die mit der Landwirtschaft oft nichts am Hut haben, ihre Taschen.

Es geht auch anders und das was Mundraub auf die Beine gestellt hat, ist sehr lobenswert.

Welche essbare Landschaften befinden sich bei Euch in der Umgebung? Wenn sie den oben erwähnten Kriterien entsprechen, dann tragt sie doch bitte in die Karte ein und lasst auch andere von ihnen profitieren.

Bildquelle: Foto von Mario Mendez auf Unsplash

2023-12 Food Forest Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur - Agrarbetrieb

Food Forest: Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur

Was ist denn ein Food Forest? Wie kann uns das bei den aktuellen Krisen ggf. aus der Patsche helfen? Den Begriff „Stickstoffkrise“ können die meisten von uns langsam nicht mehr hören. Egal ob man in der Landwirtschaft oder Viehzucht unterwegs ist, oder einem anderen Industriezweig angehört, es gibt Schlagwörter, die von der Politik und den Medien dermaßen missbraucht wurden, dass sie unerträglich geworden sind. Dabei muss es zwischen Ökologie und Landwirtschaft keinen Widerspruch geben.

Wenn man bedenkt, dass ein kleines Land wie die Niederlande zum größten Fleisch- und zweitgrößten Obstexporteur Europas zählt, dann stellt man das bestehende Ernährungssystem sehr wohl in Frage. Dass die Bauern es dort mit allerlei Maßnahmen zu tun haben, die als Ziel eine Reduzierung der Stickstoffmengen anpeilen, lässt die Kollegen in allen anderen Ländern aufhorchen.

Worüber jedoch wenig bis gar nicht gesprochen wird, ist die Tatsache, dass es auch anders geht. Denn steht einmal die Natur, die Gesundheit und das Wohlsein des Menschen anstelle des Profits im Mittelpunkt, dann lassen sich auch völlig andere Ernährungssysteme konzipieren. Diese wiederum stützen sich auf Polykulturen, Artenvielfalt und dem Einklang zwischen Mensch und Natur.

Eins dieser Konzepte ist der Lebensmittelwald oder Waldgarten, im Englischen auch als Food Forest bekannt.

Food Forest bzw. Nahrungswald als Lösungsalternative gegen die Enteignung von Bauern

Bleiben wir doch bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und schauen uns dort an, wie denn so etwas aussehen könnte.

In 2009 kauften zwei Herrschaften ein 2,4 Hektar Ackerland in Groesbeek, wo hauptsächlich Silomais angepflanzt und als Viehfutter verwendet wurde. Sie pflanzten Bäume, Hecken und Sträucher an, und legten einen gewundenen Bachlauf für Frösche und Kröten an. Die beiden nutzten ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus der Permakultur und verzichteten bewusst auf GVO und Pestizide. Artenvielfalt wird ganz groß geschrieben im Lebensmittelwald der beiden.

Das Ergebnis ist bemerkenswert und ist zum Nachahmen geeignet. Zu den angepflanzten Arten zählen Stachelbeeren, Nashi-Birnen, Kaki, Papaya, Edelkastanien, Walnüsse, Haselnüsse, Pflaumen, Hickory und Mispel. Erstaunlich dabei sind auch die über 15 Meter hohen Bäume sowie über 30 Vogelarten, Biber, Ringelnattern und Co.

Wie das ganze aussieht, erfahrt Ihr in dem nachfolgenden Videobeitrag über den Food Forest Ketelbroek.

Quelle: Wouter van Eck, YouTube

Es ist absolut faszinierend zu beobachten, wie sich die Natur mit ein bisschen Hilfe regenerieren konnte.

Außerdem, was ich besonders spannend finde, ist die Aussage, dass der niederländische Waldgarten nach rund 5 Jahren mehr „abwirft“ bzw. Ernteerträge erwirtschaftet, als ein auf Monokulturen basierendes System – und das ganz ohne Erntemaschinen, Dünger, Pestiziden und Co.

Ganz umstellen oder lieber ein Hybrid-Konzept aufsetzen?

Für diejenigen, die diesen Schritt wagen, stellt sich die Frage, ob sie ganz oder nur teilweise umstellen sollten.

Dabei muss man sich im Klaren sein, dass die Anfangsinvestitionen größer ausfallen können. Deshalb lohnt es sich mit jemanden zu sprechen bzw. sich von einem sog. Food Forester beraten lassen, der diesen Weg bereits gegangen ist. Selbstverständlich stehen der Kreativität keine Grenzen im Wege, d.h. es gibt Betriebe, die etwa eine Kombo aus Food Forest und Ökotourismus bevorzugen. Andere wiederum stellen z.B. Apfelmost oder Wallnussöl her und verkaufen diese Online oder auf den Märkten.

Wouter van Eck hat für diesen Zweck einen Verein gegründet. Wenn Ihr also mehr Infos hierzu benötigt, dann könnt Ihr ihn über seine Webseite voedselbosbouw.org kontaktieren.

Immer wieder höre ich von Deutschen, die nach Portugal, Ungarn, Gambia, Südafrika, Argentinien oder Paraguay (um einige Beispiele zu nennen) ausgewandert sind, um dort solch grüne „Paradieslandschaften“ für sich und ihre Familien zu gestalten.

Viele dieser Menschen hatten vorher mit Landwirtschaft nicht viel am Hut bzw. waren nicht in unserer Branche tätig, aber ihre Liebe für die Natur hat sie in Länder getrieben, wo sie ihrer Leidenschaft leben einflößen konnten.

Müssen wir denn unser Heimatland verlassen, um derartige Projekte zu stemmen? Ich glaube nicht.

Mit meiner Aroniaplantage stoße ich in eine ähnliche Richtung. Die Bio-Aroniabeeren, die ich unter der Marke Frankenaronia vermarkte, habe ich mir einen zweiten Standbein aufgebaut, um meine Leidenschaft für eine nachhaltige Landwirtschaft noch stärker in den Fokus zu rücken.

Schaut vorbei. Besucht mich auf Frankenaronia.de

Bildquelle: Foto von BjoKib auf Pixabay

2023-11 Pflegebauernhof statt Seniorenheim - Agrarbetrieb

Pflegebauernhof statt Seniorenheim

Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zum klassischen Alters- bzw. Seniorenheim. Anstatt den ganzen Tag in einem „Kasten“ zu verbringen, wünschen sich unsere Senioren, ihren Lebensabend in der Natur, am besten auf dem Land zu verbringen. Ein Pflegebauernhof ist dafür eine ideale Lösung, um nicht nur mit anderen Gleichgesinnten auf dem Hof mit anzupacken, sondern auch länger aktiv zu bleiben.

Die Idee an sich ist nicht neu; was allerdings neu ist, ist die Tatsache, dass dieses Konzept bei kleinen, landwirtschaftlichen Betrieben vermehrt an Attraktivität gewinnt.

Wie kommt es dazu?

Die Abhängigkeit von Agrarsubventionen, der stetig steigende Preis- und Marktdruck führt immer mehr Betriebe ins Aus. Über das Thema Höfesterben habe ich hier auf Agrarbetrieb schon des Öfteren geschrieben. Siehe hierzu auch den Beitrag: Höfesterben in der digitalen Ära geht weiter.

Was tun also, wenn wir unsere Leidenschaft nicht an den Nagel hängen und das, was unsere Vorfahren mit ganz viel Schweiß und Mühe aufgebaut haben, nicht aufgeben wollen? Irgendwie muss man sich ja seinen Lebensunterhalt finanzieren.

Einen Pflegebauernhof betreiben ist sicherlich ein tolles Konzept.

Pflegebauernhof – Landleben mal ganz anders

Vor Kürze habe ich im SWR eine sehr interessante Doku über dieses Thema gesehen. Es ging um Guido Puschs Pflegebauernhof in Marienrachdorf, im Westerwald. Er gilt als Pionier dieser Idee, denn er gründete 2011 den ersten Pflegebauernhof Deutschlands.

Auf seinem Familienbetrieb wohnen derzeit 22 Senioren / Seniorinnen in jeweils zwei Wohngemeinschaften. Die pflegebedürftigen leben auf dem Hof, in einer ehemaligen Scheune und werden professionell vom Pflegepersonal betreut. Diejenigen, die aktiv und mobil sind, wohnen in einer Selbstversorger-WG in der Nachbarschaft.

Das Wichtige bei dem gesamten Konzept: jeder hilft mit, wie und wo er kann.

Ein ehemaliger LKW-Fahrer wartet den Traktor. Ein Ex-Landrat hilft bei der Geburt von Kälbern. Die einen versorgen die Rinder, Schweine, Schafe, Hühner, Gänse und Co. Wiederum andere helfen bei der Ernte oder beim Kochen. Diese sinnvollen Arbeiten halten die Bewohner aktiv und gleichzeitig auch glücklich, denn sie wissen, dass sie was für das Gemeinwohl tun. Ihre Arbeit wird nämlich wertgeschätzt.

Es ist ein ‚WIN-WIN‘ Situation. Ältere Menschen werden respektvoll behandelt und fühlen sich sehr wohl. Der Landwirt erwirtschaftet mit dieser sozialen Dienstleitung ein Einkommen, dass teils mehr Sicherheit bieten kann, also der Erwerb aus der Produktion von Lebensmitteln.

Leider kann ich das Video hier im Blog nicht direkt einbetten, deshalb füge ich den offiziellen Link aus der ARD Mediathek hier ein. Die Doku dauert 30 Minuten und ist absolut sehenswert.

SWR Doku aus der ARD Mediathek

Ein innovatives Konzept was sich auf andere Bauernhöfe übertragen lässt

Immer mehr Familienbetriebe, die oft einen Mehrgenerationen-Bauernhof betreiben, tun sich schwer mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Während Großinvestoren und Großkonzerne problemlos Land abzwacken, kämpfen die Kleinen ums Überleben.

Viele dieser Bauernhöfe suchen nach Alternativen, um ihr Bauernhof am Leben zu halten. Da kommt das Konzept des erweiterten Bauernhofs bzw. eines Pflegebauernhofs dem einen oder anderen Landwirt sehr entgegen.

Wenn Ihr ein Bauernhof habt bzw. einen erwerben möchtet und Ihr dieses Konzept attraktiv findet, dann könnt Ihr auf der Webseite „Zukunft Pflegebauernhof“ mit Guido Pusch und seinem Team inkl. Kooperationspartnern in Verbindung treten.

HIER geht’s zum Beratungskonzept.

Das ist doch eine großartige Idee, um sein Bauernhof am Leben zu halten, findet Ihr nicht auch?

Wenn Ihr mit dem Gedanken spielt, Euren Betrieb umzustellen bzw. zuerweitern, dann wendet Euch an das oben erwähnte Team.

Früher gab es keine Altersheime. Da war es selbstverständlich, dass die jüngeren Generationen sich um die Eltern und Großeltern kümmern. Das hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ob das eine gute oder schlechte Entwicklung ist, überlasse ich jedem selbst zu beurteilen.

Hut ab für meinen Landwirtschaftskollegen und seine Initiative unseren Senioren / Seniorinnen mit dem Pflegebauernhof ein schönes Lebensalter mitten in der Natur zu ermöglichen.

Bildquelle: Foto von Gustavo Fring auf Pexels

2022-11 Green Care Bauernhof statt Altersheim

Green Care: Bauernhof statt Altersheim

In einer schnelllebigen Welt, in der das Idealleben gerne auf den vielfältigen, sozialen Netzwerken dargestellt wird, geraten die Älteren unter uns scheinbar in Vergessenheit. Viele Senioren fühlen sich auf den „Gleisen“ abgestellt und suchen nach Anschluß in einer Gesellschaft, die sie nicht immer ernst nimmt. Dabei ist nicht jeder von ihnen bereit, alles hinzuschmeißen und sein Lebensalter auf einem Sessel vor dem Fernseher zu verbringen. Sie bevorzugen „vitalere“ Alternativen, welchen ihnen ermöglichen, noch aktiv am Leben teilzunehmen. Da kommt ihnen das Konzept des Green Care wohl sehr entgegen. Denn hier geht’s nämlich auf den Bauernhof anstatt ins Altersheim.

Dass die klassischen Altersheime nicht jedermanns Geschmack treffen, ist klar. Zwar bemühen sich viele Häuser und Vorstände neue Konzepte und Ideen in die traditionelle Herangehensweise einzubetten, aber damit können sie den Markt bei Weitem nicht abdecken.

Für Senioren, die aktiv am Leben teilhaben und sich in einer Familie integriert fühlen möchten, sind Altersheime keine Lösung. Zum Glück blühen immer mehr Senioren-Wohngemeinschaften auf Bauernhöfen. Egal ob in Deutschland, Österreich, Niederlanden, Norwegen oder der Schweiz, immer mehr Bauernhöfe erweitern ihre Dienste und empfangen Senioren bei sich auf dem Land.

Was spricht dafür? Wieso zieht es Senioren vermehrt auf einen Bauernhof? Ist Green Care eine tragfähige Lösung, um das massive Höfesterben aufzuhalten und gegebenenfalls diesem auch entgegen zu wirken?

Green Care bietet einen Lebensabend in familienähnlichen Strukturen

Neulich forschte ich im Archiv des ZDF und stoß dabei auf eine sehr interessante Dokumentation aus dem Jahr 2020. Es ging nämlich um mein heutiges Thema, auf den Bauernhof statt ins Altersheim zu ziehen. In der halbstündigen Doku werden neun Senioren ein halbes Jahr lang auf dem Anwesen von Familie Müller (Hofbesitzer) begleitet.

Die Betriebsleiterin Andrea Müller (56) ist täglich für das Kochen zuständig. Der Sohn Manuel übernimmt die Arbeit auf dem Land und träumt davon, mit seiner Ehefrau die Idee des Senioren-WGs zu übernehmen und zukünftig ebenfalls Seniorenwohnungen im Dorf anzubieten.

Die Doku kann ich jedem empfehlen, der ein bisschen hinter die Kulissen dieses Konzepts blicken möchte. Sie ist wirklich sehenswert.

Hier geht’s zur ZDF Doku.

Dass ein Leben auf dem Land, umgeben von Pflanzen und Tieren, viele Vorteile mit sich bringt, ist wohl allgemein bekannt. Wie wichtig die Sonne und das Aufhalten draußen an der frischen Luft sind, ist kein Geheimnis und lernt man wohl üblicherweise bereits von Kindesbeinen an. Wenn wir das regionale und saisonale Essen bzw. die familienähnlichen Strukturen dazu zählen, haben wir ein perfektes „Gesundheitspaket“ für ein angenehmes Leben unabhängig vom Alter.

Welche Vorteile bringt denn Green Care für die Senioren mit sich?

  • Kosten: Diese sind wesentlich geringer als im Altersheim.
  • Eigenständigkeit: Wer fit ist, kann auf dem Bauernhof anpacken; wer lieber mit dem Hund spazieren mag, kann dies ebenfalls problemlos tun. Jeder kann sich einbringen, die Aktivitäten sind vielfältig.
  • Lebensqualität: Die Seele mitten in der Natur baumeln lassen.
  • Pflege: Bei Bedarf wird ein Pflegedienst hinzu gezogen.

Senioren-WGs auf dem Bauernhof – Eine Lösung gegen Höfesterben?

Das Höfesterben-Phänomen hat uns voll eingeholt. Die Superreichen und großen Agrarunternehmen machen keinen Hehl mehr daraus, dass sie so viel Land wie möglich kaufen wollen — und dies auch konsequent tun. Während sie problemlos Millionen und Milliarden in neue Technologien, Landmaschinen und Co. investieren können, sehen sich andererseits immer mehr Familienbetriebe gezwungen, ihre Pforten zu schliessen. Das, was Generationen mit viel Mühe, Liebe und Leidenschaft aufgebaut haben, verpufft vor ihren weinenden Augen.

Dabei versucht jeder, gegen diesen Trend so gut wie möglich dagegen zu steuern bzw. mitzugehen, wie er nur kann. Die einen probieren neue Getreide- und Pflanzensorten, die anderen gestalten ihre Bauernhöfe in sogenannten Ferienresorts um, während eine kleine, aber stetig wachsende Zahl mutiger Landwirte auf Green Care umsteigen.

Selbstverständlich wird auf den Green Care Bauernhöfen keine Viehzucht oder Landwirtschaft nach alter Tradition betrieben, d.h. Hunderte von Tiere, die gefüttert und gemolken werden müssen oder Schlepper, die tagein tagaus ihre Runden drehen, um den Boden zu bearbeiten. Es handelt sich hierbei vielmehr um kleine, „schnuckelige“ Bauernhöfe, auf denen man gemeinsam zu Abend isst, Geburtstage zusammen feiert und das Leben in einer Großfamilie zelebriert.

Insbesondere Senioren, die aktiv sind und auf dem Bauernhof anpacken bzw. kleine Tätigkeiten im Haus erledigen können, sind auch eine echte Hilfe für die Bauernhöfe und für die Dörfer insgesamt. Im Zuge des demographischen Wandels, durch welchen es die jungen Generationen vermehrt in die großen Städte zieht, in denen das Singleleben als eine attraktive Lebensform vermarktet wird, ist dieser Gegentrend sicherlich eine äußerst interessante Idee, um die Dörfer wieder zu beleben und dem Leben auf dem Land einen neuen Sinn zu geben.

Für mich persönlich ist es noch kein Konzept, mit welchem ich mich aktuell auseinandersetze, jedoch wollte ich darüber berichten, um das Bewusstsein für solche, von der heutigen Normalität abweichende, Möglichkeiten zu schaffen und Menschen aus allen Lebensphasen über das Konzept des Green Care zu informieren. Wer weiss, welche innovativen Ideen noch umgesetzt werden und wofür sich jeder von uns eines Tages entscheidet. Für mich persönlich spricht als naturbegeisterter Landwirt selbstverständlich alles für einen Bauernhof.

Bildquelle: Foto von Jake Heinemann auf Pexels

Lokal und Global – Wie wär’s mit einer Ko-Existenz?

Lokal und Global – Wie wär’s mit einer Ko-Existenz?

Wir leben in einer Welt geprägt von Dualität: gut-schlecht, oben-unten, links-rechts, schwarz-weiß, global-lokal usw. Anstatt mit dem Gießkannenprinzip sogenannte Lösungswege anzubieten, die einerseits absolut keinen Sinn ergeben und andererseits, komplett das Gegenteil bewirken, wie wär’s wenn wir individuelle Lösungen für Situationen finden, in denen eine Ko-Existenz der beiden vermeintlichen Gegenströme die bessere Vorgehensweise ist.

Als Befürworter der WIN-WIN Strategie, sehe ich das Thema global-lokal insbesondere auf meiner Branche, der Landwirtschaft bezogen, nicht so engstirnig wie manch ein Politiker, eine Partei, ein NGO etc. uns weiss machen will. Es ist irrsinnig, lokale Probleme die z.B. in einer kleinen Gemeinde auftreten, mit globalen Ansätzen zu lösen. Anders herum ist es genauso dumm, auf globale Herausforderungen ausschließlich mit lokalen Konzepten zu reagieren.

Die Kraft liegt in der Kombination, in der cleveren Verschmelzung globaler und lokaler Ideen. Unabhängig davon ob wir hier über eine steigende Weltbevölkerung oder eine massive „Völkerwanderung“ in Richtung Mega-Cities sprechen, die Versorgungsprobleme erfordern verzahntes Denken und Handeln.

Die Entweder-Oder-Debatte ist völlig falsch

Alles auf 100% global umzustellen ist nicht zielführend, auch wenn sich da manch einer ein schöneres bzw. sorgloseres Leben verspricht. Die letzten Jahre haben die Schwachstellen der globalen Orientierung stärker aufgezeigt als je zuvor.

Hier ein paar Beispiele:

  • Schiffe die voll beladen irgendwo fest stecken und die Container den Hafen nicht mehr erreichen.
  • Internationale Ware in Häfen die aufgrund mangelnder LKW-Fahrer nicht in die Läden transportiert werden kann.
  • Leere Regale in den Supermärkten (insbesondere in Großstädten) und große Bestellungslücken die nicht aufgeholt werden können.
  • Saisonale Ware die von der einen Halbkugel der Erde auf die andere geschippert wird, weil man einerseits, nicht die nötigen Investitionen vor Ort getätigt hat und andererseits, weil der liebe Konsument die Verbundenheit zur Natur völlig verloren hat und das Thema Saisonalität für ihn eine große Unbekannte ist.

Diese Liste könnt Ihr gerne weiter führen, in dem Ihr Beispiele aus Eurem Alltag integriert. Das gibt dem Ganzen dann einen „lokalen“ Sinn sozusagen.

Spass beiseite, das sind keine Lappalien. Die Begriffe Nachhaltigkeit, Globalismus und Klimawandel werden so gerne durch die Gegend geschmissen, aber wer sich mal ernsthaft hinsetzt und überlegt was wir hier treiben, nämlich tonnenweise Lebens- und Nahrungsmittel über zehntausende von Kilometer von A nach B zu fahren, fliegen und Co., der kommt zur Schlußfolgerung, dass wir alle nicht ganz dicht sind.

Ganz zu schweigen was uns das alles kostet, schaden wir der Natur und unserem Planeten mehr denn je. Und dann sollen wir das noch mehr intensivieren? Wir sehen doch deutlich, dass diese globale Verflechtung nicht funktioniert, wieso pushen wir diese Schiene dann ins Extreme?

Clever ist was anderes. Bitte versteht mich nicht falsch, globale Konzepte und Strategien bringen Vorteile mit sich wenn sie sinnvoll und gezielt eingesetzt werden. Aber damit lösen wir nicht die oben aufgeführten Probleme. Diese Denkweise ist falsch und sollte dringend korrigiert werden.

Ich sehe die Power in der Kombo lokal und global. Wenn wir tolle Sorten hier bei uns in der Region anpflanzen können, dann sollten wir das vermehrt tun. Als Naturliebhaber sehe ich die Saison-Zyklen die uns Mutter Erde zur Verfügung stellt als eine Unterstützung und nicht als Hindernis. Wenn wir mit diesen Zyklen arbeiten statt dagegen, dann erreichen wir viel mehr.

Die ganzen Technologien und innovativen Konzepte wie z.B. Foodscaping, Vertical Farming, Urban Farming, Hydroponik, Aquaponik, Permakultur über die ich des Öfteren hier auf Agrarbetrieb geschrieben habe, helfen uns da sehr gut weiter.

„Go local“ ist wesentlich mehr als nur ein Slogan

So sehr ich exotische Früchte, Hülsenfrüchte und Co. mag, umso verrückter erscheint mir das Treiben in punkto Versorgung und Lieferung dieser Produkte aus weiten Ländern zu uns nach Deutschland — und das über das ganze Jahr hinweg.

Wir importieren im Winter Heidelbeeren aus Chile und Peru, lassen allerdings unsere leckeren deutschen Heidelbeeren im Sommer links liegen. Wir rütteln im Herbst mit der Nase wenn Grünkohl oder Kraut aus der heimischen Produktion serviert wird und greifen lieber zu Kimchi oder Chinakohl weil wir der Meinung sind, dass diese was Besonderes sind.

Der heutige Konsument ist völlig verzogen. In der Schule lernen die Kinder nicht mehr welches Obst und Gemüse in welcher Jahreszeit geerntet wird. Wozu das alles lernen, wenn die Supermärkte das „Zeug“ ganzjährig im Sortiment führen.

Was ich damit sagen will ist folgendes: Entweder lernen wir alle unsere heimischen Lebens- und Nahrungsmittel auf der sanften Tour zu schätzen oder wir kriegen eine harte Lektion verpasst, wenn wir früher oder später vor leeren Regalen stehen.

Für alle Liebhaber von exotischen Früchten & Co.: Wir haben die Möglichkeit diese teilweise auch bei uns in Deutschland anzupflanzen. Ich habe dies ja auch mit meiner Aroniaplantage getan. Die Aroniabeeren habe ich auf meinen Reisen nach Südamerika kennengelernt und weil ich von den vielen Vorteilen dieser Superbeere absolut begeistert war, habe ich sie zu uns ins Frankenländle mitgebracht. Mehr dazu auf Frankenaronia.

Lokal & Global – The Power is in the Mix

Je mehr wir hierzulande produzieren können, am besten regional, um größere Transport- und Lieferwege zu vermeiden, umso gezielter können wir dann global vorgehen, mit dem was wir wirklich nötig haben. Wenn wir jedoch das globale Geschäft getreu dem Motto „Profite maximieren, ohne Rücksicht auf Verluste“ weiterhin betreiben, werden die Systeme kollabieren.

Es ist ein Paradigmenwechsel notwendig. Wir müssen die Ressourcen anders verteilen und das was wir lokal generieren können, besser nutzen. Damit kommen wir nicht nur der Natur sondern auch unseren Gemeinden und Länder zugute.

Extreme verstärken das Konzept der Dualität und bringen uns kein bisschen weiter. Besinnen wir uns daher auf unsere Stärken, schöpfen wir aus unserer lokalen Kraft und geben dem Rezept die benötigte globale Würze.

Bildquelle: Foto von Fotoworkshop4You auf Pixabay