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Goodbye Solardeckel

Goodbye Solardeckel – das sind die Pros

Der Solardeckel von 52 GW Ausbaukapazität ist abgeschafft. Viele Landwirte können jetzt endlich auch bei uns in Deutschland aufatmen und in Ruhe überlegen, welche Flächen für eine PV-Nutzung sinnvoll sind. Der Markt kann seine Dynamik entfalten.

Endlich hat die Bundesregierung eine Entscheidung getroffen. Seit Monaten wurde die Gesetzesänderung zur Beseitigung der Förderstopps für neue Solaranlagen vertagt und das obwohl Verbände immer wieder darauf hinwiesen, dass eine Förderunterbrechung massive Schäden in der Solarwirtschaft verursachen würde.

So hatten sich z.B. Ende März diesen Jahres rund 2.000 Unternehmen aus der Energiebranche in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel gewandt, mit der Bitte, den Förderdeckel für neue PV-Anlagen zu streichen. Hinzu kommt, dass die Solarbranche eine Beschwerde gegen den Solardeckel vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erhoben hat. [Quelle: BSW]

Der Solardeckel wurde also gekippt. Im Klartext bedeutet das folgendes:

Eine Förderung ist auch dann möglich, wenn der Zubau von 52 Gigawatt überschritten wird.

Für uns in der Landwirtschaft ist das Wegfallen der bisher geltenden Höchstgrenze von 52 GW ein positives Signal. Es ergeben sich neue Chancen. Wer innovativ und offen ist, kann mit dem „basteln“ neuer, lukrativer Geschäftsmodelle loslegen.

Agro-Photovoltaik: oben PV-Anlagen, unten Weizen

Keine Betonklötze und 80% Ertrag klingt nach einem interessanten Deal, oder?!

Landwirt Florian Reyer von der Hofgemeinschaft Heggelbach am Bodensee hat sich auf ein Experiment eingelassen. Auf dem Ackerfeld hat er Winterweizen angebaut. Über dem Acker wurde eine PV-Anlage mit 720 Modulen gebaut.

Die Challenge lautet wie folgt:

Kann Landwirtschaft unter einer Photovoltaikanlage funktionieren?

Das Pilotprojekt wird vom Fraunhofer Institut in Freiburg wissenschaftlich begleitet.

Quelle: Bayerischer Rundfunk, YouTube

Solardeckel Ade: Was sind die Vorteile?

Superreich wird man heuer mit PV-Anlagen nicht mehr; das ist den meisten schon bewusst. Was Solaranlagen jedoch durchaus ermöglichen sind regelmässige Einnahmen aus einer zweiten Quelle.

Wie im Falle des Landwirts vom Bodensee, lassen sich Photovoltaikanlagen nicht nur auf dem Dach oder am Boden montieren, sondern auch oberhalb von Agrarflächen (sog. Freiflächenanlagen). Diese müssen aber nicht gleich über einer profitablen Getreidefläche platziert werden. Denkt dabei an „schlechtere“ Standorte, sei es, dass die Landstücke kleiner sind oder der Boden nicht so fruchtbar ist. Wer kreativ ist, findet sicher eine passende Lösung.

Ein weiterer wichtiger Vorteil von Solaranlagen im Vergleich von z.B. Windkraftwerken ist die höhere Akzeptanz des erstgenannten in der Bevölkerung. Es gibt unzählige Bürgerinitiativen gegen Windkraftprojekte; Solarpanele hingegen sind von den Aktivisten zumindest bis dato eher verschont geblieben.

Nachdem politische Vertreter zusammen mit einigen Medien und Umweltverbänden das Thema Biogas in ein schlechtes Licht gerückt haben, gilt es den momentanen PV-Aufschwung maximal auszunutzen. Wie sonst wollen die Damen und Herren die Energiewende vorantreiben, wenn Biogas, PV und Windkraft als „böse“ eingestuft werden?

Die Abschaffung des Solardeckels ist schonmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Aber…

… es muss mehr passieren. Es ist wichtig, dass weitere Marktbarrieren abgebaut werden, so wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) dies auch fordert. Hierzu zählen u.a.:

  • Sonnensteuer bzw. EEG-Umlage: Selbst- und Direktversorger mit Solarstrom dürfen nicht länger mit der EEG-Umlage ausgebremst werden.
  • PV-Anlagen auf XL-Dächern: Aufhebung der Beschränkungen (z.B. Marktprämien-Gewährung) für die Errichtung grosser PV-Anlagen auf großen Industriehallen.
  • Standorte für Solarparks: Aufhebung der Standorteinschränkungen; die Rahmenbedingungen sind viel zu restriktiv.

Was lässt sich mit Solaranlagen alles basteln?

Welche Konzepte haben sich bewährt und was können wir von anderen Ländern lernen?

Solardeckel weg – inwieweit hilft Euch diese Entscheidung? Habt Ihr Euch ein paar lukrative Modelle schon ausgedacht?

Foto von mrganso, Pixabay.com

Globale Energiewende 2050

Globale Energiewende 2050: So purzeln die Billionen

Während Regierungen weltweit mit immer mehr Hilfspaketen und höheren Summen versuchen die jeweiligen Wirtschaften wieder zum Laufen zu bringen, lässt der Druck in punkto Energiewende nicht nach. Es geht u.a. um ehrgeizige Dekarbonisierungsziele, die mehr Arbeitsplätze, sauberere Lebensbedingungen und ein höheres Wirtschaftswachstum versprechen. Dieses Vorhaben kostet jede Menge Geld; es ist die Rede von einem dreistelligen Billionen-Betrag.

Die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA – International Renewable Energy Agency) hat vor wenigen Tagen ihren aktuellsten Report „Globaler Ausblick Erneuerbare Energien: Energiewende 2050“ veröffentlicht.

Der 292 Seiten lange Guide beschreibt die Investitionen und Technologien, die zur Dekarbonisierung des Energiesystems gemäß dem Pariser Abkommen erforderlich sind. Übersetzt geht es darum, die Kohlendioxidemissionen (CO2) möglichst auf Null zu senken.

Ein paar Eckpunkte dieser umfassenden Analyse:

  • Das ultimative globale Klimaziel = Null Emissionen. Aufgeführte mögliche Wege hierzu: Wasserstoff und synthetische Krafstoffe, direkte Elektrifizierung, fortschrittliche Biokraftstoffe, Kohlenstoffmanagement, strukturelle Veränderungen, innovative Geschäftsmodelle.
  • Zwischenziel: die globalen energiebedingten CO2-Emissionen bis 2050 sollen um 70% gesenkt werden. Über 90% dieser Senkung soll durch erneuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen erzielt werden.
  • Return on Investment von 1:3 bis 1:8, d.h. für jeden in kohlestoffarme Technologien investierte Dollar könnten Einsparungen in Höhe von drei bis acht Dollar generiert werden. Investments in die Energiewende bis 2050 würden 19 Billionen US-Dollar kosten und einen Zuwachs von mindestens 50 Billionen USD bringen. Investments um die CO2-Emissionen vollständig zu beseitigen würden 26 Billionen USD kosten. Den Gesamtkosten von 45 Billionen USD (19+26) würden Gesamteinsparungen von mindestens 62 Billionen USD gegenüberstehen.
  • Höherer BIP-Wachstum: Dieser Umbau könnte das kumulierte globale Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um 98 Billionen USD zusätzlich steigern.
  • Mehr Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien: 42 Mio. Arbeitplätze sollen bis 2050 im Bereich der erneuerbaren Energien entstehen, 4 mal mehr als heute. Die Gesamtzahl der Arbeitsplätze im gesamten Energiesektor würde sich bis 2050 auf 100 Millionen belaufen; das sind 40 Mio. mehr als heute.

Welche Investitionen sind für diese weltweite Energiewende denn noch notwendig?

Auf Seite 34 des Reports werden wir mit dieser Zahl konfrontiert.

Bis 2050 werden Investitionen in Höhe von 110 BILLIONEN USD benötigt. Für die „Zero“-Dekarbonisierung belaufen sich die Investment-Prognosen auf 130 BILLIONEN USD.

Quelle: Global Renewables Outlook: Energy transformation 2050, April 2020, IRENA.

Klimaabkommen und globale Energiewende ohne USA?

Trotz heftiger internationaler und nationaler Kritik sind die USA ganz offiziell aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen. Diese ganze Klimageschichte war für den aktuellen Präsidenten Donald Trump von Anfang an ein Dorn im Auge. Die USA würden sich fortan an ein „realistisches und pragmatisches Modell“ orientieren, so die Aussagen des Außenministers Mike Pompeo. [Quelle: Der Tagesspiegel]

Globale Energiewende ohne DIE Weltwirtschaftsmacht USA: Wie soll das gehen?

Auf diese Fragen sind die IRENA-Experten der obigen Studie nicht eingegangen. Die dreistelligen Billionenbeträge die im Dokument aufgeführt wurden, sind ohne die Unterstützung seitens der größten Wirtschaftsmacht der Welt, nicht bzw. kaum zu realisieren.

Wer soll denn für diese gigantischen Summen aufkommen? Der deutsche Steuerzahler? Die EU-Bürger, deren Wirtschaft derzeit vor dem Kollaps steht? Wie wär’s mit China oder den Technokraten aus Silicon Valley?

Erneuerbare Energien sind wichtig. Biogas spielt bei uns in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle, genauso wie PV-Anlagen und bei einigen Kollegen im Norden, die Windräder. Des Weiteren finde ich derartige Studien essentiell, um das Status Quo in Frage zu stellen und uns neue Perspektiven, Chancen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Nachhaltigkeit ist super wichtig, genauso wie eine tolle Luft- und Wasserqualität.

Was ich damit sagen will ist folgendes: wir benötigen echte, pragmatische Lösungswege, realistische ‚How to‘-Szenarien mit denen auch der Otto-Normalbürger etwas anfangen kann. Die Top-Down Methode die seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten angewandt wird, hat im Informationsalter ausgedient. Wir benötigen Ansätze die von unten nach oben getragen werden; sog. Down-Top Lösungsideen.

In diesen Gremien, die derartige Studien und Analysen zusammenstellen, fehlen oft die Menschen die tagein tagaus nichts anderes machen als sich mit erneuerbaren Energien „praktisch“ auseinanderzusetzen. Theoretiker müssen endlich mit den Praktikern zusammen arbeiten, sonst wird aus dieser ganzen Energiewende und Klimastrategie nichts.

Geld drucken scheint derzeit absolut kein Problem zu sein. Gigantische Geldmengen in sinnlose Maßnahmen reinpulvern kann auch jeder. Auch wenn die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind, muss man Wege finden, mit den Kollegen von Übersee zu kooperieren. Es geht um uns alle. Es geht um unseren tollen Planeten.

Gegensätzliche Meinungen sind gut

Ganz sachlich über ein Thema diskutieren, scheint heute etwas ganz außergewöhnliches zu sein. Wir müssen uns alle Positionen anhören, Pro und Kontra Argumente zusammen tragen und voneinander lernen. Nur weil die USA eine andere Meinung vertreten, bedeutet nicht, dass sie die Bösen sind.

Die Fragen die wir uns stellen sollten sind: Was sehen die USA anders? Wie wollen sie das Thema Energiewende angehen? Welche Chancen und Gefahren haben sie erkannt bzw. sind sie noch am eruieren?

Wie so oft im Leben, liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Wie lautet Eure Position zur Energiewende? An welche Punkte hat im Rahmen dieser Dekarbonisierungsdebatte bis jetzt keiner so richtig gedacht?

Foto: PIRO4D / Pixabay.com

Erneuerbare Energien Windkraft

Erneuerbare Energien mit 43% vom Stromverbrauch auf Rekordniveau

Erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch, nicht zuletzt auch wegen dem „straffen“ Zeitplan der Bundesregierung. In 2019 lag der Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch nach Angaben der Energiebranche bei knapp 43%. Jetzt heisst es Gas geben, denn bis Ende der Dekade, also bis 2030 will Deutschland den Anteil von Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen auf 65% steigern.

Für alle nochmal kurz zur Erinnerung:

In 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. Spätestens 2038 soll Schluss sein mit dem Strom aus Kohlekraftwerken.

Während sich Brüssel und die hiesige Regierung auf die einen oder anderen Ziele festgebissen haben, steigen die Strompreise kontinuierlich weiter. Letztes Jahr erreichten die durschnittlichen Strompreise in Deutschland einen neuen Rekordwert von 30,88 Cent pro Kilowattstunde. Vor rund 20 Jahren lag der Strompreis bei 13,94 Cent pro Kilowattstunde. Das ist eine Verdoppelung der Preise in nur zwei Dekaden. (siehe hierzu Check24)

Was erwartet uns denn mit dem Wegfall des Atom- und Braunkohlestroms?

Liebe Kollegen aus der Landwirtschaft und liebe Verbraucher, uns macht keiner mehr aus der Politik etwas vor. Wir wissen doch was auf uns zukommt: höhere Strompreise, was sonst?! Lasse Schmid, der Geschäftsführer des Strompreis-Vergleichsportals Check24 hat es ganz passend formuliert:

„Jeden Monat wird Strom für Verbraucher ein bisschen teurer. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht.“

Quelle: EUWID

Das Battle der regenerativen Quellen

Erneuerbare Energien deckten 2017 rund 36,3% des Stromverbrauchs in Deutschland. In 2018 stieg diese Prozentzahl auf 38,2% und erzielte letztes Jahr mit knapp 43% einen Rekordwert. Diese vorläufige Kalkulation kommt vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Insgesamt wurden über 244 Mrd. kWh aus regenerativen Energiequellen erzeugt. Der Splitt je Quelle ergibt sich wie folgt:

  • 104 Mrd. kWh geliefert duch Windkraftanlagen an Land
  • 45 Mrd. kWh erzielt durch Photovoltaik
  • fast 45 Mrd. kWh durch Biomasse
  • 24 Mrd. kWh durch Wind offshore; größte Zuwachsrate mit 25%, in 2018 lag diese bei 19,5 Mrd. kWh
  • 21 Mrd. kWh erzeugt durch Wasserkraftwerke

Quelle: BDEW

Erneuerbare Energien brauchen Unterstützung sonst wird das mit den Zielen nichts

Auf der einen Seite hantieren wir mit ‚Hoffnung‘ und auf der anderen mit ‚Fakten‘. Hoffnung ist genauso wie Glück, keine besonders clevere Strategie. Es zählen die harten Fakten und diese sehen momentan alles andere als rosig aus.

Ganz konkret heißt das:

  • Wir haben hierzulande die Potenziale in punkto Wasserkraft weitgehend ausgereizt. Daran wird sich auch nicht viel ändern, außer wir ‚homo sapiens‘ machen einen derartigen technologischen Sprung in der kommenden Dekade, dass wir das gesamte Thema komplett anders angehen.
  • Mit erheblichen Potenzialen können wir hingegen in der Windkraftbranche rechnen. Offshore ist eine super Sache obwohl die Basis noch recht klein ist. Wenn es jedoch beim gestoppten Zubau von Windkraftanlagen an Land bleibt, dann wird das mit dem Switch von Braunkohle & Co. auf erneuerbare Energien extrem schwer bis fast unmöglich.
  • Sollte in der Photovoltaik-Branche weiterhin auf die Bremse anstatt aufs Gaspedal gedrückt werden – übersetzt: (1) werden hier weiterhin Jobs gekürzt anstelle das man neue Arbeitsplätze kreiert und so wie eine aktuelle Studie der Marktfoschungsfirma EuPD Research Sustainable Management im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft wonach bis 2040 rund 50.000 neue Jobs entstehen könnten UND (2) werden die Photovoltaik- und Speicherkapazitäten nicht deutlich stärker ausgebaut als bisher – DANN wird das mit dem Ziel von 65% Strom aus erneuerbare Energien bis 2030 nichts.

Dabei spricht einiges dafür, dass die Transformation des Energiesystems gelingen könnte, wenn man in die Ausbaudynamik der beiden Hauptquellen Wind und Sonne/ Photovoltaik stärker investieren würde. Denn Windenenergie hat in 2019 erstmals mehr Strom erzeugt als jeder andere Energieträger und hat dadurch die fossile Energiequelle Braunkohle von Platz eins verdrängt. (Quelle: Bundesverband Windenergie BWE)

Die No-Goes worüber keiner reden will

Das mit den regenerativen Energiequellen ist zwar alles schön und gut aber was in den Diskussionen kaum angesprochen wird, sind die Schattenseiten. Während wir mit Braunkohle, Erdgas und Atomkraftwerke eine gewisse Stabilität erreichen, verhält sich das bei der Stromproduktion aus Wind und Sonne ganz anders. Wir haben es hierbei mit recht hohen Volatilitäten zu tun. Mal scheint die Sonne, mal vergisst sie uns für mehrere Wochen. Das mit dem Wind hat auch seine Herausforderungen.

Hinzu kommt das Thema Speicherung und Transport. Die Stromnetze werden immer komplexer und die ‚Verkabelung‘ des Landes gestaltet sich auch schwierig. Im Klartext: wir brauchen Stromleitungen, die den Windstrom z.B. aus dem schönen Norden in die Verbrauchszentren im Westen und Süden des Landes transportiert.

Ein weiterer Punkt dessen wir uns bewusst sein müssen, sind die Risiken eines Strom-Blackouts. Wir kennen sogenannte Mega-Blackouts sehr wohl aus TV-Berichten aus Südamerika. Sind wir denn hier in Deutschland so sicher vor Stromausfällen?

Eins muss uns klar sein, egal wieviel Geld wir in den Ausbau von Windrädern und Photovoltaikanlagen pumpen, es kann immer mal wieder vorkommen, dass wir längere Phasen ohne Stromproduktion aus Wind und Sonne irgendwie überbrücken müssen (siehe hierzu meinen Punkt zur Volatilität). Was dann? Wäre es nicht sinnvoll, eine entsprechende Reserve an konventionellen Kraftwerken parat zu haben, um im Extremfall auf diese zurückzugreifen? Ich kann mir gut vorstellen, dass wir im Falle eines Mega-Blackouts jede Menge Klimaaktivisten auf den Strassen erleben werden, die sich darüber beschweren, dass sie ihre Smartphones nicht laden können 😉

Versteht mich nicht falsch, ich bin ein Befürworter der regenerativen Energiequellen. Alles was unserem Planeten, der Natur und uns Menschen gut tut, das liegt mir 100% am Herzen. Gleichzeitig müssen wir auch Maßnahmen treffen, einen Plan B und C haben, wenn das Ganze, aus was auch immer Gründen, sich in eine völlig andere Richtung dreht. Wie so oft im Leben, steckt auch hier die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Neue Dekade, neue Chancen und Herausforderungen. Das Thema erneuerbare Energien bleibt für uns alle auf der Tagesordnung.

Biogasanlagen fuer Privathaushalte

Jetzt gibt’s Biogasanlagen auch für Privathaushalte

Auf rund ein Fünftel der Ackerflächen in Deutschland findet Biomasseerzeugung statt. Sie sind und bleiben erstmals der mengenmäßig wichtigste erneuerbare Energieträger und ein bedeutender Standbein für die Landwirte. Seit Neuestem können auch Privathaushalte von Biogasanlagen profitieren. Ein israelisches Unternehmen macht es möglich.

Biogasanlagen sind etwas für die Landwirtschaft… Von wegen…

Das israelische Start-up Unternehmen HomeBiogas hat eine Mini-Biogasanlage für den Privathaushalt entwickelt. Die kompakte 2 qm große Anlage kann im Garten aufgestellt werden. Küchen- und Gartenabfälle landen damit nicht mehr auf der Müllheide, sondern direkt in der eigenen Anlage.

Die kleine Biogasanlage funktioniert wie folgt:

  • Der Biogastank wird mit 650 Liter Wasser gefüllt.
  • Die organischen Abfälle werden einfach reingeschmissen.
  • Biogas entsteht, indem die Bakterien im Wasser die organischen Abfälle zersetzen.
  • Mit 1 kg Abfall kann der Gasherd für rund 1 Stunde betrieben werden. Selbstverständlich können auch andere mit Gas betriebene Geräte an das Durchlaufsystem gekoppelt werden.
  • Das erzeugte Gas wird gefiltert, um unangenehme Gerüche zu vermeiden. Es wird sichergestellt, dass toxische Gase nicht nach aussen dringen.
  • Als Nebenprodukt entsteht flüssiger Dünger.

Die Anlage ist längst kein Prototyp mehr. Sie wird bereits in mehreren Teilen der Welt erfolgreich eingesetzt.

Die Mini-Biogasanlage für den Privatverbrauch kostet 650 US-Dollar.

Quelle: HomeBiogas, YouTube

Zwei innovative Methoden zur Erzeugung von Biogas

Üblicherweise werden Biogasanlagen mit Silomais, Getreide, Gräser, Rüben, Leguminosen oder Durchwachsene Silphie „gefüttert“. Das ist wie gesagt die bekannte Methode.

Aber es geht auch anders.

1. Biogas aus gereinigtem Oberflächenwasser

Die Firma Flexbio Technologie GmbH hat im Rahmen eines Forschungsprojekts die Praxistauglichkeit seines Verfahrens bewiesen. Die Kleinkläranlage reinigt Oberflächenwasser vorflutreif auf und spart damit Kosten.

Zum Verständnis:

  • Bei starkem Regen fallen stoßweise große Mengen an organisch hoch belastetem Oberflächenwasser an.
  • Dieses Oberflächenwasser wird oft in Gärrestlager gesammelt.
  • Das gesammelte Wasser muss umweltgerecht entsorgt werden.
  • Damit entstehen einerseits Kosten für die Lagerung und andererseits, für die Ausbringung.
  • Mit dem Flexbio-Verfahren wird das Oberflächenwasser so stark gereinigt, dass die rechtlich vorgeschriebenen Grenzwerte zum Einleiten im Vorfluter eingehalten werden.
  • Die Kompaktkläranlage baut 99% der Organik und 60% des Stickstoffs ab.

Die Flexbio-Technologie stellt in erster Linie eine wirtschaftliche Alternative dar. Während die konventionelle Ausbringung bei ca. 6,25€/m³ liegt, ist die Reinigung des Oberflächenwassers mit Kosten von 2,18€/m³ rund 65% günstiger.

Hinzu kommt, dass durch die Nutzung der BHKW-Abwärme, die Flexbio-Anlage die Ansprüche des KWK-Bonus erfüllt.

Quellen: Fachagentur Nachwachsende Rohstoff (FNR), Flexbio Technologie

2. Biogas aus Molke

Hier kommt die nächste innovative Herangehensweise in punkto Biogasanlagen.

Die Allgäuer Sennerei Gunzesrid verwendet der aus der Herstellung von Käse übrig gebliebenen Molke, um seine Biogasanlagen auf Trab zu halten. Auch hier werden Kosten gespart. Weniger Gülle, kaum Ausbringung, niedrigere Kosten.

Quelle: Unser Land, YouTube

Innovative Sensoren helfen bei der effizienten Gestaltung von Biogasanlagen

SENSOR #1 zur Überwachung der Biogaserzeugung

Der neuartige Sensor zur genauen Detektion von Methan (CH4), Kohlendioxid (CO2) und Schwefelwasserstoff (H2S) wurde von den Forschern der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zusammen mit den Mitarbeitern des Unternehmens Dittrich/LogiData Tech entwickelt.

Charakteristika des Sensorsystems:

  • Robustes Messgerät
  • einsetzbar in einer hochkorrosiven Umgebung
  • kostengünstiger als konventionelle Technologien
  • ermöglicht eine großflächige, hochaufgelöste Überwachung der Biogaserzeugung (des gesamten Prozesses)
  • schnelle und zuverlässige Datenlieferung: alle 10 Sekunden werden Daten zur Änderung der Gaszusammensetzung geliefert

SENSOR #2 zur Überwachung des Silierprozesses

Der innovative Sensor überwacht folgende Kenngrößen des Silierprozesses in Echtzeit: PH-Wert, Verdichtung und Temperatur. Die Datenübertragung erfolgt Online. Dadurch weiss der zuständige Fahrer bzw. Landwirt immer was in der Siloanlage los ist.

Der energieautarke Multisensor wurde vom Julius-Kühn-Institut in Zusammenarbeit mit der ESYS GmbH und dem Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration entwickelt.

Wer also seine Biogasanlagen auf Vordermann bringen und dabei auch noch gutes Geld sparen will, der sollte sich die beiden robusten Sensortechniken näher anschauen. Beide sind praxistauglich.

Die Zukunft der Biogasanlagen

Bleibt Biogas auch in den nächsten Jahren eine wichtige Klimaschutzsäule oder nicht? Haben Landwirte umsonst in teuere Anlagen investiert, um diese fit für die Zukunft zu machen? Erfolgt die Biodieselherstellung verstärkt mit Soja- und Palmöl oder haben Raps & Co. noch Chancen?

Es ist fragwürdig ob wir in 10 Jahren noch die gleiche Anzahl von Biogasanlagen am Netz haben werden. Wie Deutschland die Klimaziele nach dem Ausstieg aus den Bereichen Kohle und Atom meistern will, bleibt schleierhaft.

Sind Biogasanlagen eine tragfähige Lösung für die Zukunft oder müssen andere Alternativen herhalten? Was glaubt Ihr?

Thumbs up für Ökostrom

Thumbs Up für Ökostrom in Deutschland

In Deutschland sind wir schon soweit: in 2018 wurde zum ersten Mal genauso viel Strom aus erneuerbaren Energien geschöpft, wie aus Braun- und Steinkohle. Dabei spielte der Solarstrom eine herausragende Rolle. Der CO2-Ausstoß ist erheblich gesunken.

Ist dieser Trend nachhaltig oder nicht? Werden die Rekorderträge im Bereich Ökostrom dieses Jahr erneut getoppt?

Glaubt man der neuesten Veröffentlichung von Agora Energiewende, dann lautet die Antwort auf die obigen Fragen, „nein“. Aber eins nach dem anderen.

Folgendes sagen die Zahlen:

  • 35,2% der Stromerzeugung entfiel auf die erneuerbaren Energien Wind, Sonne und Co.
  • Den gleichen Wert erzielten die Klassiker Braun- und Steinkohle.
  • Der Ökostromanteil am Gesamtverbrauch lag bei 38,2%.
  • Stromexporte erklären die Differenz.
  • Der Rekordsommer 2018 führte zu einem starken Anstieg des Solarstroms => mehr als 3 Gigawatt Leistung durch den Ausbau von Photovoltaik
  • Der CO2-Ausst0ß sank um mehr als 50 Mio. Tonnen oder 5,7%. Die Treibhausgasemissionen in 2018 lagen damit um 32% unter dem Niveau von 1990. Deutschland hat sich als Ziel gesetzt, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40% zu reduzieren.
  • Die Verstromung aus Steinkohle sank auf das niedrigste Niveau => dies hat weniger mit einem Erfolg der Klimaschutzinitiativen zu tun, sondern verdankt seine Entwicklung den steigenden CO-Preisen (von 5€ in 2017 auf 15€ in 2018).
  • Bei der Verstrohmung aus Braunkohle waren die Änderungen nur marginal.

Ist der Emissionsrückgang nachhaltig?

Letztes Jahr war das Klimaschutzziel zum ersten Mal in greifbarer Nähe. Wird dieser Trend anhalten?

Schenkt man der aktuellen Veröffentlichung von Agora Energiewende glauben, dann erklärt sich der Großteil des Emissionsrückgangs wie folgt:

  • Der milde Winter und der damit verbundene niedrige Heizenergiebedarf.
  • Niedrigeres Produktionsniveau in Teilen der energieintensiven Industrien.
  • Höhere Benzin- und Dieselpreise.
  • Lagereffekte beim Heizöl.

Wo muss man ansetzen, um die Klimaschutzziele 2020 doch noch zu erreichen?

In erster Linie, muss die Nutzung von Braunkohle reduziert werden.

Zweitens, durch die Steigerung der CO2-Preise können Stromlieferanten vermehrt auf Ökostrom als Alternative zurückgreifen.

Drittens, die Bundesregierung sollte die Nutzung von Solarstrom erleichtern. So müssen die Förderdeckel für die Photovoltaik aufgehoben und mehr Flächen für die Bebauung mit Solarstrom freigegeben werden.

Wenn Ihr mehr erfahren wollt, dann steht Euch der gesamte Report zur Energiewende im Stromsektor 2018 auf der Seite von Agora kostenlos zum Download zur Verfügung.

Ökostrom – Montagetipps für alle die ein eigenes Haus besitzen

Wer lieber selber alles in die Hand nehmen will, dem hilft das nachfolgende Video sicherlich ein bischen weiter.

So einfach lassen sich Solarzellen auf einem Ziegeldach montieren…

Quelle: novotegra by BayWa r.e., YouTube

BayWa im Verkaufsrausch – jetzt ist sein größter Solarpark dran

In Südspanien, rund 20 km von Sevilla entfernt, erstreckt sich BayWa’s größter Solarpark.

„Don Rodriguez“ besteht aus 500.000 Solarmodulen, erstreckt sich auf einer Fläche von 265 Hektar und kommt auf eine Leistung von 175 Megawatt. Pro Jahr erzeugt die Anlage 300 Gigawattstunden. Davon werden rund 93.000 spanische Haushalte mit Strom versorgt.

BayWa’s bisher größtes Solarprojekt wurde im vierten Quartal 2018 an die MEAG, dem Vermögensmanager von Munich Re und ERGO verkauft.

Die MEAG ist kein Unbekannter. Die BayWa r.e. GmbH veräußerte bereits in den Jahren 2014 und 2015 mehrere Solaranlagen in Großbritannien  an die MEAG. Mit dem Verkauf des spanischen „Don Rodriguez“ fand zum dritten Mal eine Kooperation zwischen den beiden Konzernen statt.

Dem nicht genug; vor dem Hintergrund, dass Solarstrom günstiger produziert werden kann als konventioneller Strom, plant die BayWa nun weitere Solarprojekte in südlichen Ländern Europas.

Quelle: BayWa r.e. GmbH

Bessere gesetzliche Rahmenbedingungen für die Bioenergiebranche

Das Bundesrat hat ein neues Energiesammelgesetz bewilligt.

Konkret heißt das für die Bioenergiebranche und deren Anlagebetreiber folgendes:

  • Zwei Ausschreibungen pro Jahr für Biomasse (1. April und 1. November).
  • Umstellung der Güllekleinanlagenklasse von 75 kW installierter Leistung auf 75 kW Bemessungsleistung.
  • Frist für den Flexdeckel für Biomasse wird von 2 auf 16 Monate verlängert.
  • Der Deckel wird auf 1.000 MW gesenkt (vorher 750 MW).
  • Die Ausschreibungsmengen für Solar- und Windstrom steigen um insg. 4 GW in den nächsten drei Jahren.
  • Zukünftig müssen Windrädern nachts nur noch dann blinken, wenn ein Flugzeug naht.

Die Verbesserungen kommen gut an, allerdings verlangen Bioverbände weitere tiefgreifende Änderungen wie z.B. den Ausbau des Einsatzes von Rest- und Abfallstoffen.

Ob das ganze dafür genutzt wird das EEG in 2019 anzupacken und wichtige Neuerungen herbeizuführen, ist fraglich.

Quelle: Fachverband Biogas

Zuversicht zum Jahresbeginn

Klimaschutz hin oder her – es hängt wirklich viel davon ab ob Ökostrom mit den politischen Interessen einhergeht oder nicht.

Es steht viel auf dem Spiel. Profitabilität ist von großer Bedeutung und Energiekonzerne hängen am Tropfen ihrer Aktionäre. Das Ganze ist nicht so einfach wie manch einer sich vorstellt. Viele Teilnehmer und viele unterschiedliche Ziele. Interessenskonflikte sind dadurch vorprogrammiert, sowohl kurzfristig als auch langfristig.

Setzt Ihr auf Ökostrom in Eurem Betrieb? Wie hoch ist der Anteil am Gesamtstromverbrauch?