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2023-12 Food Forest Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur - Agrarbetrieb

Food Forest: Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur

Was ist denn ein Food Forest? Wie kann uns das bei den aktuellen Krisen ggf. aus der Patsche helfen? Den Begriff „Stickstoffkrise“ können die meisten von uns langsam nicht mehr hören. Egal ob man in der Landwirtschaft oder Viehzucht unterwegs ist, oder einem anderen Industriezweig angehört, es gibt Schlagwörter, die von der Politik und den Medien dermaßen missbraucht wurden, dass sie unerträglich geworden sind. Dabei muss es zwischen Ökologie und Landwirtschaft keinen Widerspruch geben.

Wenn man bedenkt, dass ein kleines Land wie die Niederlande zum größten Fleisch- und zweitgrößten Obstexporteur Europas zählt, dann stellt man das bestehende Ernährungssystem sehr wohl in Frage. Dass die Bauern es dort mit allerlei Maßnahmen zu tun haben, die als Ziel eine Reduzierung der Stickstoffmengen anpeilen, lässt die Kollegen in allen anderen Ländern aufhorchen.

Worüber jedoch wenig bis gar nicht gesprochen wird, ist die Tatsache, dass es auch anders geht. Denn steht einmal die Natur, die Gesundheit und das Wohlsein des Menschen anstelle des Profits im Mittelpunkt, dann lassen sich auch völlig andere Ernährungssysteme konzipieren. Diese wiederum stützen sich auf Polykulturen, Artenvielfalt und dem Einklang zwischen Mensch und Natur.

Eins dieser Konzepte ist der Lebensmittelwald oder Waldgarten, im Englischen auch als Food Forest bekannt.

Food Forest bzw. Nahrungswald als Lösungsalternative gegen die Enteignung von Bauern

Bleiben wir doch bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und schauen uns dort an, wie denn so etwas aussehen könnte.

In 2009 kauften zwei Herrschaften ein 2,4 Hektar Ackerland in Groesbeek, wo hauptsächlich Silomais angepflanzt und als Viehfutter verwendet wurde. Sie pflanzten Bäume, Hecken und Sträucher an, und legten einen gewundenen Bachlauf für Frösche und Kröten an. Die beiden nutzten ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus der Permakultur und verzichteten bewusst auf GVO und Pestizide. Artenvielfalt wird ganz groß geschrieben im Lebensmittelwald der beiden.

Das Ergebnis ist bemerkenswert und ist zum Nachahmen geeignet. Zu den angepflanzten Arten zählen Stachelbeeren, Nashi-Birnen, Kaki, Papaya, Edelkastanien, Walnüsse, Haselnüsse, Pflaumen, Hickory und Mispel. Erstaunlich dabei sind auch die über 15 Meter hohen Bäume sowie über 30 Vogelarten, Biber, Ringelnattern und Co.

Wie das ganze aussieht, erfahrt Ihr in dem nachfolgenden Videobeitrag über den Food Forest Ketelbroek.

Quelle: Wouter van Eck, YouTube

Es ist absolut faszinierend zu beobachten, wie sich die Natur mit ein bisschen Hilfe regenerieren konnte.

Außerdem, was ich besonders spannend finde, ist die Aussage, dass der niederländische Waldgarten nach rund 5 Jahren mehr „abwirft“ bzw. Ernteerträge erwirtschaftet, als ein auf Monokulturen basierendes System – und das ganz ohne Erntemaschinen, Dünger, Pestiziden und Co.

Ganz umstellen oder lieber ein Hybrid-Konzept aufsetzen?

Für diejenigen, die diesen Schritt wagen, stellt sich die Frage, ob sie ganz oder nur teilweise umstellen sollten.

Dabei muss man sich im Klaren sein, dass die Anfangsinvestitionen größer ausfallen können. Deshalb lohnt es sich mit jemanden zu sprechen bzw. sich von einem sog. Food Forester beraten lassen, der diesen Weg bereits gegangen ist. Selbstverständlich stehen der Kreativität keine Grenzen im Wege, d.h. es gibt Betriebe, die etwa eine Kombo aus Food Forest und Ökotourismus bevorzugen. Andere wiederum stellen z.B. Apfelmost oder Wallnussöl her und verkaufen diese Online oder auf den Märkten.

Wouter van Eck hat für diesen Zweck einen Verein gegründet. Wenn Ihr also mehr Infos hierzu benötigt, dann könnt Ihr ihn über seine Webseite voedselbosbouw.org kontaktieren.

Immer wieder höre ich von Deutschen, die nach Portugal, Ungarn, Gambia, Südafrika, Argentinien oder Paraguay (um einige Beispiele zu nennen) ausgewandert sind, um dort solch grüne „Paradieslandschaften“ für sich und ihre Familien zu gestalten.

Viele dieser Menschen hatten vorher mit Landwirtschaft nicht viel am Hut bzw. waren nicht in unserer Branche tätig, aber ihre Liebe für die Natur hat sie in Länder getrieben, wo sie ihrer Leidenschaft leben einflößen konnten.

Müssen wir denn unser Heimatland verlassen, um derartige Projekte zu stemmen? Ich glaube nicht.

Mit meiner Aroniaplantage stoße ich in eine ähnliche Richtung. Die Bio-Aroniabeeren, die ich unter der Marke Frankenaronia vermarkte, habe ich mir einen zweiten Standbein aufgebaut, um meine Leidenschaft für eine nachhaltige Landwirtschaft noch stärker in den Fokus zu rücken.

Schaut vorbei. Besucht mich auf Frankenaronia.de

Bildquelle: Foto von BjoKib auf Pixabay

2023-10 Goodbye Flugobst und -gemuese - Agrarbetrieb

Goodbye Flugobst und -gemüse

Unsere Nachbarländer haben es uns bereits vorgemacht und jetzt tun wir es auch. Wir verzichten auf den Import von Obst und Gemüse per Flugzeug. Lidl nutzt den Klimawandel als Argument für seine Entscheidung. Goodbye also, Papaya und sonstiges Flugobst und -gemüse.

Erst die Schweiz, dann Österreich und zuletzt die Niederlande — in diesen Ländern bietet Lidl kein fliegendes Obst und Gemüse mehr an. Nun verzichtet der Discounter auch bei uns gänzlich auf Exoten, die per Luftfracht importiert wurden. „Flugware weg“ bedeutet jedoch nicht, dass Importe per Schiff oder LKW nicht weiter zugelassen werden. (Quelle: Lebensmittel Zeitung)

Was heißt das konkret?

In erster Linie werden die Regale, insbesondere in der Winterzeit, wesentlich übersichtlicher. Man setzt auf heimisches Obst und Gemüse, d.h. Papayas, Sternfrüchte, Physalis und Co. werden durch Lageräpfel und -birnen ersetzt.

Zweitens rücken durch diese Entscheidung, Saisonprodukte vermehrt in den Fokus. Inwieweit die heimischen Landwirte davon profitieren werden, kann ich nicht sagen.

Interessanterweise betrifft der Klimawandel nur die Warengruppe „Obst und Gemüse“, denn Blumen dürfen merkwürdigerweise weiterhin aus jedem Teil der Welt per Flugzeug eingeflogen werden. Hauptsache sie sind frisch.

Demnach dürfen wir uns bei Obst und Gemüse weiterhin auf Produkte, die eine längere Haltbarkeit haben, freuen; so wie es etwa der Fall bei Bananen ist, die uns per Schiff erreichen.

Quelle: Videobeitrag von Oli, YouTube

Wer profitiert von der neuen „Kein Flugobst“- /“Kein Fluggemüse“- Politik?

Bei solchen Entscheidungen müssen wir uns immer wieder die Frage nach den Profiteuren stellen. Und die Antwort hierauf ist in diesem Falle gar nicht so einfach. Ganz im Gegenteil, erst kommen einem die Verlierer in den Sinn.

Einerseits, sind dies die Verbraucher mit knappen Geldbeuteln, die extra beim Low-Cost-Discounter einkaufen, um möglichst viele Produkte (u.a. auch Südfrüchte) billig einzukaufen. Andererseits, verhindert Lidl durch seine Entscheidung auch in weniger entwickelten Ländern den Zugang zu Flugobst und -gemüse.

Sowohl der deutsche Verbraucher als auch wir Landwirte bzw. kleine landwirtschaftliche Familienunternehmen profitieren nicht von dieser Entscheidung und das, obwohl wir Saisonprodukte aus der heimischen Produktion auch befürworten.

Es stellt sich also weiterhin die Frage, wer die finanziellen Profiteure sind:

Die Exporteure, die den Transport von Waren per Schifffahrt und LKW anbieten?

Die großen Agro-Konzerne, die ihre Monokulturen verstärkt auf den Markt pushen?

Oder Großinvestoren, die ihre Ländereien an Lidl, Aldi und Co. zum Weiterverarbeiten verpachten?

Nachhaltigkeit geht auch anders

Klimawandel und CO2-Reduktion als Hauptargumente zu verwenden, um eine Warengruppe „auszulisten“, ist mehr als unglaubwürdig. Wenn, dann müsste das konsequent über alle Produkte und Warengruppen durchgesetzt werden, ohne Ausnahmen. D.h. dann, dass es auch beispielsweise keine frischen Blumen mehr gibt, die einen Tag zuvor per Flieger geliefert worden sind.

Nachhaltigkeit geht auch anders. Frische, regionale Produkte, Bio- und Saisonprodukte aus der heimischen Produktion wären hierfür das A und O. Einen Vertrag mit Lidl abzuschließen ist aber für viele landwirtschaftlichen Familien ein Ding der Unmöglichkeit. Aber auch hier könnte wohl man mittels Genossenschaften und sonstiger Zusammenschlüsse sehr viel erreichen.

In den Großstädten können wir auf Konzepte wie z.B. Urban Farming oder Vertical Farming zurückgreifen. Beispiele hierzu gibt es zu Genüge. Etwa den 14.000 Quadratmeter großen Bauernhof auf einem Dach in Paris, von welchem die Haushalte und Restaurants in der französischen Hauptstadt mit Obst und Gemüse beliefert werden.

Folgende Beiträge zu diesem Thema könnten für Dich hierzu von Interesse sein:

Ich gehe davon aus, dass wir diesen „Trend“ der Auslistung von Lebensmitteln und sonstigen Waren, die per Flieger eingeflogen werden und im Discounter sowie Supermarkt verkauft werden, verstärkt erleben werden. Es bleibt spannend, zu beobachten, ob diese Vorgehensweise auch im Textilbereich oder in der Elektronikbranche angewandt wird. Letztendlich sollte das Thema „Klimawandel“, wenn überhaupt, wohl warengruppenübergreifend betrachtet werden. Alles andere sorgt für Kopfschütteln und Misstrauen.

Was hältst Du von Lidl’s neuer Strategie? Ist es sinnvoll auf Flugobst und -gemüse zu verzichten?

Bildquelle: Foto von Abet Llacer auf Pexels

2023-08 Der erste weitgehend automatisierte McDonald’s ist da - Agrarbetrieb

Der erste, weitestgehend automatisierte McDonald’s ist da

Ende letzten Jahres ist in Fort Worth, Texas (USA), der erste, weitestgehend automatisierte McDonald’s in Betrieb gegangen. Im amerikanischen Bundesstaat Texas, in welchem der Mindeststundenlohn seit nunmehr zehn Jahren unverändert auf dem gleichen Niveau von 7,25 US-Dollar liegt, sorgt diese Initiative für sehr viel Zündstoff. Wie lange dauert es wohl noch hier, in Europa bzw. Deutschland, bis uns die große Ehre zuteil wird, von einem Roboter serviert zu werden?

„Das goldene M“, „die goldenen Arkaden“ oder ganz einfach „Meckes“, wie wir es so liebevoll hierzulande benennen, sorgt immer wieder für Schlagzeilen. In den Vereinigten Staaten ist das Unternehmen für seine schlechte Lohnzahlung bekannt. Pro Stunde verdient ein Mitarbeiter weniger als 15 US-Dollar, vielerorts sogar unter 10 US-Dollar. Laut einem aktuellen Bericht des Institute for Policy Studies aus dem Jahr 2021 ist McDonald’s eines der 300 börsennotierten Unternehmen mit den niedrigsten Durchschnittslöhnen. (Quelle: IPS-Studie, EPI Wage Tracker)

Kommen wir nun zu diesem neuen Testrestaurant und werfen einen Blick auf die Fakten:

  • Das Restaurant ist kleiner als ein typischer McDonald’s und richtet sich vorwiegend an Kunden, die außerhalb, also unterwegs essen.
  • Die Bestellung erfolgt entweder an einem Touchscreen-Kiosk in der Filiale oder per App.
  • Die Abholung erfolgt über die Nutzung einer Drive-Through-Spur oder alternativ durch die Ausgabe über ein Förderband, welches eine sogenannte „Order Ahead Lane“ als neue Funktion nutzt.
  • Der Laden ist nicht jedoch vollständig automatisiert. Es soll dennoch weiterhin ein Team vor Ort beschäftigt sein, das mit dem einer herkömmlichen Filiale vergleichbar sei.

Was die Meinungen zum neuen Testkonzept angeht, so könnten diese nicht stärker voneinander abweichen. Während der Konzern den Prozeß als „nahtloser als je zuvor“ bezeichnet, ist die Idee eines kostspieligen, automatischen Restaurants ein Dorn im Auge für die Aktivisten. (Quelle: The Guardian)

Wie das ganze Konzept nun in der Praxis aussieht, sehen wir uns am besten in dem nachfolgenden Video an:

Quelle: WatchlistTYT, YouTube

Zieht diese Aktion von McDonald’s einen monumentalen Wandel der gesamten Fast-Food-Industrie nach sich?

Getreu dem englischsprachigen Sprichwort „monkey see, monkey does“, übersetzt „Affe sieht, Affe tut“, gehe ich davon aus, dass wir derartige Konzepte bald auch bei unseren McDonald’s Filialen sehen werden und, gegebenenfalls, auch bei anderen Fast-Food-Ketten wie z.B. KFC, Burger King, Subway etc.

Wenn es darum geht Kosten zu reduzieren, welche zumeist insbesondere durch Personallohnkosten verursacht werden, und die Profite der Aktieninhaber und Co weiter zu steigern, dann wird uns jede Maßnahme als legitim verkauft.

Im Namen von Innovation, KI und Technologisierung sehen wir nur die Spitze des Eisbergs in Punkto des Wandels der Arbeitswelt und, damit einhergehend, der gesamten Gesellschaft. Es wird prognostiziert, dass dank Automatisierung in den kommenden Jahren auch etwa LKW-Fahrer, Fließbandarbeiter bis hin zu Buchhaltern, Lehrern und Anwälten massiv Jobs verloren gehen. Selbstverständlich werden durch die Entwicklungen auch neue Jobs geschaffen, was jeden dazu animieren sollte, sich ständig weiterzubilden und zu entwickeln.

Für uns hier in Europa, aber auch in den USA, mag ein derartiges Konzept ein Novum sein. Wer sich bisher öfters in Asien, insbesondere in Ländern wie etwa China, Japan, Singapur oder Malaysia, aufgehalten hat, weiß ganz genau, was auf uns zurollt. Denn dort gibt es bereits unzählige Restaurants (nicht nur Fast-Food-Ketten), in denen man am Tisch durch das Scannen eines QR-Codes seine Bestellung aufgibt. Zudem wird das Essen anschließend über eine an der Decke befestigten Schiene geliefert. Ein Roboterarm nimmt das Essen von der Schiene und stellt es in die Mitte des Tisches ab. Voilà, Guten Appetit. Die Bezahlung erfolgt digitalisiert, direkt über eine App.

Alles läuft reibungslos, komfortabel, zackig und schnell.

Keine „lästige“ Interaktion mit Menschen; gemeint ist damit oft das Personal.

Stellt sich die Frage: Ist dies die Zukunft, die wir uns wirklich wünschen?

Nun, ich habe nichts gegen Technologisierung, Robotisierung, Automatisierung und Co., wenn diese so eingesetzt werden, dass sie mit dem Leben der menschlichen Spezies harmonisieren. Mit anderen Worten, Roboter können uns dabei unterstützen, unsere Tätigkeiten und Aufgaben effizienter und effektiver zu erledigen. Sie können uns unterstützen, wertvolle Zeit zu sparen, so dass wir uns auf unsere Leidenschaften, kreativen Aktivitäten und unsere Hobbies fokussieren können. Und das wohl wichtigste, Zeit für unsere Liebsten haben.

Die automatischen Fast-Food-Ketten sind, z.B. für Drive-Throughs auf Autobahnraststätten, sicherlich eine interessante Option für alle, die es eilig haben. Auch in Großstädten können sie in hochfrequentierten Zonen ein attraktives Angebot sein.

Alles jedoch auf Roboter umzustellen und die menschliche Interaktion beim Essen gänzlich auszuschalten, halte ich für sehr gefährlich und schädlich für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Immerhin sollte das gemeinsame Essen uns näher zusammen bringen. Die zwischenmenschliche Interaktion ist gerade das, was uns als Spezies verbindet und stärkt.

Dieser Wandel ist absehbar und er wird kommen, ob es uns gefällt oder nicht. Dass es wieder McDonald’s ist, der diesen Trend anschiebt, sollte ebenfalls niemanden verwundern. Wie wir diese Entwicklung in unseren Alltag integrieren, hängt jedoch an uns. Deshalb gilt es bewusst zu fragen: wo können uns Roboter unterstützen? Und wo können sie unsere Lebensqualität aber auch massiv einschränken?

Bildquelle: Foto von Tara Winstead auf Pexels

Grillenmehl jetzt auch in der EU zugelassen

Grillenmehl – jetzt auch in der EU zugelassen

Klingt Brot, Pasta und Pizza aus Grillenmehl schräg? Wohl nicht mehr allzu lang, denn die EU hat grünes Licht für die Verwendung von Grillenmehl in all diesen alltäglichen Produkten gegeben. Die Zulassung gilt erstmal für 5 Jahre.

Es scheint, als ob die Damen und Herren in Brüssel gar keinen richtigen Weihnachts- und Silvesterurlaub genommen haben, denn kaum startete das neue Jahr und prompt war das Gesetz zum Einsatz von Grillenmehl da. Für alle Interessierten, hier das Original vonseiten der Europäischen Kommission.

In Asien zählen Insekten zur Basisernährung. So wie bei uns Fleisch verzehrt wird, werden in Ländern wie z.B. Thailand oder Indonesien, Maden, Grillen und Co. verzehrt. Für mehr als zwei Milliarden Menschen sind die kleinen Lebewesen eine wichtige Proteinquelle, nicht aber hier bei uns in Europa. Das soll sich nunmehr ändern. Verkauft wird uns die „Delikatesse“ bzw. das Grundnahrungsmittel anderer Kulturen als geschmacksneutral, leicht züchtbar und mit einem hohen Nährstoffgehalt.

Lust auf einen Schnitzel mit Grillenmehl zubereitet?

Mit der Idee, Insekten und sonstige kleine Krabbeltiere zu uns nach Europa zu bringen, kokettiert die Lebensmittelindustrie schon länger. So wurde dieses Konzept bereits in Nestle’s Zukunftsstudie „Wie ist(s)t Deutschland 2030?“ dem Mainstream-Publikum präsentiert. Deshalb durften die Menschen heute nicht mehr allzu geschockt sein, wenn die bekannten Zeitungen und Zeitschriften diese kulinarische Initiative als etwas ganz Selbstverständliches und Natürliches vorstellen.

Für alle diejenigen, die neu hier auf Agrarbetrieb sind bzw. auch für meine regulären Leser, anbei eine kurze Liste mit Beiträgen, die ich über dieses Thema hier auf meinen Blog bereits veröffentlicht habe:

Die nächste Debatte, die jetzt entfacht ist, hat mit dem Ort der Züchtung zu tun. Mit den ganzen Klimadiskussionen sowie im Zusammenhang mit dem Thema Regionalität, haben sich hiesige Firmen wie z.B. auch die Österreicher von ZIRP überlegt, die Insekten direkt hier in Europa zu züchten. Damit sollen zwei „Fliegen“ mit einer Klappe geschlagen werden: die Konsumenten essen Insekten aus der Region und man muss sich nicht auf die asiatischen Supply Chains beim Thema Importe verlassen. Marketingtechnisch kommt da sicherlich noch einiges hinzu wie z.B. Umweltverträglichkeit, leichter Transport, Geschmacksneutralität etc.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Würdet Ihr einen Schnitzel essen, der in Grillenmehl zubereitet wurde?

Wie wär’s mit einem Maden-Cocktail statt einem Scampi-Cocktail?

Oder einem Insektenburger statt dem gewohnten Double-Cheese-Beef-Burger?

Wenn der Konsument weiß, was er zu sich nimmt und darüber ausgiebig informiert wurde, dann halte ich es für eine gute Sache. Allerdings, wenn wir bald ins Restaurant gehen und auf der Menükarte diese kleinen Details nicht stehen, so wie es oft auch bei Allergenen der Fall ist, dann halte ich es für sehr schädlich.

Ich bin gespannt, wie viele Europäer bald Allergien auf Insekten und Co. entfalten werden und wie unsere überlasteten Gesundheitssysteme mit dieser neuen Problematik, insbesondere bei Kinder und Jugendlichen, klar kommen werden. Ich frage mich, wie viele diese Seite der Medaille durchleuchtet haben. Bei der stetig steigenden Anzahl an Lebensmittelallergiker und Menschen mit jeglichen Intoleranzen, finde ich es äußerst wichtig, dieses Thema im voraus schon anzupacken und nicht erst darauf zu warten, bis jemand sein wertvolles Leben daran verliert.

Züchtung als Verkaufsargument

Wir merken bereits, wie die ersten Firmen, die gesamte Diskussion auf die Züchtung lenken. Regionalität soll auch hier als Verkaufsargument verwendet werden. Schließlich wollen wir ja die hiesige Wirtschaft und die heimischen Unternehmen unterstützen.

Wie so eine Insektenfarm aussehen kann, sehen wir im nachfolgenden Videobeitrag. Es handelt sich hierbei um Nordamerikas größte Grillenfarm, bei welcher über 50 Millionen Grillen pro Woche geerntet werden.

Quelle: Insider Business, YouTube

Eins der größten Hürden für uns Europäer ist sicherlich die Idee, so ein kleines, bewegliches Tier zu essen. Für viele ist alleine schon die Vorstellung absolut eckelerregend. Andere wiederum würden nie auf die Proteinquelle Fleisch verzichten, um diese mit Insekten zu ersetzen. Da bedarf es jede Menge Aufklärung.

Bald dürfen wir Kuchen, Torten, Cookies, Chips, Schokobars und sonstige Snacks aus Grillenmehl zu uns nehmen. Wie viele die Inhaltsangaben wirklich lesen werden, bleibt abzuwarten. Ob der Handel gezwungen sein wird, dieses „kleine“ Detail gesondert auszuweisen und vor allem, wie lange, werden wir wohl alle live erleben. Wie es so schön heißt: auf zu neuen kulinarischen Ufern; lasst Euch überraschen.

Bildquelle: Foto von Primal Future auf Pixabay

2022-10 Tote Lebensmittel fuer die Konsumgesellschaft

Tote Lebensmittel für die Konsumgesellschaft

In einer schnelllebigen Konsumgesellschaft, die wenig für die Natur, für die üppige Flora und Fauna übrig hat, gibt es im Endeffekt nur noch eins: clever vermarktete, tote Lebensmittel. Es muss ja letztendlich mit einem Klick am Smartphone gehen, was soll die ganze Aufregung?

Die Betreiber der Supermärkte freuen sich über höhere Margen. Die Industrie nutzt jede Menge günstige, künstliche Stoffe, um Lebensmittel herzustellen, die bunt und verlockend aussehen, gleichzeitig appetitlich riechen und gut vermarktet die Gewinne steigern. Der „alleskönnende“ Kunde, der stets mit seiner wertvollsten Waffe (seinem Smartphone) ausgestattet alles im Internet nachschauen kann, greift gerne zu alles versprechenden Fertiggerichten mit abstrakten Inhalten. Und so dreht sich das Hamsterrad munter weiter und alle sind glücklich, oder?

Das dieser Trend bzw. diese Lebensweise zu jede Menge Krankheiten führen kann, interessiert scheinbar wohl die wenigsten. Schließlich müssen Ärzte und Big Pharma ja auch etwas am Kuchen verdienen.

Neulich unterhielt ich mich mit Verwandten aus Hessen, die mit ihren Kindern an einem dieser Waldtage teilgenommen haben, die von der Schule organisiert wurden. Dieser Ausflug sorgte für jede Menge Verwunderung bei meinen Verwandten, denn nicht nur durften sie erleben, dass viele der Stadtkinder noch nie in ihrem Leben in einem Wald gewesen sind, sondern obendrauf wussten viele der Schulkameraden nicht, dass man beispielsweise Pilze im Wald sammeln kann, um sie später zu essen. Für manche Kinder war dies eine total abstrakte Vorstellung.

Draußen sein und von der Wiese essen – Ist das ein völlig veraltetes Konzept?

War’s das mit Wiesen-Sauerampfer, Löwenzahn, Rosmarin oder Kamillen- und Gänseblümchen sammeln? Sollen wir jetzt alle auf die schicken Mini-Salatgefässe im Supermarkt starren, die unter künstlicher Beleuchtung hinter einer Glasscheibe herangezüchtet werden, um später dem nichts-ahnenden Konsumenten als etwas ganz innovatives und wahnsinnig gesundes zu verkaufen?

Als großer Naturliebhaber und Landwirt blicke ich schon recht besorgt auf diese Entwicklung der Gesellschaft hin. Natürlich hat Konsum seinen Platz. Selbstverständlich spielt Bequemlichkeit eine wichtige Rolle und wenn uns die neuen Technologien darin unterstützen, uns als Menschen frei zu machen, um mehr Zeit für die kreativeren Dinge des Lebens zu haben, dann bin ich ganz dafür.

Was mir nicht gefällt, ist die Tendenz in Richtung 100% künstliche, tote Lebensmittel.

Alles was extrem ist, bringt uns als Menschen wohl früher oder später um. Egal wie clever, wie technologieaffin und fortgeschritten wir sind. Wir brauchen die Balance, genauso wie jede andere Spezies, die sich auf diesem Planeten herumtummelt.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass wir jetzt alle unseren Alltag hinschmeissen müssen, um als Gemeinschaft in den Wald, in die Berge oder in die Nähe eines Flusses zu ziehen, uns quasi lediglich von eigen angebauten Produkten zu ernähren und völlig autonom abseits leben müssen. Das ist absurd und völlig weltfremd. Wer das machen möchte, kann dies gerne tun, aber dieses Konzept auf bald 8 Milliarden umzusetzen, grenzt wohl an Utopie und Wahnsinn.

Es liegt mir sehr am Herzen, die Plattform hier auf Agrarbetrieb dafür zu nutzen, um das Bewusstsein für beide Welten zu steigern.

Auf der einen Seite haben wir tolle Ideen aus den Bereichen Vertical Farming, Urban Farming, Teslagärten und Co. und andererseits, finden wir vermehrt Schätze in den alten Traditionen wie z.B. Permakultur, Geomantie, Mikrolandwirtschaft und Fermentation, um ein paar zu nennen.

Tote Lebensmittel sind nicht die Zukunft

… zumindest nicht in meiner Welt.

Wenn wir eine gesunde Gesellschaft aufrecht erhalten möchten, und dabei sehe ich den Begriff „Gesundheit“ all umfassend, d.h. physisch, mental, spirituell etc., dann brauchen wir dringend eine andere Herangehensweise.

Die Konsumgesellschaft, so wie sie heute aufgebaut ist und funktioniert, ist dem Scheitern verurteilt. Das wissen wir nur allzu gut, auch wenn wir uns dieser Realität gerne entziehen möchten. Es sollte meiner Meinung nach, ein Mix aus diversen Alternativen und Lösungswegen angestrebt werden, und sicherlich liegen die optimalsten Wege aus diesem Schlamassel wohl irgendwo in der Mitte.

So können wir uns mit Hilfe der Innovationen im Bereich der künstlichen Intelligenz das Leben angenehmer und schöner gestalten oder uns als Spezies komplett zerstören. Andererseits, können wir durch mehr Nähe zur Natur sehr viel gewinnen, aber die Zivilisation zurück drehen und allem den Rücken zu kehren, ist sicherlich auch keine Lösung. Es liegt in unserer Hand, die vielfältigen Ressourcen, die uns Mutter Erde zur Verfügung stellt, clever zu nutzen und diese derart mit Hightech zu kombinieren, dass wir uns als Menschheit weiter entwickeln und neue Bewusstseinsebenen erreichen können.

Wer weiss, vielleicht knackt der eine oder andere dann auch den Code der Matrix und eröffnet die Tore zu neuen Dimensionen. In einer Welt voller Geheimnisse ist denke alles möglich.

Unsere Lebenskraft schöpfen wir nicht aus toten Lebensmitteln. Was sind Eure Erfahrungen? Schreibt gerne einen Kommentar mit Eurer Perspektive. Lasst uns darüber reden, denn es ist ein sehr wichtiges Thema.

Bidlquelle: Foto von Caleb Oquendo auf Pexels