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2024-01 Essbare Landschaften in Deutschland - Agrarbetrieb

Essbare Landschaften in Deutschland

Hast Du Lust, mit Gleichgesinnten Obst, Nüsse und Kräuter zu ernten? Ist Dir schon einmal aufgefallen, wieviele kulinarische Möglichkeiten die Stadt, in der Du lebst, und die nähere Umgebung bieten? Damit sind nicht die Restaurants und Fast-Food-Ketten gemeint, sondern die essbaren Landschaften.

Wir reden und schreiben (mich inbegriffen) immer wieder gerne über Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität, beziehen uns dabei jedoch fast ausschließlich auf die Ware im Supermarkt oder auf den regionalen Märkten. Was ist jedoch mit den ganzen essbaren Beeren und Kräuter z.B., die sich nicht in Schutzgebieten befinden und auch keinem Eigentumsrecht unterliegen?

Ich bin vor geraumer Zeit auf eine Organisation aufmerksam geworden, die genau diesen Aspekt der „Esskultur“ berücksichtigt. Mundraub sorgt dafür, dass das Bewusstsein für die regionale und saisonale Kulinarik steigt.

Wie erfolgt das genau?

Essbare Landschaften zum Greifen nah

Auf der digitalen Mundraub-Karte werden Fundorte mit Obstbäumen, Obststräuchern, Nüssen und Kräuter aufgeführt, wo Ihr nach Belieben ernten könnt. Dabei gilt es ein paar wichtige Prinzipien zu beachten und zu befolgen:

  • Vergewissert Euch, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden.
  • Die Fundorte dürfen nicht in Schutzgebieten liegen.
  • Geht behutsam mit den Bäumen und Sträuchern um.
  • Die Fundorte sind nach bestem Gewissen geprüft worden.
  • Die Organisation übernimmt keine Haftung oder Garantie für die Essbarkeit der Früchte, Nüsse und Co.

Im Zentrum der Organisation steht die Gemeinschaft, deshalb werden alle dazu ermutigt, das Gepflückte mit Freunden und Familie zu teilen. Es geht dabei nicht darum, im großen Stil ein Geschäft zu betreiben; dafür benötigt man sowieso eine behördliche Genehmigung. Gleichzeitig werden wir aufgefordert, uns bei der Pflege und Nachpflanzung von Obstbäumen zu engagieren.

Hier geht’s zur digitalen Karte: https://mundraub.org/map

Wie das ganze quasi „live und in action“ aussieht, sehen wir in diesem kurzen Beitrag der NDR.

Quelle: mundraub, YouTube

Eine lobenswerte Initiative

Die Mundraub-Organisation ist ein tolles Beispiel das aufzeigt, wie stark wir als Gemeinschaft fungieren, wenn wir uns zusammen tun. Jeden Tag markieren „Mundräuber“, so wie sie liebevoll genannt werden, neue Fundorte auf der Karte und laden zum pflücken ein.

Mittlerweile wurde das Konzept auch ins Ausland verlagert, d.h. die Karte wächst. Unsere Nachbarländer Österreich, Schweiz, Tschechien oder Polen tragen zum Wachstum und zur Verbreitung dieser genialen Idee bei.

Wenn wir also die oben aufgeführten Kriterien beachten, dann werden wir feststellen, dass es jede Menge schöne Flecken auf der Karte gibt, die wir als essbare Landschaften sehr wohl nutzen können.

Ganz wichtig für jene, die oft am Straßenrand bzw. Waldrand, z.B. Nüsse, sammeln möchten: Oft werden diese Flächen verpachtet, daher sollte man vorher wirklich recherchieren, ob diese sich für die Ernte eignen.

In einer Welt, in der immer mehr Ackerflächen sich in immer weniger Händen befinden, stärkt eine derartige Initiative vielleicht zusätzlich noch das Bewusstsein der Bevölkerung in punkto „Fremdbestimmung“, Big Agro-Business und Kartelle. Denn während Bauernhöfe, die seit Generationen für den Erhalt der Landwirtschaft in unserem Land zuständig waren, aus diversen finanziellen Schwierigkeiten (z.B. steigende Preise bei Düngemittel, sinkende Getreidepreise) ihre Tore schließen müssen (Beitrag: Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe geht zurück), füllen sich irgendwelche Aktionäre, die mit der Landwirtschaft oft nichts am Hut haben, ihre Taschen.

Es geht auch anders und das was Mundraub auf die Beine gestellt hat, ist sehr lobenswert.

Welche essbare Landschaften befinden sich bei Euch in der Umgebung? Wenn sie den oben erwähnten Kriterien entsprechen, dann tragt sie doch bitte in die Karte ein und lasst auch andere von ihnen profitieren.

Bildquelle: Foto von Mario Mendez auf Unsplash

2023-12 Food Forest Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur - Agrarbetrieb

Food Forest: Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur

Was ist denn ein Food Forest? Wie kann uns das bei den aktuellen Krisen ggf. aus der Patsche helfen? Den Begriff „Stickstoffkrise“ können die meisten von uns langsam nicht mehr hören. Egal ob man in der Landwirtschaft oder Viehzucht unterwegs ist, oder einem anderen Industriezweig angehört, es gibt Schlagwörter, die von der Politik und den Medien dermaßen missbraucht wurden, dass sie unerträglich geworden sind. Dabei muss es zwischen Ökologie und Landwirtschaft keinen Widerspruch geben.

Wenn man bedenkt, dass ein kleines Land wie die Niederlande zum größten Fleisch- und zweitgrößten Obstexporteur Europas zählt, dann stellt man das bestehende Ernährungssystem sehr wohl in Frage. Dass die Bauern es dort mit allerlei Maßnahmen zu tun haben, die als Ziel eine Reduzierung der Stickstoffmengen anpeilen, lässt die Kollegen in allen anderen Ländern aufhorchen.

Worüber jedoch wenig bis gar nicht gesprochen wird, ist die Tatsache, dass es auch anders geht. Denn steht einmal die Natur, die Gesundheit und das Wohlsein des Menschen anstelle des Profits im Mittelpunkt, dann lassen sich auch völlig andere Ernährungssysteme konzipieren. Diese wiederum stützen sich auf Polykulturen, Artenvielfalt und dem Einklang zwischen Mensch und Natur.

Eins dieser Konzepte ist der Lebensmittelwald oder Waldgarten, im Englischen auch als Food Forest bekannt.

Food Forest bzw. Nahrungswald als Lösungsalternative gegen die Enteignung von Bauern

Bleiben wir doch bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und schauen uns dort an, wie denn so etwas aussehen könnte.

In 2009 kauften zwei Herrschaften ein 2,4 Hektar Ackerland in Groesbeek, wo hauptsächlich Silomais angepflanzt und als Viehfutter verwendet wurde. Sie pflanzten Bäume, Hecken und Sträucher an, und legten einen gewundenen Bachlauf für Frösche und Kröten an. Die beiden nutzten ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus der Permakultur und verzichteten bewusst auf GVO und Pestizide. Artenvielfalt wird ganz groß geschrieben im Lebensmittelwald der beiden.

Das Ergebnis ist bemerkenswert und ist zum Nachahmen geeignet. Zu den angepflanzten Arten zählen Stachelbeeren, Nashi-Birnen, Kaki, Papaya, Edelkastanien, Walnüsse, Haselnüsse, Pflaumen, Hickory und Mispel. Erstaunlich dabei sind auch die über 15 Meter hohen Bäume sowie über 30 Vogelarten, Biber, Ringelnattern und Co.

Wie das ganze aussieht, erfahrt Ihr in dem nachfolgenden Videobeitrag über den Food Forest Ketelbroek.

Quelle: Wouter van Eck, YouTube

Es ist absolut faszinierend zu beobachten, wie sich die Natur mit ein bisschen Hilfe regenerieren konnte.

Außerdem, was ich besonders spannend finde, ist die Aussage, dass der niederländische Waldgarten nach rund 5 Jahren mehr „abwirft“ bzw. Ernteerträge erwirtschaftet, als ein auf Monokulturen basierendes System – und das ganz ohne Erntemaschinen, Dünger, Pestiziden und Co.

Ganz umstellen oder lieber ein Hybrid-Konzept aufsetzen?

Für diejenigen, die diesen Schritt wagen, stellt sich die Frage, ob sie ganz oder nur teilweise umstellen sollten.

Dabei muss man sich im Klaren sein, dass die Anfangsinvestitionen größer ausfallen können. Deshalb lohnt es sich mit jemanden zu sprechen bzw. sich von einem sog. Food Forester beraten lassen, der diesen Weg bereits gegangen ist. Selbstverständlich stehen der Kreativität keine Grenzen im Wege, d.h. es gibt Betriebe, die etwa eine Kombo aus Food Forest und Ökotourismus bevorzugen. Andere wiederum stellen z.B. Apfelmost oder Wallnussöl her und verkaufen diese Online oder auf den Märkten.

Wouter van Eck hat für diesen Zweck einen Verein gegründet. Wenn Ihr also mehr Infos hierzu benötigt, dann könnt Ihr ihn über seine Webseite voedselbosbouw.org kontaktieren.

Immer wieder höre ich von Deutschen, die nach Portugal, Ungarn, Gambia, Südafrika, Argentinien oder Paraguay (um einige Beispiele zu nennen) ausgewandert sind, um dort solch grüne „Paradieslandschaften“ für sich und ihre Familien zu gestalten.

Viele dieser Menschen hatten vorher mit Landwirtschaft nicht viel am Hut bzw. waren nicht in unserer Branche tätig, aber ihre Liebe für die Natur hat sie in Länder getrieben, wo sie ihrer Leidenschaft leben einflößen konnten.

Müssen wir denn unser Heimatland verlassen, um derartige Projekte zu stemmen? Ich glaube nicht.

Mit meiner Aroniaplantage stoße ich in eine ähnliche Richtung. Die Bio-Aroniabeeren, die ich unter der Marke Frankenaronia vermarkte, habe ich mir einen zweiten Standbein aufgebaut, um meine Leidenschaft für eine nachhaltige Landwirtschaft noch stärker in den Fokus zu rücken.

Schaut vorbei. Besucht mich auf Frankenaronia.de

Bildquelle: Foto von BjoKib auf Pixabay

Landwirtschaft-Ernte-Klimawandel

Ausfälle bei Ernte – was ist zu tun?

Von der “schlechtesten Ernte des Jahrhunderts” hört man manchen reden. Die Trockenheit lässt nicht wenige Landwirte verzweifeln.

Der diesjährige Sommer meint es nicht gut mit uns Landwirten im Norden und Osten des Landes. Zuzusehen, wie die Investitionen und die ganze Arbeit der Vormonate buchstäblich vor den Augen verbrennt, ist hart.

Laut der Deutschen Presse-Agentur (DPA) beziffern erste Schätzungen die Schäden aufgrund der Dürre in den letzten Wochen auf mehr als eine Milliarde Euro.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat entsprechend Hilfen für Dürreausfälle bei der Ernte für betroffene Landwirte gefordert.

Grundlage für die Gewährleistung von Nothilfen durch den Staat ist, dass Schäden von “nationalem Ausmaß” festgestellt werden.

Bei den ersten Schadenseinschätzungen hinsichtlich der Ernte scheint dies gegeben zu sein:

  • Schleswig-Holstein: 422 Millionen Euro
  • Sachsen: 308 Millionen Euro
  • Sachsen-Anhalt: 237 Millionen Euro
  • Hessen: 150 Millionen

Quelle: Spiegel

Schäden bei der Ernte – Handlungsbedarf in Krisenzeiten

Der gestrige “Dürregipfel” in Berlin brachte zunächst keine Ergebnisse. Entscheidungen sollen erst nächste Woche getroffen werden, wenn genauere Aussagen zu dem Ausmaß der Schäden für die Landwirte getroffen werden können.

“Ich kann nicht ohne repräsentative Zahlen, Daten und Fakten den nationalen Notstand ausrufen und nach Gefühl Zahlungen veranlassen.” Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerium

Um die Bereitstellung von Futter für Nutztiere sicherzustellen, sollen für diesen Bereich jedoch schneller Entscheidungen fallen.

Futter für Tiere

Die Dürrezeit erschwert den Landwirten die Bereitstellung von Futter für Tiere. Die Trockenheit hat nämlichen in manchen Regionen auch den Grasschnitt für Viehfutter eingeschränkt.

Am Mittwoch soll deshalb bereits über eine Verordnungsänderung abgestimmt werden, die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in die Wege geleitet wurde.

Der Entwurf sieht vor, dass die Länder in diesem Jahr in Gebieten, die vom Wetter ungünstig betroffen sind, eine Zeitraum von acht Wochen festlegen können, in dem die ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) mit Zwischenfruchtmischungen bestellt sein müssen.

Die Abänderung des Zeitraumes, der normalerweise von 1. Oktober bis 31. Dezember läuft, kann nur für Einzelfälle erfolgen, für die ein Antrag gestellt worden ist.

Da die Verordnung nicht automatisch für alle Bundesländer oder Landkreise greift, solltet Ihr Euch bei Eurer Landesdienststelle informieren.

Beginnen tut der achtwöchige Zeitraum am Tag nach der Aussaat der letzten ÖVF-Zwischenfrucht.

Klimawandel kein Zukunftskonstrukt

Die heißen Sommer der letzten Jahre zeigen jedem: der Klimawandel ist kein abstraktes Konstrukt, vor welchem wir seit Mitte des 19. Jahrhunderts gewarnt worden sind.

Wir sind mittendrin. Die Hitze ging an niemanden vorbei. Aber insbesondere die Landwirte haben derzeit mit hohen Verlusten bei der Ernte die Rechnung zu tragen.

Der Verbraucher selbst spürt die wirtschaftlichen Ausmasse der Ausfälle bei der Getreideernte noch nicht. Dem Nachfrage-Preis-Modell nach, könnte man meinen, dass ein knappes Angebot an Getreide sich im Preis niederschlägt, etwa beim Brotpreis.

Dem ist nicht der Fall. Zum einen, weil der Getreideanteil hier nicht so hoch wie gedacht ist, zum anderen können Ausfälle der Ernte durch Importe aus anderen Ländern kompensiert werden.

Heiße Sommer sind keine Ausnahme mehr. Sie werden mehr und mehr zur Regel.

Im Gegenzug dafür gibt es mittlerweile zur Wintersaison auch gut und gerne auch mal zuviel Wasser. Die Ernte geht hier wortwörtlich den Bach runter.

Intervenieren in Krisenzeiten ist gut und schön.

Allerdings: wenn die Ausnahme zur Regel wird, wie soll dann vorgegangen werden. Sicherlich gilt es sich anzupassen.

Aber was gilt es anzupassen?

Zum einen müssen neue Modelle in der Landwirtschaft gefunden werden. Es muss gewährleistet werden, dass die Felder quasi ganzjährig eine Grundlage für ein gesundes Pflanzenwachstum gewährleisten.

Schaut man sich die rasante Entwicklung der landwirtschaftlichen Technologien an, wird es hier keine Zweifel geben:

Es wird Lösungen geben, um in zukünftigen Trockenperioden Wasser ressourcenschonenden „an die Pflanze“ zu bringen. Sicherlich kann man sich in anderen Trockengebieten der Erde, ob in Kalifornien oder afrikanischen Regionen, etwas abkucken.

Intelligente Technologien werden die landwirtschaftlichen Strukturen ändern. Das Klima ist ein Faktor, der diesen Prozess beschleunigen könnte.

Ob Smart Farming, Vertical Farming, intelligente Maschinen, Methoden wie die Tröpchenbewässerung, … es fehlt nicht an interessanten Ansätzen.

Mit Technik gegen Dürre

Quelle: ARD

Insbesondere die Landwirtschaft befindet sich in einem Spannungsfeld von vielen Interessen: Lebensmittel sind ein grundlegend wichtiges Gut, weshalb politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessengruppen besonders stark ihren Einfluss ausüben möchten.

Es bringt nichts, wenn sich die Landwirtschaft an neue klimatische Bedingungen anpasst, in neue Technologien investiert, während Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in alten Mustern denken und handeln.

Wie seht Ihr die zukünftige Entwicklung – welche Änderungen außerhalb der Landwirtschaft sind wichtig, um Landwirten eine gute Zukunftsperspektive zu geben?

Ernte-Landwirtschaft-Deutschland

Regen, Regen, Regen – wie wird die Ernte in 2018

Zu viel Wasser im Norden Deutschlands sorgt bei Landwirten weiterhin für schlechte Stimme. Noch immer heißt es vielerorts „Land unter“, was nichts gutes für die Ernte in 2018 bedeutet. 

Die Regenmenge, die seit Monaten ohne Pause auf eh schon wassergesättigte Böden fällt, sorgt weiterhin für Sorgenfalten auf der Stirn.

Von faulender Ernte auf den Feldern, nicht ausgebrachter Aussaat von Wintergetreide und Raps, bis hin zum Problem der randvollen Güllebehälter – die Probleme halten an, scheinbar ohne Lösung.

Die Rekord-Regenmengen führen weiterhin zu verheerenden Auswirkungen für die norddeutschen Landwirte.

Es sind definitiv schwere Zeiten. Geht man durch die lokalen Zeitschriften des Nordens sieht man immer wieder Bilder von Äckern, die eher einem See als landwirtschaftlicher Nutzfläche gleichen.

Fällt die Ernte in 2018 auch ins Wasser?

Diese Frage stellen sich wohl derzeit nicht wenige norddeutsche Landwirte.

In 2017 waren bereits der Sommer und Herbst extrem nass. Als im Sommer die Ernte einsetzen sollte, sorgte der Regen nicht nur für erschwerte Erntebedingungen.

Allein in Niedersachsen fiel das Doppelte der durchschnittlichen Niederschlagsmenge auf die Äcker.

  • Vielerorts litt die Qualität des Korns. Ursprünglich als Brotgetreide gesätes Korn konnte, aufgrund des niedrigen Eiweißgehaltes, nur noch als Tierfutter verkauft werden.
  • Erhöhte Produktionskosten, etwa durch den zusätzlichen Prozeß der Körnertrocknung oder dem hohen Technikverschleiß und Kraftstoffverbrauch beim Einsatz der Maschinen auf den durchnässten Böden
  • Starke Verluste bei der Ernte, wenn sie nicht gar direkt auf den Feldern verfaulte, denn ob Weizen, Zuckerrübe oder Mais, die Ernte konnte vielerorts nur zum Teil vollzogen werden.
  • Unbestellte Felder aufgrund der durchnässten Böden im Herbst: in Niedersachsen verringerte sich die Anbaufläche von Winterweizen um 12 Prozent, in Schleswig-Holstein gar 27 Prozent.
  • Fehlender Ausgleich des Marktpreises, da weltweit die Getreideernten gut verliefen

Die Liste kann weiter fortgeführt werden. Und wie es in der Landwirtschaft so ist, die Strukturschäden aus 2017 werden einen starken Einfluss auf die Prozesse in 2018 haben.

Seit nunmehr Monaten steckt die Nässe in den Böden, kann nicht abfliessen.

(Quelle: ProplantaSVZ, Focus)

Ist der Klimawandel Schuld an allem?

Eine Besserung ist nicht in Sicht, denn der Regen hält an.

Die Max-Planck-Gesellschaft, genauer gesagt, das Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie hat eine Wettervorhersage für die nächste Jahrzehnte berechnet.

„Es wird auch bei uns extrem ungemütlich“, so Daniela Jacob vomHamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie.

Mit Hilfe von Hochleistungsrechnern konnte es sogar lokale Prognosen erstellen.

So wird an der Nordsee bis zum Jahr 2100 die Temperatur wohl um 2,5 Grad ansteigen, im Südosten Deutschlands sogar um bis zu 4 Grad.

Starke Hitzewellen im Sommer, etwa gleich viel Niederschläge gepaart mit heftigen Gewitter werden wohl der Normalzustand sein.

Trockene Sommer, die die Schifffahrt in Deutschland zum Erliegen bringen können, und nasse Winter, die den Wintersportbegeisterten nicht in die Alpen zum Urlaub fahren lässt.

Und was hält das Wetter für die Landwirtschaft parat?

Lange Trockenperioden wechseln sich mit sintflutartigen Regen ab„, sagt Mojib Latif vom Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften der Universität Kiel. Weiterhin meint er: „Insbesondere in West- und Süddeutschland häufen sich dann die Überschwemmungen … weite Landstriche stehen ab 2050 doppelt so häufig unter Wasser wie heute.“

Sicherlich, Wissenschaftler rechnen in Modellen, mit vergangenen Daten und unter Annahme bestimmter Parameter.

Aber, der Klimawandel wird unsere Ernte beeinflussen. Schäden durch Überschwemmungen werden, soweit die Prognosen, eher zunehmen.

Sind die übernässten Böden ein hausgemachtes Problem?

Und ja, jeder redet über die hohen Niederschlagsmengen. Aber sind sie alleinig an den hohen landwirtschaftlichen Schäden Schuld?

Wenn man Rainer Horn, Bodenkundler von der Universität Kiel fragt, lautet die Antwort wohl „Nein“, den es spielen auch noch weitere Faktoren eine Rolle.

Ganz vorne an die Bodenverdichtung.

„Von Bodenverdichtung wird gesprochen, wenn es durch Aufbringen hoher Last zu einer Verformung und somit zu einer Veränderung des Drei-Phasen-Systems Boden kommt.“ Wikipedia

Eine geringe Auflastung lässt den Boden in seine Ausgangsform zurückfedern.

Eine zu hohe Belastung nimmt dem Boden seine reversible, elastische Verformung. Je nach Druck kann die Verdichtung bis tief in den Boden reichen.

Sie vermindert stark die Fähigkeit des Bodens Wasser aufzunehmen und abzuleiten.

Ja, es ist deutlich mehr Regen als üblich gefallen, aber, so Rainer Horn gegenüber der Süddeutschen Zeitung:

„Ein normaler, funktionsfähiger Boden müsste theoretisch dieses Wasser wegleiten können. Waldböden können das.“

Unsere heutigen schweren Landmaschinen haben es ermöglicht, Landwirtschaft in einer nie zuvor da gewesen Wirtschaftlichkeit zu bearbeiten.

Die heutigen Ernteerträge wären ohne sie gar nicht vorstellbar gewesen. Die Entwicklungen der letzten Jahre werfen jedoch die Frage auf, wie wir zukünftig Landwirtschaft betreiben.

Wenn sintflutartige Regenfälle zukünftig mehr und mehr zu unserem Alltag gehören, müssen wir Strategien entwickeln, trotz des Regens eine gute Ernte einzufahren.

Ein Weg können sicherlich die neuesten, autonomen Feldroboter sein, deren Entwicklung rasant voranschreitet. Sie würden zumindest den Druck von dem Boden nehmen.

Sicher ist, langfristig braucht es Lösungen. Die letzten Monate haben nicht nur gezeigt, dass wir auf mehr Regen noch nicht vorbereitet sind.

Sie haben auch aufgezeigt, wie unterschiedlich allein innerhalb von Deutschland die Produktionsbedingungen sind.

Wie sieht für Euch die Landwirtschaft in Deutschland in den nächsten 10, 20 oder gar 50 Jahren aus?

Safran-Landwirtschaft-Glyphosat

Der Orient in Deutschland: Safran wird in Franken angebaut

Safran – die einen denken direkt an den Orient, die anderen erinnern sich an die Paella im letzten Spanienurlaub.

Aber wer verbindet Safran mit Franken?

Auf der Suche nach neuen Einkommensquellen entdeckt der eine oder andere Landwirt neue, bisher für Europa eher exotische Pflanzen zum Anbau.

Längst beschränkt sich Landwirtschaft nicht mehr nur auf traditionelle, heimische Pflanzen.

Es lohnt sich, die Augen aufzumachen und nach neuen Ideen und Möglichkeiten Ausschau zu halten.

Ein Ehepaar aus Franken macht es vor, wie es aussehen kann, wenn man neue Wege geht.

Aber zunächst noch einen kurzen Ausflug zum wohl Thema der letzten Monate, Wochen und auch Tage.

Glyphosat bis 2022 oder 2024?

Am Mittwoch letzter Woche stimmten die EU-Staaten ab, ob Glyphosat die weitere Zulassung erhält. Zumindest war dies der Plan.

Eine Einigung konnte abermals nicht erzielt werden, d.h. im zuständigen Fachausschuss wurde keine Abstimmung vorgenommen.

Ursprünglich wollte die EU-Kommission die Verlängerung der Zulassung, die im Dezember ausläuft, auf 10 Jahre auslegen.

Das EU-Parlament fordert jedoch eine maximale Verlängerung von 5 Jahren. Als Kompromis steht jetzt die Zulassung für 5-7 Jahre im Raum, d.h. bis 2022 – 2024.

Während die einen vor den schädlichen Auswirkungen des Mittels warnen, halten die anderen es für unerlässlich.

Das Totalherbizid wirkt auf alles was grün ist. Es blockiert ein Enzym, was für den Pflanzenwachstum wichtig ist. D.h. wo Glyphosat ausgebracht wurde, ist im wahrsten Sinne des Wortes Wüste.

Es kann dort nichts mehr wachsen. Außer Pflanzen, die aufrund von Veränderungen in ihren Anlagen, resistent sind. Das Mittel ist also eine sehr einfach Methode, das Feld schnell von allem Unkraut zu befreien.

Herbizidhersteller wie Bayer, Monsanto oder Syngenta produzieren jährlich ca. 800.000 Tonnen des Mittels. Das Haupteinkommen erzielen die Unternehmen jedoch mit dem Verkauf von Saatgut, dass gegen Glyphosat resistent ist.

Es ist heißt also weiterhin abwarten. Bis dahin können wir uns aber den schönen Dingen des Lebens widmen.

Etwa dem Safran, der als Luxusgewürz nicht nur in Gourmethäusern, für einen Gaumenschmaus sorgt.

Safran – das Gold auf dem Teller

Manch einer kennt noch das Kinderlied “Safran macht den Kuchen gel”. Gel bedeutet dabei gelb.

Auch Spanier schwören bei ihrem Essen, etwa der Paella, auf die schöne gelbe Farbe. Safran kommt übrigens auch aus dem Arabischen, wo “Za’fran , ganz grob “gelb sein” bedeutet.

Ursprünglich wurde das Gewürz nur im persischen und arabischen Raum angebaut, mittlerweile ist es aber weltweit in ausgewählten Regionen zu finden.

Das Gelbe kommt von dem im Safran enthaltenen Farbstoff Crocin. Dieser ist so potent, dass bereits 0,01 Gramm ca. 3 Liter Wasser einfärben können.

Aber stop! Ja, Safran ist nicht nur eine schöne Lebensmittelfarbe.

Das Edelgewürz ist würzig und leicht bitter im Geschmack. Wer Safran an die Nase hält, dem wird der intensive, durchaus schwere Geruch auffallen.

Stellt sich die Frage, warum Safran so teuer ist.

Das liegt an seiner sehr aufwendigen Produktion. Die Erntezeit ist zeitlich sehr begrenzt und die Ernte ist schwierig:

Handarbeit von A bis Z

Alles um Safran ist Handarbeit.

Bei dem Gewürz handelt es sich um die Stempelfäden des “Safran” genannten Krokus. Diese Krokusart hat violette Blüten, die jeweils drei orangerote Safranfäden besitzt.

Während der ca. zwei wöchigen Blütezeit werden die Blüten von Hand geerntet. Die der Blüte entnommenen Fäden werden anschließend getrocknet, bevor sie gehandelt werden.

Zudem handelt es sich bei der Pflanze um einen Hybriden. D.h. der Krokus kann sich nicht selber fortpflanzen. Auch für die Vermehrung der Pflanze ist Handarbeit gefragt: jede Knolle muss für den Anbau geteilt werden.

Ja, Fäden hab nicht viel Gewicht. Hier zeigt sich, warum Safran das teuerste Gewürz ist und auch gerne mal gefälscht wird.

150.000 Blüten müssen geerntet werden, d.h. von Hand gepflückt werden, um ein Kilo getrockene Safranfäden zu gewinnen.

Heilung und Potenz

Wusstet Ihr, dass dem Safran auch heilende und Potenz fördernde Wirkungen zugesprochen werden?

In früheren Zeiten wurde etwa der Hochzeitschleier der Braut mit Safran gelb gefärbt. Der Brauch versprach nicht nur Gesundheit und ein langes Leben, sondern auch Potenz und Gebärfähigkeit.

Wer mit Safran seine Speisen würzt, sollte entsprechend vorsichtig sein.

Das Gewürz ist sehr intensiv. Neulinge sollten deshalb auch erstmal sehr vorsichtig vorgehen und kleine Mengen ansetzten.

Zudem ist Vorsicht geboten, weil das Gewürz, das auch zum Färben hochwertiger Seide genutzt wird, Flecken in Kleidung und Oberflächen verursacht, die nicht mehr rausgehen.

Lohnt sich der Anbau des Gewürzes? Die Produktion ist sehr aufwendig. Jedoch kann ein Gramm Safran zwischen 7 bis 17 EUR kosten.

In Franken hat sich ein Hof auf die Produktion des Krokus eingelassen.

Safran aus Franken

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Auch wenn der Anbau in Franken noch ein Nebenerwerb ist, es zeigt, dass es sich durchaus lohnen kann, in neue Wege und Ideen zu investieren.

Der Preis für ein Kilo Safran geht schnell in mehrere Tausende EUR. Kein Wunder, dass das Gewürz damit ein lukratives Geschäft für allerlei auch dubiose Händler ist.

Nehmen wir zum Beispiel Spanien. Obwohl das Land nur 1,5 Tonnen Safran herstellt, werden 90 Tonnen Safran jährlich exportiert. (Quelle: Die Welt)

Wie funktioniert dies? Indem beispielsweise günstig Safran aus dem Iran eingekauft, in Spanien veredelt und zu wesentlichen höheren Preisen in alle Welt als in Spanien produzierter Safran verkauft wird.

Auf diese Art können nicht nur Handelsembargos umgangen werden (etwa darf Safran nicht vom Iran in die USA verkauft werden, aber durchaus von Spanien).

Auch muss sich die Produktion im Ausland nicht an die doch strikteren Bestimmung der EU halten.  Es lohnt sich deshalb für Verbraucher, sehr genau auf die Herkunft zu achten.

Ein florierender Handel zeigt jedoch, es besteht eine starke Nachfrage. Und Qualität und Herkunft sind wichtige Merkmale für Verbraucher.

Wie steht es mit Euch – habt Ihr auch bereits über den Anbau von nicht heimischen Pflanzen, die jedoch stark nachgefragt sind, nachgedacht?