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2022-11 Green Care Bauernhof statt Altersheim

Green Care: Bauernhof statt Altersheim

In einer schnelllebigen Welt, in der das Idealleben gerne auf den vielfältigen, sozialen Netzwerken dargestellt wird, geraten die Älteren unter uns scheinbar in Vergessenheit. Viele Senioren fühlen sich auf den „Gleisen“ abgestellt und suchen nach Anschluß in einer Gesellschaft, die sie nicht immer ernst nimmt. Dabei ist nicht jeder von ihnen bereit, alles hinzuschmeißen und sein Lebensalter auf einem Sessel vor dem Fernseher zu verbringen. Sie bevorzugen „vitalere“ Alternativen, welchen ihnen ermöglichen, noch aktiv am Leben teilzunehmen. Da kommt ihnen das Konzept des Green Care wohl sehr entgegen. Denn hier geht’s nämlich auf den Bauernhof anstatt ins Altersheim.

Dass die klassischen Altersheime nicht jedermanns Geschmack treffen, ist klar. Zwar bemühen sich viele Häuser und Vorstände neue Konzepte und Ideen in die traditionelle Herangehensweise einzubetten, aber damit können sie den Markt bei Weitem nicht abdecken.

Für Senioren, die aktiv am Leben teilhaben und sich in einer Familie integriert fühlen möchten, sind Altersheime keine Lösung. Zum Glück blühen immer mehr Senioren-Wohngemeinschaften auf Bauernhöfen. Egal ob in Deutschland, Österreich, Niederlanden, Norwegen oder der Schweiz, immer mehr Bauernhöfe erweitern ihre Dienste und empfangen Senioren bei sich auf dem Land.

Was spricht dafür? Wieso zieht es Senioren vermehrt auf einen Bauernhof? Ist Green Care eine tragfähige Lösung, um das massive Höfesterben aufzuhalten und gegebenenfalls diesem auch entgegen zu wirken?

Green Care bietet einen Lebensabend in familienähnlichen Strukturen

Neulich forschte ich im Archiv des ZDF und stoß dabei auf eine sehr interessante Dokumentation aus dem Jahr 2020. Es ging nämlich um mein heutiges Thema, auf den Bauernhof statt ins Altersheim zu ziehen. In der halbstündigen Doku werden neun Senioren ein halbes Jahr lang auf dem Anwesen von Familie Müller (Hofbesitzer) begleitet.

Die Betriebsleiterin Andrea Müller (56) ist täglich für das Kochen zuständig. Der Sohn Manuel übernimmt die Arbeit auf dem Land und träumt davon, mit seiner Ehefrau die Idee des Senioren-WGs zu übernehmen und zukünftig ebenfalls Seniorenwohnungen im Dorf anzubieten.

Die Doku kann ich jedem empfehlen, der ein bisschen hinter die Kulissen dieses Konzepts blicken möchte. Sie ist wirklich sehenswert.

Hier geht’s zur ZDF Doku.

Dass ein Leben auf dem Land, umgeben von Pflanzen und Tieren, viele Vorteile mit sich bringt, ist wohl allgemein bekannt. Wie wichtig die Sonne und das Aufhalten draußen an der frischen Luft sind, ist kein Geheimnis und lernt man wohl üblicherweise bereits von Kindesbeinen an. Wenn wir das regionale und saisonale Essen bzw. die familienähnlichen Strukturen dazu zählen, haben wir ein perfektes „Gesundheitspaket“ für ein angenehmes Leben unabhängig vom Alter.

Welche Vorteile bringt denn Green Care für die Senioren mit sich?

  • Kosten: Diese sind wesentlich geringer als im Altersheim.
  • Eigenständigkeit: Wer fit ist, kann auf dem Bauernhof anpacken; wer lieber mit dem Hund spazieren mag, kann dies ebenfalls problemlos tun. Jeder kann sich einbringen, die Aktivitäten sind vielfältig.
  • Lebensqualität: Die Seele mitten in der Natur baumeln lassen.
  • Pflege: Bei Bedarf wird ein Pflegedienst hinzu gezogen.

Senioren-WGs auf dem Bauernhof – Eine Lösung gegen Höfesterben?

Das Höfesterben-Phänomen hat uns voll eingeholt. Die Superreichen und großen Agrarunternehmen machen keinen Hehl mehr daraus, dass sie so viel Land wie möglich kaufen wollen — und dies auch konsequent tun. Während sie problemlos Millionen und Milliarden in neue Technologien, Landmaschinen und Co. investieren können, sehen sich andererseits immer mehr Familienbetriebe gezwungen, ihre Pforten zu schliessen. Das, was Generationen mit viel Mühe, Liebe und Leidenschaft aufgebaut haben, verpufft vor ihren weinenden Augen.

Dabei versucht jeder, gegen diesen Trend so gut wie möglich dagegen zu steuern bzw. mitzugehen, wie er nur kann. Die einen probieren neue Getreide- und Pflanzensorten, die anderen gestalten ihre Bauernhöfe in sogenannten Ferienresorts um, während eine kleine, aber stetig wachsende Zahl mutiger Landwirte auf Green Care umsteigen.

Selbstverständlich wird auf den Green Care Bauernhöfen keine Viehzucht oder Landwirtschaft nach alter Tradition betrieben, d.h. Hunderte von Tiere, die gefüttert und gemolken werden müssen oder Schlepper, die tagein tagaus ihre Runden drehen, um den Boden zu bearbeiten. Es handelt sich hierbei vielmehr um kleine, „schnuckelige“ Bauernhöfe, auf denen man gemeinsam zu Abend isst, Geburtstage zusammen feiert und das Leben in einer Großfamilie zelebriert.

Insbesondere Senioren, die aktiv sind und auf dem Bauernhof anpacken bzw. kleine Tätigkeiten im Haus erledigen können, sind auch eine echte Hilfe für die Bauernhöfe und für die Dörfer insgesamt. Im Zuge des demographischen Wandels, durch welchen es die jungen Generationen vermehrt in die großen Städte zieht, in denen das Singleleben als eine attraktive Lebensform vermarktet wird, ist dieser Gegentrend sicherlich eine äußerst interessante Idee, um die Dörfer wieder zu beleben und dem Leben auf dem Land einen neuen Sinn zu geben.

Für mich persönlich ist es noch kein Konzept, mit welchem ich mich aktuell auseinandersetze, jedoch wollte ich darüber berichten, um das Bewusstsein für solche, von der heutigen Normalität abweichende, Möglichkeiten zu schaffen und Menschen aus allen Lebensphasen über das Konzept des Green Care zu informieren. Wer weiss, welche innovativen Ideen noch umgesetzt werden und wofür sich jeder von uns eines Tages entscheidet. Für mich persönlich spricht als naturbegeisterter Landwirt selbstverständlich alles für einen Bauernhof.

Bildquelle: Foto von Jake Heinemann auf Pexels

Höfesterben in der digitalen Ära geht weiter

Höfesterben in der digitalen Ära geht weiter

Goodbye jahrhundertealtes Modell des bäuerlichen Familienbetriebs. Bühne frei für große Agrarunternehmen, die das nötige ‚Kleingeld‘ haben in hochmoderne Technik zu investieren. Damit welcome zum Höfesterben-Phänomen.

Im Jahr 1960 gab es in Deutschland rund 1,5 Millionen bäuerliche Betriebe. Die letzte offizielle Betriebszählung aus dem Jahr 2016 meldete nur noch 275.000 Landwirtschaftsbetriebe. Das Fiasko geht aber weiter: rund 5.000 bäuerliche Betriebe schließen pro Jahr in Deutschland (1,5 bis 1,7%), Tendenz steigend. Gleichzeitig boomen die größeren Höfe.

Es wird schlimmer. Glaubt man einer aktuellen Studie der DZ Bank dann wird die Zahl der Betriebe in 2040 auf 100.000 sinken. Im gleichen Atemzug wird die durchschnittliche Betriebsgröße von 60,5 auf ca. 160 Hektar steigen.

Ein weiterer Trend den die Banker prognostizieren: die Zahl der Öko-Bauern wird in 2040 rund 45.000 betragen und der Öko-Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands von derzeit 10% auf ca. 20% steigen.

Quelle: DZ Bank Studie „Agrar 4.0“ – Abschied vom bäuerlichen Familienbetrieb?

Die einen wollen vom Höfesterben nichts wissen, andere wiederum zucken mit den Schultern und schieben alles auf den natürlichen Strukturwandel. Die Politik erzählt eins und macht wie oft genau das Gegenteil.

Woher dieser Schub beim Höfesterben?

Versuchen wir mit einem „kühlen“ Kopf die Sache zu analysieren. Wieso müssen so viele kleine Bauernbetriebe schließen (besonders stark betroffen sind Milchviehbetriebe und Schweinehalter)?

Ein Blick auf die Fakten:

  • Digitalisierung. Diese verspricht im landwirtschaftlichen Sektor eine effizientere Produktion (bis zu 15% Steigerung). Hierfür muss man in moderne Technik investieren. Erstens, kann das nicht jeder und zweitens, schreit eine derartige Investition nach der Bildung größerer Betriebseinheiten, um auch zukünftig profitabel zu bleiben.
  • Umweltauflagen, Klimapaket, neue Düngeverordnung & Co. Moderne Ställe, neue Gülledepots… die Auflagen und Forderungen an die deutschen Bauern steigen stetig weiter und gleichzeitig werden die Direktzahlungen gekürzt.
  • Nachfolgeproblematik. Einerseits werden die geburtenstarken Jahrgänge unter den Landwirten in den Ruhestand gehen und andererseits ändern sich die Lebensentwürfe i.S. viele Kids die auf dem Bauernhof aufgewachsen sind, sehen in der Landwirtschaft keine ökonomischen Zukunftsperspektiven.
  • Fachkräftemangel. Es müssen ja nicht immer Familienmitglieder sein die auf dem Hof arbeiten; die großen Betriebe kompensieren den rückläufigen Arbeitskräfteeinsatz mit familienfremde Fachkräfte z.B. aus dem Ausland.

So, jetzt haben wir ein bisschen die Lage beschrieben und nun kommt die wichtigste Frage:

Wie weiter bzw. was sollen kleine Familienbetriebe tun?

Ich bin ja von der ganzen Sache genauso betroffen wie andere Familienbetriebe auch. Da ich mich lediglich auf dem Gebiet des Ackerbaus bewege, weiss ich wie unheimlich schwierig es meine Kollegen aus der Viehzucht haben. Diese kämpfen neben den oben aufgeführten Problemen zusätzlich noch mit Tierkrankheiten, Konsumentenmisstrauen und weiteres.

Mögliche Lösungsansätze und Alternativen

Hier ein paar Gedanken und Alternativen zu dem was auf uns zurollt. Vielleicht ist ja für den einen oder anderen von Euch was dabei. Wiederum andere werden daraus etwas Neues kreieren und auf andere Lösungsansätze kommen. Für manch anderer ist nichts dabei was passt.

Vielleicht habt Ihr ja eine bessere Idee und wollt es mit uns allen teilen. Dann tut so bitte in den Kommentaren, ich freue mich auf Eure Anregungen.

Variante Switch auf Öko-Landbau (ganz oder teilweise).

Immer mehr Konsumenten wollen Bioprodukte kaufen. Die Ernährungsgewohnheiten haben sich verändert und obendrauf kommt noch das Thema Umweltschutz. Wenn die Prognosen der DZ Bank stimmen, dann werden die Öko-Anteile auf 20% steigen. Für jeden der ökologisch wirtschaften will, ist das ein gutes Zeichen.

Variante „Green Care“ – Bauernhof statt Altersheim.

Auf diesen Trend bin ich selbst erst seit wenigen Monaten aufmerksam geworden, als bei einem meiner Landwirtschaftskollegen das Thema aufkam, ‚wohin mit den Großeltern die ihr ganzes Leben auf dem Bauernhof verbracht haben und am liebsten auch hier sterben würden‘.

Das Konzept was sich in Skandinavien und den Niederlanden schon längst bewährt hat, schwappt jetzt auch zu uns rüber. Aktiv am Hofleben beteiligen statt ins Altersheim abtransportiert zu werden, sogenannte Senioren-WGs auf dem Bauernhof sind eine interessante Option für jeden Landwirt der offen ist für Neues.

In der Sendung 37° des ZDF wird hierüber immer öfters berichtet. Anbei ein kleiner Beitrag den ich auf YouTube gefunden habe; die Originalsendung ist in der ZDF Mediathek anzuschauen.

Quelle: Landesschau Rheinland-Pfalz SWR, YouTube

Variante Kooperationen mit anderen Sektoren.

Hier greife ich auf ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung zurück: die Kooperation mit z.B. Bienenhalter durch Schaffung von Greening-Flächen. Siehe hierzu mein Projekt „Blumenwiesenpatenschaften„.

Weitere Kooperationsmöglichkeiten: mit lokalen Einzelhändlern, mit Floristen und anderen Branchen, mit Schulen und Universitäten, mit Hotelketten usw.

Variante Sonderkulturen die mehr Wertschöpfung bieten.

Sanddorn, Aroniabeeren, Wildkräuter… es gibt spannende Nischen die man besetzen kann. Dafür müssen wir als Landwirte jedoch umdenken und bereit sein Neues auszuprobieren.

Wie vorhin erwähnt, das sind nur ein paar Gedankenanstöße. Wenn Ihr weitere spannende Ideen und Lösungsalternativen habt, dann teilt diese doch mit der Agrarbetrieb-Community. Nur wenn wir voneinander lernen, kommen wir als Spezies weiter. Das wissen wir in der Landwirtschaft nur allzu gut.

Höfesterben – Können wir dieses schreckliche Phänomen verlangsamen oder gar stoppen? Oder sollen wir es ganz einfach als „natürliche Selektion“ abtun und in die Big Cities „migrieren“?

Entwarnung fur Familienbetriebe in Deutschland

Entwarnung: Kein Aus für Familienbetriebe in Deutschland

Der langsame aber sichere Tod der Familienbetriebe in Deutschland wird schon lange prophezeit. Gierige Investoren, die nur eins im Visier haben, nämlich Profite schlagen, würden alles zunichte machen, um als alleinige Herrscher unserer Böden zu werden.

Es zeigt sich jetzt, dass dies nicht ganz der Realität entspricht.

Mag sein, dass die Sendung „Bauer sucht Frau“ bei einigen Zielgruppen gut ankommt, aber Fakt ist, dass „Bäuerlichkeit“ nicht mehr so ganz im Trend liegt.

Viele Betriebe mussten ihre Türen schließen. Die Agrarunternehmensstruktur in Deutschland zeigt jedoch weiterhin eine Dominanz der Familienbetriebe. Die letzte Agrarstrukturerhebung aus 2016 kam auf eine Anzahl von 274.500 landwirtschaftliche Betriebe (Quelle: Statistisches Bundesamt, Destatis).

Das sind rund 9.000 Betriebe weniger als drei Jahre zuvor.

Nun äußerte sich der Wissenschaftler Bernhard Forstner vom Thünen-Institut auf der Jahresversammlung des Europäischen Netzwerks der Agrarsozialversicherungssysteme (ENASP) wie folgt:

  • „Familienbetriebe werden weiterhin dominieren“
  • „Familienbetriebe werden größer, komplexer und wettbewerbsorientierter“

Familienbetriebe haben sich verändert. Sie haben sich einem erheblichen Wandel unterzogen.

Nebem dem vermehrten Einsatz neuer und innovativer Technologien, gab es folgende sichtliche Veränderungen:

  • Es werden Kooperationen gebildet.
  • Familienbetriebe setzen auf Diversifizierung (z.B. durch Gründung neuer Unternehmenszweige)
  • Es finden Beteiligungen an anderen Betrieben statt.

Ähnlich wie bei den Kollegen in Großbritannien, die sich jetzt mit dem Brexit herumschlagen müssen, stieg auch hierzulande die Bedeutung von Fremdarbeitskräften. Des weiteren nehmen immer mehr Familienbetriebe in Deutschland, die Angebote professioneller Dienstleister in Anspruch.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Familienbetriebe in Deutschland – Harte Arbeit, alle packen an

Jeder der auf einen Bauernhof aufgewachsen ist oder so wie ich, ein Familienbetrieb leitet, weiss ganz genau, was das mit sich bringt.

365 Tage pro Jahr arbeiten.

Alle Familienmitglieder, egal ob groß oder klein, alt oder jung, müssen anpacken.

Tja, kaum eine andere Berufsgruppe kommt an dieses Arbeitspensum bzw. erfordert so viel Einsatz von den Familienmitgliedern.

Was sagt der Wissenschaftler vom Thünen-Institut zum Thema Wettbewerbsfähigkeit?

Forstners Meinung nach, bieten Familienbetriebe in Deutschland folgende Vorteile im Vergleich zu Kapitalgesellschaften:

  • Hohe gesellschaftliche Akzeptanz
  • Hohes Maß an Flexbilität insb. in Krisensituationen
  • Breite politische Akzeptanz

Eins sollte bei der ganzen „Euphorie“ nicht aus den Augen gelassen werden, u.z. die

Betriebsgröße und wachsende Komplexität der Familienbetriebe.

Werden diese beiden Faktoren in den zukünftigen Auswertungen und Statistiken nicht berücksichtigt, dann kann es möglicherweise zu falschen agrarpolitischen Schlußfolgerungen kommen. Weiterhin wird dadurch auch die Qualität der Struktur- und Einkommensanalysen beeinträchtigt.

Welchen Einfluß hat die EU-Agrarpolitik auf unsere Agrarunternehmensstruktur?

Keinen entscheidenden Einfluß, so die Meinung von Forstner.

Quellen: Thünen-Institut, Agra-Europe

Familienbetriebe bekommen Rückendeckung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium

Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens will das Bodenrecht verschärfen. Preismissbrauch auf dem Bodenmarkt muss unterbunden werden.

Landwirtschaftliche Bodenmärkte sollen vor Finanzinvestoren geschützt werden. Die negativen Auswirkungen müssen abgewehrt werden, so eine Pressemeldung von Agra-Europe.

Ein paar Zahlen zur Verdeutlichung der „Krise“ (laut Schätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums):

  • Rund 30% der Einzelflächen werden seit der Finanzkrise in 2007 jährlich an Nichtlandwirte veräußert.
  • 20% der Flächentransfers in Ostdeutschland erfolgen über Anteilsverkäufe, d.h. diese Deals entziehen sich der Kontrolle des Grundstückverkehrsgesetzes.
  • Nur in 2-3% der Fälle, in denen Nichtlandwirte kaufen möchten, wird das Vorkaufsrecht zugunsten aktiver Landwirte ausgeübt.

Schlussfolgerung des Staatssekretärs:

Der gigantische Preisanstieg für Agrarflächen lässt sich mit der Produktivitätsentwicklung der Landwirtschaft nicht erklären.

Wohin geht die Reise?

Ich bin alles andere als ein Wahrsager, aber folgendes kann ich auf Basis dessen was ich tagtäglich sehe und erlebe, sagen:

Es wird schneller. Wir müssen uns schneller verändern, anpassen, neues annehmen und umsetzen.

Es wird technologischer. Neue, innovative Technologien werden in unser Alltag als Landwirte integriert. Wir müssen lernen mit neuer Software und Apps zu arbeiten sowie hochmoderne Maschinen zu bedienen.

Es wird futuristischer. Roboter, Drohnen, Gentechnik 2.0, schwimmende Farmen – das muss unser menschliches Gehirn erstmals verstehen bevor wir damit arbeiten können. Von uns Landwirten wird erwartet, dass wir umsetzen. Die Weltbevölkerung auf dem Planeten wächst, die Agrarflächen schrumpfen. Das führt zu „jede Menge Spass“ bei der Umsetzung.

Es wird kompetitiver. Der ewige Kampf Großinvestoren vs. „kleiner Mann“ wird weitergehen, egal was uns die Politik verspricht. Wir leben nunmal auf einem Planeten wo Geld und Profitabilität die Oberhand haben und so schnell wird sich das wohl auch nicht ändern.

Die Starken werden überleben.

Der Rest wird, wie so oft in der Geschichte der Menschheit, auf der Strecke bleiben.

Wer hat behauptet, dass das Leben fair ist?!

Eure Meinung:

Welches Schicksal werden Familienbetriebe in Deutschland haben?

Weniger Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

Nur noch 276.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

In 2016 gab es nur noch 276.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Das sind 9.000 Betriebe weniger als vor 3 Jahren. Die Fläche blieb mit 16,7 Millionen Hektar fast unverändert.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlichte im Rahmen einer Pressemitteilung die ersten vorläufigen Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2016.

Eins ist ganz klar ersichtlich: der Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft setzt sich weiter fort und ein Ende der Betriebsschließungen ist nicht in Sicht.

Werfen wir doch einen genaueren Blick auf die Zahlen…

In 2013 gab es 285.000 landwirtschaftliche Betriebe, so die damalige Agrarstrukturerhebung. Drei Jahre zuvor, bei der Landwirtschaftszählung 2010 lag die Zahl der Betriebe um 14.000 darüber. Ein deutlicher Rückgang von 5% in der Zeitspanne 2010-2013.

In 2016 ging die Zahl um weitere 9.000 Betriebe zurück. Das ist ein Rückgang von 3% gegenüber 2013.

Weniger landwirtschaftliche Betriebe, gleiche Ackerfläche

Was den einen oder anderen überraschen mag, ist die Tatsache, dass trotz rückläufiger Betriebsanzahl, die bewirtschaftete Ackerfläche gleich geblieben ist.

Liegt damit „die landwirtschaftliche Macht“ in der Hand von weniger Betriebe? Bekommen größere Betriebe und Kapitalgesellschaften einen größeren Stück vom Kuchen ab?

Interessante Fragen, oder?

Fakt ist: die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe geht Jahr für Jahr zurück. Die Größe der Fläche hat sich hingegen seit 2010 kaum verändert.

Tierhaltende Betriebe sind von diesem negativen Trend am stärksten betroffen.

Anfang März betrieben 184.000 Betriebe Viehhaltung. Das sind 8% weniger als in 2013. Demnach mussten 16.000 Betriebe schließen. Die großen Leidtragenden waren die schweinehaltende Betriebe. Diese verzeichneten einen Rückgang von 18%.

Die Schere zwischen Familienbetriebe und Personengesellschaften öffnet sich stetig weiter

Die Tatsache, dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe schließen, hat einen direkten Einfluß auf die jeweilige Rechtsform und die damit einhergehenden strukturellen Veränderungen.

Die Gesamtzahl von 276.000 landwirtschaftliche Betriebe teilt sich wie folgt auf:

  • 244.000 Einzelunternehmen (Familienbetriebe) => In 2010 lag die Anzahl bei 273.000.
  • 26.000 Personengesellschaften => In 2010 lag die Anzahl bei 21.000.
  • 5.000 juristische Personen => fast unverändert

Demnach werden knapp 89% der Betriebe von Einzelunternehmen (Familien) geführt, aber ihre Zahl wird Jahr für Jahr geringer.

Dieser Trends wiederspiegelt sich auch in der Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. So ist die Zahl der Familienarbeitskräfte seit 2013 um knapp 12% auf 446.000 zurückgegangen. Die Zahl der Saisonarbeitskräfte ist um 9% zurückgegangen. Insgesamt wurden 936.000 Beschäftigte registriert. Das sind 8% weniger als bei der Agrarstrukturerhebung 2013.

Bauernsterben in Europa

Mehr als 1,4 Millionen landwirtschaftliche Betriebe haben bereits aufgegeben

Quelle: klagemauerTV

Wie wird denn heuer die Ackerfläche genutzt?

  • 71 % als Ackerland
  • 28 % als Dauergrünland
  • 1 % für Dauerkulturen

Und was genau wird angebaut?

27% des Ackerlandes wird mit Winterweizen bebaut. Silomais steht an zweiter Stelle mit 18% und Winterraps an dritter Position mit 11%.

Öko weiterhin sehr beliebt

Die Zahl der Ökobetriebe steigt.

In 2016 wurden knapp 23.000 landwirtschaftliche Betriebe ökologisch bewirtschaftet. Sechs Jahre zuvor, in 2010 waren es 17.000 Betriebe. Damit einhergehend ist auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche von 1 auf rund 1,1 Mio. Hektar gestiegen (11% Anstieg gegenüber 2013).

Die Agrarstrukturerhebung basiert auf einer Befragung von rund 80.000 landwirtschaftlichen Betriebe und ist gemäß dem Agrarstatistikgesetz eine Erhebung mit Auskunftspflicht. Die Fragen beziehen sich einerseits auf die Produktionsgrundlagen wie z.B. landwirtschaftlich genutzte Fläche und Viehbestände und andererseits auf die im Betrieb vorherrschende Beschäftigtenstruktur.

Die endgültigen Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2016 werden voraussichtlich im Juni 2017 veröffentlicht.

Wie geht’s weiter?

Alarmierende Zahlen, findet Ihr nicht auch?

Strukturwandel, Preisverfall, Gesellschaftswandel, Bevölkerungswachstum, Landflucht…. Das sind die klassischen Schlagwörter die wir immer wieder zu hören bekommen.

Gleichzeitig müssen landwirtschaftliche Betriebe dafür sorgen, dass sie irgendwie am Leben bleiben (die Familie muss ja von irgend etwas auch leben) und dabei immer mehr Menschen ernähren. Kein einfacher Spagat. Und wie wir festgestellt haben, ein Spagat, das von vielen nicht gemacht werden konnte.

Wandel ist die einzige Konstante.

Wir müssen weiterhin am Ball bleiben, uns die neuesten Technologien aneignen und gleichzeitig die Änderungen die in der Gesellschaft stattfinden in die richtige Perspektive rücken. Nur so können wir überleben bzw. allen anderen einen Schritt voraus sein.

Wenn wir nichts tun, wenn wir nichts ändern, dann wird die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiter sinken. Kein schönes Szenario.

Landwirtschaftliche Betriebe leiden unter Preisverfall

Landwirtschaftliche Betriebe leiden unter Preisverfall

Viele landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland haben im Wirtschaftsjahr 2014/2015 stark gelitten. Gewinneinbrüche von 35% und mehr waren keine Seltenheit. Schlechte Unternehmensergebnisse verzeichneten sowohl Haupt- als auch Nebenerwerbsbetriebe.

Der vom Deutschen Bauernverband neulich veröffentlichte Situationsbericht 2014/2015 verleiht einen essentiellen Blick auf die aktuelle Lage. Die negative Zahlen ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Bericht. Starke Gewinneinbrüche, niedrigere Erträge und weniger Investionen, so das Fazit des Berichts.

Werfen wir doch einen Blick auf die Details.

Zuvor noch zwei wichtige Informationen:

1. Der Beitragsvorschuss zur Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (LBG) muss bis zum 15. Januar 2016 auf dem Konto des SVLFG gutgeschrieben sein.

Wer später überweist, muss mit Säumniszuschlägen rechnen. Die Vorschüsse wurden Mitte letzten Jahres, im August 2015 per Bescheid mitgeteilt.

2. Im letzten Monat wurden bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) rund 7.800 Anträge für Beihilfe beantragt.

Über 5.900 landwirtschaftliche Betriebe haben ihre Anträge in der letzten Antragswoche gestellt. Das beantragte Gesamtvolumen wird auf rund 60 Millionen EUR geschätzt. Im Schnitt sind das 7.600 EUR pro Antragsteller. Zwei Drittel der Antragsteller sind laut BLE, Milcherzeuger. Die meisten Anträge kommen aus Bayern, gefolgt von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Agrarbetrieb Geschenk Landwirte 05

Landwirtschaftliche Betriebe über das Wirtschaftsjahr 2015/2016: Von Erholung keine Spur

Niedrige Erzeugerpreise und ungünstige Marktentwicklungen dämpfen weiterhin die Stimmung der Landwirte. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht.

Trotz niedrigeren Energie- und Futtermittelpreise rechnet man mit Gewinnrückgängen in fast allen Betriebsformen. Im vergangenen Wirtschaftsjahr 2014/2015 lag das Unternehmensergebnis der Haupterwerbsbetriebe mit 43.300 EUR um 35% unter dem Vorjahresergebnis. Bei den Nebenerwerbsbetrieben hat sich das Gesamtergebnis gegenüber dem Vorjahr um 20% verschlechtert.

Weitere Ergebnisse im Überblick:

  • Durchschnittlich 30.000 EUR Unternehmensergebnis je Familienkraft, d.h. 2.500 EUR Bruttomonatseinkommen
  • Durchschnittlich 6.850 EUR bzw. 570 EUR pro Monat wurde für die Landwirtschaftliche Alters- und Krankenversicherung bezahlt
  • 8,4% niedrigere Erträge
  • 3% weniger staatliche Zulagen und Zuschüsse
  • 2,1% niedrigere Auswendungen aufgrund der Preisreduzierungen bei Energie, Futtermittel und Viehzukauf
  • 6% mehr Fremdkapitaleinsatz je Haupterwerbsbetrieb
  • 37% der Haupterwerbsbetriebe mit einer Eigenkapitalbildung über 10.000 EUR
  • 8% weniger Bruttoinvestitionen bzw. 43% weniger Nettoinvestionen je Haupterwerbsbetrieb

Die Unternehmensergebnisse je Betriebstyp fielen wie folgt aus:

  • -23% in den Ackerbaubetrieben
  • -44% in den Milchviehbetrieben
  • -35% bei den Rindermastbetrieben
  • -33% bei den Veredlungsbetrieben
  • +4% bei den Weinbaubetrieben (Ergebnisrückgang aus dem Vorjahr konnte trotzdem nicht kompensiert werden)
  • +11% in den Öko-Betrieben aufgrund stabiler Preise für Ökoprodukte und höherer Zahlungen aus Agrarumweltmaßnahmen (Flächenprämien)

Die aufgeführten Daten stammen aus der aktuellen Analyse des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbandes Kiel in Zusammenarbeit mit weiteren regionalen Buchstellen. Die Unternehmensergebnisse von 13.762 landwirtschaftlichen Betriebe wurden als Kalkulationsbasis herangezogen. Die Hochrechnung erfolgte „anhand der Verteilung der Betriebe nach der Agrarstrukturerhebung 2010.“

Rübenerträge 2015 besser als erwartet

Jedes Mal wenn ich über das Thema Zuckerrüben berichte, dann beziehe ich mich auf die Daten der LIZ, Landwirtschaftliche Informationsdienst Zuckerrübe. Ganz anders heute. Die nachfolgenden Zahlen stammen vom Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ).

Die Zahlen der Rübenernte 2015 kurz im Überblick:

  • Ertrag lag bei 73,7 Tonnen je Hektar (im Vorjahr waren es 80 t/ha)
  • Zuckergehalt von 17,4% (im Vorjahr 17,6%)
  • Zuckerertrag von 12,8 t/ha (im Vorjahr waren es 14,0 t/ha)

Der späte Beginn der Kampagne und die frostfreien Wintertage kamen den norddeutschen Rübenanbauern besonders entgegen. Während die Hackfrüchte der Kollegen im Süden unter der Sommerhitze litten, profitierten die Kollegen im Norden von der vorteilhaften Witterung insb. im Herbst.

Aussichten für landwirtschaftliche Betriebe

Strukturwandel, Abwanderung, Fachkräftemangel, Geburtenrückgang…

Diese Schlagworte kennt jeder Landwirt nur allzu gut. Es wird viel darüber diskutiert und debattiert, Zeitungen greifen immer wieder gerne das Thema auf, um die Leserzahlen nach oben zu treiben, aber so richtig passiert nicht viel.

Auf die Politik ist ebenfalls wenig Verlass; diese beschäftigt sich lieber mit anderen Themen und daher, liegt es an uns Landwirte, die aktuelle Situation zu entschärfen und unsere Betriebe für die nächsten Generationen fit zu halten.

Lasst uns deshalb lieber auf das fokussieren, was wir selbst ändern können, denn das ist eine ganze Menge. Wir wissen längst schon, dass Jammern nicht hilft.

Wie geht Ihr das Thema an? Welche Maßnahmen ergreift Ihr, um Eure landwirtschaftliche Betriebe profitabel zu führen?