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Kunstfleisch

NEWS: Kunstfleisch, Schwarzwaldmilch, Nordzucker

Vegan ist „in“, Klimaschutz und Tierwohl ist „mega in“ und damit einhergehend drängt der Hype / Trend immer stärker in Richtung Kunstfleisch. Es geht darum die Umwelt zu retten und gleichzeitig viel Geld zu verdienen. Letztendlich schließt das eine das andere ja nicht aus.

Spätestens wenn Ihr einen Blick auf die Liste der (Groß-) Investoren schaut, wie z.B. Agrarkonzern Cargill, Chemiekonzern Merck, Microsoft-Gründer Bill Gates und Virgin-Gründer Richard Branson – durfte jedem klar sein, dass es sich bei diesem Unterfangen um wesentlich mehr geht als nur „goodwill“.

Werfen wir doch einen Blick auf die Big Player und die Herstellungsverfahren.

Silicon Valley in Kalifornien ist nicht nur die Heimat von Tech-Giganten Facebook, Apple und Co., sondern ein magisches Ort für neue Ideen. So kommt es, dass die zwei unterschiedlichen Methoden zur Herstellung von Kunstfleisch auch aus diesem Kreativ-Pool stammen.

Bei der einen Methode wird Fleisch in einem Bioreaktor bzw. in einer Petrischale gezüchtet. Dieses Fleisch wird aus den Stammzellen von Rindern, Schweinen oder Geflügel gewonnen und im Labor hergestellt. „Es handelt sich um echtes Fleisch – nur, dass man dafür keine Tiere großziehen und schlachten muss“ so US-Unternehmer Paul Shapiro, Auto des Buches „Clean Meat“ in einem Interview mit der BBC.

Ob sich dieses Verfahren so schnell durchsetzen wird, ist fraglich. Die Kosten sind gigantisch. In 2013 hat Memphis Meats den ersten Burger aus Kunstfleisch auf den Markt gebracht; die Kosten lagen bei schlappe 330.000 USD. Fünf Jahre später und Memphis Meats hat die Produktionskosten dramatisch reduziert. Heute liegt der Burger aus künstlichem Fleisch bei 40 USD pro Gramm.

Konkurrenz bekommen die US-Amerikaner aus Holland. Das Startup Mosa Meat will bis 2020 einen Burger für 10 USD verkaufen.

Quelle: Simplicissimus, YouTube

Kunstfleisch – aber für welche Zielgruppe?

Schaut man in die Regale und auf die Tofu-Burger-Variationen und Spinat/Erbsen-Schnitzel, dann verfällt man schnell in die Falle: „damit werden doch nur die Veganer angesprochen“.

Von wegen „nur die Veganer“. Vor dem Hintergrund der heftigen Debatten rundum Klimaschutz und Umwelt (siehe hierzu auch Ausgang der aktuellen Europawahlen, wo die Grünen so richtig abgesahnt haben) will man mit Kunstfleisch auch diejenigen Fleischkonsumer ansprechen, die nach Alternativen suchen. Und das meine lieben Freunde, ist ein beachtlicher Zielgruppen-Mix der nicht zu ignorieren ist.

Aussehen, Geruch und Geschmack – bis dato konnten die Veggie-Alternativen in diesem Bereich nicht ganz so punkten. Das ändert sich jedoch, denn rein pflanzliches Kunstfleisch kommt in Geschmack und Aussehen echtem Fleisch immer näher. Das beste Beispiel hierfür ist der Hype um den von Lidl vertriebenen kalifornischen Burger Beyond Meat.

Der Burger-Doppelpack (227 Gramm) aus Erbsenprotein verkaufte sich bei Lidl für 4,99 EUR. Die Aktionen Ende Mai und im Juni waren ein Hit. Die Burger waren in wenigen Minuten ausverkauft. Jetzt ist der nächste Discounter dran. Netto verkauft einen Beyond Meat Burger für 4,24 EUR.

Das rein pflanzliche Kunstfleisch kommt beim deutschen Verbraucher anscheinend doch an. Die Käufer sind nicht nur Veganer, sondern auch Fleischesser. Bekommen die alteingesessenen Fleischkonzerne Konkurrenz? Wie sieht’s mit den Viehzüchtern aus?

Fakt ist, dass die „Clean Meat“-Produzenten derzeit noch unrentabel sind. Hinzu kommt, dass sie weiterhin auf hohe Finanzspritzen angewiesen sind, um ihre Projekte voranzutreiben und an der Preisschraube erfolgreich nach unten zu drehen. Schaut man auf die Liste der Investoren und die Gelder die geflossen sind und weiterhin fliessen, dann kristallisiert sich die Tatsache, dass die Genossen inkl. Big Business von der Umsetzung absolut überzeugt sind.

Schwarzwaldmilch goes vegan

Die Milchbranche wird vom veganen Trend nicht verschont. Reis-, Kokos- oder Mandelmilch, die pflanzlichen Alternativen zu Milch nehmen immer mehr Regalfläche ein.

Diesen Trend lässt sich Schwarzwaldmilch nicht entgehen. Mit der neuen Tochterfirma Black Forest Nature GmbH steigen die Freiburger (Breisgau) in den Vegan-Markt ein. Black Forest Nature mit Sitz in Offenburg bleibt eigenständig. Ab Frühjahr 2020 soll ein ausgewähltes Sortiment an qualitativ hochwertigen veganen Drinks gelauncht werden.

Die Milchpreise haben vielen Molkereien einen Strich durch die Rechnung gezogen. Blickt man auf das Ergebnis aus 2018 von Schwarzwaldmilch dann kann man nur staunen. Der Konzern hat mit 195,4 Mio. EUR (+9,1%) einen Rekordumsatz hingelegt. Der Jahresüberschuss lag bei 2,7 Mio. EUR. Hinzu kommt, dass die Molkerei ihren genossenschaftlichen Milcherzeugern einen überdurchschnittlichen Milchpreis ausbezahlen konnte.

Das Umsatzwachstum kommt aus der Entwicklung der Bio-Produktlinie mit 14%, dem LAC lactosefreien Markensortiment mit 6,5% sowie der Schwarzwaldmilch-Produktpalette mit 5,8%.

Für 2019 erwartet der Konzern ein zweistelliges Plus. In den ersten fünf Monaten des Jahres wurde bereits eine Umsatzsteigerung von über 10% erzielt.

Nordzucker steigt ins Zuckerrohrgeschäft ein und kämpft weiter

Die Abschaffung der Zuckerquoten und die weltweite Überproduktion machen das Leben der beiden deutschen Zuckergiganten Nordzucker und Südzucker besonders schwer. Die Kollegen aus dem Norden haben einen umfassenden Transformationsprozess in Europa gestartet. Wenn ein Unternehmen Schwierigkeiten hat die Umsatzzahlen anzukurbeln, dann wird restrukturiert und an der Kostenschraube gedreht.

Um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu sein, geht Nordzucker AG wie folgt vor:

  • Fokus auf das Kerngeschäft und die Kernprozesse
  • Expansion ins Zuckerrohrgeschäft durch Zukauf von Mackay Sugar Limited, der #2 in Australien

Punkt zwei ist sicherlich ein cleverer Schachzug, denn dadurch erschließt sich Nordzucker nicht nur den australischen Markt, sondern gewinnt Zugang zu wichtigen Absatzmärkten in Asien.

Über die aktuelle Situation des einst florierenden Zuckermarktes erfahrt Ihr mehr in den Artikeln:

NEWS: HofladenBOX, Zuckermarkt, Getreidepreise-Rallye

Zucker-Fiasko: Preise fallen weiter, Jobs gehen verloren

Kunstfleisch – wirklich ein Massenprodukt?

Zum Schluss noch ein paar Worte zum künstlichen Fleisch.

Wenn Fleisch aus dem Reagenzglas Teil der Fast Food Menüs wird, dann war’s das. Mit anderen Worten, dann ist Kunstfleisch per Definition ein Massenprodukt.

Liest man die neuesten Artikel aus der Presse, dann stellt man schnell fest, was die grösste Fast-Food Kette der Welt McDonald’s in Kooperation mit den jeweiligen Startups von Kunstfleisch vorhaben. Ob der Test McNuggets aus Kunstfleisch oder Big Mac aus Kunstfleisch heisst, ist nebensächlich. Hauptsache die Jungs aus Silicon Valley haben einen starken Vertriebspartner der global das gute Stück (Kunst-)Fleisch an den Mann bringen kann.

Vergessen wir die namhaften Investoren bei der ganzen Sache nicht. Wenn ein Agrarkonzern wie Cargill mitmacht, wenn Bill Gates und Richard Branson dabei sind, dann ist das eine heisse Sache. Die Befürworter von Big Business investieren nicht in Lapidalien.

Ist der deutsche Verbraucher bereit zu Kunstfleisch zu switchen? Wie lange schauen die traditionellen Fleischkonzerne noch zu?

Fleisch aus dem Reagenzglas

Food-Trends: Fleisch aus dem Reagenzglas

Bill Gates, Richard Branson und das weltweit größte Agrarunternehmen Cargrill gehören zu den Investoren von Memphis Meats, ein Startup was sich auf Fleisch aus dem Reagenzglas spezialisiert hat. Die Millionen sollen in die Ausweitung des Teams und der Entwicklung gehen. Das finale Ziel: künstliches Fleisch soll ‚massentauglich‘ gemacht werden.

Erst hatten wir die Vegetarier, dann die Veganer und nun kommt die Welle mit dem tierfreiem Fleisch. Ob das jedoch nur eine verrückte Zukunftsidee von ein paar Uniprofessoren oder Biomediziner ist, daran glauben heute nur noch wenige derjeniger die bereits mit diesem Konzept konfrontiert wurden.

Das Fleisch aus dem Reagenzglas ist nichts Neues. Seit ein paar Jahren arbeiten Forscher aus den Niederlanden sowie zahlreiche Startups aus den USA an dem tierfreien Fleisch. Die Millionen-Fundings machen vieles möglich.

Werden uns McDonald’s & Co. bald Fleisch aus dem Labor servieren oder ist das Ganze nur ein dummer Scherz?

Starten wir doch unsere heutige Reise mit einem kurzen Beitrag des WDR. Dafür geht es zu unseren Nachbarn, in die Niederlande.

Quelle: Quarks, YouTube

Wißt Ihr was in Eurem Fleisch auch wirklich drin ist?

Die Antwort lautet „JA“ bei dem Fleisch aus dem Reagenzglas. Ein deutlicher Vorteil.

Man bekommt ein Fleisch:

  • ohne Krankheitserreger
  • ohne Antibiotika
  • ohne chemische Substanzen

Da die aktuelle Methode mit der Gewinnung der Stammzellen aus Kälberserum nicht ganz so ohne ist, arbeitet der holländische Biomediziner Mark Post an einer neuen Idee. Das Ganze soll aus Algensubstanzen hergestellt werden.

Ein klarer Vorteil der neuen Methode: die Herstellungskosten werden ordentlich nach unten gedrückt.

Statt den ehemals 300.000 US-Dollar würde ein heute im Labor produzierter Burger nur noch 10 EUR kosten.

Die Amerikaner von Memphis Meats haben die Idee des Niederländers Mark Post recht zügig aufgegriffen und arbeiten aktuell an der industriellen Herstellung in Supertanks. Und so kommt es, dass auch ein deutsches Unternehmen – Wiesenhof – an Hähnchenfleisch aus dem Labor arbeitet. Das Ganze soll in 5-10 Jahren spruchreif sein.

Memphis Meats gibt Gas. Kein Wunder, denn die Millionen der großen Investoren helfen bei derartigen Projekten ungeheim. Und wenn Milliardäre wie Bill Gates und der abenteuerlustige Richard Branson mit von der Partie sind, dann erwartet die Welt schon bald erste konkrete Ergebnisse.

Fleisch aus dem Reagenzglas: Weitere Vorteile

Eine Studie der Universität Oxford sorgt für großes Staunen und unterstützt die Initiative aller, die tierfreies Fleisch massentauglich machen wollen.

Die Treibhausgasemissionen in der Fleischproduktion sollen um 78-96% reduziert werden können.

Der Energieverbrauch soll um 7-45% gesenkt werden können.

Der Wasserverbrauch könnte um 82-96% gesenkt werden.

Der Bedarf nach Land würde sich um 99% reduzieren.

Wann wird das Laborfleisch für Otto-Normalbürger erhältlich sein?

In ausgewählten Restaurants in den USA und Asien, stehen die Fleisch-Delikatessen aus dem Labor bereits auf der Karte. Wer bereit ist 6.000 EUR für ein Labor-Fleischbällchen zu zahlen, dem werden die Chefs diesen Wunsch wohl erfüllen können.

Für alle anderen von uns heisst es erstmals warten.

Hierzu zwei Anmerkungen noch, die den Markteintritt etwas verzögern bzw. erschweren könnten:

1. Die Zulassung

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat vor Kürzem bekannt gegeben, dass der Verzehr dieses Fleisches nicht mit Sicherheitsbedenken verbunden ist. Als Voraussetzung gilt jedoch die korrekte Herstellung. Die Zulassung liegt noch nicht vor.

2. Der Ekelfaktor

80% der Amerikaner würden Fleisch aus dem Reagenzglas (bekannt auch als In Vitro Fleisch) nicht essen. Das ergab eine Umfrage von Pew Research aus dem Jahr 2014. Nur drei Jahre später, hieß es, dass ein Drittel der Teilnehmer sich vorstellen könnte, regelmäßig ‚Clean Meat‘ zu essen.

Quellen: Pew Research, CNN, PLOS

Was sagt die Agrarbetrieb-Community dazu?

Ich fokussiere mich in meinen Blogs eher auf die Getreideproduktion, Landtechnik, Superfoods und Blumenwiesen. Das Thema Laborfleisch wollte ich jedoch unbedingt zumindest mal anreißen. Denn es betrifft uns alle, sowohl Verbraucher als auch Landwirte.

Logischerweise sind die Kollegen aus der Viehzucht stärker davon betroffen, aber die Entwicklung die dahinter steckt sollte auch uns Getreide & Co. -Hersteller nicht völlig kalt lassen. Wird der Trend bald auch in Richtung Raps oder Weizen aus dem Reagenzglas überschwappen? Essen wir bald auch Laborhonig der von Roboterbienen erstellt wurde?

Fleisch aus dem Reagenzglas: Hop oder Flop? Und wie lange dauert es Eurer Meinung nach bis wir das tatsächlich auch hierzulande auf den Tellern serviert bekommen werden?

haltungskompass-haltungskennzeichnung-tierwohl

Lebensmittel: Haltungskennzeichnung für Fleischprodukte

Nächste Woche beginnt der April und ein neues Kapitel. Lidl führt mit seinem Haltungskompass die Haltungskennzeichnung von Fleischprodukten in den deutschen Handel ein. 

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln ist ein Thema im Spannungsfeld zwischen Handel, Politik, Verbraucher.

Erst im Januar hat die Bundesregierung sich ablehnend gegenüber der Einführung einer verpflichtenden Kennzeichnung für die Haltungsform von Tieren in der Fleischproduktion geäußert.

Haltungskennzeichnung – pro und contra

Die Einführung einer staatlichen Haltungskennzeichnung für Fleischprodukte ist keine neue Diskussion.

Wie auch in anderen Bereichen der Kennzeichnung von Lebensmitteln, kann eine Haltungskennzeichnung die Lebensmittelproduktion transparenter gestalten.

Der Verbraucher erhält Auskünfte darüber, wie das Tier gefüttert und gehalten wurde.

Ein informierter Konsument kann schließlich selbst die Entscheidung treffen, welches Fleisch er kauft und wofür er bereit ist gegebenenfalls tiefer in die Tasche zu greifen.

Dies gibt nicht nur dem Verbraucher mehr Optionen in die Hand. Auch dem Handel spielt eine Haltungskennzeichnung in die Hand.

Es gibt ihm mehr Möglichkeiten in der Gestaltung des Produktangebotes, welches er gezielter auf die Kundenwünsche ausrichten kann.

Glückliche Kunden bedeutet nicht nur mehr Kundenbindung, sprich wiederkehrende Zahler.

Eine differenzierte Sortimentspolitik erlaubt dem Handel auch eine differenzierte Preispolitik, Gewinnmargen können besser ausgelotet werden.

Tierschutzverbunde äußern sich aber sicher nicht so vehement für die Haltungskennzeichnung, weil der Handel von profitieren kann.

Nein, es hat sich gezeigt, dass wenn der Verbraucher informiert ist, er durchaus andere Kaufentscheidungen trifft, die dem Tierwohl zugute kommen.

Die Kennzeichnung von Lebensmittel kann zu einem Umdenken bei den Verbrauchern führen.

Etwa konnte die Kennzeichnungspflicht bei Eiern die Haltung von Legehühnern erheblich verbessern, weil Konsumenten im großen Stil sich von Käfigeiern abgewendet haben.

Super, soweit klingt es nach einer Win-Win-Win-Situation. Warum ist es so schwer Label für Lebensmittel einzuführen?

Einheitlich und Transparent

Das sind wohl die zwei Hauptstichwörter.

Es ist sicherlich ein einfaches, Lebensmittel zu kennzeichnen. Aber wir kennen es auch von anderen Lebensmitteln: es kann schnell zu einem Siegel-Chaos führen.

Jede Kennzeichnung hat ihre eigenen Kriterien. Staatliche Siegel haben gegenüber freiwilligen Siegeln den Vorteil, dass die Kriterien für eine größere Region, sprich in ganz Deutschland, wirklich gleich sind.

Aber es gibt dann ja noch die EU-zertifizierten Kennzeichnungen, und die regionalen, und die freiwilligen vom Handel, …

Die Transparenz geht da schnell verloren, wie das Beispiel der „Bio“-Kennzeichnung zeigt:

Durchblick im Siegel-Dschungel!

Quelle: Pflanzenhunger

Es scheint, wer als Verbraucher wirklich informierte Entscheidungen treffen möchte, der kommt nicht drum herum, sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen. 

Es bleibt ein Drahtseilakt

Wie in anderen Bereichen auch, eine Vereinheitlichung stößt an Grenzen. Zuviel „Einheit“ geht mit großen Kompromissen einher.

Mehr Gestaltungsspielraum in der Kennzeichnung geht jedoch zu Lasten der Transparenz.

Und ein weiteres wichtiges Kriterium, welches die Bundesregierung als Grund für Ihre Absage eines staatlichen Haltungssiegels herangeführt hat: 

wer einheitliche Kriterien „erschafft“, der muss auch deren Einhaltung kontrollieren. Im Klartext, die Einführung einer Kennzeichnung ist mit Kosten verbunden

Nicht nur müssen Kriterien kontrollierbar sein und Systeme aufgestellt werden, die eine Einhaltung der Kriterien von den Produzenten überprüfen. 

Deutschland ist eingebunden in die EU und Weltwirtschaft. Was bedeutet die Einführung eines nationalen Labels für internationale Fleischproduzenten? 

Sicherlich sind dies Fragen, die aus politischer Sicht durchaus relevant sind. 

Aber, der Handel kommt der Politik zuvor: 

Lidl für Haltungskompass ein

Ab nächster Woche finden die Kunden in der Fleischtheke auf den Produkten einen Sticker, der ihnen einfache Auskunft über das Tierwohl geben soll. 

Lidls Haltungskompass umfasst vier Stufen: 

  • Stufe 1: Stallhaltung
  • Stufe 2: Stallhaltung Plus
  • Stufe 3: Außenklima
  • Stufe 4: Bio

Stufe 1 umfasst konventionelle Produkte, die den gesetzlichen Standards entsprechen. Stufe 2 und 3 kennzeichnet Produkte, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. 

Hier wird dem Tier etwa 10 Prozent mehr Platz gewährt (Stufe 2) oder 25 Prozent mehr Platz mit Auslauf (Stufe 3). 

Stufe 4 gewährt Standards nach der EU-Öko-Verordnung. Hier wird das Tierwohl sicherlich am stärksten berücksichtigt.

Allerdings sind mit „Bio“ gekennzeichnete Produkte hier nicht immer Bio.

Den Lidl kennzeichnet auch Produkte der Premiumstufe des Deutschen Tierschutzbundes, sprich eine konventionelle Fleischproduktion unter diesem Label. 

Die Kriterien des Haltungskompass findet ihr hier übersichtlich aufgeführt unter.

Sicherlich folgt Lidl mit der Einführung seiner Kennzeichnung für Fleischprodukte dem Trend der deutschen Essgewohnheiten.

Deutsche achten zunehmen beim Kauf auf die Kennzeichnung der Lebensmittel. 

Im BMEL-Ernährungsreport 2018 „Deutschland, wie es isst“, sind noch weitere interessante Fakten zu lesen. 

  • 90 Prozent der Befragten äußerten ihre Bereitschaft, für Lebensmittel mehr zahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden, als es die Gesetze vorschreiben. 
  • 52 Prozent der Konsumenten wären bereit, für ein Kilo Fleisch zum Grundpreis von 10 EUR einen Aufpreis für mehr Tierwohl von bis zu 5 EUR zu bezahlen. 
  • 79 Prozent der Verbraucher wünschen sich zudem ein staatliches Tierwohllabel. 

Das Wohl der Nutztiere liegt den deutschen Verbrauchern durchaus am Herzen.

Das „Vorpreschen“ von Lidl wird von den einen Bejubelt, von den anderen kritisch bewertet. Wird Lidl nur die erste Kette sein, die ihr eigenes Haltungslabel hat, oder wird die Politik nachziehen? 

Wie wird Eurer Meinung nach Lidls Einführen seines Haltungskompass sich auf die Kennzeichnung von Fleischprodukten und das Tierwohl in Deutschland auswirken?