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2024-03 Natron ein unterschätzter Allrounder - Agrarbetrieb

Natron: Ein unterschätzter Allrounder

Natron, Backnatron bzw. Natriumbicarbonat kann vielfältig eingesetzt werden. Die einen nutzen es beim Kochen und Backen, andere wiederum schwören auf seine Power im Haushalt. Nicht jeder weiß jedoch, dass Natron u.a. auch bei Nierenerkrankungen oder sogar Krebs eingesetzt werden kann.

Das unscheinbare, weiße Pulver, das z.B. Brot, Kuchen und Keksen die leichte, fluffige Konsistenz verleiht, kann sehr viel mehr. In Kombination mit Essig oder Zitronensaft wird Natron zu einem „Reinigungsmonster“. Der einst verstopfte Abfluss kann nach einer entsprechenden Natron-Therapie wieder verwendet werden und das Bad oder der Herd sieht nach einer Behandlung wie neu aus.

Werfen wir einen Blick auf diesen Allrounder und ein paar Verwendungsmöglichkeiten.

Verwendung von Natron beim Kochen

Wie gut vertragt Ihr Bohnen und Kichererbsen? Nicht ganz so gut? Das könnte u.a. auch daran liegen, dass sich Eure Bauchspeicheldrüse schwer tut, die Proteine, die sich in diesen Hülsenfrüchten befinden, zu zersetzen. Insbesondere jene die Ihr Lebens- bzw. Ernährungsstil ändern und von einer schwerpunktmäßig fleischorientierten auf eine vegetarische Kost umschwenken, stoßen oft auf dieses Verdauungsproblem.

Natron kann uns in diesem Fall Unterstützung bieten. Bevor wir die rohen Bohnen, Kichererbsen, Linsen oder andere Hülsenfrüchte in einem Topf zum Kochen bringen, geben wir einen Teelöffel Natron dazu. Wir lassen den Inhalt für ein paar Minuten kochen und dann waschen wir alles ab. Anschließend werden die Hülsenfrüchte ganz normal, in einem Topf mit frischem Wasser weitergekocht.

Durch das Verwenden von Natron werden die Proteine, die sich in der Schale der Hülsenfrüchte befinden zersetzt, was uns die Verdauung bekömmlicher macht. Blähungen kommen danach seltener vor.

Ein Natronbad, um Pestizide zu entfernen

Obst und Gemüse sind oft durch chemische Rückstände belastet. Da sich die Vitamine in der Schale der Früchte und Co. befinden, muss man bei Nicht-Bioware vorher abwägen, ob man die Früchte und Co. nur gründlich mit Wasser abwäscht oder zusätzlich auch einem Natronbad unterzieht, um die Pestizidrückstände zu reduzieren.

Gebt ein Esslöffel Natron einem halben Liter Wasser hinzu und rührt den Inhalt um, bis sich das weiße Pulver darin aufgelöst hat. Legt das Obst und Gemüse in das Natronbad und lasst es eine Viertelstunde einwirken. Auf diese Weise können die Pestizide gelöst werden. Danach alles noch einmal gründlich waschen und das Obst und Gemüse geniessen.

Bei „sensibleren“ Früchten, wie z.B. Himbeeren, Johannisbeeren oder Heidelbeeren lässt sich das Natronbad mit Essigwasser substituieren. Einfach ein Teelöffel Essig in eine Schüssel mit Wasser dazu geben und die empfindlicheren Früchte drin kurz baden. Anschließend die Früchte mit klarem Wasser abwaschen.

Einsatz von Natron in der Medizin

Gibt man das Wort „sodium bicarbonate“ (Englisch für Natron) in die größte US-amerikanische Bibliothek für Medizin ein, dann erscheinen sage und schreibe knapp 140.000 wissenschaftliche Studien. Das ist eine gewaltige Zahl und deutet darauf hin, dass das Interesse für die Wirkung von Natron bei gesundheitlichen Beschwerden sehr hoch ist.

  1. Aufgrund seiner hohen ph-Wertes kann Natron die sportliche Leistung verbessern, in dem es die Ermüdung hinauszögert, so dass man länger mit maximaler Intensität trainieren kann. (Studien: PMID: 25494054, PMC5059234)

2. Natriumbicarbonat kann die Nierenfunktion verbessern und das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) verlangsamen. (Studien: PMID: 24107852, PMID: 30220653)

3. Auch im Kampf gegen Krebs wird Natron eingesetzt. Erste Studien zeigen, dass durch die Einnahme von Natron, Chemotherapie-Medikamente effektiver wirken, da sein erhöhter ph-Wert die Umgebung für Tumore weniger sauer macht. (Studien: PMC7249593, PMID: 30615983, PMC5954837)

Wichtig: Ich bin Landwirt und kein Arzt, deshalb fragt immer Euren Arzt vor der Einnahme von Natron. Nichtsdestotrotz, wollte ich Euch diese interessanten Aspekte und Einsatzmöglichkeiten von Natron, insbesondere im Bereich der Gesundheit, nicht vorenthalten.

Vielleicht erkennt Ihr jetzt, weshalb ich diesem magischen Pulver, das oft nur in der Küche und im Haushalt zum Einsatz kommt, den Namen „Allrounder“ gegeben habe. Es ist schon faszinierend, was wir mit Produkten, denen wir eher wenig Aufmerksamkeit schenken, alles erreichen können.

Bildquelle: Foto von Azza_Hafizah auf Pixabay

2023-12 Food Forest Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur - Agrarbetrieb

Food Forest: Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur

Was ist denn ein Food Forest? Wie kann uns das bei den aktuellen Krisen ggf. aus der Patsche helfen? Den Begriff „Stickstoffkrise“ können die meisten von uns langsam nicht mehr hören. Egal ob man in der Landwirtschaft oder Viehzucht unterwegs ist, oder einem anderen Industriezweig angehört, es gibt Schlagwörter, die von der Politik und den Medien dermaßen missbraucht wurden, dass sie unerträglich geworden sind. Dabei muss es zwischen Ökologie und Landwirtschaft keinen Widerspruch geben.

Wenn man bedenkt, dass ein kleines Land wie die Niederlande zum größten Fleisch- und zweitgrößten Obstexporteur Europas zählt, dann stellt man das bestehende Ernährungssystem sehr wohl in Frage. Dass die Bauern es dort mit allerlei Maßnahmen zu tun haben, die als Ziel eine Reduzierung der Stickstoffmengen anpeilen, lässt die Kollegen in allen anderen Ländern aufhorchen.

Worüber jedoch wenig bis gar nicht gesprochen wird, ist die Tatsache, dass es auch anders geht. Denn steht einmal die Natur, die Gesundheit und das Wohlsein des Menschen anstelle des Profits im Mittelpunkt, dann lassen sich auch völlig andere Ernährungssysteme konzipieren. Diese wiederum stützen sich auf Polykulturen, Artenvielfalt und dem Einklang zwischen Mensch und Natur.

Eins dieser Konzepte ist der Lebensmittelwald oder Waldgarten, im Englischen auch als Food Forest bekannt.

Food Forest bzw. Nahrungswald als Lösungsalternative gegen die Enteignung von Bauern

Bleiben wir doch bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und schauen uns dort an, wie denn so etwas aussehen könnte.

In 2009 kauften zwei Herrschaften ein 2,4 Hektar Ackerland in Groesbeek, wo hauptsächlich Silomais angepflanzt und als Viehfutter verwendet wurde. Sie pflanzten Bäume, Hecken und Sträucher an, und legten einen gewundenen Bachlauf für Frösche und Kröten an. Die beiden nutzten ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus der Permakultur und verzichteten bewusst auf GVO und Pestizide. Artenvielfalt wird ganz groß geschrieben im Lebensmittelwald der beiden.

Das Ergebnis ist bemerkenswert und ist zum Nachahmen geeignet. Zu den angepflanzten Arten zählen Stachelbeeren, Nashi-Birnen, Kaki, Papaya, Edelkastanien, Walnüsse, Haselnüsse, Pflaumen, Hickory und Mispel. Erstaunlich dabei sind auch die über 15 Meter hohen Bäume sowie über 30 Vogelarten, Biber, Ringelnattern und Co.

Wie das ganze aussieht, erfahrt Ihr in dem nachfolgenden Videobeitrag über den Food Forest Ketelbroek.

Quelle: Wouter van Eck, YouTube

Es ist absolut faszinierend zu beobachten, wie sich die Natur mit ein bisschen Hilfe regenerieren konnte.

Außerdem, was ich besonders spannend finde, ist die Aussage, dass der niederländische Waldgarten nach rund 5 Jahren mehr „abwirft“ bzw. Ernteerträge erwirtschaftet, als ein auf Monokulturen basierendes System – und das ganz ohne Erntemaschinen, Dünger, Pestiziden und Co.

Ganz umstellen oder lieber ein Hybrid-Konzept aufsetzen?

Für diejenigen, die diesen Schritt wagen, stellt sich die Frage, ob sie ganz oder nur teilweise umstellen sollten.

Dabei muss man sich im Klaren sein, dass die Anfangsinvestitionen größer ausfallen können. Deshalb lohnt es sich mit jemanden zu sprechen bzw. sich von einem sog. Food Forester beraten lassen, der diesen Weg bereits gegangen ist. Selbstverständlich stehen der Kreativität keine Grenzen im Wege, d.h. es gibt Betriebe, die etwa eine Kombo aus Food Forest und Ökotourismus bevorzugen. Andere wiederum stellen z.B. Apfelmost oder Wallnussöl her und verkaufen diese Online oder auf den Märkten.

Wouter van Eck hat für diesen Zweck einen Verein gegründet. Wenn Ihr also mehr Infos hierzu benötigt, dann könnt Ihr ihn über seine Webseite voedselbosbouw.org kontaktieren.

Immer wieder höre ich von Deutschen, die nach Portugal, Ungarn, Gambia, Südafrika, Argentinien oder Paraguay (um einige Beispiele zu nennen) ausgewandert sind, um dort solch grüne „Paradieslandschaften“ für sich und ihre Familien zu gestalten.

Viele dieser Menschen hatten vorher mit Landwirtschaft nicht viel am Hut bzw. waren nicht in unserer Branche tätig, aber ihre Liebe für die Natur hat sie in Länder getrieben, wo sie ihrer Leidenschaft leben einflößen konnten.

Müssen wir denn unser Heimatland verlassen, um derartige Projekte zu stemmen? Ich glaube nicht.

Mit meiner Aroniaplantage stoße ich in eine ähnliche Richtung. Die Bio-Aroniabeeren, die ich unter der Marke Frankenaronia vermarkte, habe ich mir einen zweiten Standbein aufgebaut, um meine Leidenschaft für eine nachhaltige Landwirtschaft noch stärker in den Fokus zu rücken.

Schaut vorbei. Besucht mich auf Frankenaronia.de

Bildquelle: Foto von BjoKib auf Pixabay

2023-08 Natürliche Dünger – Geht das heute überhaupt noch - Agrarbetrieb

Natürliche Dünger – Geht das heute überhaupt noch?

Der Nährstoffgehalt unserer Ackerfelder sinkt von Jahr zu Jahr und obwohl wir immer ausgefallenere Produkte nutzen, um die Reduktion aufzuhalten bzw. dem Boden soweit wie möglich Nährstoffe hinzuzuführen, scheitern wir gewaltig. Die Umwelt ist mit Gift und Schadstoffen belastet, natürliche Dünger werden kaum mehr genutzt. Das überträgt sich nun mal auch auf unsere Lebensmittel, auf das Trinkwasser und selbstverständlich auch auf die Luft, die wir tagtäglich einatmen.

Wir nehmen lange Transportwege in Kauf und schippern Avocados, Bananen und Co. zwischen den Kontinenten. Großkonzerne drücken die Produktionskosten und beschweren sich anschließend über den Arbeitskräftemangel. Bauernhöfe und heimische Viehzüchter sehen sich gezwungen ihre Familienbetriebe, die sie seit Generationen aufrechterhielten zu schließen, weil sie gegen das stetig wachsende Monopol im Agri-Bereich nicht mehr ankommen.

So verschärft sich der Kampf zwischen der konventionellen und Bio-Landwirtschaft, wobei beide Parteien einen essentiellen Aspekt außer Betracht lassen:

  • Konventionell erstellte Lebensmittel sind viel zu billig.
  • Biologisch erzeugte Lebensmittel sind nicht teuer genug.

Während die Kluft zwischen den Anhänger der beiden Pole immer stärker wächst, schädigen wir weiterhin unaufhaltsam die Umwelt, und damit einhergehend auch uns selbst. Die Anzahl der Menschen, die weltweit an Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und Co. erkranken explodiert. Das hat mit Gesundheit nichts zu tun. Es mag zwar die Brieftaschen der Ärzte und Pharmaunternehmen füllen, aber dem einzelnen Individuum schadet es nur.

Die prekäre Situation in der wir stecken, verstehen zunehmend immer mehr und mehr Menschen.

Die eine Million Euro-Frage ist daher:

Was tun?

Welche Möglichkeiten und Alternativen haben wir? Was müssen wir ändern, um diesen negativen Verlauf zu stoppen bzw. noch besser, ins Positive zu lenken?

Natürliche Dünger als eine Option

Große Probleme werden oft auf der kleinsten Ebene gelöst. Denn auch einen Elefanten isst man nicht ganz, sondern Stück für Stück. In diesem Sinne, kucken wir doch am besten in unseren Abfalleimer (nicht den mit Plastik, Papier oder Glas) und schauen, was wir davon verwerten können.

Wir brauchen ja nicht gleich mit einem großen Ackerfeld anfangen. Der Garten zu Hause reicht erstmals.

Was fällt in der Küche an, das wir idealerweise als natürlichen Dünger im Garten nutzen könnten?

  • Kompost aus Schalen von Obst und Gemüse
  • Eierschalen: Eierschalen sind nicht nur reich an Calciumcarbonat, das ein essentieller Nährstoff für Pflanzen ist, sondern obendrauf auch ein toller Schädlingsbekämpfer. Eierschalen, am besten fein zerkleinern, und um die Basis von Jungpflanzen, wie z.B. Zucchini legen. Dadurch bleiben Schnecken fern.
  • Kaffee- und Teesatz: Diese gilt es vorher zu trocknen, damit sich kein Schimmel bildet. Omas Hausmittel enthält wichtige Mineralstoffe wie z.B. Kalium, Stickstoff, Phosphor, Schwefel sowie Antioxidantien und etwas Koffein. Da der ph-Wert von Kaffee- und Teesatz zwischen 6-7 liegt, tolerieren nur bestimmte Pflanzen, wie z.B. Kürbis, Gurken oder Tomaten diese natürlichen Düngemittel.

Eine weitere tolle Alternative sind Wildpflanzen. Mit ihrer Hilfe lässt sich der Nährstoffkreislauf im eigenen Garten gut erhalten. Im Garten wachsen sie völlig natürlich, werden nicht gedüngt und haben meist lange Wurzeln, wodurch sie mehr Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen und speichern können als Kulturpflanzen.

Folgende Wildpflanzen eignen sich hervorragend als natürliche Dünger:

Brennnesseln bzw. Jauche aus Brennnessel

Brennesseln sind ein natürliches Düngemittel der Superlative. Sie enthalten Mineralstoffe wie z.B. Stickstoff, Kalium, Magnesium und Phosphor. Folgende Pflanzen profitieren am meisten von Brennnesseljauche: Gurken, Tomaten, Kartoffeln, Zucchini, Kohlarten, Salat, Kräuter wie z.B. Petersilie und Schnittlauch sowie Obstbäume wie z.B. Apfel- oder Birnbäume.

Schafgarbe bzw. Schafgarbenjauche

Schafgarbe ist ein hervorragendes natürliches Schädlingsbekämpfungsmittel. Sie enthält die wichtigen Nährstoffe Stickstoff, Kalium und Phosphor und eignet sich daher sehr gut als Dünger für Tomaten, Paprika, Kürbis, Gurken, Auberginen, Salat, Spinat, Rote Beete, Kohlarten und Erdbeeren.

Lust auf eine eigene, aus Wildpflanzen hergestellte Jauche?

Das mit dem Küchenabfall, den Eierschalen und dem Kaffeesatz ist selbsterklärend. Wie sieht’s jedoch mit der Erstellung von Jauche aus Brennnesseln oder Schafgarbe aus?

Das geht wie folgt:

  1. Sammelt frische, junge Blätter und Stängel der oben aufgeführten Wildpflanzen.
  2. Zerkleinert die Blätter und Stängel mit einem Messer bzw. einer Schere. Dies führt zu einer schnelleren Gärung.
  3. Füllt einen Eimer mit 1/3 bis 1/2 Pflanzenanteil und anschließend Wasser bis die zerstückelten Pflanzen vollständig bedeckt sind. Rührt dabei die Mischung gründlich um.
  4. Stellt den Eimer an einen warmen, sonnigen Platz und lasst den Inhalt für 1-2 Wochen langsam gären. Es ist ratsam die Mischung alle paar Tage umzurühren, damit die Jauche gleichmäßig gärt.
  5. Nach der Gärzeit verwendet ein Sieb, um den flüssigen Teil abzuseihen. Der feste Pflanzenabfall kann entsorgt werden.
  6. Verdünne die Jauche im Verhältnis 1:10, also 1 Teil Jauche auf 10 Teile Wasser.
  7. Gieße die verdünnte Jauche auf die Wurzeln der Pflanzen und / oder besprühe damit die Blätter.

Kleiner Tipp noch am Rande:

Jauche hat einen intensiven Geruch, daher ist es ratsam die oben aufgeführte „Operation“ an der frischen Luft durchzuführen.

Eignen sich natürliche Dünger heutzutage noch auf den großen Ackerfeldern?

Die Frage, die wir uns sodann stellen sollten ist, was wir tun können, um unsere landwirtschaftlichen Böden mit den bitter nötigen Nährstoffen zu ergänzen. Die chemischen Düngemittel funktionieren zwar kurzfristig, aber die Nachteile kennen wir allesamt. Hinzu kommt, dass die Schädlinge sich sehr schnell an die neuen Bedingungen gewöhnen und neue Mutationen entwickeln. Dies zwingt uns wiederum dazu, neue Stoffe zu entwickeln, um unsere Ackerfelder zu schützen.

So sehr ich ein Befürworter von Bio und biologisch angebauten Lebensmitteln bin, sehe ich nicht, wie wir weltweit von heute auf morgen, vollständig auf natürliche Dünger umsteigen können.

Sage ich, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist und ich nicht daran glaube?

Nein. Ganz im Gegenteil, ich glaube, wir Menschen sind äußerst kreativ und willens zu wachsen und uns zu verbessern. Änderungen benötigen jedoch Zeit und unser aktuell aufgebautes Wirtschaftssystem orientiert sich mehr an den Profiten großer Monopole und Unternehmen als an den Bedürfnissen der Natur.

Welche natürliche Dünger benutzt Du in Deinem Garten? Was hat sich bewährt und was nicht? Wo liegen Deiner Meinung nach die größten Herausforderungen?

Bildquelle: Foto von Gabriel Jimenez auf Unsplash

2023-06 Die Brennnessel – ein Unkraut das es in sich hat - Agrarbetrieb

Die Brennnessel – ein “Unkraut”, das es in sich hat

Die Brennnessel – sie wächst quasi überall. Es ist normal, sie nicht nur im Garten, an Wiesen- oder Waldrändern zu sehen, sondern auch in der Stadt an den scheinbar widrigsten Ecken und Seitenstreifen. Im Alltag nehmen wir sie deshalb gar nicht mehr wahr und erst recht übersehen wir die Superkräfte, dieser Pflanze.

Also lasst mich die Brennnessel für Euch ins Rampenlicht stellen. Wusstet Ihr, dass die Brennnessel die Heilpflanze des Jahres 2022 war? Fast jeder kennt das Kraut wohl nur wegen dem juckenden Brennen, den wir durch den Kontakt mit den Blättern auf unserer Haut deutlich zu spüren bekommen. Bereits als Kinder haben wir hier gut gelernt, der Brennnessel aus dem Weg zu gehen. Diese negative Assoziation ist Schuld daran, dass sie allgemein eher lediglich als Unkraut verschrien ist.

Dabei war dies nicht immer so. Bereits im Altertum wurde die Pflanze für ihre mezinischen Fähigkeiten äußerst geschätzt. Als wildwachsende Pflanze, die in der Natur frei zur Verfügung steht und für viele Leiden für ihre heilende Wirkung gekannt wurde, wurde sie auch im Mittelalter sehr vom Volk geschätzt. Aber auch heutzutage bieten Unternehmen in Bereichen wie Kosmetik und Nahrungsergänzungmittel die verschiedensten Produkte mit Brennnesselextrakten als Inhaltsstoff an.

Was macht die Brennnessel so wertvoll?

Zunächst lasst uns festhalten, dass die Brennnessel eine wahre Nährstoffbombe ist. Neben den Blättern, stecken vor allem in den Wurzeln und Samen die Heilkräfte. Die Pflanze protzt vor wichtigen Nährstoffen und auch sekundären Pflanzenstoffen. Unter anderem ist die Brennnessel ein sehr gute Quelle für:

– Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium, Silizium

– Vitamine A, B, C und E

– Omega-6-Fettsäuren, pflanzliche Eiweiße (sie kann mit Bohnen und Kichererbsen mithalten) sowie pflanzliche Hormone, und vielem mehr

Ich denke, Ihr seht, warum Nahrungsergänzungsmittel aus Brennnesseln ein ‘Hit’ sind.

Wo kann die Brennnessel eingesetzt werden?

Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe gilt die Brennnessel in ihrer Anwendung als

  • – harntreibend (entwässernd)
  • – förderlich für die Durchblutung
  • – anregend für den Stoffwechsel
  • – schmerzstillend und krampflösend
  • – entzündungshemmend und antibiotisch

Entsprechend breit ist das Spektrum an Leiden, für welches die Brennnessel helfend eingesetzt werden kann. Die Pflanze wird hierfür in Form von Tees getrunken oder die aus ihr gewonnenen Extrakte innerlich oder äußerlich angewendet. Positive Wirkungen können unter anderem in den folgenden Bereichen erzielt werden:

  • – Abhilfe bei Erkrankungen von Blase, Harnwegen oder Nieren
  • – Verringerung von Beschwerden, etwa bei Arthrose, Gicht oder Reuma
  • – Regulierung von Störungen des Stoffwechsels oder der Verdauung
  • – Besserung bei Menstrationsbeschwerden oder Symptomen durch Prostataerkrankungen
  • – Effektive Linderung bei Haut- und Haarproblemen wie etwa Schuppen, Akne oder Haarausfall
Quelle: Wolf-Dieter Storl, YouTube

Das die Brennnessel zur Heilpflanze des Jahre 2022 gekürt wurde, ist bei dieser Bandbreite mehr als verdient. Die Auflistung dient lediglich als Inspiration, dass Ihr Euch diese Pflanze näher anschaut und ggf. mit Eurem Arzt oder Apotheker einen möglichen Einsatz besprecht.

Selber pflücken und zubereiten – nichts leichter als das!

Das Angebot an Brennnesselprodukten ist vielfältig und durchaus eine legitime Quelle, um von den Wunderkräften dieser Pflanze profitieren zu können, insbesondere wenn kein eigener Garten für den Anbau zur Verfügung steht. Die Brennnesselhaare und ihre juckende Wirkung bei Kontakt können jedoch abschreckend auf die eigene Ernte und Nutzung wirken. Dabei ist auch die Brennnessel ein ganz harmloses Kraut, wenn man nur weiß, wie man sie handhabt.

Und vorallem, ist sie auch total lecker. Hättet Ihr gedacht, dass man aus Brennnesseln leckere Salate, Gemüsebeilagen, Suppen, Pesto oder Smoothies zubereiten kann? Wie lecker Brennnesseltee ist, sollte wohl jeder mittlerweile entdeckt haben. Aber dass aus Brennnesseln auch leckere Limonaden zur Erfrischung gezaubert werden können, ist wohl noch nicht so bekannt.

Am besten baut man die Brennnessel im eigenen Garten an. Hier ist auch sichergestellt, dass die Pflanze bei der Ernte nicht von Verunreinigungen belastet ist. Übrigens, die Brennnessel ist auch eine sogenannte Zeigerpflanze, d.h. ihr Vorkommen zeigt an, dass der Boden sehr fruchtbar ist. Zudem ist sie nicht nur für die Raupen zahlreicher Schmetterlingsarten eine Futterpflanze. Zu Jauche oder Brühe verarbeitet, stärkt sie Pflanzen, ist ein sehr guter Dünger und äußerst effektiv in der Abwehr von Schädlingen.

Blütezeit: Juli bis Oktober,

Erntezeit: v.a. Juli bis September; bspw:

nach der Blüte: winzige Nussfrüchte, welche die Samen enthalten

die jungen Blattspitzen von jungen Pflanzen für Salate und Gemüse

im Frühjahr oder Herbst: die Wurzeln ausgraben und trocknen

Standort: halbschattige bis sonnige Standorte mit nährstoffreichen, eher feuchten Boden, beliebt: eine ruhige Ecke neben dem Kompost

Am einfachsten ist die Ernte mit Gartenhandschuhen. Einfach die Stängel mit der Schere abschneiden. Aber auch ohne Handschuhe lässt sich die Brennnessel durchaus einfach ernten: den unteren Stängel zwischen Zeige- und Mittelfinger nehmen und mit einer bestimmten, festen Bewegung von unten nach oben, d.h. Wachstumsrichtung der Haare, den Stängel entlang ziehen.

In der Küche kann man dann für die Weiterverarbeitung auf verschiedenste Weise Herr über die Brennnesselhaare werden: bspw. durch Kochen, Blanchieren, Mixen oder für den rohen Verzerr einfach die Blätter mit einem Nudelholz rollend bearbeiten.

Ihr seht, die unscheinbare Brennnessel hat wahre (leckere) Superkräfte, von denen wir immens profitieren können, wenn wir uns von ihren Häarchen nicht abschrecken lassen.

Bildquelle: Foto von Pixabay auf Pexels

Weiterführende Quellen:

2023-03 Zitronen Die klassische Vitamin C-Quelle - Agrarbetrieb

Zitronen: Die klassische Vitamin C-Quelle

Die kleine, gelbe Zitrusfrucht hat es in sich. Für die meisten ist sie als eine wichtige Vitamin C-Quelle bekannt, doch Zitronen liefern weitaus mehr als das. Dabei stecken insbesondere in der Schale jede Menge Vitamine und Kraftstoffe. Doch wer vertraut schon einem Etikett auf dem „Bio“ steht? Nach den unzähligen Lebensmittelskandalen ist das Vertrauen vieler Konsumenten in den Keller gerutscht. Demnach tun wir uns bei dieser großartigen Frucht, die importiert werden muss und nicht regional bei uns wächst, in punkto Verzehr der Zitronenschale, teilweise schwer.

Sobald man das Wort „Vitamin C“ in den Mund nimmt, denken die meisten Menschen sofort an Zitronen. Seit Kind auf haben wir uns daran gewöhnt, dass unsere Mama bei den ersten Anzeichen einer Erkältung einen heißen Tee mit einer frisch ausgepressten Zitrone liebevoll zubereitet.

Irgendwie hat sich seitdem ganz fest in uns verankert, dass diese säuerliche Zitrusfrucht unsere sogenannte „Go to“ Vitamin C-Quelle geworden ist. Dabei gibt es unzählige andere mehr oder weniger exotische Früchte, die wesentlich mehr Vitamin C enthalten als Zitronen, wie zum Beispiel Sanddorn, Camu-Camu oder Acerola.

Schnelle Fakten über Zitronen

Bevor wir auf die gesundheitlichen Vorteile, den Nährwert und die Verwendung von Zitronen eingehen, lasst uns ein paar wichtige Fakten durchleuchten:

  • Die faustgroße Frucht des Zitronenbaums stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Norden Indiens. Erst im 13. Jahrhundert erreichte die Zitrusfrucht das europäische Kontinent, allen voran Italien und Spanien. Bei uns in Deutschland ist die Frucht seit dem 16. Jahrhundert bekannt.
  • In Mexiko werden die meisten Zitronen verzehrt. Im Jahr 2022/2023 liegt der menschliche Verzehr bei etwa 1,96 Mio. Tonnen. Auf Platz zwei folgt die Europäische Union. (Quelle: Statista)
  • Erstaunlicherweise besteht die Zitrusfrucht zu 89-90% aus Wasser.
  • Zitronen enthalten 53 mg Vitamin C (Ascorbinsäure), was einem Anteil von 50% des Tagesbedarfs eines Erwachsenen entspricht. Deshalb hat es sich herumgesprochen, dass man mit dem Saft einer Zitrone die Hälfte des täglichen Vitamin C Bedarfs abdeckt.
  • Zitronen beinhalten auch weitere wichtige Vitamine (B-Vitamine und Vitamin E) und Mineralstoffe (Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor, Natrium, Zink, Eisen), jedoch sind die enthaltenen Mengen zu vernachlässigen. Mit der gelben Frucht alleine, kann man seinen gesamten Vitaminhaushalt nicht auf Vordermann bringen.

Die gesundheitlichen Vorteile

Kommen wir nun zu dem wohl mit größter Spannung erwarteten Teil der heutigen Lektüre: die gesundheitlichen Vorteile dieser Superfrucht.

Die in Zitronen enthaltenen Nährstoffe bringen u.a. die folgenden gesundheitlichen Vorteile mit sich:

Unterstützt das Immunsystem

Aufgrund seine Vitamin C-Gehalts hilft Zitrone bei Husten, Erkältung und Grippe. In Kombination mit Ingwer und Honig, beruhigt sie unsere Hals- und Atemwege.

Verhindert die Bildung von Nierensteinen

Eine Reihe aktueller Studien zeigen, dass Zitronensaft bzw. die in Zitronen enthaltene Zitronensäure die Bildung von Nierensteinen verhindert.

Quellen:

Zhang L, Simin Li, Minghui Cong et al.: „Lemon-Derived Extracellular Vesicle-like Nanoparticles Block the Progression of Kidney Stones by Antagonizing Endoplasmic Reticulum Stress in Renal Tubular Cells“, in Nano Let 2023 Feb, PubMed PMID: 36727669

Yazeed Barghouthy, Bhaskar K Somani: „Role of Citrus Fruit Juices in Prevention of Kidney Stone Disease (KSD): A Narrative Review“, in Nutrients, 2021 Nov, PubMed PMID: 34836376

Hat einen Anti-Aging Effekt

Zitronen haben eine positive Wirkung auf Haut und Haare, weshalb sie gerne in der Kosmetik verwendet werden. Dadurch, dass Vitamin C eine wichtige Rolle bei der Bildung von Kollagen aufweist, werden Zitronenextrakte in Cremes und Anwendungen verwendet, um einerseits Mitesser zu entfernen, aber auch, um die Haut zu straffen und das Auftreten von Altersflecken zu reduzieren.

So wird Zitronensaft z.B. in der Haarpflege verwendet, um die Haarfollikel zu stärken, Schuppen zu reduzieren und das Haarwachstum zu fördern.

Zitronen im Kampf gegen Krebs

Die Antioxidantien, die in dieser Zitrusfrucht enthalten sind, verhindern, dass freie Radikale die Zellen schädigen. Es gibt mehr als 2.000 Studien, die zu diesem Thema auf PubMed veröffentlicht wurden.

Quellen:

Ali A Alshatwi, Gowhar Shafi, Tarique N Hasan et al.: „Apoptosis-mediated inhibition of human breast cancer cell proliferation by lemon citrus extract“, in Asian Pacific Journal of Cancer Prevention 2011, PubMed PMID: 22126498.

Elnaz Yousefian Rad, Masoud Homayouni Tbrizi, Pouran Ardalan et al.: „Citrus lemon essential oil nanoemulsion (CLEO-NE), a safe cell-depended apoptosis inducer in human A549 lung cancer cells with anti-angiogenic activity“, in Journal of Microencapsulation 2020 Aug, PubMed PMID: 32400238

Weitere positive Wirkungen von Zitronen:

  • hilft bei der Gewichtskontrolle
  • wirkt desinfizierend und blutstillend
  • steigert die Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit
  • wirkt entgiftend und hilft bei der Verdauung

Eine kraftvolle Superfrucht

Sie wird oft als selbstverständlich angesehen, was dazu führt, dass wir ihre gesundheitlichen Vorteile vergessen. Erst wenn wir an einer Erkältung leiden, fragen wir uns, ob wir genügend Zitronen im Kühlschrank haben, um die Bakterien weitestgehend auf natürlicher Weise zu bekämpfen.

So toll die kleine, säuerliche Frucht auch ist, sollte man auf einen Überkonsum achten, denn sie kann Durchfall verursachen und den Zahnschmelz schwächen. Auch hier gilt es, wie bei jeder anderen Superfrucht auch, die Dosierung beachten.

Achtet ebenfalls darauf, dass Ihr Zitronen verzehrt, die unbehandelt sind. Solltet Ihr Euch des Ursprungs nicht sicher sein, dann lohnt es sich die Schale zu entfernen und sich auf das Innere zu konzentrieren.

Zitronen haben es in sich. Nicht vergessen: Ein Glas Wasser mit Zitronensaft morgens nach dem Aufstehen regt das Immunsystem an und steigert das Energieniveau. Ein Hoch auf die Gesundheit!

Bildquelle: Foto von Steve Doig auf Unsplash