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2023-05 Nachhaltiges Bauen hat nichts mit primitiv zu tun - Agrarbetrieb

Nachhaltiges Bauen hat nichts mit primitiv zu tun

Es ist allgemein bekannt: die `reichen´ Länder, zu denen wir hier in Deutschland auch zählen, verbrauchen einen Großteil der weltweiten Ressourcen. Wir verbrauchen alles, was uns in die Finger kommt, egal ob es sich dabei um natürliche Ressourcen oder nicht erneuerbare Rohstoffe, wie z.B. Metalle und seltene Erden, handelt. Aber es geht auch anders, denn es gibt nachwachsende Alternativen, die sich für nachhaltiges Bauen perfekt eignen.

Stahl und Beton durch Hanf, Lehm oder Pilze zu ersetzen, mag komisch klingen, aber das Interesse und die Nachfrage nach „nicht auf Öl basierten“ Bauelementen steigt kontinuierlich an. Den Ölgiganten schmeckt dieser Trend sicherlich nicht, aber solange es sich „nur“ um eine Nische handelt, welche die Profite der Branche nicht wesentlich beeinflusst, wird da wohl ein Auge zugedrückt.

Nachhaltiges Bauen und nachhaltige Landwirtschaft haben einiges gemeinsam, aber die wohl größte Gemeinsamkeit liegt darin, dass sie im Bewusstsein der Menschen als „primitiv“ abgespeichert sind. Und hiermit einhergehend wird geglaubt, dass man für die Umsetzung keine moderne Technologie benötigt, dass die Konzepte auf Materialien basieren, die nicht haltbar sind, dass es sich hierbei nur um eine Fassade handelt, um etwas besser zu verkaufen usw.

In meinem heutigen Blog geht es mir nicht darum, die einen oder anderen zu überzeugen, sondern vielmehr möchte ich aufzeigen, woran einerseits Forscher arbeiten und andererseits, welche nachhaltigen, natürlichen Baualternativen bereits erfolgreich eingesetzt werden.

Hierzu ein kleiner Überblick über einige Artikel, die ich zu diesem Thema hier auf Agrarbetrieb bereits geschrieben habe:

Nachhaltiges Bauen mal ganz anders: Ein Häusle aus Pilze

Ein nachhaltiges Haus was am Ende auch noch kompostierbar ist? Soll das ein Scherz sein?

Geht es nach den Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und ETH Zürich, dann könnten wir künftig Baumaterialien aus Pilzen und Bambus herstellen.

Derzeit forscht das Team um Professor Dirk Hebel (Leiter der Professur für Nachhaltiges Bauen, KIT) an einer Baumasse, welche aus dem Wurzelwerk des Pilzes Ganoderma lucidum (Glänzender Lackporling) besteht. Dazu werden Holzspäne und andere pflanzliche Abfälle, wie z.B. Getreideschalen, vermischt. Das Mycel, eine schwammähnliche Substanz, lässt sich leicht in Formen gießen. Um das Wachstum des Pilzes zu stoppen, wird der Baubestandteil getrocknet.

Das leichte Baumaterial eignet sich hervorragend zum Isolieren.

Des Weiteren forscht Prof. Hebel an neuartigen Verbundwerkstoffen, die aus Bambus entwickelt werden. Anders als Holz, wächst Bambus viel schneller und seine langen stabilen Fasern sind eine willkommene Eigenschaft im Bauwesen. Das Material wird von den Forschern insbesondere auch auf sein Druck- und Zugbelastbarkeit getestet. Diese sollen durch die gezielte Gestaltung geometrischer Formen mit Hilfe dreidimensionaler grafischer Statik verbessert werden.

Ausgefallen? Wie wär’s mit einem Lehmhaus im Inneren eines Gewächshauses?

Wer Pilze und Bambus als Baumaterialien skurril findet, wird bei der nächsten Bauweise sicherlich nicht schlecht staunen. Es handelt sich nämlich um ein 150 Quadratmeter Haus aus Lehm, Stroh und Holz, welches sich im Inneren eines 300 Quadratmeter großen Glas- bzw. Gewächshauses befindet.

Es handelt sich hierbei um das gemütliche Häusl des 72-jährigen Jürgen Heermann, ein ehemaliger Bordingenieur, der dieses Prachtstück aus Flammersfeld im Westerland vor 15 Jahren von einem praktizierenden Schamanen kaufte. Das energieeffiziente Haus besteht aus natürlichen und ökologischen Baumaterialien. Mehr Informationen hierzu gibts im beigefügten Video des SWR.

Quelle: SWR Room Tour, YouTube

Leider herrscht bei vielen Mitmenschen der falsche Glaube im Kopf, dass nachhaltige Häuser, die oft auch noch vom Versorgungsnetz abgekoppelt „leben“, primitiv sind. Earthships, Lehmhäuser inmitten von Gewächshäuser oder Hanfhäuser bieten all den Komfort, den moderne Betonhäuser auch bieten — sogar mehr als das, denn sie sind natürlich.

Die Ökosysteme die verwendet werden, um das Wasser zu recyclen und aufzubereiten erfordern ein klares Verständnis für Natur und Physik. Hinzu kommt, dass diese Häuser schneller und günstiger zu bauen sind als die herkömmlichen Varianten.

Egal ob autark und vom aktuellen System ganz oder teilweise abgekoppelt oder ob einfach mal ein natürliches Haus, das im Einklang mit der Natur existiert, eins ist klar:

Wir befinden uns am Anfang der Entdeckungsreise.

Nachhaltiges Bauen erfordert Mut, jede Menge Kreativität und die Bereitschaft anders zu denken. Neue Ideen und Konzepte werden niemals aus der Masse kommen.

Bildquelle: Foto von Andrea Davis auf Unsplash

2023-02 3D-gedruckte Hanfhäuser

3D-gedruckte Hanfhäuser – Green Deal mal anders

Die aktuellen Zeiten sind wirklich spannend. Mehr und mehr innovative Ideen werden erfolgreich umgesetzt, die nicht nur einzeln betrachtet, sondern gerade in ihrer Kombination miteinander ganze Bereiche revolutionieren können. Über den Einsatz von Hanfbeton im Bausektor habe ich bereits berichtet. Ebenso habe ich auch über die neuen High-Tech-Häuser aus dem 3D-Drucker geschrieben. Was den heutigen Beitrag so einzigartig macht, ist die einzigartige Kombination dieser beiden Ansätze: Hanfhäuser aus dem 3D-Drucker.

Die australische Firma Mirreco hat sich auf nachhaltige Baumaterialien bestehend aus Hanf spezialisiert. Das Biotechnologieunternehmen setzt für den Bau nicht nur dieses innovative Material ein, sondern setzt auch in der Produktion auf neueste Technologien: es entwickelt 3D-gedruckte Hanfplatten, die in Wänden, Fußböden und Dächern verwendet werden.

Was unterscheidet diese neuartigen Hanfplatten von herkömmlichen Materialien?

Sie sind einfach herzustellen, bieten eine solide Struktur und eine überlegene Wärmeleistung.

In Zusammenarbeit mit dem australischen Architekturbüro Arcforms, das seinen Sitz ebenfalls in Perth, wie auch Mirreco, hat, konnte ein neues Konzept für ein nachhaltiges Hanfhaus präsentiert werden:

Die Böden, Wände und das Dach werden aus Hanf-Biomasse hergestellt, und in den Fenstern kommt modernste Technologie zum Einsatz, die es ermöglicht, Licht durch Glas zu leiten, wo es in Strom umgewandelt wird.

— Mirreco, The Extract

Häuser aus dem 3D-Drucker

Während wir in Deutschland, in der westfälischen Stadt Beckum, das erste Haus aus dem 3D-Drucker bewundern dürfen, entsteht in der niederländischen Stadt Bosrijk, in der Nähe von Eindhoven, der weltweit erste Standort mit bewohnbaren 3D-gedruckten Häusern. Es handelt sich hierbei um das Projekt „Milestone“, das in Gänze fünf Betonhäuser beinhaltet, die mit Hilfe der 3D-Technologie konstruiert wurden.

Bevor ich den Vorteilen der 3D-gedruckten Hanfhäuser näher auf den Zahn fühle, möchte ich auf zwei mit dem Thema verwandte Artikel verlinken, welche ich hier auf Agrarbetrieb bereits veröffentlicht habe:

Die Klimaziele, wie etwa die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, werden hoch gesteckt. Wie können Hanfhäuser aus dem 3D-Drucker dabei helfen?

In erster Linie, nimmt Hanf, anders als herkömmliche Baumaterialien, CO2 auf und ist demnach ein umweltfreundlicher Baustoff. Anders als beim konventionellen Beton, benötigt man bei der Bauweise mit Hanfplatten keine Unmengen von Sand. Also müssen dafür keine Meere und Flüsse herhalten, um den steigenden Bedarf nach Wohnplatz zu decken. Es wird hierfür kein Ökosystem zerstört.

Hinzu kommt noch eine weitere wichtige Komponente, auf welche oft nicht eingegangen wird: das Haus bildet eine „echte“, natürliche Umgebung für den Wohn- und Nutzraum, d.h. sie kommt ohne Mineralölresiduen und weitere Toxine aus.

Tagein, tagaus hören wir über die Bedeutung von erneuerbaren Alternativen. Der Fokus liegt hier aber vor allem auf den Energie- oder Automobilsektor.

Warum nicht auch bei der Bauindustrie ansetzen?

Was spricht dagegen, Hanfbeton, Hanfplatten und Co. vollständig einzuführen?

Ganze Städte aus Hanfhäuser – Wunschdenken oder bald Realität?

Hanfhäuser, Hanfbatterien, Hanf-Flugzeuge, Hanf als Medizin … Was kann man aus Hanf denn alles basteln, was unseren Planeten vor der grausamen Ausbeutung von Ressourcen retten würde?

Es hängt sehr viel von unserer Bewusstseins- und Verhaltensveränderung als Spezies ab. Wie wir uns entfalten und weiterentwickeln bestimmt darüber, wie unsere Kinder leben werden. Ganze Siedlungen aus modernen High-Tech-Hanfhäusern, die jung und alt begeistern, könnten schaffen, dass sie ein Umfeld erschaffen, in dem Generationen wieder zueinanderfinden. Ein Leben in Gemeinschaft, in dem wir uns gegenseitig respektieren und ein nachhaltiges Miteinander kultivieren, ist nicht nur erstrebenswert, sondern auch bitter nötig.

Wir haben das außergewöhnliche Glück, einen wunderschönen Planet zu bewohnen. Als enger Verbündeter mit der Natur, freue ich mich jedes Mal, wenn mutige Menschen ihre Erfindungen präsentieren und umsetzen, die nicht nur uns Menschen kurzfristig ein schönes Leben bescheren, sondern auch im Einklang mit der Natur stehen. D.h. auf Ressourcen setzen, die die Natur auf diesen Planeten erhalten können, so dass die kommenden Generationen in einem gesunden Umfeld ohne Altlasten aufwachsen können.

Wie schnell wird sich ein Wandel vollziehen können? Werden wir die Hanfplatten demnächst auch bei uns in den Baumärkten erwerben können? Zählen Baugenehmigungen für Hanfhäuser bald zu unserem Alltag?

Bildquelle: Foto von giovanni gargiulo auf Pixabay

2022-08 Haeusle aus 3D Hanfbeton oder im Gewaechshaus

Häusle bauen aus 3D, Hanfbeton oder im Gewächshaus

Während die Preise für Holz, Eisen und Co., die für den Bau eines konventionellen Hauses benötigt werden, explodieren, lassen sich kreative Seelen gerne etwas Neues einfallen. Die einen greifen zu Öko-Baumaterialien, wie z.B. Hanfbeton, andere spannen den Innovationsbogen und schaffen sich binnen weniger Tagen ein gedrucktes 3D-Haus an und die nächsten bauen ein Gewächshaus rund um ihr bestehendes Haus.

Beton hat ausgedient – zumindest bei diejenigen, die nach umweltfreundlichen, nachhaltigen und ökologischen Baustoffen suchen. Während Holz für diese Zielgruppe oft bevorzugt wird, ist man aufgrund der Preislage gezwungen, nach weiteren natürlichen Alternativen, wie z.B. Lehm, Stroh, Bambus oder Hanf, Ausschau zu halten.

Lust auf ein Häusle aus Hanfbeton?

Das man mit Hanfbeton tolle Häuser bauen kann, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Man muss also nicht in eine Hippiesiedlung ziehen, um die Vorzüge eines Hauses aus Hanffasern zu geniessen.

Was spricht denn für Hanfbeton?

Bevor ich auf die Vorteile dieser schnell wachsenden Ressource eingehe, ein paar Worte zur Komposition. Die betonartigen Formen entstehen durch die Bindung von Hanffasern mit Kalk. Das dadurch erzielte Material ist stark, stabil und sehr leicht. Was diese tollen Eigenschaften für den Transport und die Logistik repräsentieren, kann sich jeder vorstellen.

Nun zu den Top Vorteilen von Hanfbeton:

  • Natürlich: Hanfbeton ist ein natürliches, umweltfreundliches und nachhaltiges Baumaterial. Dies trägt dazu bei, dass man ein atmungsaktives Raumklima erzielt.
  • Dämmung: Das Baumaterial kann sowohl zur Konstruktion als auch zur Dämmung verwendet werden.
  • Resistenz: Ist sehr resistent gegen Feuer, Insekten und Fäulnis.
  • Transport: Sehr leicht zu transportieren.
  • Konstruktion: Ein Haus aus Hanfbeton lässt sich schneller bauen.

Wenn Ihr tiefer in diese Materie einsteigen wollt, empfehle ich Euch meinen Beitrag

Öko-Haus: Der Einsatz von Hanf im Bausektor

Ein Haus aus dem 3D-Drucker. Sind wir schon so weit?

Wenn man zum ersten Mal darüber liest, glaubt man seinen eigenen Augen nicht. Klar, hat der eine oder andere sowas schon in Filmen gesehen, aber dass es bereits Realität ist, darüber wundern sich viele.

Warum nur menschliche Organe mit Hilfe eines 3D-Druckers herstellen, wenn man ein ganzes Häusle damit bauen kann?

Klingt skurril und unglaubwürdig?

Wir bleiben in Deutschland und blicken auf die westfälische Stadt Beckum. Dort ist nämlich das erste Haus aus dem 3D-Drucker fertig gestellt worden, so die Fachhochschule Münster.

Zur Bauweise:

  • Für das 160 qm große Gebäude benötigte der 3D-Drucker 100 Stunden Druckzeit. Jeweils 50 Stunden pro Geschoss. Dabei hat man nach Angaben der Projektleiter nur mit halber Geschwindigkeit gearbeitet, d.h. der Gesamtbau wäre in 50 Stunden möglich gewesen. Im Vergleich dazu: Der Bau eines Einfamilienhauses dauert mehrere Monate.

Der Drucker funktioniert wie folgt:

  • Der Drucker trägt das Baumaterial Schicht für Schicht übereinander.
  • Pro 15 Minuten schafft der Drucker eine Runde bestehend aus 2 cm Beton bzw. schnell trocknendem Zementmörtel. Die Konstruktion sieht am Ende wellenartig aus.
  • Der Drucker kann mittlerweile auch das gesamte Haus verputzen.
  • Der Vorgang wurde von 3 Handwerkern und dem Architekten begleitet.
  • Dort wo Steckdosen, Leitungen und Fenster geplant waren, ließ der Drucker eine Schicht aus. Diese Aufgaben wurden dann durch weitere Handwerker zu Ende geführt.
Quelle: MENSE-KORTE, ingenieure+architekten, YouTube

Wer Lust hat, sich das 3D-Haus virtuell anzuschauen, dem empfehle ich den 360 Rundgang auf der Webseite von Mense-Korte.

Wie wär’s mit einem Gewächshaus rund ums eigene Haus?

Während das Haus aus dem 3D-Drucker noch sehr futuristisch ist, wird die nächste Idee den einen oder anderen dazu animieren, es eventuell nachzuahmen.

Eine Familie in Schweden hat sich ein Gewächshaus rund um ihr eigenes Haus gebaut. Statt dem nordischen Winter den Rücken zu kehren, haben sich die Eltern dafür entschlossen, ihr Zuhause mit einem Gewächshaus zu umhüllen.

Zur Bauweise:

  • Die Konstruktion besteht aus 4mm dicken Scheiben aus Sicherheitsglas.
  • Das Sonnenlicht heizt das Haus tagsüber auf und in der Nacht kommt der Restwärmespeicher zum Einsatz.
  • Hinzu kommt, dass die Familie jetzt ganzjährig Früchte und Gemüse rund ums Haus bzw. innerhalb des Gewächshauses anpflanzen und ernten kann.
  • Die Pflanzen werden nicht nur als Deko und Verzierelement verwendet, sondern sie sind zudem dazu da, die Luft zu reinigen und Giftstoffe zu entfernen.
  • Das Haus verfügt über ein kleines Ökosystem: Regenwasser wird in einer speziell dafür gebauten Vorrichtung gesammelt. Es gibt ein Abwassersystem und einen Komposter für den Garten.

So sieht das „Grüne Haus“ aus, das dem Stockholmer Wetter und insbesondere dem schwedischen Winter die Stirn bietet:

Quelle: Kirsten Dirksen, YouTube

Konventionelles war gestern

Wenn wir einen Blick auf die vielen tollen Konstruktionen alter Zivilisationen werfen, dann merken wir, dass unsere heutigen sogenannten innovativen Bauweisen gar nicht so neuartig und revolutionär sind.

Hauptsache wir benutzen die Technologien, um etwas Positives zu kreieren. Wenn sich sowohl der Körper als auch die Seele wohl fühlen, dann haben wir alles richtig gemacht.

Egal ob mit Glas umgeben, aus Hanfbeton oder mit Hilfe eines 3D-Druckers erstellt, ein glückliches Zuhause spricht Bänder.

Bildquelle: Foto von Vaidaz auf Pixabay

Öko-Haus: Der Einsatz von Hanf im Bausektor

Öko-Haus: Der Einsatz von Hanf im Bausektor

Die Hanfpflanze wurde jahrelang als schlecht abgestempelt. Dabei ist der Einsatz von Nutzhanf extrem vielfältig und mit vielen positiven Eigenschaften versehen. Von Medizin z.B. bei Krebs, Hepatitis C oder Morbus Crohn über Kosmetik bis hin zum Hausbau, das Bewusstsein, dass Hanf ein wertvoller Rohstoff ist, hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert.

Während ich mich seit ein paar Jahren auf den Anbau von Aronia fokussiere (siehe hierzu FrankenAronia) hat sich der eine oder andere Kollege auf den Anbau von Nutzhanf spezialisiert. Jede Pflanze hat seine Stärken und Schwächen, erfordert besondere Kenntnisse und kann unterschiedlich vermarktet werden.

Das Hanf in Form von CBD-Öl, als Pulver, Shake oder Proteinbar verkauft wird, ist nicht neu. Immerhin sehe ich diese Produkte jedes Mal wenn ich mit meinem Aronia-Portfolio auf Markttour unterwegs bin. Es gibt kaum noch ein Bio-Markt, Reformhaus oder eine Apotheke, die nicht mindestens eine sogenannte Hanf-SKU führt. Meistens sind es mehr als nur ein Produkt.

Was meine Aufmerksamkeit jedoch erregt hat, ist der Einsatz dieser Nutzpflanze im Bausektor – ganz speziell die Verwendung von Hanfbeton als Baustoff. Klar kenne ich viele Ökohaus-Konzepte basierend auf Holz und Karton, die auf Solar- oder Windenergie setzen, was mich an Hanfbeton jedoch fasziniert sind folgende zwei Eigenschaften: Feuerfestigkeit und Schädlingsresistenz.

Das ökologische Haus der Zukunft – Alles Hanf oder was?

Hanfbeton und Hanfziegel für die äußeren Wände, Hanf-Kalk als Innendämmung – die Einsatzmöglichkeiten von Hanf als Baustoff scheinen äußerst vielfältig zu sein. Wer sich in dieses Thema gründlich einarbeiten will, kommt an der deutschsprachigen Zeitschrift „Hanf Magazin“ nicht vorbei. Das Magazin liefert interessante Artikel über Hanfbeton & Co. und zeigt auf, wie Hanf in anderen Teilen unserer Welt eingesetzt wird, um Öko-Häuser zu bauen.

Zum Einstieg empfehle ich folgendes Kurzinterview (4:30 Minuten) mit dem Titel „Hanf als Baustoff“.

Quelle: Bauen & Wohnen, YouTube

Überzeugt Euch selbst von seiner Feuerfestigkeit – Hierzu empfehle ich diesen ganz kurzen Beitrag (1:37 Minuten) von CBC News aus Kanada.

Quelle: CBC News, YouTube

Was spricht für Hanf?

  • Hanf bindet mehr CO2 als Wald. (negative CO2-Bilanz – siehe Beitrag oben)
  • Hanf ist feuerfest.
  • In Kombination mit Hanfkalk baut man das ultimative, feuerfeste Ökohaus.
  • Verwendung für medizinische Zwecke – siehe hierzu meinen Blogartikel Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke ab 2019 erlaubt
  • Herstellung von Hanfpapier und Biobrennstoff
  • Einsatz im Kosmetikbereich, in der Textilproduktion und im Bauwesen

KURIOSES

  • BMW nutzt Hanf für Türverkleidungen (Quelle: Spiegel)
  • Hanffaser kann Glasfaser ersetzen (Quelle: Welt)
  • Die Geschichte von Cannabis reicht mehrere tausend Jahre zurück. Ob China oder Mesopotamien als Ursprungsgebiet dieser faszinierenden Pflanze gilt, ist immer noch unklar. (Quellen: HanfHaus, Wikipedia)
  • Beim Hanfanbau benötigt man bis zu 50% weniger Wasser als beim Anbau von Baumwolle. (Quelle: Studie aus 2005 des Stockholmer Umweltinstituts; Studie aus 2018 durchgeführt in Brandenburg, Originalpublikation auf MDPI)

Faszinierend, oder?

Können wir mit Hanfbeton (Englisch: Hempcrete) inklusive Hanfkalk- und Hanflehmputze die immer häufiger auftretenden allergischen Reaktionen sowie Asthmavorfälle und andere Atemwegserkrankungen besser in den Griff bekommen?

Die aufgeführten Hanfmaterialien stammen aus der Natur, sind feuerfest, hygroskopisch (reguliert die Luftfeuchtigkeit), atmungsaktiv und durchlässig für Wasserdampf. Das alles kann man von synthetischen und fossilen Materialien nicht behaupten.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Verwendung von Hanf im Bausektor jede Menge Positives mit sich bringt: Es ist gut für unsere Gesundheit und auch für die Umwelt. Selbstverständlich profitiert auch die Baubranche und der anbauende Landwirt davon. WIN-WIN-WIN; besser geht’s nicht.

Bildquelle: Foto von Crystalweed cannabis auf Unsplash

Cannabis für medizinische Zwecke

Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke ab 2019 erlaubt

Cannabis (das lateinische Wort für Hanf) ist eine äußerst umstrittene Pflanze. Viele assoziieren Cannabis mit etwas Negativem, die wenigsten sind über deren Verwendung in der Medizin informiert. Das alles soll sich in den kommenden Jahren ändern.

Seit letztem Jahr ist Cannabis als Medizin verschreibungspflichtig (ich rede hier über Deutschland). Das heißt, Patienten gehen mit ihrem verschreibungspflichtigem Rezept in die Apotheke und erhalten diese dort. Das ist soweit alles schön und gut. Die Diskussionen entstehen wegen etwas ganz anderem.

Wer darf in Deutschland zukünftig Cannabis anbauen? Welche Auflagen müssen denn erfüllt werden?

Eine konkrete Antwort auf diese Fragen gibt es noch nicht. Alles was wir wissen ist, dass ab 2019 der Anbau für Medizinalhanf auf heimischen Flächen erlaubt ist.

Was wissen wir noch?

  • Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) soll erstmals 10 Lizenzen vergeben
  • Es gibt strenge Auflagen für den Cannabis-Anbau, um die Qualität sicherzustellen
  • In der Ausschreibung wird verlangt, dass man „einschlägige Erfahrungen mit dem Cannabisanbau für medizinische Zwecke vorweisen muss“
  • Ausgeschrieben wurden 6.600 Tonnen medizinischem Cannabis für einen Zeitraum von 4 Jahren
  • Der Deutsche Hanfverband (DHV) ist der Meinung, die 6,6 Tonnen seien zu wenig, um ohne Importe auszukommen
  • In Deutschland wird aktuell von ca. 20.000 Cannabispatienten ausgegangen

Quellen: Leafly, Deutscher Hanfverband (DHV), Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Ist Cannabis für medizinische Zwecke was für Landwirte?

Sicherlich gibt es Landwirte, die Cannabis für medizinische Zwecke anbauen möchten und gerne eine dieser zehn Lizenzen ergattern möchten.

Die Auflagen brechen aber jedem das Genick, denn welcher Landwirt in Deutschland hat Erfahrung mit Cannabis, wenn die Pflanze hierzulande bisher verboten war? Das ist doch ein Paradox.

„Es ist skandalös, dass das kein deutscher Landwirt erfüllen kann“ – so Bernhard Rüb von der Landwirtschaftkammer NRW.

Quelle: Westfälische Rundschau

Bis 2019 haben wir alle noch 11 Monate Zeit. Wir haben Zeit, aber die Patienten die auf Medizinalhanf angewiesen sind, können dieses Durcheinander sicherlich schwer nachvollziehen.

Bis dahin heisst es weiterhin auf Importe setzen, z.B. aus den Niederlanden. Und diejenigen unter Euch die gerne eine Lizenz erwerben möchten, bleibt bei den derzeitigen Auflagen nur noch eins übrig: einen erfahrenen Partner im Ausland suchen und mit diesem gemeinsam sich für eine Lizenz bewerben.

Denn eins verändert sich in dieser Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit: die Anzahl der Patienten die auf Medizinalhanf angewiesen sind, steigt weiter an (siehe Prognose DHV).

Wie kauft man medizinischen Cannabis in Deutschland?

Der nachfolgende kurze Beitrag vom DHV zeigt wie ein ADHS-Patient Cannabis in der Apotheke kauft.

Quelle: Deutscher Hanfverband, YouTube

Gesundheitliche Vorteile von Cannabis

Über die Nachteile von Cannabis kann fast jeder ein Buch schreiben. Wenn es um die Vorteile geht, dann mag zwar der eine oder andere gehört haben, dass die Hanfpflanze den Krebspatienten hilft aber mehr auch nicht.

Hier ein paar gesundheitliche Vorteile von Cannabis im Überblick:

  • Cannabidiol soll mehreren Studien zufolge die Vermehrung von Krebszellen stoppen. Auch von Abtötung von Krebszellen ist sogar die Rede (National Cancer Institute, Medical News Today).
  • Cannabis reduziert Schmerz und Schlechtsein und erhöht den Appetit z.B. in der Chemotherapie (American Cancer Society).
  • Laut einer in 2006 veröffentlichten Studie der European Journal of Gastroenterology and Hepatalogy beenden 86% der Hepatitis C Patienten, die in Therapie sind und medizinischen Marihuana konsumieren, ihre Therapie erfolgreich und mit verbesserten Chancen.
  • Cannabis soll bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa helfen (University of Nottingham, 2010).
  • In angemessener Dosis verringert medizinisches Marihuana die Angst (z.B. hilfreich bei Phobien), verbessert die Laune der Nutzer und kann als Sedativum gehandhabt werden (Harvard Medical School, 2010).

Hanfpflanzen sollen weiterhin bei multipler Sklerosis, Alzheimer, Arthritis, Gehirnerschütterungen und Traumata sowie unzähligen Autoimmunkrankheiten behilflich sein.

Ich gehe davon aus, dass wir durch die Legalisierung von Cannabis in weiteren Teilen der Erde, immer mehr Studien durchführen und Ergebnisse haben werden zu den Vorteilen und gleichermaßen Risiken dieser Pflanze.

Für Patienten die aus medizinischen Gründen auf die Hanfpflanze zurückgreifen müssen, bleibt der Weg zum Arzt und anschließend die Reise zur Apotheke nicht erspart. Ob wir in den kommenden Jahren eine Legalisierung dieser Pflanze in Deutschland erleben werden oder nicht, wird sich zeigen.

Ab Januar diesen Jahres ist der Verkauf von Marihuana im Bundesstaat Kalifornien (USA) legal. Viele Unternehmen haben im Vorfeld ihre Lager aufgestockt und setzen ihre Karten auf die Boom-Branche.

Cannabis für medizinische Zwecke soll ab 2019 auch in Deutschland angebaut werden – seid Ihr dafür oder dagegen? Weshalb „ja“ bzw. „nein“?