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Kastl-Greissler Container-Nahversorgungsmodell

Der Kastl-Greissler – ein spannendes Container-Nahversorgungsmodell aus Österreich

Während die Debatten regional vs global immer absurder werden, haben unsere Nachbarn aus Österreich etwas Einzigartiges aus dem Kasten gezaubert — und das wortwörtlich. Sie haben einen stink normalen Container in einen Nahversorger umgewandelt, um die Menschen in ländlichen Regionen mit regionalen Produkten des täglichen Bedarfs zu erreichen. Das neuartige Konzept wurde in ein Franchise-System eingebettet und soll in den kommenden Jahren in der DACH-Region ausgerollt werden.

Es gibt nicht die eine perfekte Lösung und je eher wir das verstehen, umso verzahnter können wir agieren und Synergien entsprechend nutzen. Supermärkte haben ihre Rolle, Hofläden sind ein Klasse Direktvermarktungskonzept und die Fahrradfahrer, die wir neuerdings immer häufiger in den Cities samt Anhänger mit frischem, saisonalem Obst und Gemüse vom Bauer aus der Region sichten, sind sicherlich eine tolle Addition.

Der Kastl-Greissler, so das Container-Konzept aus Österreich wird von seinen Erfinder als ein Nahversorgungsunternehmen gesehen, das die Marktlücke zwischen Supermärkten und Hofläden schliessen soll. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Lebensmittel und Spezialitäten aus der jeweiligen Region
  • Kurze Transportwege und kein Logistikchaos
  • Belieferung durch Bauern aus der Region
  • Erreichbarkeit als dörflicher Nahversorger
  • Neue, flexible Arbeitsplätze
  • Flexible Arbeitszeiten (Öffnungszeiten des Container-Shops).

Was beinhaltet das Kastl-Greissler Franchise-Paket?

Ähnlich wie bei allen anderen bekannten Franchise-Modellen wie z.B. Domino’s Pizza oder Subway, kommt auch beim Kastl-Greissler Franchise-Paket eine einmalige Startgebühr sowie eine jährliche Servicegebühr zum Tragen.

Darin enthalten sind:

  • Ein optimierter Verkaufscontainer
  • Kassensystem und Warenwirtschaftssystem
  • Best Practices, Sortimentsempfehlungen und Einkaufskonditionen
  • Planungssicherheit durch Erfahrung (Infos und Best Practices von anderen Container-Shops)
  • Unterstützung und Coaching durch ein erfahrenes Team
  • Kastl-Greissler Dachmarketing
Quelle: Der KastlGreissler, YouTube

Welcher Standort wird als erster in Deutschland aktiviert?

Die Österreicher geben in punkto Standortaktivierung richtig Gas. Derzeit sind 15 Kastl-Greissler im Geschäft: 5 im Burgenland, 4 in Niederösterreich, 1 in Osttirol, 3 in Kärnten und 2 in Oberösterreich (siehe KastlGreissler-Webseite).

Was ich persönlich als absolut faszinierend betrachte ist die hohe Anzahl der landwirtschaftlichen Produzenten, die mit Hilfe dieses Container-Nahversorgers einen zusätzlichen Vertriebsweg gefunden haben. Die Zahl beläuft sich auf 220.

In punkto Planung und Expansion, hilft ein Blick auf die Fundraising-Seite des Projekts, denn die Mittel für den erfolgreichen Launch kommen von den über 240 Investoren, die auf der Green Rocket Crowdfunding-Plattform mit ihrem Geld hierfür gestimmt haben:

  • Bis Ende 2021 soll es in ganz Österreich 40 Container-Shops geben.
  • Bis 2024 sind 46 Franchisenehmer und 152 Container mit Umsätzen von über 1,3 Mio. EUR geplant.

Quelle: Green Rocket

Während die österreichischen Medien immer wieder mal einen Beitrag über dieses einzigartige Konzept veröffentlichen, mangelt es in Deutschland an derartigen Infos. Schade, denn ich finde diese Verkaufsboxen ein tolles Pendant zum Amazon Fresh Store, der bald unsere europäischen Städte erobern soll.

Die Anzahl der landwirtschaftlichen Familienbetriebe die sich mit Amazon an den Verhandlungstisch setzen möchten und davon überzeugt sind, dass sie einen fairen Preis herausschlagen können, hält sich in Grenzen. Wenn wir jedoch unsere frische Ware vor Ort an den Konsumenten bringen können, ohne stundenlang in Staus zu stecken, permanent Ausschau nach Fahrer zu haben und ohne den Eindruck zu haben, vom Händler erneut über den Tisch gezogen zu sein, dann ist dieses Container-Franchise-System eine wertvolle Alternative.

Wann der erste Container bei uns in Deutschland bzw. bei den Kollegen in der Schweiz aufmacht, ist heute noch unklar. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass wir hier in Bayern, aufgrund unserer Nähe zu Österreich zu den ersten zählen werden.

Das allerwichtigste bei der ganzen Sache ist die WIN-WIN-WIN-Situation. Der Konsument gewinnt, weil er / sie frische Lebensmittel vom regionalen Bauer direkt vor Ort einkaufen kann. Der Landwirt gewinnt weil er / sie seine Ware ohne langes hin und her direkt vermarkten kann. Der Container-Inhaber gewinnt weil er / sie ein Basissortiment an Alltagsprodukten in einem kleinen Raum bis zu 7 Tage die Woche anbieten kann.

Fragen an meine Konsumenten-Leser: Spricht Euch dieses Konzept an? Würdet Ihr da einkaufen gehen? Welches Basissortiment erwartet Ihr?

Frage an meine Landwirtschaftskollegen: Habt Ihr Interesse als Franchisenehmer da einzusteigen oder bleibt Ihr lieber „nur“ als Lieferant tätig?

Ich freue mich auf Euren Input zum innovativen Kastl-Greissler Container-Shop.

Bildquelle: Foto von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

Direktvermarktung Studie belegt Trend

Direktvermarktung: Studien belegen den Trend

Eine aktuelle BMEL-Studie belegt das was innovative Landwirte schon länger wissen und geschickt umsetzen: immer mehr Betriebe switchen auf Direktvermarktung. Der Trend wird zu einer relevanten Überlebensalternative. Food-Coops, Hofläden, Verkaufsautomaten und Co. – sind spannende Optionen sowohl für konventionelle Betriebe als auch für Bio-Höfe.

Kein Zwischenhändler auf dieser Welt, egal wie smart und informiert dieser sein mag, kennt unsere Produkte und die dahinterliegenden Prozesse besser als wir Landwirte. Gleichzeitig, können Supermärkte und ihre Angestellten, trotz aller gesammelten und von Marktforschungsunternehmen eingekauften Daten, auf Kundenwünsche nicht besser reagieren als wir.

Wir sind diejenigen, die die harten Kundenfragen ohne Augenzucken direkt beantworten können. Bei uns liegt die Macht, wenn es darum geht, unsere Prozesse zu optimieren, um dadurch effizienter zu werden. Auch der Bereich Kreativität und das Austesten neuer Varianten wie z.B. Sanddorn oder wie in meinem konkreten Fall, Aroniabeeren anpflanzen, liegt in unserer Hand.

Klar tut sich der eine oder andere Landwirt mit Veränderungen schwer, aber uns bleibt in dieser schnelllebigen und teils absolut verrückten Welt nichts anderes übrig als uns anzupassen und sogar noch besser, Trends vorzugeben. Diejenigen, die das nicht schaffen, werden früher oder später ihre Betriebe schliessen müssen.

Es hängt so viel von unserer Denkweise ab.

Wir können rebellieren, auf die Strassen gehen, um etwas an den externen Faktoren zu ändern aber letzten Endes entscheidet sich der Krieg in unserem Kopf. Regeln, Gesetze, Politiker, Steuern usw. wird es immer geben. Die Mächtigen dieser Welt sind sehr kreativ und werden sich immer neue Tricks einfallen lassen. Wir müssen aber cleverer, schneller, flexibler und anpassungsfähiger sein als diese „Grüppchen“. Deshalb rückt auch das Thema Direktvermarktung vermehrt in den Vordergrund und beschäftigt immer mehr landwirtschaftliche Betriebe.

Direktvermarktung als zusätzliches Einkommensstandbein

Ein paar Eckdaten zur Studie „Innodirekt“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL):

  • Titel der Studie: „Neue und innovative Formen der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte – Analyse und Erarbeitung von Handlungsempfehlungen“
  • Projektlaufzeit: 1. Dezember 2017 bis 30. Januar 2020
  • Zuwendungsempfänger: ECOZEPT GbR, Freising
  • Durchgeführt im Rahmen des Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
  • Befragte: 200 ökologisch und konventionell wirtschaftende Landwirte mit Direktvermarktung, 40 Experten und 670 Kunden
  • Analyse: 10 Leuchtturmprojekte in drei Ländern

Die 288-seitige Studie und der Abschlussbericht sind auf Orgprints.org frei abrufbar. Darin sind u.a. auch ein paar wertvolle Handlungstipps zum Ausbaupotenzial der Direktvermarktung enthalten.

Bevor wir auf das eingehen was wirklich zählt, nämlich konkrete Tipps und Handlungsempfhlungen, anbei noch zwei Zahlen die uns die Studie verrät:

  • 47% der befragten konventionellen Betriebe wollen ihre Direktvermarktungstätigkeiten ausbauen
  • 70% der befragten Bio-Höfe setzen in den kommenden Jahren verstärkt auf Direktvermarktung

Kommen wir nun zu den konkreten Tipps.

Welche Formen der Direktvermarktung sind vielversprechend?

FOOD-COOPS

Kooperationen und Partnerschaften werden zukünftig eine extrem wichtige Rolle spielen. Hierbei muss man sowohl vertikal als auch horizontal denken, d.h. Kooperationen innerhalb der Landwirtschaft und des Ernährungssektors (z.B. mit dem Lebensmittelhandwerk, Viehzüchtern oder Winzer) aber auch überbetriebliche Partnerschaften mit Branchen außerhalb des Agrar- und Ernährungssektors (z.B. mit Tourismusanbietern, Bildungsträgern oder Pflegeeinrichtungen).

Einerseits geht es um Sortimentserweiterung, um dadurch eine größere Markt- / Kundenabdeckung zu erzielen und andererseits, auch darum Synergien z.B. mit anderen Abteilungen zu nutzen.

„Verbunden werden auch die Schwachen mächtig.“

— Friedrich von Schiller

POWER KOMBO OFFLINE-ONLINE

In Krisenzeiten bewährt sich diese Strategie am besten: fällt Offline weg, können wir auf Online umstellen; vorausgesetzt wir sind auf Beiden präsent.

Nichts spricht gegen eine Kombination zwischen analoger Direktvermarktung quasi mit „Live“-Kundenkontakt und der digitalen Vermarktung. Im zweiten Fall können Chatbots die Kommunikation starten, um anschließend auf z.B. Skype-Anfragen oder Zoom-Meetings auszuweichen.

E-Commerce Webseiten mit integrierten Shopping Carts, Online-Bestellformularen und Payment-Methoden leisten wahre Wunder. Wer noch etwas Kleingeld hat, um in eine App zu investieren, kann zusätzlich eine weitere Onlinedistributionsplattform aktivieren.

Wichtig hierbei: die App kann selbstverständlich auch durch eine Food-Coop finanziert werden. Immer integriert denken und Synergien nutzen.

24 / 7

Wir leben in der Amazon- bzw. SOFORT-Gesellschaft. Die Menschen wollen alles sofort haben. Wie lange es gedauert hat, um eine Marke aufzubauen oder wieviel Arbeit dahinter steckt, um frisches Gemüse in den Laden zu bringen, interessiert kaum jemanden. Mit einem Klick muss alles funktionieren und wenn nicht, dann regnet es nur so mit negativen Kundenrezessionen. Wir leben in einer verrückten Welt.

Verfügbarkeit rund um die Uhr – 24 Stunden, 7 Tage lang – so die Nachfrage.

Zu den Angebotsalternativen in punkto Direktvermarktung zählen u.a. Verkaufsautomaten, Selbstpflückfelder oder Vertrauenskassen.

VERTRIEBSKANÄLE MIXEN

Wer mehrere unterschiedliche Vertriebskanäle aktivieren kann, der sollte diese Chance sehr gezielt nutzen.

Beispiele von Vertriebskanälen: Hofläden, Verkaufsautomaten, Marktschwärmereien, Drive-Ins, E-Commerce Plattformen, Apps etc.

Direktvermarktung – Mehrwert für unsere Kunden, Erlöse für Landwirte

Regionalität, Bio, Frische, Exklusivität, Authentizität, Glaubwürdigkeit … es handelt sich hierbei um viel mehr als nur ein paar Schlagwörter.

Die Studie belegt, dass Direktvermarktung bei Ökobetrieben eine weitaus höhere Bedeutung hat, als bei konventionellen Betrieben. Die Kunden von heute legen einen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit – egal ob Bio oder konventionell, und die meisten von ihnen sind bereit das entsprechend zu honorieren.

Fällt der Zwischenhändler weg, dann können Landwirte endlich einen fairen und ehrlichen Preis verlangen, d.h. sie haben endlich die Gelegenheit die realen Produktionskosten in den Verkaufspreis zu integrieren. Der ganze Verwaltungsapparat und die unendlichen Zwischenstellen fallen weg; der Erzeuger kann nun mit dem Kunden direkt kommunizieren. Win-Win.

Ehrliche Produkte mit einer nachvollziehbaren Herkunft zu fairen Preisen – das ist ein absoluter Turbobooster in punkto Kundenbindung. Diejenigen die in ländlichen Regionen leben und über eine größere Sortimentsbreite verfügen, können die „schlechte“ Infrastruktur zu ihren Gunsten nutzen und ihre Produkte im Rahmen eines One-Stopp-Shops entsprechend präsentieren.

Die oben aufgeführten Wege, Tipps und Methoden sind nicht als absolut zu betrachten; hybride Strategien können durchaus magische Kräfte entwickeln. Die Power liegt in der Mischung.

Zuletzt noch ein Hinweis zum Lieferservice, ein Aspekt der in der obigen Studie nicht ausführlich erläutert wurde. In der Zeit von Uber Eats, Panda und Glovo lassen sich mit etwas Kreativität auch für z.B. Obst- und Gemüseanbauer tolle neue Lieferkonzepte auf die Beine stellen.

Direktvermarktung ist eine heiße Sache. Das wissen die Supermärkte und Discounter nur allzu gut. Die kommenden Jahre werden den Weg frei machen für neue Wettbewerbsfelder. Seid Ihr dafür gewappnet?

Foto: Alexas_Fotos / Pixabay.com

Direktvermarktung mit Pfiff

Direktvermarktung mit Pfiff: vom Landwirt direkt zum Konsumenten

Das Konzept der Direktvermarktung sorgt für ein Erdbeben. Die Großen haben es bereits verstanden: der Weg direkt zum Endverbraucher – das ist die Zukunft. Keine Zwischenhändler mehr. Ein reibungsloses System. Es lebe die sogenannte „disruption economy“.

Am 16. Juni 2017 sorgte Amazon für Schlagzeilen. Der Onlinegigant kaufte die weltweit größte Biosupermarktkette für 13,7 Milliarden US-Dollar. (Quelle: Forbes) Der US-amerikanische Konzern mit Sitz in Seattle war bereits mit AmazonFresh unterwegs, doch das reichte dem Unternehmen nicht. Amazon wollte schnell an Marktanteile kommen und verstärkt Zugriff auf die Belange und Wünsche der Konsumenten haben.

Wer ein Imperium aufbaut und seine Macht behalten möchte, muß den Endverbraucher kennen und direkten Zugriff zu diesem haben.

Amazon versteht die Power die hinter dem Begriff Direktvermarktung steht nur allzu gut.

Es blieb aber nicht dabei. Der Tech-Gigant, der bekannt dafür ist, schwerwiegende Störungen im Wirtschaftsgeschehen herbeizuführen, schnappte vor ein paar Monaten erneut zu. Dieses Mal war der Immobilienmarkt dran.

Im Juli 2019 ging Amazon eine Partnerschaft mit Realogy ein und setzte Immobilienmakler weltweit ins Staunen. (Quelle: CNBC) Realogy ist nämlich der größte Vermittler von Wohnimmobilien in den USA. Zur Gruppe zählen renommierte Makler wie Sotheby’s, Coldwell Banker oder Century 21. Damit nutzt Amazon maximal die Gelegenheit aus, den Prozess des Immobilienkaufs ins digitale Zeitalter zu bringen. Klassische Maklerunternehmen schauen verblüfft zu.

Disrupting the economy – das hat Amazon immer wieder aufs Neue bewiesen. Kein Industriezweig ist mehr sicher. Es kann und wird früher oder später jede Branche treffen.

Das Imperium schlägt zurück

Wir müssen jedoch nicht immer über den Ozean blicken, um zu verstehen, was gerade „abgeht“. Hierzulande passiert auch einiges, vielleicht etwas gediegener und langsamer, aber auch Deutschland ist von dieser Evolution betroffen.

Denkt doch mal nach, Aldi befand sich vor Kürze erneut auf einer Einkaufstour in Ostdeutschland. Die Erben des Discounters haben nach der Übernahme des Agrarbetriebs Kayna eG im Süden Sachsen-Anhalts nun auch die Geithainer Landwirtschafts GmbH gekauft.

Warum kauft Aldi landwirtschaftliche Großbetriebe?

Überlegt doch mal.

Die Aldi-Erben verstehen nur allzu gut was in der nächsten Dekade auf sie zukommt und beziehen heute schon Position.

Kein Zwischenhändler mehr? Der Hersteller bzw. Landwirt soll direkt mit dem Endverbraucher kommunizieren und an diesen gleichzeitig auch noch direkt verkaufen? Wo bleiben dann Aldi & Co.?

Direktvermarktung ist für jeden Zwischen-Mann/Frau ein riesen Problem. Und so kommt es, dass der Begriff Marke bzw. Brand eine ausserordentlich große Rolle spielen wird. Menschen werden von bekannten Marken bzw. Personen kaufen. Aldi will diese Power aufbauen, denn ohne eine konkrete Nachfrage für Aldi-Brands wird es den Discounter auf kurz oder lang nicht mehr geben.

Die ganze Direktvermarktungs-Geschichte geht Hand in Hand mit der Blockchain-Technologie. Das Zittern in der Politik und Finanzwelt ist gigantisch. Deshalb wird dieses Prinzip ähnlich wie auch im Falle der Kryptowährung, nicht besonders unterstützt. Ob die mächtigsten Staaten dieser Welt (z.B. USA, Russland, China) das jemals zulassen werden, bleibt abzuwarten.

Direktvermarktung schafft Transparenz und sorgt für absolute Klarheit. In einer Welt, wo keiner mehr zwischen echt und unecht, authentisch und gespielt, so richtig unterscheiden kann, verspricht die Beziehung Produzent-Endverbraucher frische Kraft.

Landwirtschaftliche Direktvermarktung verspricht nachvollziehbare Herkunft und Frische

Was bedeutet Direktvermarktung ganz konkret für uns Landwirte?

Kurz und schmerzlos: wir verkaufen unsere landwirtschaftliche Produkte direkt an den Endverbraucher. Kein Rewe, Edeka, Aldi und Co. mehr.

Vorteile für den Endverbraucher:

  • Frische und Qualität weil direkt vom Hof; keine Qualitätsminderung
  • Endverbraucher weiß von wem er kauft, kann Fragen stellen und kriegt diese auf der Stelle beantwortet (Fachkompetenz)
  • Vertrauen wird aufgebaut
  • starke Kundenbindung
  • Endverbraucher zahlt für die Ware, keine Handelsspanne für Zwischenhändler oder sonstige ‚versteckte‘ Kosten

Vorteile für den Landwirt:

  • Landwirt weiß worauf Kunden wert legen und kann sein Sortiment / Angebot entsprechend anpassen
  • frische Ware direkt aus dem Garten
  • kann regionale und saisonale Produkte anbieten ohne dafür zusätzliche Listungsgelder dem Handel zu zahlen
  • Handelsspanne verbleibt im Betrieb
  • Vertrauensbasis
  • Kundenbindung

Selbstverständlich hat das Konzept der Direktvermarktung nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile wie z.B. Neukundenaquise ist schwer, Kunden erwarten lange Öffnungszeiten, die Nähe zu Ballungsgebieten ist nicht immer gegeben.

Wie sieht die Zukunft der Direktvermarktung aus?

Basierend auf das was derzeit weltweit passiert, wird das Konzept in den kommenden Jahren deutlich an Fahrt aufnehmen. Es gibt jedoch ein Hindernis, wenn man das so bezeichnen kann. Ich rede hierbei von ‚Bequemlichkeit‘.

Wir Menschen sind sehr bequem geworden. Ein Kaffee auf die Hand, Fast Food und verpacktes Essen wo man nur hinschaut, ein paar Klicks auf dem Smartphone und schon bekommen wir die heisse Suppe direkt ins Wohnzimmer geliefert. Woher dieses Essen stammt, welche Zutaten sich darin befinden und ob das alles wirklich so gesund ist, gilt für viele als Nebensache.

Dann gibt es die Menschen die auf Gesundheit achten, für die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt, die wissen wollen woher ihre Produkte stammen und was sie ihrem Körper wirklich antun. Für diese Menschen ist Direktvermarktung das perfekte Konzept.

Ob wir die Fast-Food-Generation für unsere landwirtschaftliche Produkte die sie direkt bei uns auf dem Hof erwerben können (oder direkt Online bestellen können!), jemals begeistern werden, ist eine andere Debatte. Vielleicht wenn sie älter werden oder eher, wenn sie merken, wie schädlich das was sie essen und die Mengen die sie verzehren für ihre Gesundheit sind.

Direktvermarktung ist eine tolle Chance für kleine Betriebe. Wie gesagt, Ihr müsst keinen Laden aufmachen, wenn Ihr die Kapazitäten dafür nicht habt. Ihr könnt jederzeit einen Onlinehandel betreiben. Der Konsument kauft trotzdem direkt von Euch. Das tolle dabei: die beliebte Zutat ‚Bequemlichkeit‘ wird zum Bestandteil Eures Erfolgsrezepts.

Wie setze ich persönlich dieses Konzept um?

Indem ich meine Aroniabeeren unter der Marke FrankenAronia direkt an den Endverbraucher vermarkte. Das Feedback ist gigantisch und ich liebe die Interaktion mit den Kunden. Sie können mir Fragen stellen und kriegen diese auf der Stelle beantwortet. Das kriegt keine Handelskette hin. Das ist unsere absolute Stärke als Landwirt und der Endverbraucher schätzt diese Fachkompetenz enorm.

Eure Meinung zur Direktvermarktung – Seid Ihr ein Fan davon oder eher nicht? Wieso?

News - Zuckermarkt Regionale Lebensmittel

NEWS: HofladenBOX, Zuckermarkt, Getreidepreise-Rallye

Der einst florierende Zuckermarkt sorgt in den letzten Monaten/Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen. Die beiden deutschen Zuckergiganten Südzucker und Nordzucker leiden gewaltig und damit einhergehend auch die Rübenbauern. Kein einfaches Geschäft derzeit.

Blicken wir zuerst auf den ‚kleinen Bruder‘ aus dem Norden. Hier liegen die Verluste im zweistelligen Bereich.

Nordzucker hat das Geschäftsjahr 2018/2019 (per 28. Februar) mit einem Minus von 18% beendet. Der Konzernumsatz betrug 1,35 Mrd. EUR. Das operative Ergebnis (EBIT) belief sich auf minus 58 Mio. EUR; das entspricht einem Verlust von über 200 Mio. EUR (VJ 154 Mio. EUR).

Aufgrund der extremen Marktsituation schließt Nordzucker das Geschäftsjahr mit einem Jahresfehlbetrag von -36 Millionen Euro (Vorjahr: +118 Mio. Euro).

Gründe für diesen herben Verlust:

  • Ende der Quotenregelung
  • damit einhergehend eine Überproduktion in der EU und auf dem Weltmarkt
  • niedrige Preise
  • Zahlungen für den Rübenanbau in der EU
  • Produktionsausweitung durch staatliche Subventionen (z.B. Indien, Thailand)

So wie es aussieht, werden in diesem Jahr keine Dividende ausgeschüttet. Die Finanzlage von Nordzucker bleibt stabil mit einer Eigenkapitalquote in Höhe von 66% (unverändert zum Vorjahr).

Die Aussichten für das Geschäftsjahr 2019/20 sind ebenfalls getrübt. Nordzucker geht aufgrund der niedrigen Preise von einem Verlust aus. Der Fokus des Konzerns bleibt weiterhin die Zuckergewinnung aus Rübe und Rohr. Das Kerngeschäft bleibt in der EU.

Zuckermarkt im Umbruch – Auch der europäische Gigant tut sich schwer

Ein offener Zuckermarkt in der EU und das nach 50 Jahren Quotenregelung ist kein ‚Zuckerschlecken‘.

Genau das verspürt auch der Zuckergigant Südzucker. Europas größter Zuckerhersteller hat trotz Restrukturierung Einbuße hinnehmen müssen. Der Konzern beendete das Geschäftsjahr 2019/20 mit einem Minus von 3,3%. Der Umsatz belief sich auf 6,75 Mrd. EUR. Im Segment Zucker sank der Umsatz um 14,2% auf 2.588 Mio. EUR (VJ 3.017); das entspricht einem Verlust im dreistelligen Millionenbereich.

Das operative Ergebnis fiel von 445 Mio. EUR auf 27 Mio. EUR. Es soll eine Dividendenauszahlung in Höhe von 0,20 EUR je Aktie erfolgen. Letztes Jahr lag diese bei 0,45 EUR je Aktie.

Gründe für die schlechte Performance:

  • trockenheitsbedingt schlechte Ernte in 2018
  • geringere Erzeugungs-, Absatz- und Exportmengen
  • erhöhte Produktionskosten

Kein Werksverkauf in Frankreich – Standorte Cagny und Eppeville bleiben in Südzucker-Regie

Die französischen Bauern haben sich zusammengetan und wollten die beiden von der Stilllegung betroffenen Werke Cagny und Eppeville retten. Dafür unterbreiteten sie der Südzucker-Tochter Saint Louis Sucre ein Angebot in Höhe von 30 Mio. EUR.

Jetzt kam die Antwort aus der Zentrale: es sollen die Überkapazitäten abgebaut werden, denn Frankreich produziert doppelt so viel wie es verbraucht.

„Wir beenden die Zuckerproduktion nicht, um sie anderen Akteuren anzubieten, sondern um Überschusskapazitäten vom Markt zu nehmen.“

– Dr. Wolfgang Heer, Vorstandsvorsitzender der Südzucker AG [Mannheim, 23.05.2019 Pressemeldung Südzucker]

Das Geschäft bleibt demnach auch weiterhin in den Händen von Südzucker. In den kommenden Wochen wird Saint Loius Sucre den Rübenanbauern die Vertragsvorschläge für die kommenden Jahre vorstellen.

Quellen: Nordzucker, Südzucker, Saint Louis Sucre

Ernte Hoch, Preise auch hoch

Eine Seltenheit und trotzdem Realität: trotz hoher Ernteprognosen erleben wir derzeit einen Anstieg der Getreidepreise in Europa.

Woran liegt das? Wieso folgen wir auf dem alten Kontinent der Getreidepreise-Rallye aus den USA?

Kurz zusammengefasst: Schuld daran ist die Verknappung des globalen Angebots.

Die Ursache hierfür wiederum liegt größtenteils an den erwarteten Ernteausfällen in den USA. Kann die USA nicht mehr soviel produzieren wie geplant, dann profitieren die Europäer u.a. auch durch bessere Absatzmöglichkeiten sowie höhere Preise.

Was könnte diese Rallye zum kippen bringen?

  • Die Anbau- und Produktionseinbußen in den USA fallen weniger schlecht aus als befürchtet.
  • Der anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China.
  • Hohe Ernteprognosen vom Schwarzen Meer.
  • Hohe Lagerbestände.

Landwirte, liebe Kollegen aufgepasst:

Es empfiehlt sich die höheren Preise für einen Teil der neuen Ernte abzusichern.

Ein paar aktuelle Zahlen bzw. Prognosen im Überblick:

  • Die europäische Getreideernte inkl. Mais wird auf 311,4 Mio. Tonnen geschätzt. Das sind 7% mehr als im Vorjahr und damit die größte Getreideernte seit 2015 (328 Mio. Tonnen). Bei den End-Beständen und beim Export wird mit einem deutlichen Plus gerechnet.
  • Die europäische Weizenernte soll bei 143,8 Mio. Tonnen liegen. Das sind 12% mehr als im Vorjahr. Die Endbestände sollen um 4,6 Mio. Tonnen wachsen.
  • Die europäische Gerstenernte (Winter- plus Sommergerste) soll bei 60,7 Mio. Tonnen liegen. Das sind 5 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr. Die Gerstenexporte sollen sich auf 8,8 Mio. Tonnen belaufen. Die Endbestände sollen auf 8,3 Mio. Tonnen steigen.

Quelle: Europäische Kommission, Juni-Prognose

Trend erkannt und angewandt – HofladenBOX bietet regionale Lebensmittel per Knopfdurck

Wir kaufen längst nicht nur Offline im Supermarkt oder beim Bauer ein, sondern auch Online. Deshalb boomen ja die etlichen eCommerce-Plattformen. Die bekanntesten davon sind die beiden Giganten Amazon und Alibaba (China).

Wer eCommerce mit Regionalität, Bio und Nachhaltigkeit kombiniert hat den Erfolg fast schon in der Tasche.

Und genau das haben zwei berufstätige Mütter aus dem Landkreis Fürth (Franken) mit ihrer Firma HofladenBOX auf die Beine gestellt. Birgit Wegner und Mareike Schalk haben diese Marktlücke rechtzeitig erkannt. Wie es zur Gründung kam, erfahrt Ihr in dem nachfolgenden Videobeitrag.

Quelle: BR Unser Land, YouTube

Das ganze funktioniert recht simpel.

  1. BEQUEM: Kunde geht auf die Webseite von HofladenBOX und bestellt die gewünschten regionalen Lebensmitteln im Online-Shop.
  2. REGIONALITÄT: Landwirte aus der Region bringen ihre frische Ware zur Verpackungsstation.
  3. In der Scheune werden anschließend die individuellen Hofladen-Boxen gepackt.
  4. Lieferungen erfolgen zur Abholstation oder zum Kunden direkt nach Hause (regional begrenzt).
  5. NACHHALTIG: Jeder Karton trägt die Aufschrift „Bring mich zurück“, da diese wiederverwendet werden. Selbstverständlich kann man auch die Glasbehälter (Joghurt, Milch) zurückbringen, weil diese ebenso wieder eingesetzt bzw. befüllt werden können.

Man braucht kein Genie sein, um ein tolles Konzept auf die Beine zu stellen. Man muss Probleme erkennen und diese aktiv anpacken. Je mehr Probleme man löst und je mehr Menschen man hilft, umso besser läuft das Geschäft.

Getreide Top, Zuckermarkt Flop

Es wid ein schweres Jahr für die Rübenbauer, mal wieder. Seit dem Wegfall der Quote hat sich tatsächlich sehr viel verändert. So ist es nunmal in einer ‚freien‘, globalen Marktwirtschaft und jammern bringt uns eh nicht weiter.

Erholt sich der Zuckermarkt – was glaubt Ihr? Habt Ihr einen Teil Eurer neuen Getreideernte zu den aktuellen Preiskonditionen gesichert oder glaubt Ihr wird der Preis noch weiter steigen?

Hofladen Direktvermarktung - Internetpraesenz ist Pflicht

Hofladen Direktvermarktung: Internetpräsenz ist Pflicht

Sie haben einen erfolgreichen Hofladen? Dann wissen Sie recht gut, was „draussen“ los ist. Supermärkte und Discounter führen einen harten Kampf um Kunden an sich zu binden. Jegliche Marketingwaffen werden eingesetzt, um einen immer anspruchvolleren und informierten Kunden in die Läden zu locken.

Wer sich dafür entscheidet direkt auf dem Bauernhof einzukaufen, erwartet nicht nur hohe Qualität, sondern auch ein besonderes Einkaufserlebnis. Die Prinzipien des Marketings greifen auch in diesem Fall:

  • Was tun um sich von der Konkurrenz abzuheben?
  • Was sollte man bei der Gestaltung, Führung und Vermarktung eines Hofladens beachten?

Die Kollegen von agrarheute.com haben einen spannenden Beitrag zur erfolgreichen Vermarktung eines Hofladens veröffentlicht. Der Artikel enthält 10 wertvolle Tipps zur optimalen Gestaltung, Führung und Direktvermarktung eines Hofladens. Diese wiederum stammen von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz sowie vom Werbe-Spezialisten Dirk Gieschen.

Hofladen erfolgreich betreiben & vermarkten

Die nachfolgend aufgeführten Tipps sind ein Mix aus dem Originalbeitrag ergänzt durch unsere eigenen Erfahrungen. Die Reihenfolge wurde ebenfalls verändert.

1. Internetpräsenz ist Pflicht.

Die Weltbevölkerung beträgt zur Zeit 7,2 Milliarden Menschen. Hiervon haben 2,8 Milliarden Menschen einen Internetzugang. Das entspricht einer Penetration von 39%. Wer also der Meinung ist, dass Internet weiterhin ignorieren zu können, begeht einen großen Fehler!

Eine Internetpräsenz ist demnach Pflicht nicht nur für Supermärkte, Discounter und Bioläden, sondern auch für den guten Hofladen. Ihr Hofladen muss im Internet zu finden sein.

Das Angebot, die Anfahrtbeschreibung, die Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten sind Pflicht, interessante Fotos wären gut, ausführlichere Informationen zum Hof machen Ihren Hofladen interessant. Die Webadresse gehört auf alle Werbemittel, in Anzeigen und auf das Schild an der Straße.

Agrarbetrieb Geschenk Landwirte 02

2. Auf Ihren Hofladen aufmerksam machen.

Bleiben wir noch in der Vermarktungsphase mit diesem und dem nächsten Tipp. Wie wir alle wissen, passiert ohne Vermarktung nicht viel.

Wie machen Sie auf Ihren Hofladen aufmerkam? Haben Sie einen passenden Schild an der Strasse angebracht? Sind die Schrift und das Logo auf dem Schild groß genug um aus herbeifahrenden Autos tatsächlich auch erkannt bzw. gelesen zu werden?

Es absolut wichtig, die künftigen Kunden an der Straße „abzuholen“. Steht ihr Schild wirklich dort, wo die Leute vorbei kommen und wo es gut zu sehen ist? Wenn der Hofladen nicht direkt an der Straße liegt, sollten sie am Schild einen Prospekthalter anbringen, damit der Autofahrer sich über Ihr Angebot informieren kann.

3. Laden Sie die Presse ein.

Betrachten Sie die Presse als Ihren Freund. Pressemitarbeiter sollten die besten Alliierten Ihres Hofladens werden. Während Supermärkte Millionen von Euros in Werbung und Presseveröffentlichungen stecken, haben Sie die Chance Ähnliches, nur viel besser – nämlich KOSTENLOS, zu erzielen.

Fragen sie bei der Zeitung oder dem Anzeigenblatt nach, ob sie nicht einmal die neue Ernte, die neuen Gestecke oder den neuen Wein probieren wollen. Arrangieren sie dabei ein interessantes Fotomotiv. Wenn im Gegenzug die Schaltung einer Anzeige verlangt wird –  warum nicht, wenn dafür die Veröffentlichung sichergestellt ist, lohnt sich das fast immer.

4. Ladenstandort ist ausschlaggebend.

Das wichtigste Kriterium beim Kauf einer Immobilie ist die Lage bzw. der Standort. Das Gleiche gilt auch bei der Standortwahl eines Hofladens. Sie wollen von Anfang an erfolgreich aufgestellt sein? Dann sollte Ihr Hofladen eine Top Lage haben.

Der Standort sollte erfahrungsgemäß nicht mehr als ein bis zwei Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt sein. Der Laden sollte an der Hofstelle zentral und gut zugänglich sein. Außerdem sollte er weit genug von Stallungen, Fahr- und Güllesilos weg sein, um Gerüche zu vermeiden. Ausreichende Parkmöglichkeiten sollten zudem vorhanden sein (Richtzahl: mind. 2 Stellplätze bzw. ein Stellplatz je 30 bis 40 m² Verkaufsfläche).

5. Gute Atmosphäre ist essentiell.

Der Kunde von heute erwartet beim Besuch des Hofladens eine tolle Einkaufsatmosphäre. Wer laute Musik, Einkaufswagen-Rallys und Co. erleben will, der geht in die großen Verbrauchermärkte. Wer hingegen Wert auf Natur, Pflanzen und Tiere legt, der besucht die Einkaufsstätte „Bauernhof“.

Die Einkaufsstätte „Bauernhof“ muss optisch und hinsichtlich der Einkaufsatmosphäre spürbar sein. Dazu gehört nicht nur der eigentliche Hofladen, sondern der gesamte Hof. Daher sollte der Hof ansprechend gestaltet sein (z.B. Pflanzbeete oder -kübel, Hofbaum, Fassadenbegrünung, Hausrebe, gemütliche Sitzecke, Spielbereich für Kinder).
Agrarbetrieb Geschenk Landwirte 03

6. Umfassendes Eigensortiment.

Wer den Hofladen betritt, erwartet ein umfassendes Sortiment aus eigener Produktion. Alles andere kann er doch auch bei Rewe, Edeka & Co. besorgen.

Je mehr Produkte aus der Eigenproduktion stammen, desto besser. Um ein umfassendes Sortiment anzubieten, kann jedoch das Angebot mit Produkten aus der Region erweitert werden. Hier ist zu überlegen, ob man Produkte anderer Betriebe einkauft oder sich zu einer Erzeugergemeinschaft zusammenschließt und die Erzeugnisse über einen gemeinsamen Hofladen vertreibt.

7. Volle Regale wirken besser.

Professionalität und Intelligenz sind bei der Regalbestückung von großem Vorteil. Halbleere bzw. leere Regale wirken nicht nur in den Supermärkten schlecht, sondern auch beim Hofladen. Bedarfsdeckung, Mindestbestand und Haltbarkeit sollten feste Bestandteile des Hofland-Wörterbuchs sein.

Im Verkaufsraum muss von jedem Produkt eine gewisse Menge vorrätig sein. Halbvolle Kisten und leere Regale wirken negativ. Der Mindestbestand eines Produktes im Laden orientiert sich an der Haltbarkeit. Bei haltbaren Produkten sollte der Bedarf mehrerer Verkaufstage gedeckt werden können. Beim Bestücken von Regalen und sonstigen Warenträgern sollten Grifflücken bleiben, da diese verkaufsfördernd wirken.

8. Verkaufsraum ausleuchten und gut aufteilen.

Lieben Sie Sport? Dann sind Sie sicherlich bei Metro, Globus und Kaufland gut aufgehoben. Nicht jeder liebt es sich zu strecken bzw. auf Regalen hochzuklettern, um an die Waren heranzukommen die er im täglichen Leben benötigt. Achten Sie bei der Gestaltung Ihres Hofladens deshalb besonders auf Regalhöhe, Breite der Gänge und Ausleuchtung.

Beim Rundgang durch den Laden sollte der Kunde alle Produktgruppen passieren. Er sollte sich schnell einen Überblick über das Sortiment verschaffen können. Enge Gänge und hohe Regale, die die Sicht versperren, sind ungeeignet. Hauptwege sollten zwischen 1,5 und 2 Metern breit sein, zwischen Warenträgern genügen 1 bis 1,5 Meter. Absatzstarke Produkte gehören möglichst in den hinteren Teil des Ladens. Wichtig ist eine gute Ausleuchtung des Hofladen.

9. Setzen Sie auf Aktionen.

Egal ob Sie neu sind oder bereits ein „alter Hofladen“: Plakate, Handzettel und Banner wirken. Verknüpfen Sie die Kraft der Onlinewelt mit den altbewährten Vermarktungsstrategien der Offlinewelt und Sie werden Ihrer Konkurrenz einen großen Schritt voraus sein.

Es muss nicht immer gleich der kreisweit bekannt gemachte „Tag des offenen Hofes sein“, damit Verbraucher auf den Hof kommen. Setzen sie auf kleinere Runden und Aktionen. Laden sie künftige Kunden mit Handzetteln, Plakaten oder einem Banner zum Start der neuen Ernte auf den Hof ein. Stellen sie bei einer Tasse Kaffee die ersten neuen Kartoffeln, Äpfel oder später die Adventsgestecke vor.

10. Hofladen Info-Ecke aufbauen.

Bauen Sie eine schöne Info-Ecke mit Broschüren und weiteren Informationsunterlagen über den Bauernhof auf. Bilder haben grosse Wirkung: ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

In einem Hofladen dürfen Informationen über den Betrieb nicht fehlen. Hierfür eignet sich eine schön gestaltete Info-Ecke (mit Fotos, kurzem Betriebsspiegel, Hinweis auf Hoffest, Ankündigung von Saisonterminen und Serviceleistungen, Hofprospekt, Rezepten und Zubereitungstipps etc.). Fotos sollten Motive aus dem Betriebsgeschehen aufgreifen (möglichst mit Personen).

Was werden Sie umsetzen?

Die oben aufgeführten Tipps zeigen ihre starke Wirkung erst bei der Umsetzung. Theorie führt selten zum Erfolg, Umsetzung schon.

Welchen Tipp würden Sie zur obigen Liste hinzufügen? Welche Erfolgsfaktoren sind Ihrer Meinung nach für einen optimal funktionierenden Hofladen von Bedeutung?

 

Agrarbetrieb Geschenk Landwirte 01