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Grillenmehl jetzt auch in der EU zugelassen

Grillenmehl – jetzt auch in der EU zugelassen

Klingt Brot, Pasta und Pizza aus Grillenmehl schräg? Wohl nicht mehr allzu lang, denn die EU hat grünes Licht für die Verwendung von Grillenmehl in all diesen alltäglichen Produkten gegeben. Die Zulassung gilt erstmal für 5 Jahre.

Es scheint, als ob die Damen und Herren in Brüssel gar keinen richtigen Weihnachts- und Silvesterurlaub genommen haben, denn kaum startete das neue Jahr und prompt war das Gesetz zum Einsatz von Grillenmehl da. Für alle Interessierten, hier das Original vonseiten der Europäischen Kommission.

In Asien zählen Insekten zur Basisernährung. So wie bei uns Fleisch verzehrt wird, werden in Ländern wie z.B. Thailand oder Indonesien, Maden, Grillen und Co. verzehrt. Für mehr als zwei Milliarden Menschen sind die kleinen Lebewesen eine wichtige Proteinquelle, nicht aber hier bei uns in Europa. Das soll sich nunmehr ändern. Verkauft wird uns die „Delikatesse“ bzw. das Grundnahrungsmittel anderer Kulturen als geschmacksneutral, leicht züchtbar und mit einem hohen Nährstoffgehalt.

Lust auf einen Schnitzel mit Grillenmehl zubereitet?

Mit der Idee, Insekten und sonstige kleine Krabbeltiere zu uns nach Europa zu bringen, kokettiert die Lebensmittelindustrie schon länger. So wurde dieses Konzept bereits in Nestle’s Zukunftsstudie „Wie ist(s)t Deutschland 2030?“ dem Mainstream-Publikum präsentiert. Deshalb durften die Menschen heute nicht mehr allzu geschockt sein, wenn die bekannten Zeitungen und Zeitschriften diese kulinarische Initiative als etwas ganz Selbstverständliches und Natürliches vorstellen.

Für alle diejenigen, die neu hier auf Agrarbetrieb sind bzw. auch für meine regulären Leser, anbei eine kurze Liste mit Beiträgen, die ich über dieses Thema hier auf meinen Blog bereits veröffentlicht habe:

Die nächste Debatte, die jetzt entfacht ist, hat mit dem Ort der Züchtung zu tun. Mit den ganzen Klimadiskussionen sowie im Zusammenhang mit dem Thema Regionalität, haben sich hiesige Firmen wie z.B. auch die Österreicher von ZIRP überlegt, die Insekten direkt hier in Europa zu züchten. Damit sollen zwei „Fliegen“ mit einer Klappe geschlagen werden: die Konsumenten essen Insekten aus der Region und man muss sich nicht auf die asiatischen Supply Chains beim Thema Importe verlassen. Marketingtechnisch kommt da sicherlich noch einiges hinzu wie z.B. Umweltverträglichkeit, leichter Transport, Geschmacksneutralität etc.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Würdet Ihr einen Schnitzel essen, der in Grillenmehl zubereitet wurde?

Wie wär’s mit einem Maden-Cocktail statt einem Scampi-Cocktail?

Oder einem Insektenburger statt dem gewohnten Double-Cheese-Beef-Burger?

Wenn der Konsument weiß, was er zu sich nimmt und darüber ausgiebig informiert wurde, dann halte ich es für eine gute Sache. Allerdings, wenn wir bald ins Restaurant gehen und auf der Menükarte diese kleinen Details nicht stehen, so wie es oft auch bei Allergenen der Fall ist, dann halte ich es für sehr schädlich.

Ich bin gespannt, wie viele Europäer bald Allergien auf Insekten und Co. entfalten werden und wie unsere überlasteten Gesundheitssysteme mit dieser neuen Problematik, insbesondere bei Kinder und Jugendlichen, klar kommen werden. Ich frage mich, wie viele diese Seite der Medaille durchleuchtet haben. Bei der stetig steigenden Anzahl an Lebensmittelallergiker und Menschen mit jeglichen Intoleranzen, finde ich es äußerst wichtig, dieses Thema im voraus schon anzupacken und nicht erst darauf zu warten, bis jemand sein wertvolles Leben daran verliert.

Züchtung als Verkaufsargument

Wir merken bereits, wie die ersten Firmen, die gesamte Diskussion auf die Züchtung lenken. Regionalität soll auch hier als Verkaufsargument verwendet werden. Schließlich wollen wir ja die hiesige Wirtschaft und die heimischen Unternehmen unterstützen.

Wie so eine Insektenfarm aussehen kann, sehen wir im nachfolgenden Videobeitrag. Es handelt sich hierbei um Nordamerikas größte Grillenfarm, bei welcher über 50 Millionen Grillen pro Woche geerntet werden.

Quelle: Insider Business, YouTube

Eins der größten Hürden für uns Europäer ist sicherlich die Idee, so ein kleines, bewegliches Tier zu essen. Für viele ist alleine schon die Vorstellung absolut eckelerregend. Andere wiederum würden nie auf die Proteinquelle Fleisch verzichten, um diese mit Insekten zu ersetzen. Da bedarf es jede Menge Aufklärung.

Bald dürfen wir Kuchen, Torten, Cookies, Chips, Schokobars und sonstige Snacks aus Grillenmehl zu uns nehmen. Wie viele die Inhaltsangaben wirklich lesen werden, bleibt abzuwarten. Ob der Handel gezwungen sein wird, dieses „kleine“ Detail gesondert auszuweisen und vor allem, wie lange, werden wir wohl alle live erleben. Wie es so schön heißt: auf zu neuen kulinarischen Ufern; lasst Euch überraschen.

Bildquelle: Foto von Primal Future auf Pixabay

Bei Billa gibt es jetzt Insektenburger

Bei Billa gibt es jetzt Insektenburger

Nachdem im Mai 2021 die Zulassung von Mehlwürmern in der EU erfolgte, heisst es jetzt Insektenburger und Co. an den Mann bringen. Die österreichische Rewe-Tochter prescht vor: nachdem die ersten Insektenburger bei der Rewe Deutschland in 2018 zu kaufen gab, sollen nun in über 800 Filialen von Billa und Billa Plus „leckere“ Patties aus Buffalowürmern für die nächste Grillparty bereit stehen.

Wir sind also soweit; die Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel und CO2-Ausstoß nehmen immer größere Dimensionen an und wiederfinden sich in allen Bereichen unseres Lebens. Wer dachte, dass die Lebensmittelbranche davon verschont bleibt, glaubt immer noch an eine heile Fantasywelt.

Als treuer Agrarbetrieb-Leser, weisst Du, dass ich dieses „Terrain“ schon seit ein paar Jahren vorbereite, damit sich der Schock in Grenzen hält. Bereits in 2015 berichtete ich in dem Artikel „Gegrillte Heuschrecken und Mader: So isst Deutschland in 2030“ über die Zukunftsstudie des Lebensmittlekonzerns Nestle und teilte die wichtigsten Erkenntnisse der Studie mit Euch. In 2017 schrieb ich den Beitrag „Sind Insekten das Nahrungsmittel der Zukunft?“ und wies darauf hin, dass wir die asiatischen Leckerbissen bald auch bei uns auf dem Teller wiederfinden werden. Im Mai diesen Jahres berichtete ich in dem Artikel „Jetzt heißt es Mehlwürmer essen“ über die EU-Zulassung für Mehlwürmer und lenkte Eure Aufmerksamkeit auf die bevorstehenden Listungen im Lebensmitteleinzelhandel.

Was hat es also mit dem österreichischen Insektenburger auf sich?

Das mit dem Label „Eat for Future“ Burger Patty ist ein Produkt des Wiener Lebensmittelproduzenten ZIRP Insects. Der neuartige Burger besteht zu 40% aus Buffalowürmern sowie einer Kombination aus Erbsenprotein, Champignons und einer eigens kreierten Rezeptur. Der Burger soll dezent-nussig und herzhaft-saftig schmecken. Es imitiert zwar Fleisch hat jedoch nicht den Anspruch diesen 1:1 zu ersetzen. Somit wird eine neue Kategorie geschaffen, das neben Fleisch- und plant-based Produkten einen gesonderten Platz im Regal findet.

Verkauft werden die Burger-Pattys in 200 Gramm-Packungen zu je zwei Stück im Tiefkühlregal.

Quelle: ZIRP Insects, YouTube

Wer isst Insektenburger?

Die kleinen Krabbeltiere werden uns als Proteinbomben verkauft. Glaubt man der Welternährungsorganisation FAO, dann sind weltweit knapp 1.900 Insektenarten essbar. Ach ja, und der leicht nussige Geschmack soll auch ein absoluter Überzeugungsfaktor sein, soweit der Sales-Pitch.

Aber wer ist die Zielgruppe für Insektenburger, Insekten-Snacks und Co? Lässt sich ein waschechter Fleischesser der von plant-based Produkten nichts hören will von sowas überzeugen? Kann man Vegetarier die oft aus ethischen Gründen auf den Verzehr von Fleisch und Fisch verzichten, überzeugen Grillen, Würmer und Heuschrecken zu essen?

Bei Metro Cash & Carry kann man schon seit ein paar Jahren Speise-Insekten und Insektenprodukte aus Mehlwürmer, Buffalowürmer, Grillen und Heuschrecken kaufen. Die Verkaufszahlen von Metro kenne ich nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dies aktuell mehr als ein Nischenprodukt ist. Ich bin jedoch überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren vieles ändern wird. Das verdanken wir der Werbetrommel, den Massenmedien und dem Einzelhandel, die gemeinsam alles tun werden, um diese Produkte zu pushen.

Die wichtige Frage die sich stellt ist folgende: Wer profitiert davon?

Im Falle des Kunstfleisches kennen wir die Profiteure. Es sind die Milliardäre Bill Gates und Richard Branson sowie große Konzerne wie Cargill und das Pharmaunternehmen Merck.

Diejenigen die gerne Neues probieren, werden sich auf diese neuartigen Produkte stürzen, das ist ganz klar. Die Frage ist, wie viele davon die Insektenburger wieder kaufen werden. Auch jene die in Thailand, Indonesien und Co. auf Strassenfeste zu gegrillte Heuschrecken griffen, werden diese Erlebnisse gerne wieder aufrufen wollen. Was die Massen anbelangt, da bin ich kurzzeitig skeptisch. Langfristig jedoch wissen wir alle, dass man das Konsum- und Essverhalten der Menschen sehr wohl ändern kann.

Probieren schadet nicht

Bist Du bereit Dich auf den Insektenburger einzulassen?

Probieren schadet nicht, wobei Eckelgefühle und Ethik bei der Entscheidung eine wichtige Rolle einnehmen. Ich bin etwas gespalten, denn einerseits haben wir ein gewaltiges Problem mit dem Thema Insektensterben und andererseits soll ich die kleinen Viecher jetzt essen?

Sicher handelt es sich hierbei um verschiedenste Insektenarten, die gezielt gezüchtet werden und ich verstehe auch die Dringlichkeit die bald fast 9 Milliarden Erdbewohner zu ernähren, aber ist das eine viable Lösungsalternative?

Letzten Endes entscheidet jeder für sich.

Appetit auf einen Insektenburger?

Bildquelle: Foto von Szabo Viktor auf Pexels

Jetzt heisst es Mehlwürmer essen

Jetzt heisst es Mehlwürmer essen

Mehlwürmer haben in der EU die Zulassung als Lebensmittel erhalten. Der formellen Entscheidung der Brüsseler Behörde steht nichts mehr im Weg. In Asien sind Insekten auf jeder Strassenecke als Snack, Hauptgericht, Beilage oder sogar Cookie zu geniessen. Nun sollen sie auch den Europäern den Appetit anregen. Wird das gelingen?

Als ich im Frühling 2015 den Beitrag Gegrillte Heuschrecken und Mader: So isst Deutschland in 2030 in Anlehnung an der vom größten Lebensmittelkonzern Nestle durchgeführten Studie „Wie is(s)t Deutschland 2030?“ schrieb, betrachteten das die meisten Leser als Utopie. Heute wo es nun aus Brüssel heisst, dass wir unser Lieblingsschnitzel oder ein Stück Steak mit einer „Mehlwürmer-Pampe“ austauschen können, ist das Ganze bittere Realität geworden.

Verkauft werden uns die Mehlwürmer als wichtige Proteinquelle und nachhaltige Ernährung. Sie sollen gemäß EU-Kommission als Snack oder Zutat z.B. in Nudelprodukten oder Keksen verwendet werden. Ob es dabei bleibt, werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass die Marketingmaschine bald so richtig angeschmissen wird, um uns diesen „gesunden“ neuen Ernährungs- und Lebensstil salopp formuliert, zu verkaufen.

Wenn Ihr die entsprechende Nachricht in den News verpasst habt, hier ein kleiner und sehr knapp gehaltener Überblick von Euronews.

Quelle: euronews (deutsch), YouTube

Quellen: EU-Kommission, Nestle

Mehlwürmer und Co. als Klimaretter?

Wenn wir also keinen Fleisch mehr verzehren, sondern stattdessen auf Kunstfleisch bzw. Fleisch aus dem Reagenzglas oder Insekten umsteigen, dann retten wir den Planeten — so die Message in den Mainstream Medien.

Sicherlich bieten Insekten eine interessante Ernährungsoption, das will ich gar nicht bestreiten. Gleichzeitig häufen sich bei der ganzen Initiative folgende Fragen:

  • Sollen jetzt 8 Milliarden Menschen auf Insekten, Kunstfleisch und Co. umsteigen weil XYZ-Studien das irgendwo simuliert haben?
  • Wer sind die großen Profiteure dieser „Umstellung“? Bei Kunstfleisch wissen wir dass Investoren wie z.B. Bill Gates und Richard Branson bzw. große Konzerne wie z.B. Cargill (Agro) oder Merck (Pharma!) ganz vorne mitspielen und den Trend bestimmen.
  • Wer finanziert diese Studien und was ist die wahre Intention dahinter?

Von Spekulationen halte ich nichts; ich bin ein Mensch harter Fakten und Zahlen. Als Landwirt setze ich großen Wert auf Nachhaltigkeit, denn ich erlebe jeden Tag live, wie unsere Bienenpopulation sinkt bzw. dass immer weniger Regenwürmer und andere Kriech- und Krabbeltiere unsere Felder besuchen.

Wie wichtig die Qualität unserer Ackerfelder ist bei der ganzen Geschichte, braucht mir kein Professor oder Wissenschaftler erzählen. Welche Auswirkungen die erhöhte Urbanisierung, der Trend Richtung Mega Cities, der Fokus auf Konsum, die Abholzung der Wälder rund um den Globus, die Verschmutzung der Meere (insb. mit Plastik) etc. auf unseren Planeten haben, sollte mittlerweile jedem klar und deutlich sein.

Wenn diese zu den Hauptverursacher zählen, wieso wird das Essensmenü adjustiert? Sollen Mehlwürmer und Burger aus Kunstfleisch Mutter Gaia retten?

Ich überlasse die Laborfleischexperimente den Forschern und den oben aufgeführten Akteure. Wie die langfristigen Auswirkungen auf das menschliche DNA aussehen werden, wird der eine oder andere von uns noch miterleben.

Hier auf Agrarbetrieb freue ich mich jedes Mal wenn ich praktikable Lösungen und Alternativen mit Euch teilen kann. Beispiele:

Des weiteren liegt es mir am Herzen, Euch über die neuesten Trends und Entwicklungen zu informieren — egal ob diese in die gute oder eher schlechte Richtung gehen. Diesen dualen Stempel überlasse ich jedem einzelnen von Euch.

Der nachfolgende Beitrag von PULS Reportage passt wie die Faust aufs Auge. Viel Spass beim „Insekten essen: Fleischersatz und Klimaretter – funktioniert das im Alltag?“

Quelle: PULS Reportage, YouTube

Bereit einen Quiche mit Mehlwürmern zu probieren?

Werden Europäer ihr Fleischkonsum mit Insekten substituieren? Können wir unser Gehirn beim Essen dieser Speisen ausschalten oder müssen wir die kleinen Tierchen klug verpacken bzw. als Zutat verstecken?

Ich gehe davon aus, dass wir bei Edeka, Rewe, Aldi und Co. recht bald unterschiedliche Insekten-Speisen entdecken werden. Wenn die Margen gut sind, dann wird der Handel nicht zurückschrecken diese Produkte zu listen. Wenn das „Zeug“ im Regal steht und das Marketingturbo eingeschaltet wird, dann werden die Konsumenten zugreifen — das steht ausser Frage.

Paradoxerweise fällt mir hierzu ein Zitat von Steve Jobs (Gründer von Apple) ein:

„Es ist wirklich schwer, Produkte für Zielgruppen zu entwickeln. Sehr oft wissen die Menschen gar nicht was sie wollen – bis du es ihnen gezeigt hast.“

— Steve Jobs

Lust auf einen Burger mit Mehlwürmer oder bevorzugst Du lieber eins mit Kunstfleisch? Bist Du ein waschechter Fleischkonsument der nichts von diesen sogenannten „Pseudo-Alternativen“ hält?

Bildquelle: Foto von katerinavulcova auf Pixabay 

Das Honig Experiment

Das Honig Experiment: Manuka gegen die restliche Welt

Ein Honig Experiment jagt dem nächsten. Anscheinend will jedes Land beweisen, dass es den besseren Honig hat. Die Power-Wirkung des seit Jahren stark vermarkteten Manuka Honigs wird in Frage gestellt. Das was die Neuseeländer anbieten, sollen auch andere können.

Wurdest Du von einer Biene oder einem Insekten gestochen? Kein Problem, Honig drauf.

Hast Du Halsschmerzen? Einen Löffel leckeren Honig nehmen und schon geht’s einem besser.

Dass Honig heilende Kräfte hat, wussten nicht nur die Ureinwohner Neuseelands, die seit eher Honig verwendeten, um ihre Krieger zu verarzten. Verbrennungen, Wunden, Entzündungen, Erkältungen und sogar Magen-Darmbeschwerden – das und mehr kann man (bis zu einem gewissen Grad) auf natürlicher Weise mit z.B. Manuka Honig heilen.

Lange Zeit wurde die Wirkung von Honig von der westlichen Medizin belächelt. Heute lacht das „medizinische Establishment“ nicht mehr. Die antibakterielle und antientzündliche Wirkung von Honig ist mehrfach bewiesen worden. Siehe hierzu die mehr als 650 wissenschaftliche Studien zu Manuka Honig veröffentlicht in der US National Library of Medicine.

Warum spielt Honig eine immer wichtigere Rolle in unserem Leben?

Warum rückt das Thema Bienensterben immer stärker ins Bewusstsein der Menschen?

Bei der Beantwortung der ersten Frage fällt mir direkt folgender Begriff ein: Antibiotikaresistenz.

Eins der größten Probleme (wenn nicht sogar die #1 Herausforderung) der modernen Medizin und damit der Menschheit ist, dass Antibiotika nicht mehr so wirken wie sie sollten.

Die Bakterien / Keime werden immer stärker, sie mutieren, sie adaptieren sich super schnell an die neuen Gegebenheiten und die Ärzte haben keine Lösungen mehr parat. Man rotiert zwischen unterschiedlichen Antibiotika, man erhöht die Dosis und der Patient reagiert trotzdem nicht auf die Therapie. Was nun? Wie lange ist man noch bereit das zu ignorieren, was uns die Natur bietet?

Die zweite Frage lässt sich meiner Meinung nach am besten mit einem Zitat von Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein beantworten:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

– Albert Einstein

Warum dieser große Hype um Manuka Honig?

Der Manuka Honig und seine Heilwirkung sind eine Entdeckung der Neuzeit. Mitte des 18. Jahrhunderts begleitete der aus England stammende Botaniker Joseph Bank (1742-1820) den berühmten Seemann James Cook auf einer Weltumsegelung und entdeckte die heilenden Kräfte des neuseeländischen Honigs Manuka.

Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem Manuka Honig seit rund 30 Jahren. Zu den in zahlreichen klinischen Studien erforschten Wirkungen zählen unter anderem:

  • antibakteriell => verantwortlich hierfür ist das Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO)
  • antiviral
  • entzündungshemmend
  • keimabtötend
  • desinfizierend
  • antimykotisch
  • hautklärend
  • stärkt das Immunsystem

So kommt es, dass Manuka Honig immer häufiger für eine große Zahl an Anwendungen auch in der Medizin genutzt wird.

Das brachte die Wissenschaftler dazu, das sogenannte Medihoney™ (medizinischer Honig) zu entwickeln. Dieser wird zur äußerlichen Wundbehandlung und Wundpflege verwendet. Der Unterschied zum herkömmlichen Manuka Honig besteht in der nachträglichen Behandlung mit Gammastrahlen zur Sterilisierung. Seit 2004 ist Medihoney™ CE-zertifiziert und im europäischen Raum für medizinische Zwecke zugelassen.

Neueste Studien zeigen darüber hinaus, dass der Superkeim MRSA am erfolgreichsten in der Kombination Rifampicin (Antibiotikum) und Manuka Honig / Medihoney™ behandelt werden kann. Auch im Bereich der Onkologie und damit in der Krebsbekämpfung findet Manuka Honig verstärkt Anhänger.

Dr. Hiroshi Maruta von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf untersuchte den Wirkstoff CAPE (Kaffeesäurephenylethylester) welches für die Hemmung von Krebszellenwachstum verantwortlich ist. CAPE ist im neuseeländischen Manuka Propopolis im Vergleich zu anderen Honigsorten sehr hoch.

Quelle: Manukahealth, YouTube

Das Honig Experiment aus 2018: Irischer Honig ist genauso stark wie Manuka Honig

Wenn man seit langer Zeit den ersten Platz belegt, dann dauert es nicht lange bis die nächsten „Gold-Medaillen“ Anwärter an den Türen klopfen.

Ende 2018 veröffentlichte das Forscherteam des Trinity und Dublin City University eine Studie, in der die Wissenschaftler die gesundheitlichen Vorteile des irischen Heidehonigs präsentierten. Sie fanden heraus, dass der irische Heidehonig ähnlich starke Antioxidantien, sogenannte Phenolverbindungen, vorweist wie Manuka Honig.

Des weiteren wurde festgestellt, dass die mehrblumigen Honige die von städtischen Bienen produziert wurden, einen höheren Gehalt an antioxidativen Phenolverbindungen aufweisen als die ländlichen Honige. Der Grund hierfür liegt möglicherweise in der Blütenvielfalt.

Im Rahmen des Experiments wurden 131 irische Honigproben an 78 Standorten in ganz Irland direkt von Imkern gesammelt. Die Mehrheit waren mehrblumige Honige (124 Proben) aus städtischen und ländlichen Gebieten. Drei Proben waren Heidehonige, zwei waren Efeuhonige und zwei Rapshonige.

Die Ergebnisse wurden in der renommierten Zeitschrift Food Chemistry veröffentlicht.

5 Jahre langer Honig Experiment: Australischer Honig gegen Manuka Honig

Die Iren sind nicht die einzigen die derartige Studien durchgeführt haben.

Die „Rivalen“ vom Nachbarkontinent Australien sind schon seit längerem dabei zu beweisen, dass ihre Honige genauso wirkungsvoll sind wie die neuseeländischen Manuka Honige. Ein ausführlicher Bericht der ABC News aus Oktober 2019 berichtete über die Ergebnisse einer 5-jährigen Studie der Technischen Universität in Sydney in Kooperation mit der Universität Sunshine Coast, indem bewiesen wurde, dass die australischen Heidehonige den neuseeländischen gleichwertig oder sogar besser sind.

Der Kampf der australischen Imker geht also weiter.

Wissenschaftliche Studien

  • Manuka Honig in der medizinischen Literatur, PubMed / PMC in der US National Library of Medicine, NCBI.
  • Medihoney™ in der medizinischen Literatur, US National Library of Medicine.
  • „Rifampicin-Manuka Honey Combinations Are Superior to Other Antibiotic-Manuka Honey Combinations in Eradicating Staphylococcus aureus Biofilms“, veröffentlicht am 11. Januar 2018, PubMed, US National Library of Medicine.
  • „Intravenous Administration of Manuka Honey Inhibits Tumor Growth and Improves Host Survival When Used in Combination with Chemotherapy in a Melanoma Mouse Model“, veröffentlicht am 7. Februar 2013, PubMed, US National Library of Medicine.
  • Die Eigenschaften und Wirkungen von Malaysischem Honig im Vergleich zu Manuka Honig, PMC in der US National Library of Medicine.
  • Dr. Hiroshi Maruta, Forschung zu CAPE und Manuka Propolis, BIO30.
  • „Health benefits of Irish heather honey comparable to those of Manuka honey“, September 2018, Trinity College Dublin.
  • „Physicochemical properties and phenolic content of honey from different floral origins and from rural versus urban landscapes“, Food Chemistry, Volume 272, Pages 66-75, 30 January 2019, in Science Direct.
  • „Active Australian Leptospermum Honey: New sources and their bioactivity“, veröffentlicht am 22 Oktober 2019, ISBN: 978-1-76053-058-7, erhältlich bei AgriFuture Australia.

Unterstützung für die heimischen Honige

Die heilenden Eigenschaften von Honig waren nicht nur den Maori (Ureinwohner Neuseelands) bekannt, sondern auch den alten Ägyptern. In Kriegen wurden Wunden mit Honigtinkturen behandelt. Dann kamen die ersten Antibiotika auf den Markt und man vergaß über Honig. Das Naturheilmittel wurde verdrängt. Heute wo die westliche Medizin in vielen Bereichen an ihre Grenzen gestoßen ist, erlebt der Honig einen Revival.

Jawohl, Manuka Honig ist eine starke „Brand“ sozusagen und profitiert von einem ausgezeichneten Marketing. Jahrelang haben die Neuseeländer dafür gekämpft, dass ihr Honig weltweit für seine außergewöhnliche Heilwirkung anerkannt wird. Das haben sie geschafft.

Kein anderes Land und kein anderes Honig hat so viele klinische Studien vorzuweisen wie der neuseeländische Manuka Honig. Unsere heimischen Honige mögen genauso toll, lecker und wirkungsvoll sein, aber uns fehlen die zahlreichen Studien.

Bedeutet das, dass wir aufgeben und zukünftig nur noch zum teueren Manuka Honig greifen sollen?

Nein, auf keinen Fall.

Ganz im Gegenteil, wir sollen unsere heimischen Honige unterstützen und dafür sorgen, dass ihre Wirkungen stärker untersucht und für medizinische Zwecke eingesetzt werden. Das nächste Honig Experiment wartet irgendwo auf der Welt sicher auf seine Veröffentlichung.

Pflanzenschutzmittel und Insektensterben

News: Pflanzenschutzmittel, Insektensterben, Verbrauchererwartungen

In wenigen Wochen heißt es goodbye Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Flurtamone. Damit sind ein paar weit verbreitete Getreideherbizide und -fungizide nicht mehr zugelassen. Der Industrieverband Agrar e.V. (IVA) spricht von „gravierende Eingriffe in Eigentumsrechte der Landwirte“.

Die drei Getreideherbizide Bacara, Bacara Forte und Cadou Forte dürfen bis zum 27. Dezember 2019 weiter verkauft und müssen bis zum 27. März 2020 aufgebraucht werden. Zum 30. April 2019 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auch die Zulassung aller Getreidefungizide mit dem Wirkstoff Fenpropimorph widerrufen. Die vier Präparate Corbel, Diamant, Juwel Top und Opus Top müssen bis zum 30. Oktober 2019 verkauft und bis zum 30. Oktober 2020 aufgebraucht werden.

Da die Zulassung für Capalo planmäßig am 30. April 2019 endet, ist kein gesonderter Widerruf nötig. Selbstverständlich gelten auch hier die genannten Abverkaufs- und Aufbrauchfristen.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Es handelt sich hierbei um eine EU-weite Entscheidung. Es heißt:

„Im Verfahren zur Erneuerung der Genehmigung konnten Risiken für Verbraucher und die Umwelt nicht abschließend bewertet werden.“

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Deshalb haben sich die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten darauf geeinigt, die Genehmigung nicht zu erneuern. So kommt es, dass bestehende Zulassungen widerrufen werden müssen.

Windräder: Tolle Energiequelle und gleichzeitig schuldig am Insektensterben?

Der starke und langanhaltende Wind in Deutschland hat einem besonders gut getan: den Windrädern.

Seit Jahresbeginn haben die großen spinnartigen Hochgenossen 33 Milliarden Kilowattstunden Strom geliefert. Letztes Jahr wurden die 33 Mrd. kWh erst Ende März erreicht. Sollte der starke Wind bis Ende diesen Monats anhalten, dann rechnet der Energiekonzern Eon mit 38 bis 40 Mrd. kWh im ersten Quartal.

Der diesjährige Höchstrekord wurde am 8. Januar erzielt. An diesem Tag wurden 961.000 Megawattstunden produziert.

Sollte die Windgeschwindigkeit mehr als 90 km pro Stunde betragen, also Windstärke 10, dann werden die Windräder automatisch abgeregelt und aus dem Wind gedreht.

Quelle: Handelsblatt

Als nächstes möchte ich auf eine aktuelle Studie des Instituts für Deutsche Luft- und Raumfahrtforschung (DLR) eingehen. Denn hier heißt es, dass des Ausbau von Windparks (seit 1990) für einen erheblichen Teil der Dezimierung der Population von Fluginsekten verantwortlich sind.

Am Insektensterben sind mehrere Schuldige verantwortlich, unter anderem:

  • die intensive Landwirtschaft
  • der Einsatz von Pestiziden
  • der Trend hin zur Urbanisierung und die Entstehung sog. Mega-Cities
  • der stetig steigende Verkehr und die damit einhergehende Infrastruktur
  • der Klimawandel

Nun soll also ein weiterer Faktor in die obige Liste mit aufgenommen werden: Windparks.

Das Thema Insekten- und Bienensterben ist auch so schon komplex genug, aber mit der neuen Perspektive, steigen auch die Lösungsanforderungen und -erwartungen ungemein.

Ein paar Erkenntnisse aus der Studie:

  • Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Abnahme von Fluginsekten und der Zunahme von Windparks.
  • Korrektur folgender Annahmen: (1) Fluginsekten bewegen sich fast ausschließlich außerhalb des Bereichs der meisten Windrotoren (FALSCH). (2) Insekten fliegen nicht bei hohen Windgeschwindigkeiten (FALSCH).
  • Der Insektenschlag auf den Rotorblättern der Windkraftanlagen verursacht Verschmutzungen, was wiederum zu Effizienzverlusten von bis zu 50% führen kann.
  • Die Zahl der durch die Rotoren getragenen Insekten liegt laut Modellanalyse bei etwa 24.000 Tonnen pro Jahr nach 2003.
  • Die geschätzten Verluste liegen bei durchschnittlich 5-6 Mrd. Insekten pro Tag während der warmen Jahreszeit von April bis Oktober.

Wichtig hierbei ist folgendes: diese Insektenverluste wirken sich nicht nur auf den Reproduktionsprozess negativ aus (Dezimierung der Insektenpopulation), sondern auch auf die nachfolgende Nahrungskette.

Was raten uns die Forscher?

In erster Linie weisen die Forscher darauf hin, dass ihre theoretischen Modellanalysen dringend empirisch verifiziert werden sollten. Des weiteren, sollte der Zusammenhang von Insektenmigration und Windparkbetrieb besser verstanden werden.

Weitere Maßnahmen wären das Monitoring der Insektenmigration und die Installation von „automatischen Schwarmerkennungssystemen in Verbindung mit einer entsprechenden Steuerung der Rotoren“.

Hier geht’s zur Studie.

SocialLab: so ticken Verbraucher, Landwirte und der Handel

Auf 76 Seiten versuchen Wissenschaftler aus acht Forschungseinrichtungen Antworten auf ein paar kritische Fragen zu finden.

Wie soll man mit Tieren umgehen? Was versteht der Verbraucher unter Tierwohl und was erwartet dieser von tierhaltenden Betrieben? Welche Rolle spielt der Handel als Bindeglied zwischen Landwirt / Viehzüchter und Konsument?

Das Forschungsprojekt „SocialLab“ unter Federführung des Thünen-Instituts hat am 13. März 2019 seine Ergebnisse im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgestellt.

Ein paar Ergebnisse im Überblick:

  • Verbraucher bewerten Tierwohl höher als Umweltschutz, arbeitswirtschaftsliche Ziele der Betriebe und Arbeitssicherheit.
  • Verbraucher in Deutschland legen Wert auf die Vielfalt von hochwertigen Lebensmitteln.
  • Regionalität spielt weiterhin eine große Rolle.
  • Konflikte ergeben sich beim Thema Preis: Die Mehrheit verlangt mehr Tierwohl und regionale Produkte ist gleichzeitig jedoch selten bereit dafür mehr Geld auszugeben.
  • Auffällige Diskrepanzen gibt es weiterhin zwischen Verbrauchererwartungen und -verhalten. (Beispiel: Tierwohl ja, aber mehr bezahlen nein)

Eine der Schlußfolgerungen von Bundesministerin Julia Klöckner lautet deshalb wie folgt:

Die Mehrkosten für alle oben aufgeführten Themenschwerpunkte kann nicht alleine der Landwirt tragen.

Die Verbraucher müssen mehr Verständnis für den Landwirt aufbringen und genauso gilt das auch umgekehrt. Das Schlüsselwort hier ist: Bewusstsein für die Position des anderen schaffen.

Dem Projekt ist eins recht gut gelungen, und zwar Zielkonflikte aufzuzeigen. Diese betreffen landwirtschaftliche Betriebe gleichermassen: An welchen Stellschrauben soll ich als Landwirt drehen, ohne an den Verbraucherwünschen vorbei zu produzieren? Was kann ich tun, um nicht auf den Mehrkosten sitzen zu bleiben wenn schonmal klar ist, dass der Konsument dafür nicht bereit ist zu zahlen?

Hier geht’s zur Studie von SocialLab.

Kurz noch zurück zu den Insekten

Blumenwiesen, eine bunte Vielfalt von Blumen an Wegrändern, Ackerstreifen und in Gärten – das können wir Landwirte u.a. tun, damit unsere Bienen und Insekten nicht aussterben.

Die Zeitung inFranken.de hat einen Beitrag über die Intiative „Mürscht blüht auf“ geschrieben. Zusammen mit meinem Imkerkollegen Dieter Schölzke wollen wir die Münnerstädter dazu animieren, wieder mehr Blumenkästen anzupflanzen. Wir bieten im Mai dazu auch einen Workshop an und bereiten uns damit kräftig auf das Stadtjubiläum 2020 vor.

Hier geht’s zum Artikel „Münnerstadt soll aufblühen„.

Wer Interesse an einer Blumenwiesen-Patenschaft hat, der kann mir gerne hier einen Kommentar hinterlassen oder mich direkt kontaktieren. Ich freue mich auf Eure Nachricht!

Was können wir noch gemeinsam gegen das Insektensterben tun?