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Lebensmittelpreise explodieren Selbermachen angesagt

Lebensmittelpreise explodieren – Jetzt ist Selbermachen angesagt

Die Preise für Lebensmittel explodieren weltweit und da bringt ein schneller Einkauf im Nachbarland für diejenigen, die im Grenzgebiet leben, langsam überhaupt nichts mehr. Welche Alternativen bleiben einem übrig? Wie wär’s mit Selbermachen?!

Während die Gehälter ein paar mickrige Prozente gestiegen sind (wenn überhaupt), gehen die Inflation und damit einhergehend die Benzin-, Energie-, Düngemittelpreise und Co. durch die Decke.

Wer ein bisschen Ahnung von Ökonomie hat, weiß sehr wohl, dass die verzweifelte Aktion der Zentralbanken, allen voran der Federal Reserve (FED) in den USA, absolut nichts gegen die Unmengen an Geld tun wird, mit denen die Märkte in den letzten Jahren geflutet wurden. Auch das Motto „wir kämpfen gegen die Inflation“ ist nur ein weiterer cleverer Slogan für die Massen, die das Spiel von Wall Street und der „Too big to Fail“-Institutionen bis zum heutigen Tag nicht durchschaut haben.

Kehren wir doch zu den Alltagssorgen des Otto Normalbürgers zurück, der völlig verzweifelt auf die Regalpreise und Kassenbons schaut, wenn er einkaufen geht. Immer weniger Menschen können sich die Supermärkte und Reformhäuser des höheren Preissegmentes leisten, aber auch der Discounter musste preislich nachziehen , um seinen Beitrag zur Makroökonomie zu leisten, und wird weniger erschwinglich für viele.

Was tun? Denn die Probleme kennt jeder nur allzu gut.

Für diejenigen, die nicht in einer Top-Funktion in einem Finanzinstitut arbeiten, in der man fast schon lachend auf ein an die Bevölkerung klug vermarktetes Rettungspaket im Falle eines Kollapses rechnet, ist Handeln angesagt.

Selbermachen – Ein Antidot gegen die Wegwerf-Mentalität

Wir leben in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft, in der es nur noch um Kurzlebigkeit und damit einhergehend Profite geht. Es werden weiterhin gerne chemische Elemente benutzt, um Lebensmittel zu kennzeichnen und dadurch den Konsumenten völlig im Nebel zu halten, wenn es um die tatsächlichen Inhalte geht.

Zwar gibt es mittlerweile jede Menge clevere Shopper und Konsumenten, die auf diese Tricks nicht mehr so schnell reinfallen, nichtsdestotrotz bleibt das Thema der galoppierenden Preise wie ein Damoklesschwert über den Köpfen.

Hier ein paar Tipps zum Selbermachen:

  • Selbstanbau, ob auf dem kleinen Hinterhof, im kleinen Garten oder gar im Minigewächshaus – jedes bisschen hilft
  • Indoor Farming und Teslagärten – interessante Konzepte für Stadtbewohner, die mit ihren vier Wänden auskommen müssen
  • Einlegen, Einkochen, Räuchern, Säuern, Trocknen und Fermentieren – Omas Methoden wieder anwenden, um Nahrungsmittel richtig aufzubewahren und Vorräte anzulegen
  • Zurück zum Einsatz der Kochkiste, um einerseits Energie zu sparen und andererseits, die Vitamine und Aromen besser zu erhalten
  • Exkurs: Foodsharing – statt Lebensmittel auf den Müll zu schmeißen, lieber jenen helfen, die es am meisten nötig haben

Es ist nicht jedermanns Traum, eine Vielfalt von Obst und Gemüse zu waschen, die passenden Gläser zu besorgen und zu reinigen, zu lernen wie man das ganze „Zeug“ richtig aufbewahrt, um es später zu genießen. Diese Arbeit ist alles andere als sexy, auch wenn das Endprodukt hervorragend schmeckt und obendrauf auch noch äußerst gesund ist.

Vielleicht bringen die explosionsartigen Lebensmittelpreise auch etwas Positives mit sich, nämlich, dass bei einem Großteil der Menschen ein Umdenken von Fast und Junk Food auf gesundes Essen stattfindet. Alles ist möglich.

Die weltweite Nahrungsmittelproduktion kann durch Roboter und Künstliche Intelligenz nicht ersetzt werden

Als technologiebegeisterter Landwirt finde ich die Diskussionen rundum das Thema „Technologie kann Landwirtschaft ersetzen“ nicht nur lächerlich, sondern völlig absurd. Die industrielle Landwirtschaft ist von der Natur, also vom Boden und Regen abhängig. Wir können die Böden düngen bis der Arzt kommt, Nährstoffe hinzufügen und sogar ein Liedchen beim Säen singen; wenn wir auf folgende wichtige Faktoren nicht achten, wird aus der ganzen Sache nichts:

  • Wenn nicht alle wichtigen Nährstoffe sich in der richtigen Balance befinden,
  • wenn die Witterungsverhältnisse nicht stimmen,
  • wenn die Pflanzen ein schwaches Immunsystem aufweisen und dadurch anfälliger für Krankheiten und Insektenbefall werden,
  • wenn wir die menschliche Arbeit nicht würdigen, die für die handwerklich hergestellten Lebensmittel von entscheidender Bedeutung ist,
  • wenn wir weiterhin billige Arbeitskräfte ausbeuten, den Amazonas und Co. abholzen, um jeden Fleck der Erde auszuschöpfen,

dann haben wir als Spezies wahrhaftig nicht viel gelernt.

Wir mögen alle stolz auf unsere technologischen Innovationen sein, aber wenn wir die Basis unseres Überlebens und unserer Gesellschaft nicht respektieren, dann ist mit den „billigen“ Lebensmitteln, an die sich die jüngere Generationen so sehr gewöhnt haben, ein für allemal Schluß.

Klar können einzelne „Leckereien“, zum Beispiel durch Plasma und modifizierte DNA-Strukturen, substituiert werden (siehe hierzu meinen Beitrag zum Fleisch aus dem Reagenzglas), aber ist es wirklich das, was wir wollen?

Selbermachen ist kein „outgedatetes“ Modell, sondern etwas sehr Reales. Einige werden sich freiwillig hierfür entscheiden, andere wiederum werden gezwungen sein, anders zu wirtschaften, um Essbares auf dem Tisch zu haben.

Bildquelle: Foto von Gabriella Clare Marino auf Unsplash

2022-10 Tote Lebensmittel fuer die Konsumgesellschaft

Tote Lebensmittel für die Konsumgesellschaft

In einer schnelllebigen Konsumgesellschaft, die wenig für die Natur, für die üppige Flora und Fauna übrig hat, gibt es im Endeffekt nur noch eins: clever vermarktete, tote Lebensmittel. Es muss ja letztendlich mit einem Klick am Smartphone gehen, was soll die ganze Aufregung?

Die Betreiber der Supermärkte freuen sich über höhere Margen. Die Industrie nutzt jede Menge günstige, künstliche Stoffe, um Lebensmittel herzustellen, die bunt und verlockend aussehen, gleichzeitig appetitlich riechen und gut vermarktet die Gewinne steigern. Der „alleskönnende“ Kunde, der stets mit seiner wertvollsten Waffe (seinem Smartphone) ausgestattet alles im Internet nachschauen kann, greift gerne zu alles versprechenden Fertiggerichten mit abstrakten Inhalten. Und so dreht sich das Hamsterrad munter weiter und alle sind glücklich, oder?

Das dieser Trend bzw. diese Lebensweise zu jede Menge Krankheiten führen kann, interessiert scheinbar wohl die wenigsten. Schließlich müssen Ärzte und Big Pharma ja auch etwas am Kuchen verdienen.

Neulich unterhielt ich mich mit Verwandten aus Hessen, die mit ihren Kindern an einem dieser Waldtage teilgenommen haben, die von der Schule organisiert wurden. Dieser Ausflug sorgte für jede Menge Verwunderung bei meinen Verwandten, denn nicht nur durften sie erleben, dass viele der Stadtkinder noch nie in ihrem Leben in einem Wald gewesen sind, sondern obendrauf wussten viele der Schulkameraden nicht, dass man beispielsweise Pilze im Wald sammeln kann, um sie später zu essen. Für manche Kinder war dies eine total abstrakte Vorstellung.

Draußen sein und von der Wiese essen – Ist das ein völlig veraltetes Konzept?

War’s das mit Wiesen-Sauerampfer, Löwenzahn, Rosmarin oder Kamillen- und Gänseblümchen sammeln? Sollen wir jetzt alle auf die schicken Mini-Salatgefässe im Supermarkt starren, die unter künstlicher Beleuchtung hinter einer Glasscheibe herangezüchtet werden, um später dem nichts-ahnenden Konsumenten als etwas ganz innovatives und wahnsinnig gesundes zu verkaufen?

Als großer Naturliebhaber und Landwirt blicke ich schon recht besorgt auf diese Entwicklung der Gesellschaft hin. Natürlich hat Konsum seinen Platz. Selbstverständlich spielt Bequemlichkeit eine wichtige Rolle und wenn uns die neuen Technologien darin unterstützen, uns als Menschen frei zu machen, um mehr Zeit für die kreativeren Dinge des Lebens zu haben, dann bin ich ganz dafür.

Was mir nicht gefällt, ist die Tendenz in Richtung 100% künstliche, tote Lebensmittel.

Alles was extrem ist, bringt uns als Menschen wohl früher oder später um. Egal wie clever, wie technologieaffin und fortgeschritten wir sind. Wir brauchen die Balance, genauso wie jede andere Spezies, die sich auf diesem Planeten herumtummelt.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass wir jetzt alle unseren Alltag hinschmeissen müssen, um als Gemeinschaft in den Wald, in die Berge oder in die Nähe eines Flusses zu ziehen, uns quasi lediglich von eigen angebauten Produkten zu ernähren und völlig autonom abseits leben müssen. Das ist absurd und völlig weltfremd. Wer das machen möchte, kann dies gerne tun, aber dieses Konzept auf bald 8 Milliarden umzusetzen, grenzt wohl an Utopie und Wahnsinn.

Es liegt mir sehr am Herzen, die Plattform hier auf Agrarbetrieb dafür zu nutzen, um das Bewusstsein für beide Welten zu steigern.

Auf der einen Seite haben wir tolle Ideen aus den Bereichen Vertical Farming, Urban Farming, Teslagärten und Co. und andererseits, finden wir vermehrt Schätze in den alten Traditionen wie z.B. Permakultur, Geomantie, Mikrolandwirtschaft und Fermentation, um ein paar zu nennen.

Tote Lebensmittel sind nicht die Zukunft

… zumindest nicht in meiner Welt.

Wenn wir eine gesunde Gesellschaft aufrecht erhalten möchten, und dabei sehe ich den Begriff „Gesundheit“ all umfassend, d.h. physisch, mental, spirituell etc., dann brauchen wir dringend eine andere Herangehensweise.

Die Konsumgesellschaft, so wie sie heute aufgebaut ist und funktioniert, ist dem Scheitern verurteilt. Das wissen wir nur allzu gut, auch wenn wir uns dieser Realität gerne entziehen möchten. Es sollte meiner Meinung nach, ein Mix aus diversen Alternativen und Lösungswegen angestrebt werden, und sicherlich liegen die optimalsten Wege aus diesem Schlamassel wohl irgendwo in der Mitte.

So können wir uns mit Hilfe der Innovationen im Bereich der künstlichen Intelligenz das Leben angenehmer und schöner gestalten oder uns als Spezies komplett zerstören. Andererseits, können wir durch mehr Nähe zur Natur sehr viel gewinnen, aber die Zivilisation zurück drehen und allem den Rücken zu kehren, ist sicherlich auch keine Lösung. Es liegt in unserer Hand, die vielfältigen Ressourcen, die uns Mutter Erde zur Verfügung stellt, clever zu nutzen und diese derart mit Hightech zu kombinieren, dass wir uns als Menschheit weiter entwickeln und neue Bewusstseinsebenen erreichen können.

Wer weiss, vielleicht knackt der eine oder andere dann auch den Code der Matrix und eröffnet die Tore zu neuen Dimensionen. In einer Welt voller Geheimnisse ist denke alles möglich.

Unsere Lebenskraft schöpfen wir nicht aus toten Lebensmitteln. Was sind Eure Erfahrungen? Schreibt gerne einen Kommentar mit Eurer Perspektive. Lasst uns darüber reden, denn es ist ein sehr wichtiges Thema.

Bidlquelle: Foto von Caleb Oquendo auf Pexels

Lebensmittel vs Nahrungsmittel - Wo liegen die Unterschiede

Lebensmittel vs Nahrungsmittel – Wo liegen die Unterschiede?

Wir schmeissen die Begriffe Lebensmittel und Nahrungsmittel gerne durcheinander, wissen jedoch kaum was im Detail dahinter steckt. Was zählt zu den Lebensmitteln und was verbirgt sich hinter Nahrungsmitteln? Wie hoch ist der Anteil von Lebensmitteln in einem Supermarkt? Was landet schlussendlich in unserem Einkaufswagen und sind wir uns dessen auch wirklich bewusst?

Viele Fragen, auf die wir heute sehr gezielt Antworten suchen werden.

Um diese Reise in die komplexe Welt der Ernährung so professionell wie möglich zu gestalten, werden wir uns die Erkenntnisse und Erfahrungen des Pioniers der Vollwerternährung, Professor Werner Kollath heranziehen.

Professor Kollath war ein deutscher Bakteriologe und Hygieniker. Er studierte Medizin an mehreren deutschen Universitäten und erhielt nach seiner Promotion in 1920 die Approbation zum Arzt. Prof. Kollath veröffentlichte mehrere Bücher und Fachpublikationen. In 1942 erblickte sein Hauptwerk „Die Ordnung unserer Nahrung“ das Tageslicht was bis zum heutigen Tage als Grundlage der Vollwerternährung gilt. Seitdem wurde das Buch des öfteren überarbeitet und neu publiziert, so dass in 2005 die derzeit aktuellste und damit 17. überarbeitete Auflage vom Haug Verlag erschien.

Für alle Interessenten, das Buch ist auf Amazon erhältlich.

Lebensmittel oder „lebende Kost“ vs. Nahrungsmittel oder „tote Nahrung“

Lebensmittel sind Prof. Kollath zufolge natürlich, mechanisch verändert oder fermentiert. Sie sind „lebende Kost“, die Fermente enthalten.

Nahrungsmittel sind erhitzte, konservierte oder präparierte „tote Kost“. Fermente werden durch diese Prozesse vernichtet, was dazu führt, dass das LEBEN verloren geht.

Diese sechs Wertgruppen bzw. Wertstufen sind die Basis der Ernährungstabelle nach Prof. Werner Kollath.

Da ich davon ausgehe, dass nicht jeder das Buch kaufen und lesen wird, hier ein paar Beispiele aus den jeweiligen Wertgruppen:

  1. LEBENSMITTEL – natürlich: Getreide, Nüsse, frisches Obst und Gemüse, frische Kräuter, Eier, Muttermilch, Rohmilch, Quellwasser
  2. LEBENSMITTEL – mechanisch verändert: frisch gemahlenes keimfähiges Getreide, frisch gemahlene Nüsse, kaltgepresste Öle, Frischkost, rohes Fleisch, Rohmilchprodukte wie z.B. Butter und Sahne, frische Obstsäfte, Leitungswasser ohne chemische Zusätze
  3. LEBENSMITTEL – fermentativ verändert mittels Bakterien, Hefen, Eigenfermenten: ungekochtes und unerhitztes Frischkorngericht, Gärgemüse wie z.B. Sauerkraut, Gärmilchprodukte aus Rohmilch wie z.B. Käse oder Joghurt, Alkoholische Gärgetränke wie z.B. Apfelmost, Wein oder Bier aus biologischer Produktion
  4. NAHRUNGSMITTEL – erhitzt: Vollkornbrot, Vollkorngebäcke, Vollkornkuchen, gekochtes Obst und Gemüse, gekochte Gerichte wie z.B. Hülsenfrüchte, Kartoffeln aber auch Vollkornreis und Vollkornnudeln, gebratenes oder gekochtes Fleisch / Fisch, erhitzte / pasteurisierte Milch und Milchprodukte, Tee, frische Gemüsebrühe
  5. NAHRUNGSMITTEL – konserviert: Dauerbackwaren, Fruchtkonserven, Gemüsekonserven, Trockenfrüchte, Babynahrung, Tierkonserven, H-Milch, Obst und Gemüsesäfte aus Konzentrat
  6. NAHRUNGSMITTEL – präpariert: Alle Fabrikzuckerarten und Produkte daraus, Auszugsmehl und Auszugsmehlprodukte (z.B. Weißbrot, weiße Nudeln, weißer Reis), raffinierte Öle und Margarine, Aromastoffe, Tierpräparate, Säuglingsnahrung, Milchpulver, künstliche Getränke wie z.B. Cola, Limonaden oder Alcopops

Wer hat schon etwas „Erschreckendes“ auf dieser Liste entdeckt?

Dass Softdrinks, raffinierter Industriezucker, erhitzte Pflanzenöle oder Produkte aus raffiniertem Weißmehl nicht gut für uns sind, wissen die meisten bereits.

Die tiefrote Liste hingegen wo wir Nahrungsmittel wie z.B. Säuglingsnahrung, Babynahrung oder Milchpulver wiederfinden, sollte jedem sehr bewusst sein; immerhin „ernähren“ viele Eltern ihr Nachwuchs mit diesen Produkten.

Der gewöhnliche Supermarkt – Ein Paradies für Nahrungsmittel wohlgemerkt

Nachdem wir wissen welche Produkte wohin zuzuordnen sind, lasst uns mal gaaaanz bewusst durch einen Supermarkt laufen.

Als erstes werden wir von der frischen Obst- und Gemüseabteilung salutiert, was natürlich sehr einladend ist. Das meine lieben Freunde sind die unter der Wertstufe #1 aufgeführten Lebensmittel. Da sind wir also noch komplett im grünen Bereich sozusagen.

Verlassen wir jedoch diese frische Oase, gelangen wir meistens recht zügig in die Brot- und Backwarenabteilung wo wir direkt eine „Bruchlandung“ im roten Bereich der Nahrungsmittel erleben. Und von hier aus wird es fast gänzlich nur noch dunkelrot bis tiefrot – ausser wir navigieren zur Kühltheke um ganz gezielt nach fermentiertem Sauerkraut oder Chinakohl (auch bekannt unter dem Namen Kimchi) ohne Konservierungsstoffe zu suchen bzw. einen Naturjoghurt oder einen hochqualitativen Käse aus Rohmilch zu ergattern.

Mit diesen Informationen gewappnet wagen wir uns nun an die Beantwortung einer meiner Ursprungsfragen, nämlich:

Wie hoch ist der Anteil von Lebensmitteln in einem Supermarkt?

Ein Zehntel des Sortiments oder gar weniger, ein Zwanzigstel?!

Ich bin kein Warenmanager deshalb überlasse ich Euch eine weitere Schätzung.

Nun zur Beantwortung der letzten Frage und zwar ob wir uns wirklich bewusst sind was wir in unserem Einkaufswagen legen.

Ich gehe davon aus, dass jeder von uns nach dieser Reise in die Welt von Prof. Kollath etwas bewusster einkaufen wird. Das Konzept der „lebenden Kost“ vs. „toter Nahrung“ rüttelt einen wach und lädt zur Erweiterung des Blickwinkels in punkto Ernährung ein.

Als Landwirt und enger Verbündeter der Natur, schätze ich frische Produkte mehr als alles andere. Denn diese spenden unseren Zellen im Körper die nötige Energie und Vitalität, um kraftvoll, gesund und vor allem wachsam durchs Leben zu gehen.

Lebensmittel oder doch verstärkt Nahrungsmittel – Woraus besteht denn Dein persönlicher Ernährungsplan?

Bildquelle: Foto von Chantal Garnier auf Unsplash

Jetzt kommt das vegane Ei um die Ecke

Jetzt kommt das vegane Ei um die Ecke

Vegane Produkte sind „in“. Kein Discounter erlaubt sich noch ein Sortiment ohne vegane Käse- und Fleischalternativen. Supermärkte richten ganze Flächen mit vegane Delikatessen her. Dem nicht genug, jetzt hat ausgerechnet eine bekannte Handelskette aus der Schweiz das vegane Ei neu im Angebot.

Das ist tatsächlich eine Weltneuheit, denn an das Eiweiß- und Proteinliebling vieler Menschen hat sich bis jetzt kaum eine Firma getraut. Die Huhn-Ei-Kontroverse nimmt dadurch ein Ende, denn die pflanzenbasierte Ei-Alternative braucht ein Huhn gar nicht mehr. Tier- und Klimaschutzfans können endlich feiern und am besten mit einem „V-Love The Boiled“ direkt anstossen. So heisst nämlich das von der Migros Handelskette in Eigenregie entwickelte Sensation.

Woraus besteht denn das vegane Ei?

Eins schonmal vorneweg: Es handelt sich um ein hartgekochtes Ei das von der Migros Tochtergesellschaft ELSA in der Schweiz hergestellt wird. Damit ist die lästige „Made in“ Frage beantwortet.

Die pflanzenbasierte Ei-Alternative besteht auf zwei unterschiedliche Massen deren Hauptkomponenten Sojaproteine sind. Die eine Masse wird für die weiße Hülle verwendet und das Innere wird mit einem sojabasiertem Eigelb gefüllt. Schneidet man das Ei auf, so sieht dieser aus wie ein gewöhnlicher Picknick-Ei.

Das nachfolgende kurze Video von Migros zeigt den Herstellungsprozess auf.

Quelle: Migros, The Boiled, YouTube

Das vegane Ei: Zutaten & Allergene

Ich finde die Zutatenliste derartiger Produkte sehr spannend und interessant, deshalb möchte ich Euch diese nicht vorenthalten. Diese stammt von der Produktbeschreibungs-Webseite der Schweizer Supermarktkette. [Quelle: Migros]

  • Wasser
  • Sojaproteinisolat => Allergen
  • Reisstärke
  • Lösliche Maisfaser
  • Rapsöl
  • Weizenfasern glutenfrei => Allergen
  • Natürliche Aromen => Welche Aromen wurden hier verwendet? Woher stammen diese?
  • Geliermittel: Gellan und Agar-Agar
  • Säuerungsmittel: Milchsäure, Kochsalz
  • Trennmittel: Calciumphosphate => Phosphatzusätze sind nicht ganz ungefährlich, siehe hierzu die Studie „Gesundheitsrisiko durch Phosphatzusätze in Nahrungsmitteln“ veröffentlicht vom Deutschen Ärzteblatt
  • Verdickungsmittel: Carrageen
  • Farbstoff: Carotine

Wie Ihr gegen Ende des Videobeitrages gesehen habt, fällt bei dieser veganen Ei-Variante etwas aussergewöhnliches in punkto Verpackung auf:

Jedes Ei wird separat in einer Plastikhülle verpackt. Warum ist dem so? Kurz nachdenken: Das künstliche Ei hat keine herkömmliche Eierschale, daher muss ein Schutz her. Zwar braucht man keine Tiere für die Herstellung dafür aber jede Menge Verpackung.

Kommen wir zur nächsten wichtigen Frage: Was kostet das vegane Ei?

Das Produkt wird in einem Viererkarton für 4,40 CHF angeboten; das entspricht ungefähr 4,15 EUR.

Damit ist auch dieses Ersatzprodukt teurer als die herkömmlichen Varianten. Der Preis einer Viererpackung hartgekochter Bio-Eier liegt bei 3,85 CHF.

Migros feiert mit dem veganen Ei unter dem Label V-Love bereits zum zweiten Mal eine Weltneuheit. In 2020 wurde die weltweit erste Joghurt-Variante auf Basis von Kichererbsen gelauncht. Für 1,65 CHF kann man sich mit einem 150g V-Love Vegurt die Kante geben. [Quelle: Migros]

Was erwartet uns als Nächstes in der geheimnisvollen V-Welt?

Die Entscheidung ob vegan oder vegetarisch gut für Euch ist oder nicht, überlasse ich jedem einzelnen von Euch. Nicht desto trotz möchte ich Euch an dieser Stelle darauf hinweisen, die Zutatenlisten dieser alternativen Produkte mit großer Sorgfalt durchzulesen. Manchmal versteckt sich der Teufel im Detail.

Als Landwirt und großer Verfechter von Naturprodukten finde ich die aktuellen Ernährungstrends äußerst faszinierend. Zwar entscheidet der Konsument mit seiner Geldbörse was er / sie kauft aber inwieweit kommt diese Entscheidung aus dem tiefen Inneren?

Welche Rolle übernimmt das Marketing und die aggressiven Werbekampagnen bei der Gestaltung des Konsumverhaltens?

Welchen Einfluß hat die Industrie und der Handel auf unsere Entscheidung? Vergessen wir die wesentliche Rolle dieser beiden wichtigen Player bei der Gestaltung der Regale und Sortimente nicht.

Während der Push in Richtung Kunstfleisch bzw. Laborfleisch aus dem Reagenzglas samt Mehlwürmer- und Insektenburger immer auffälliger wird, zieht es eine andere Konsumentengruppe verstärkt in Richtung Regionalität und Saisonalität und damit einhergehend auf Bauernhöfe, Märkte und in die Reformhäuser.

Kommt als nächstes eine vegane Kunstfleischalternative? Da wäre sicherlich auch eine vegane Insektenburgeralternative beziehungsweise ein paar vegane Mehlwürmer-Paties denkbar, oder nicht?

Das vegane Ei, der vegane Joghurt und alles was wir aktuell in den Supermarktregalen vorfinden sind der Anfang einer neuen Esskultur. Ich darf an dieser Stelle nochmal an die Nestle-Studie Gegrille Heuschrecken und Mader: So isst Deutschland in 2030 erinnern.

Bildquelle: Foto von Tengyart auf Unsplash

Bei Billa gibt es jetzt Insektenburger

Bei Billa gibt es jetzt Insektenburger

Nachdem im Mai 2021 die Zulassung von Mehlwürmern in der EU erfolgte, heisst es jetzt Insektenburger und Co. an den Mann bringen. Die österreichische Rewe-Tochter prescht vor: nachdem die ersten Insektenburger bei der Rewe Deutschland in 2018 zu kaufen gab, sollen nun in über 800 Filialen von Billa und Billa Plus „leckere“ Patties aus Buffalowürmern für die nächste Grillparty bereit stehen.

Wir sind also soweit; die Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel und CO2-Ausstoß nehmen immer größere Dimensionen an und wiederfinden sich in allen Bereichen unseres Lebens. Wer dachte, dass die Lebensmittelbranche davon verschont bleibt, glaubt immer noch an eine heile Fantasywelt.

Als treuer Agrarbetrieb-Leser, weisst Du, dass ich dieses „Terrain“ schon seit ein paar Jahren vorbereite, damit sich der Schock in Grenzen hält. Bereits in 2015 berichtete ich in dem Artikel „Gegrillte Heuschrecken und Mader: So isst Deutschland in 2030“ über die Zukunftsstudie des Lebensmittlekonzerns Nestle und teilte die wichtigsten Erkenntnisse der Studie mit Euch. In 2017 schrieb ich den Beitrag „Sind Insekten das Nahrungsmittel der Zukunft?“ und wies darauf hin, dass wir die asiatischen Leckerbissen bald auch bei uns auf dem Teller wiederfinden werden. Im Mai diesen Jahres berichtete ich in dem Artikel „Jetzt heißt es Mehlwürmer essen“ über die EU-Zulassung für Mehlwürmer und lenkte Eure Aufmerksamkeit auf die bevorstehenden Listungen im Lebensmitteleinzelhandel.

Was hat es also mit dem österreichischen Insektenburger auf sich?

Das mit dem Label „Eat for Future“ Burger Patty ist ein Produkt des Wiener Lebensmittelproduzenten ZIRP Insects. Der neuartige Burger besteht zu 40% aus Buffalowürmern sowie einer Kombination aus Erbsenprotein, Champignons und einer eigens kreierten Rezeptur. Der Burger soll dezent-nussig und herzhaft-saftig schmecken. Es imitiert zwar Fleisch hat jedoch nicht den Anspruch diesen 1:1 zu ersetzen. Somit wird eine neue Kategorie geschaffen, das neben Fleisch- und plant-based Produkten einen gesonderten Platz im Regal findet.

Verkauft werden die Burger-Pattys in 200 Gramm-Packungen zu je zwei Stück im Tiefkühlregal.

Quelle: ZIRP Insects, YouTube

Wer isst Insektenburger?

Die kleinen Krabbeltiere werden uns als Proteinbomben verkauft. Glaubt man der Welternährungsorganisation FAO, dann sind weltweit knapp 1.900 Insektenarten essbar. Ach ja, und der leicht nussige Geschmack soll auch ein absoluter Überzeugungsfaktor sein, soweit der Sales-Pitch.

Aber wer ist die Zielgruppe für Insektenburger, Insekten-Snacks und Co? Lässt sich ein waschechter Fleischesser der von plant-based Produkten nichts hören will von sowas überzeugen? Kann man Vegetarier die oft aus ethischen Gründen auf den Verzehr von Fleisch und Fisch verzichten, überzeugen Grillen, Würmer und Heuschrecken zu essen?

Bei Metro Cash & Carry kann man schon seit ein paar Jahren Speise-Insekten und Insektenprodukte aus Mehlwürmer, Buffalowürmer, Grillen und Heuschrecken kaufen. Die Verkaufszahlen von Metro kenne ich nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dies aktuell mehr als ein Nischenprodukt ist. Ich bin jedoch überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren vieles ändern wird. Das verdanken wir der Werbetrommel, den Massenmedien und dem Einzelhandel, die gemeinsam alles tun werden, um diese Produkte zu pushen.

Die wichtige Frage die sich stellt ist folgende: Wer profitiert davon?

Im Falle des Kunstfleisches kennen wir die Profiteure. Es sind die Milliardäre Bill Gates und Richard Branson sowie große Konzerne wie Cargill und das Pharmaunternehmen Merck.

Diejenigen die gerne Neues probieren, werden sich auf diese neuartigen Produkte stürzen, das ist ganz klar. Die Frage ist, wie viele davon die Insektenburger wieder kaufen werden. Auch jene die in Thailand, Indonesien und Co. auf Strassenfeste zu gegrillte Heuschrecken griffen, werden diese Erlebnisse gerne wieder aufrufen wollen. Was die Massen anbelangt, da bin ich kurzzeitig skeptisch. Langfristig jedoch wissen wir alle, dass man das Konsum- und Essverhalten der Menschen sehr wohl ändern kann.

Probieren schadet nicht

Bist Du bereit Dich auf den Insektenburger einzulassen?

Probieren schadet nicht, wobei Eckelgefühle und Ethik bei der Entscheidung eine wichtige Rolle einnehmen. Ich bin etwas gespalten, denn einerseits haben wir ein gewaltiges Problem mit dem Thema Insektensterben und andererseits soll ich die kleinen Viecher jetzt essen?

Sicher handelt es sich hierbei um verschiedenste Insektenarten, die gezielt gezüchtet werden und ich verstehe auch die Dringlichkeit die bald fast 9 Milliarden Erdbewohner zu ernähren, aber ist das eine viable Lösungsalternative?

Letzten Endes entscheidet jeder für sich.

Appetit auf einen Insektenburger?

Bildquelle: Foto von Szabo Viktor auf Pexels