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2022-11 Green Care Bauernhof statt Altersheim

Green Care: Bauernhof statt Altersheim

In einer schnelllebigen Welt, in der das Idealleben gerne auf den vielfältigen, sozialen Netzwerken dargestellt wird, geraten die Älteren unter uns scheinbar in Vergessenheit. Viele Senioren fühlen sich auf den „Gleisen“ abgestellt und suchen nach Anschluß in einer Gesellschaft, die sie nicht immer ernst nimmt. Dabei ist nicht jeder von ihnen bereit, alles hinzuschmeißen und sein Lebensalter auf einem Sessel vor dem Fernseher zu verbringen. Sie bevorzugen „vitalere“ Alternativen, welchen ihnen ermöglichen, noch aktiv am Leben teilzunehmen. Da kommt ihnen das Konzept des Green Care wohl sehr entgegen. Denn hier geht’s nämlich auf den Bauernhof anstatt ins Altersheim.

Dass die klassischen Altersheime nicht jedermanns Geschmack treffen, ist klar. Zwar bemühen sich viele Häuser und Vorstände neue Konzepte und Ideen in die traditionelle Herangehensweise einzubetten, aber damit können sie den Markt bei Weitem nicht abdecken.

Für Senioren, die aktiv am Leben teilhaben und sich in einer Familie integriert fühlen möchten, sind Altersheime keine Lösung. Zum Glück blühen immer mehr Senioren-Wohngemeinschaften auf Bauernhöfen. Egal ob in Deutschland, Österreich, Niederlanden, Norwegen oder der Schweiz, immer mehr Bauernhöfe erweitern ihre Dienste und empfangen Senioren bei sich auf dem Land.

Was spricht dafür? Wieso zieht es Senioren vermehrt auf einen Bauernhof? Ist Green Care eine tragfähige Lösung, um das massive Höfesterben aufzuhalten und gegebenenfalls diesem auch entgegen zu wirken?

Green Care bietet einen Lebensabend in familienähnlichen Strukturen

Neulich forschte ich im Archiv des ZDF und stoß dabei auf eine sehr interessante Dokumentation aus dem Jahr 2020. Es ging nämlich um mein heutiges Thema, auf den Bauernhof statt ins Altersheim zu ziehen. In der halbstündigen Doku werden neun Senioren ein halbes Jahr lang auf dem Anwesen von Familie Müller (Hofbesitzer) begleitet.

Die Betriebsleiterin Andrea Müller (56) ist täglich für das Kochen zuständig. Der Sohn Manuel übernimmt die Arbeit auf dem Land und träumt davon, mit seiner Ehefrau die Idee des Senioren-WGs zu übernehmen und zukünftig ebenfalls Seniorenwohnungen im Dorf anzubieten.

Die Doku kann ich jedem empfehlen, der ein bisschen hinter die Kulissen dieses Konzepts blicken möchte. Sie ist wirklich sehenswert.

Hier geht’s zur ZDF Doku.

Dass ein Leben auf dem Land, umgeben von Pflanzen und Tieren, viele Vorteile mit sich bringt, ist wohl allgemein bekannt. Wie wichtig die Sonne und das Aufhalten draußen an der frischen Luft sind, ist kein Geheimnis und lernt man wohl üblicherweise bereits von Kindesbeinen an. Wenn wir das regionale und saisonale Essen bzw. die familienähnlichen Strukturen dazu zählen, haben wir ein perfektes „Gesundheitspaket“ für ein angenehmes Leben unabhängig vom Alter.

Welche Vorteile bringt denn Green Care für die Senioren mit sich?

  • Kosten: Diese sind wesentlich geringer als im Altersheim.
  • Eigenständigkeit: Wer fit ist, kann auf dem Bauernhof anpacken; wer lieber mit dem Hund spazieren mag, kann dies ebenfalls problemlos tun. Jeder kann sich einbringen, die Aktivitäten sind vielfältig.
  • Lebensqualität: Die Seele mitten in der Natur baumeln lassen.
  • Pflege: Bei Bedarf wird ein Pflegedienst hinzu gezogen.

Senioren-WGs auf dem Bauernhof – Eine Lösung gegen Höfesterben?

Das Höfesterben-Phänomen hat uns voll eingeholt. Die Superreichen und großen Agrarunternehmen machen keinen Hehl mehr daraus, dass sie so viel Land wie möglich kaufen wollen — und dies auch konsequent tun. Während sie problemlos Millionen und Milliarden in neue Technologien, Landmaschinen und Co. investieren können, sehen sich andererseits immer mehr Familienbetriebe gezwungen, ihre Pforten zu schliessen. Das, was Generationen mit viel Mühe, Liebe und Leidenschaft aufgebaut haben, verpufft vor ihren weinenden Augen.

Dabei versucht jeder, gegen diesen Trend so gut wie möglich dagegen zu steuern bzw. mitzugehen, wie er nur kann. Die einen probieren neue Getreide- und Pflanzensorten, die anderen gestalten ihre Bauernhöfe in sogenannten Ferienresorts um, während eine kleine, aber stetig wachsende Zahl mutiger Landwirte auf Green Care umsteigen.

Selbstverständlich wird auf den Green Care Bauernhöfen keine Viehzucht oder Landwirtschaft nach alter Tradition betrieben, d.h. Hunderte von Tiere, die gefüttert und gemolken werden müssen oder Schlepper, die tagein tagaus ihre Runden drehen, um den Boden zu bearbeiten. Es handelt sich hierbei vielmehr um kleine, „schnuckelige“ Bauernhöfe, auf denen man gemeinsam zu Abend isst, Geburtstage zusammen feiert und das Leben in einer Großfamilie zelebriert.

Insbesondere Senioren, die aktiv sind und auf dem Bauernhof anpacken bzw. kleine Tätigkeiten im Haus erledigen können, sind auch eine echte Hilfe für die Bauernhöfe und für die Dörfer insgesamt. Im Zuge des demographischen Wandels, durch welchen es die jungen Generationen vermehrt in die großen Städte zieht, in denen das Singleleben als eine attraktive Lebensform vermarktet wird, ist dieser Gegentrend sicherlich eine äußerst interessante Idee, um die Dörfer wieder zu beleben und dem Leben auf dem Land einen neuen Sinn zu geben.

Für mich persönlich ist es noch kein Konzept, mit welchem ich mich aktuell auseinandersetze, jedoch wollte ich darüber berichten, um das Bewusstsein für solche, von der heutigen Normalität abweichende, Möglichkeiten zu schaffen und Menschen aus allen Lebensphasen über das Konzept des Green Care zu informieren. Wer weiss, welche innovativen Ideen noch umgesetzt werden und wofür sich jeder von uns eines Tages entscheidet. Für mich persönlich spricht als naturbegeisterter Landwirt selbstverständlich alles für einen Bauernhof.

Bildquelle: Foto von Jake Heinemann auf Pexels

2022-06 Traegt Gartenarbeit zu einer hoeheren Lebenserwartung bei

Trägt Gartenarbeit zu einer höheren Lebenserwartung bei?

Leben Menschen, die als Hobby Gartenarbeit betreiben, länger als andere? Sind Landwirte gesünder als Nicht-Landwirte? Leiden Menschen, die eine enge Verbindung zur Natur haben und sich schwerpunktmäßig von Pflanzen aus dem eigenen Garten ernähren, weniger unter Krankheiten? Glaubt man den aktuellen Studien und den Bewohnern der „Blue Zones“, den Regionen, in den Langlebigkeit „normal“ ist, dann stimmen diese Aussagen durchaus.

Die wenigsten Erdbewohner werden bei Antworten auf die Frage, wie man ein langes, gesundes und erfülltes Leben hat, mit „nicht interessiert“ antworten. Dennoch, wie wertvoll es ist fit und aktiv zu sein, und dies auch im hohen Alter, merken wir leider erst dann, wenn alles nicht mehr so funktioniert, wie wir es uns gerne wünschen. Das gestresste Leben in der westlichen Zivilisation, das Rennen nach dem Geld, um die immer höher werdenden Kosten und Konsumwünsche zu decken, der ungesunde Lebensstil samt katastrophalen Essgewohnheiten, schlechter bzw. mangelnder Schlaf und eine völlige Entkoppelung von Mutter Natur haben bittere Konsequenzen.

Das dies auch anders funktionieren kann, zeigen uns vor allem die Bewohner der „Blue Zones“. Seit den Beiträgen über die „100+“-Jährigen, die Auto fahren, Bücher und Zeitschriften ohne Brille lesen, tanzen, arbeiten und überhaupt ganz aktiv am Leben teilnehmen, hat sich etwas im Bewusstsein der Menschen verändert. Man muss nicht zwangsweise an einer oder mehreren chronischen Krankheiten leiden und die letzten Jahre seines wertvollen Lebens Arzttourismus betreiben. Es geht auch anders.

Wer sind diese Bewohner der Blue Zones und was haben sie gemeinsam?

Die Menschen aus folgenden Regionen der Welt sind für ihre Langlebigkeit bekannt:

  • Icaria (Griechenland)
  • Sardinien (Italien)
  • Nicoya (Costa Rica)
  • Loma Linda (Kalifornien)
  • Okinawa (Japan)

Die Regionen sind über die Welt verteilt, aber dennoch gibt einige Gemeinsamkeiten: eine auf Pflanzen basierende Ernährung, mäßige körperliche Aktivität und soziale Verbindungen. Hinzu kommt, dass viele dieser Einwohner kleine, persönliche Gärten pflegen, in denen sie bis ins hohe Alter arbeiten.

Körperliche und psychische Vorteile von Gartenarbeit

Ohne irgendwelche Untersuchungen zu lesen, wissen wir alle, dass ein Lebensstil im Freien, gesundes Essen, Bewegung und das Leben in einer Gemeinschaft für ein längeres Leben essentiell sind. Inwieweit Gärtner (egal ob Vollgärtner oder Hobby-Gärtner) mit einem längeren Leben bzw. einer besseren Lebensqualität im Alter rechnen können, können wir einer Reihe von Studien entnehmen:

  • Gartenarbeit senkt den Spiegel des Stresshormons Cortisol (Van den Berg, A; Custers, M: „Gardening promotes neuroendocrine and affective restoration from stress“, in Journal of Health Psychology, 2011 Jan. PMID: 20522508)
  • Tägliche Gartenarbeit führt zu einer 36% Reduktion von Demenz (Simons, L; Simons, J; McCallum, J; Friedlander, Y: „Lifestyle factors and risk of dementia: Dubbo Study of the Elderly“, in The Medical Journal of Australia, 2006 Jan. PMID: 16411871)
  • Gartenarbeit erweist sich als vorteilhaft auch bei Alzheimer’s (Detweiler, M; Murphy, P; Myers, L; Kim, K: „Does a wander garden influence inappropriate behaviors in dementia residents?“, in American Journal of Alzheimer’s Disease and Other Dementias, 2008 Feb-Mar. PMID: 18276956)

Selbstverständlich können wir die Langlebigkeit per se nicht zu 100% der Arbeit im Garten zuordnen, denn es kommen noch weitere Komponenten hinzu: der Verzehr von frischem Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, sie sozialen Kontakte, die man pflegt, wenn man diese Produkte auf dem lokalen Markt verkauft oder in der Nachbarschaft gegen andere Güter tauscht sowie die Tatsache, dass man sich lange Zeit in der Natur, im Grünem, in der Sonne und an der frischen Luft aufhält. Die Vitamine, Mineralien und phytoaktiven Verbindungen, die man auf dieser natürlichen Art und Weise aufnimmt, verleihen den Zellen im Körper lebenswichtige Energie.

Klingt doch gut, als Hundertjähriger munter im eigenen Garten hoch und runter zu spazieren, die lästigen Unkräuter per Hand zu entfernen, dabei fit zu bleiben und das frische Lieblingsgrünzeug direkt zu naschen? Wer seinen eigenen Garten pflegt, wird vorzugsweise auch diejenigen Pflanzen anbauen, die er / sie gerne isst.

Lässt sich dieses Langlebigkeits-Konzept auch auf Landwirte übertragen?

Nun leben Landwirte größtenteils auf dem Land, bewegen sich ganz viel, verbringen jede Menge Zeit im Grünen und sind meist sozial vernetzter als andere „moderne“ Berufe. Zwar bevorzugen viele meiner Kollegen aus der Landwirtschaft Fleischprodukte, d.h. sie ernähren sich ungesünder als die Bewohner der „Blue Zones“ — Gibt es dann Hinweise darauf, dass Landwirte länger leben?

Was sagen die Studien?

  • Landwirte leiden ein Drittel seltener an einer chronischen Krankheit (Brew, B; Inder, K; Allen, J; Thomas, M; Kelly, B: „The health and wellbeing of Australian farmers: a longitudinal cohort study“, in BMC Public Health, 2016. PMCID: PMC5025556)
  • Die Wahrscheinlichkeit an Krebs, Herzkrankheit oder Diabetes zu sterben ist geringer als bei der Allgemeinbevölkerung (Rafnsson, V; Gunnarsdottir, H: „Mortality among farmers in Iceland“, in International Journal of Epidemiology, 1989 Mar. PMID: 2722358)
  • Landwirte suchen 40% seltener einen Hausarzt auf als Arbeitnehmer aus anderen Berufen
  • In Japan z.B. haben selbständige Landwirte eine höhere Lebenserwartung als Nicht-Landwirte (Prof. Kenji Horiguchi, Prof. Masahiko Genma: „Secrets behind longevity of farmers“, von Waseda University Tokio, 2017.)

An dieser Stelle sollte ich darauf hinweisen, dass die Landwirtschaft in der westlichen Welt nicht mehr viel mit der traditionellen Landwirtschaft zu tun hat. Übersetzt heisst das: wir haben Schwerstarbeit zu leisten, wir nutzen viel Technologie; einiges ist automatisiert, anderes wiederum erfolgt unter recht gefährlichen Bedingungen. Das wirtschaftliche und politische Umfeld, vielfach arbeiten wir mit Krediten zur Finanzierung, erhöhen den Stresspegel deutlich. Vergessen dürfen wir auch nicht die Tatsache, dass wir mittlerweile recht viele Stunden am Computer sitzen, sei es um Rechnungen zu begleichen, Maschinen zu steuern oder Logistikwege zu optimieren. Hinzu kommen die ewigen Telefonate mit Mitarbeitern, Zulieferern von Maschinenteilen oder Serviceanbietern für eine Reparatur, die dringend ansteht.

Nicht desto trotz hält sich ein Landwirt, der eine mehr oder weniger moderne, hochtechnologisierte Landwirtschaft betreibt, weiterhin viel mehr als der Otto-Normalbürger, der die meiste Zeit seines Lebens tagsüber vor dem PC und abends vor dem TV verbringt, im Grünen auf.

Was lernen wir daraus?

Zwar ist Gartenarbeit nicht das „A“ und „O“ der Langlebigkeit, aber sie ist sehr wohl eine wichtige Komponente, die man aufgrund der oben aufgedeckten Erkenntnisse nicht vernachlässigen sollte. In Punkto mäßige körperliche Aktivität in Kombination mit frischer Luft, lebendigem Grün, Sonnenstrahlen und dem Plauschen mit Gleichgesinnten, ist diese sicherlich eine Tätigkeit, die von jedem in Erwägung gezogen sein sollte.

Schlussendlich muss man nicht sofort zum Vollgärtner mutieren, um von den vielen Vorteilen der Gartenarbeit zu profitieren. Diese Aktivität kann sicherlich auch als Hobby in einer Großstadt als Ausgleich zu einem langen Bürotag betrieben werden. Im Leben kommt es immer auf die Balance an, eine Weisheitm die wir in der westlichen Zivilisation scheinbar leider vergessen haben.

Gartenarbeit macht Spass. Wenn Langlebigkeit der Nebeneffekt ist, wird es sehr spannend, wie sie zudem unser Leben bereichern kann.

Bildquelle: Foto von Filip Urban auf Unsplash

Eine neue Marketing-Ära in der Landwirtschaft

Eine neue Marketing-Ära in der Landwirtschaft

Der fliegende Wechsel zwischen Web 2.0 und Web 3.0 ist in vollem Gange. Damit einhergehend wurde auch eine neue Marketing-Ära eingeläutet, die auf Blockchain-Technologien basiert. Zwar tummeln sich die Massen immer noch schwerpunktmäßig auf Facebook, Twitter und Co. aber gleichzeitig wächst die Anhängergruppe dezentraler Marketingplattformen, die unsere Zukunft sehr wohl mitbestimmen wird.

Wir Landwirte sind schon happy wenn wir unsere Videos auf YouTube, Vimeo oder Facebook hochladen können. Sollen wir uns jetzt auch noch mit den Videostreaming-Plattformen auseinandersetzen die auf der LBRY, Hive oder Theta Blockchain entstehen?

Dass dieser Trend nicht mehr aufzuhalten ist, signalisiert auch die Änderung der Werbepolitik von Google vor ein paar Tagen. Der Tech-Gigant aus Silicon Valley hat seine Werberichtlinien überarbeitet, um Kryptowährungsbörsen ab dem 3. August mit ihnen werben zu lassen, vorausgesetzt, diese sind entweder beim Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) oder bei einer bundes- oder landesweit zugelassenen Bankgesellschaft registriert. Die neue Richtlinie gilt weltweit sowohl für Google Search als auch für seine Drittanbieter-Webseiten, einschließlich YouTube, Blogger und Gmail.

Quelle: Dies ist die offizielle Meldung von Google

Kurz noch zum Hintergrund:

Google hatte in 2018 alle Krypto-Anzeigen verboten. Diese Entscheidung betraf alle Krypto-Unternehmen und wurde bekanntlich übergreifend auf allen Google-Plattformen (also inkl. YouTube) implementiert.

Erfordert Web 3.0 auch ein sogenanntes Marketing 3.0?

Der weltweit bekannteste Marketingprofessor Philip Kotler hat den Begriff Marketing 3.0 in 2010 in unser Sprachgebrauch eingeführt. Mit seinem Bestseller „Marketing 3.0: From Products to Customers to the Human Spirit“ plädiert er dafür, dass sich das Marketing in eine interaktive Kommunikation verwandelt, die durch Kundenengagement und Teilen („Sharen“) gemessen wird, anstatt durch Klicks, Öffnungsraten und Impressionen.

Damit soll sich Marketing endlich mal auf die wichtigste Komponente in der gesamten Kette konzentrieren — nämlich auf den Verbraucher und seine Emotionen, Gefühle (also die zarte / „softe“ Seite dessen).

In der Theorie ist das zwar alles schön und gut aber wie wir alle wissen, klaffen Theorie und Praxis ganz schön auseinander.

Ein kurzer Blick auf die Geschichte zeigt uns folgende Veränderung in der Marketingauffassung:

  • Marketing 1.0 war produkt- bzw. dienstleistungsgetrieben. Dies ist das traditionelle Marketing, wo sich alles um das Produkt und die funktionalen Elemente dieses Produkts dreht.
  • Marketing 2.0 ist geprägt durch Segmentierung und Personalisierung. Die meisten Unternehmen befinden sich in dieser Phase, mich eingeschlossen. Es gilt das Produkt bzw. die Dienstleistung gemäß den einzigartigen Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zu differenzieren. Das Ganze verdanken wir dem Wachstum der IT innerhalb eines Unternehmens.
  • Bei Marketing 3.0 steht die Kundeninteraktion und die Beziehung des Kunden zur Marke im Mittelpunkt. Durch die Einbettung der Themen wie z.B. Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Co. werden „bestimmte“ Werte angezapft und entsprechend vermarktet.

Wie lauten denn die 10 Regeln für Marketing 3.0?

Die nachfolgenden zehn Regeln stammen aus Philip Kotler’s Buch „Marketing 3.0: From Products to Customers to the Human Spirit“ und lauten wie folgt:

  1. Behandele Deine Kunden mit Liebe und Deine Wettbewerber mit Respekt.
  2. Sei für Wandel und Veränderung bereit.
  3. Definiere Deine Werte klar und unterstütze diese.
  4. Konzentriere Dich auf das Segment, das Dir den größten Nutzen bringen kann.
  5. Setze faire Preise, um Deine Qualität zu vermitteln.
  6. Helfe potenziellen Kunden, sich mit Deinem Unternehmen und dessen Produkte zu verbinden.
  7. Betrachte Deine Kunden als Kunden fürs Leben.
  8. Betrachte jedes Geschäft als eine Dienstleistung. Denn jedes Produkt ist mit einer Dienstleistung verbunden.
  9. Verbessere Deinen Geschäftsprozess jeden Tag.
  10. Berücksichtige verschiedene Aspekte und Informationen – nicht nur finanzieller Art -, bevor Du eine Entscheidung triffst.

Quelle: Für jeden der Lust hat tiefer in die Theorie einzusteigen, das Buch Marketing 3.0 von Philip Kotler ist auf Amazon erhältlich.

Was heißt das jetzt alles für uns Landwirte (ganz einfach übersetzt)?

Theorie ist schön und gut, hat auch seinen Platz, aber wir müssen kucken wie wir das neben unserer Feldarbeit und Viehzucht umsetzen.

Inwieweit Engagement und Emotionen eine Rolle spielen, haben wir in den letzten Monaten und Jahren seit Anfang 2020 live erlebt. Die verwirrenden Nachrichten die sei es aus Maintream aber auch aus alternativen Medien auf uns prallen, sind mehr als bizarr. Was wirklich abgeht, weiß keiner mehr so genau. Das gilt gleichermaßen für Werbeagenturen, wie auch für die sozialen Medien die ihre Zensur, Banning und DePlatforming-Politik bis auf die Spitze getrieben haben.

Nun stehen auf der einen Seite die teils völlig irritierten und verwirrten Verbraucher und auf der anderen Seite wir als Familienbetriebe. Egal ob wir landwirtschaftlich oder anderweitig unterwegs sind, müssen wir zuschauen wie wir zurecht kommen und das Vertrauen in das Gute im Menschen wieder aufbauen.

Keine leichte Arbeit. Gleichzeitig verstecken sich im Chaos die größten Chancen und dafür müssen wir mutig genug sein, um uns diese auch zu schnappen.

Konkret empfehle ich marketingtechnisch folgendes:

Halte Dich an Regel #7 von Philip Kotler, u.z. Betrachte Deine Kunden als Kunden fürs Leben.

Wenn Du immer gemäß diesem Prinzip agierst, dann wirst Du alles tun, um Deinen Kunden Top Produkte in Top Qualität zu einem fairen Preis anzubieten. Da braucht man keine Tricks anwenden und auch keine endlose Kämpfe führen bzw. tonnenweise Geld in irgendwelche aufdringliche Werbekampagnen auf Facebook, Google und Co. investieren, um Vertrauen in Dein Unternehmen und Deine Marke zu erlangen.

Wie setzt Du Marketing 3.0 bei Dir im Betrieb um? Und als Verbraucher, kriegst Du von dieser Bewegung überhaupt was mit?

Bildquelle: Foto von Jose Francisco Fernandez Saura from Pexels

Soziale Netzwerke knallhartes Geschaeftsmodell

Soziale Netzwerke betreiben ein knallhartes Geschäft

Soziale Netzwerke haben unser Leben in der letzten Dekade vollkommen transformiert. Sie werden uns „kostenlos“ zur Verfügung gestellt und im Gegenzug werden dann jede Menge persönliche Daten gesammelt; „kostenlos“ versteht sich. Was die allerwenigsten verstehen, ist die Tatsache, dass Facebook, Instagram, YouTube und Co. ein knallhartes Geschäft betreiben.

Es gibt kein „kostenlos“!

Diejenigen von Euch die selbst eine Werbeanzeige auf z.B. Facebook geschaltet haben, wissen ganz genau was ich meine. Das Facebook-Ökosystem verfügt über eine unvorstellbar große Datenbank. Vergisst dabei nicht, dass die Plattformen Instagram, WhatsApp und Messenger auch zu Facebook gehören. Mit nur einem Klick kann man eine Werbeanzeige kreuz und quer über alle diese Netzwerke schalten. Es gibt ein zentrales Kontrollsystem und dort werden alle Daten aggregiert. In Facebook Business Manager lässt sich alles ganz simpel verwalten.

Verkauft werden uns die sozialen Netzwerke als „Ort, an dem wir uns mit Freunden, Familie, Bekannten und Gleichgesinnten“ austauschen. Die Vorstellung eines Onlineparadieses, wo wir ungestört mit Menschen kommunizieren können die uns Nahe stehen, verleitet uns noch mehr über uns Preis zu geben. Diese Informationen sind Gold wert. Das wissen die Tech-Giganten aus Silicon Valley und Seattle nur allzu gut.

Das Geschäftsmodell der sozialen Netzwerke und wie Werbetreibende hiervon profitieren

Wie soziale Netzwerke funktionieren ist kein Geheimnis. Sie stellen uns z.B. eine App, Suchfunktion oder Videoplattform „kostenlos“ zur Verfügung und im Gegenzug erhalten Werbetreibende Zugriff auf ein anspruchsvolles Datenset bestehend aus persönlichen Daten, Verhaltensdaten usw.

Je mehr Nutzer eine Plattform hat, umso interessanter der Werbeplatz.

Je vielfältiger die Communities und Gruppen die sich auf diesen Netzwerken austauschen, umso präziser sind die gesammelten Daten.

Je mehr Altersgruppen abgedeckt werden, umso besser kann das Produkt an die entsprechende Zielgruppe vermarktet werden.

BEISPIEL:

Gehen wir davon aus, dass ich ein Onlinegeschäft habe, wo ich ganz spezielle Accessoires für Pokemon-Fans anbiete.

  1. Ich wähle Facebook als erste Werbeplattform, da ich weiss, dass ich dadurch auch alle Pokemon-Fans die sich auf Instagram tummeln, erreichen kann. Auch wenn ich unterschiedliche Videoklips oder Bilder je Netzwerk verwende, kann ich alles in Ads Manager und Facebook Business Manager problemlos verwalten. Da ich die Werbung auf Facebook und Instagram aktiviere, erreiche ich eine breitere Altersgruppe. Für diejenigen Nutzer die Messenger / WhatsApp bevorzugen, schalte ich eine gesonderte Werbung mit der Möglichkeit einer direkten Interaktion im Chat, um diese Kundenklientele noch besser kennen zu lernen. Dieses Feedback nutze ich anschließend, um meine Werbenachricht entsprechend anzupassen und zu verfeinern.
  2. Als nächstes fokussiere ich mich auf YouTube. Auch hier bestehen mehrere Möglichkeiten: a) ich schalte selbst YouTube Ads, b) ich suche mir ein paar Influencer aus der Pokemon-Community aus und vereinbare mit diesen ein Sponsoring -/ Werbevertrag, c) ich gehe ein paar strategische Allianzen / Kooperationen mit YouTube-Persönlichkeiten an die mit Pokemon zwar direkt nichts zu tun haben, aber mit diesen Communities trotzdem stark verlinkt sind (z.B. als Cross-Chain-Promotion).
  3. Ich wiederhole den oben aufgeführten Prozess auf Plattformen wie z.B. Tik Tok, Snap, Pinterest und /oder Twitter.

Der Werbetreibende kann die sozialen Netzwerke demnach sehr gezielt nutzen, um seine Werbekampagnen zu gestalten.

Big Tech dominiert heute die Welt. Durch ihre Apps modellieren sie nicht nur unser Bewusstsein, sondern sie greifen auch in andere Bereiche unseres Lebens ein.

Ganz konkret empfehle ich Nutzer des Messenger-Dienstes von Facebook einen genaueren Blick auf die Daten zu werfen, die Messenger über sie und ihr Verhalten sammelt. Viele Smartphone-Nutzer sind sich dieser massiven Datensammlung die im Hintergrund stattfindet, überhaupt nicht bewusst. Wer liest schon das „Kleingedruckte“ bzw. die „L“-langen Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen. In diesem Falle lohnt es sich da mal reinzuschauen. Facebook & Co. sind immer für eine Überraschung gut!

Zensur in den sozialen Medien

Wie machtvoll diese sozialen Netzwerke in den letzten Jahren geworden sind, haben wir an der „DePlatform“-Aktion während der aktuellen US-Wahlen gesehen. Wer eine andere Meinung vertritt, wird gelöscht – egal ob es sich hierbei um den „mächtigsten“ Mann der Welt handelt oder nicht.

Irgendwie scheinen wir aus der Vergangenheit nichts aber auch gar nichts gelernt zu haben.

Wenn andere Meinungen nicht mehr toleriert werden, dann hat das mit Freiheit und Demokratie nichts mehr zu tun. Wenn wir jedoch verstehen, dass diese Entitäten knallharte Geschäftseinheiten sind, die nur darauf hinaus sind, Geld und noch mehr Geld zu generieren, dann brauchen wir uns auch nicht darüber aufregen, dass sie Konten von Selbst-/Andersdenker löschen. Das ist nicht gut fürs Business. Mainstream-Erzählungen füllen die Taschen, also werden Google, Facebook und wie sie alle heissen, alles tun, um ihr Hauptklientele und -geschäft zu schützen und nur mit Informationen versorgen, die sie entsprechend vorselektieren.

Wer auf der Suche nach echtem Journalismus ist, wird auf den zentralisierten, vorgefilterten sozialen Medien extrem selten fündig. Dafür sind diese Entitäten nicht entwickelt worden. Facebook und Co. sind super für die Massen, aber selten ein Medium für Selbstdenker.

Es gilt dies zu wissen, dann kann man freizügiger navigieren und gegebenenfalls proaktiv selbst alle seine Konten auf diesen sozialen Medien löschen. Das Leben ist auch ohne Social Media sehr lebenswert!

Was stört Euch an den klassischen sozialen Medien am meisten?

Bildquelle: Foto von Gerd Altmann auf Pixabay

Sikkim – der erste 100-prozentige Bio-Bundesstaat der Welt

Sikkim – der erste 100-prozentige Bio-Bundesstaat der Welt

Ein Bundesstaat welches zu 100% aus Öko-Landwirtschaft besteht. Keine Pestizide. Keine chemische Dünger. Der indische Bio-Bundesstaat Sikkim gewann in 2018 den prestigeträchtigen Future Policy Gold Award der UNO für Ernährung und Landwirtschaft (FAO).

Wie erfolgreich ist denn das Experiment welches 2003 in Indien startete? Sind die Konsumenten bereit für gesundes Obst und Gemüse tiefer in die Taschen zu greifen? Lässt sich dieses Modell auch anderswo auf der Welt implementieren?

Sikkim liegt im Nordosten Indiens, in der wunderschönen Region des Himalaya-Gebirges, der an Bhutan, Tibet und Nepal grenzt. In 2003 führte der Staat als erstes in ganz Indien, den ökologischen Landbau ein. Chemische Düngemittel, Pestizide und Gentechnik wurden per Gesetz verboten. Aus der Resolution entstand die „Sikkim Organic Mission“ mit dem Hauptziel, die Bevölkerung und Landwirte über die Vorteile von Bio-Landwirtschaft mittels Schulungs- und Aufklärungsprogramme zu informieren.

DAS ERGEBNIS:

Die rund 66.000 Bauern nutzen pflanzliche Insektenschutzmittel, Kompost und organische Dünger. Dies wiederum führte zu einer Erholung von Flora und Fauna mit einer Zunahme der Wildtier- und Bienenpopulationen, so die lokalen Behörden.

Der nachfolgende Videobeitrag mit dem Titel „Die Öko Rebellen vom Himalaya“ der auf phoenix ausgestrahlt wurde, zeigt die Parallelen zwischen Sikkim auf und das was in punkto Öko-Landbau bei uns in Deutschland passiert.

Quelle: phoenix, YouTube

Ein Bio-Bundesstaat und seine Herausforderungen

Sikkim gilt weltweit als Vorzeigeland. Inwieweit sich das Konzept auf große Biohöfe und groß angelegte Bio-Ackerflächen übertragen lässt, ist noch nicht ganz schlüssig. Jeder der in der Bio-Landwirtschaft tätig ist, weiss was es heißt, vom konventionellen Anbau auf Bio umzusteigen.

Genau das passierte in Sikkim in den ersten Jahren nach der Umstellung — während einige Bauern mit Ernteausfällen kämpfen mussten, misslang bei anderen der Anbau komplett.

Dem von der konventionellen Landwirtschaft „ausgebeuteten“ Boden fehlten die Nährstoffe. Ohne synthetische Dünger tat sich der Boden schwer. Als Landwirt weiss ich nur allzu gut, dass es einige Jahre braucht, bis sich der Boden von der konventionellen Landwirtschaft erholt.

Kaum gelang die Ernte klopfte sozusagen schon die nächste Herausforderung an der Tür: die Konsumenten. Denn diese hatten die Wahl: importiertes Obst und Gemüse aus anderen Regionen, meist aus konventioneller Landwirtschaft oder Bio-Gemüse / -Obst vom heimischen Bauer. Wie so oft, ist die importierte Ware schöner, größer, farbenfroher und günstiger, was dazu führt, dass die Bio-Anbauer aus Sikkim jede Menge Verkaufsstrategien anwenden müssen, um die Käufer von ihrer Ware zu überzeugen.

Während die erste Herausforderung durch z.B. staatliche Unterstützung gelöst werden kann, um Ernteausfälle auszugleichen und die Existenz der Bauern zu sichern, gestaltet sich der zweite Punkt etwas schwieriger. Wenn Konsumenten nicht bereit sind, für gesunde jedoch nicht ganz so perfekte Ware etwas mehr zu bezahlen, dann stellt sich die Frage, ob dieses Projekt langfristig funktionieren wird.

Quellen und weiterführende Informationen:

Sikkim Organic Mission, Sikkim State Organic Certification Agency, Future Policy Award 2018

Kann ein ähnliches Modell auch in Deutschland umgesetzt werden?

Auch hierzulande greifen immer mehr Menschen auf Bioware zu und möchten sich gesund ernähren. Das was es einst fast exklusiv nur in Reformhäuser zu kaufen gab, steht jetzt in jedem Supermarkt im Regal.

Die Nachfrage ist definitiv da und anders als in Indien, haben die Konsumenten im DACH-Raum etwas mehr Geld im Portmonnaie. Ob sie auch bereit sind für heimisches Obst und Gemüse mehr zu bezahlen, lässt sich am besten auf den jeweiligen lokalen Märkten beobachten.

Ich betreibe sowohl Bio- als auch konventionelle Landwirtschaft daher verstehe ich die Vor- und Nachteile beider Modelle sehr gut. Meine Aroniaplantage ist bio-zertifiziert. Die jeweiligen Produkte vermarkte ich unter dem Markennamen Frankenaronia. Hier geht’s zum Shop für alle Interessierte: FRANKENARONIA.

Während Österreich mit etwa 26% Bioflächenanteile eine Vorreiterrolle in der EU einnimmt, tummeln wir uns mit ein paar Prozentpunkten eher im hinteren Bereich der Statistik. (Quelle: statista).

Nun zu meiner Antwort auf die obige Frage:

Meiner Meinung nach hat unser Nachbarland Österreich sehr gute Chancen eins (oder sogar mehr) seiner Bundesländer in 100% Bio-Bundesstaaten zu transformieren. Die aktuellen Zahlen sprechen Bänder, genauso wie die Bereitschaft der österreichischen Bauer und Bürger diesen ersten Platz in der EU zu behalten und sogar auszubauen.

In Deutschland gestaltet sich das Ganze viel schwieriger. Das Argument, dass wir ein viel größeres Land sind als Österreich mit 10x mal mehr Einwohner zieht nicht so ganz. Immerhin startete das Experiment in Indien und da können wir uns nun wirklich nicht hinstellen und sagen, „wir sind ein großes Land mit einer hohen Einwohnerzahl“. Da würde uns jeder Inder auslachen; zurecht auch.

Nach zahlreichen Gesprächen mit österreichischen Kollegen, fallen zwei Punkte auf, wo unsere Nachbarn ein absolut Klasse Job machen:

#1. Unterstützung für Familienbetriebe

#2. Kooperationen / Strategische Allianzen / Genossenschaften – es gibt viel mehr „Miteinander“ und weniger „Gegeneinander“

Da ich Informationen aus erster Hand mit Euch teilen möchte, werde ich an dieser Stelle die Schweizer auslassen. Leider habe ich weniger Kontakte zu Schweizer Landwirte und kann deshalb nicht so gut beurteilen, wie die dortige Lage im Vergleich zu Deutschland ist.

Österreich, Deutschland oder Schweiz: Welches Land wird das erste Bio-Bundesstaat im DACH-Gebiet etablieren?

Bildquelle: Foto von Free-Photos auf Pixabay