Beiträge

Bienenstrom - Agrarbetrieb Blumenwiesenpatenschaft

Mit Bienenstrom die heimischen Pflanzen und Insekten retten

Biodiversität, Artenschutz, Lebensräume für Pflanzen und Insekten schaffen – das verspricht uns Bienenstrom, ein neues Konzept aus der schwäbischen Kleinstadt Nürtingen. Die Idee dahinter: Äcker in Blühflächen verwandeln.

Was genau versteht man unter Bienenstrom?

Das Problem des Insekten- und Bienensterbens in Deutschland ist nichts Neues. Auch ich habe des Öfteren hier auf Agrarbetrieb darüber berichtet und mit Hilfe meiner Blumenwiesenpatenschaft tue ich alles, um dieser gravierenden Problematik entgegen zu wirken.

Bei Bienenstrom handelt es sich um einen 100% Ökostrom mit dem Ziel, Lebensräume für Pflanzen und Insekten zu schaffen. Mit Hilfe des Blühhilfe-Beitrages in Höhe von 1 Cent pro kWh verbrauchten Stroms tragen Bienenstrom-Kunden dazu bei, die Äcker in Blühflächen zu verwandeln. Die Höhe des Tarifs kann direkt über die Homepage berechnet werden.

Die von den Beitragszahlern, auch Blühhelfer genannt, gesammelten Beträge gehen an die Blühpaten-Landwirte die mit ihrem besonders artenreichem Saatgut, die Biodiversität fördern. Damit werden die Landwirte aus der Region mit in das Konzept von Biostrom integriert, was dem Ganzen einen runden und professionellen Aspekt verleiht.

So dürfte es keinen verwundern, dass diese intelligente Förderung von Blühstreifen, als erster Ökostrom-Lieferant, die Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt erhielt. Die Preisverleihung fand auf der diesjährigen Internationalen Grünen Woche in Berlin statt.

Kurz zum Hintergrund der Verleihung solcher Prämien:

Die Vereinten Nationen haben die Zeitspanne 2011-2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Biodiversität entgegenzuwirken.

Das Interessante dabei: bis dato wurde noch nie ein Stromprodukt ausgezeichnet. Biostrom schreibt da Geschichte.

Quelle: RTF1, KlarnerMedien, YouTube

Bienenstrom – ein Franchisemodell zur Förderung von Blühstreifen

Das Kooperationsprojekt Bienenstrom im Biosphärengebiet Schwäbische Alb erblickte das Tageslicht im Frühjahr 2018.

Elf Landwirte aus der Region haben letztes Jahr insgesamt 14 ha Blumen und Wildkräuter angebaut. Heuer sind 6 weitere Hektar dazu gekommen. Im Herbst wird geerntet. Die Pflanzen landen anschließend in Biogasanlagen wo sie zu Strom und Wärme umgewandelt werden.

Dieses Erfolgsprojekt soll nun in ganz Deutschland ausgebreitet werden, als Franchise-Modell versteht sich.

Die Schwaben wollen ihren Bienenstrom auch anderen Stadtwerken und Regionalversorgern zur Verfügung stellen. Das was die Kunden der Stadtwerke Nürtingen heute für die heimischen Insekten tun, soll auch Kunden aus anderen Gebieten ermöglicht werden.

Eine clevere Strategie von Seiten der Stadtwerke Nürtingen und seiner Kooperationspartner, dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb, dem Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund und dem Fachverband Biogas e.V.

Unterstützung aus der Politik – CDU fordert größere Anreize für Landwirte bei Natur- und Artenschutzleistungen

Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner setzt sich ganz gezielt für den Ausbau der Biodiversität ein. Es sollen vernetzte Lebensräume für Fauna und Flora hergestellt werden. Pflanzenbauliche Produktionssysteme sollen konsequent genutzt und ausgebaut werden.

Dies soll u.a. durch die Förderung von Blühstreifen, Ausgleichsflächen und Heckenpflanzungen erreicht werden. Landwirte die sich hierfür einsetzen, sollen entsprechend honoriert werden. Überdies sollen auch Imker weiter unterstützt werden.

Gelder sollen darüber hinaus auch in die Forschung innovativer und bienenfreundlicher Pflanzenschutzmittel fliessen. Nicht-chemische Verfahren sollen forciert und zügig zugelassen werden.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema erhaltet Ihr auf den Seiten der BMEL und Volksbegehren Artenvielfalt, sowie hier auf Agrarbetrieb.

Folgende Beiträge möchte ich Euch ans Herz legen:

Landwirtschaft zwischen Artenvielfalt und Gentechnik

Gehört die Förderung von Artenvielfalt in den Pachtvertrag?

Bienenstrom für Bayern

Das was unsere Kollegen im Schwabenländle aufgebaut haben, benötigen wir dringend auch in Bayern.

Best Practices sind eine tolle Sache. Das was sich in einer Region oder einem Industriezweig bewährt hat, kann auch woanders entweder zu 100% gleich oder leicht adaptiert, eingesetzt werden. Lasst uns den Bienenstrom aus Baden-Württemberg auch zu uns nach Bayern holen.

Bienenstrom und / oder Blumenwiesenpatenschaft – Wie viel Blühfläche könnt Ihr finanzieren?

Artenschutz bei Agrarbetrieb

News: SIMA, Dürre-Insolvenzen, Artenschutz

Vom 24-28 Februar trifft sich unsere Community auf der französischen Landwirtschaftsmesse SIMA in Paris. Ein spannender Kick-off gleich zum Jahresanfang 2019, denn im November sehen wir uns alle in Hannover auf der Agritechnica.

Des weiteren blicken wir nochmal mit große Sorgen auf das Dürrejahr 2018 zurück. Die Konsequenzen, u.a. jede Menge Dürre-Insolvenzen werden erst in diesem Jahr zum Tragen kommen. Zum Schluss widmen wir uns dem Thema Artenschutz in Deutschland.

Messejahr 2019: Erst SIMA, dann Agritechnica

Am Sonntag den 24. Februar geht’s los. Die SIMA in Paris erwartet über 1.800 Ausstellern aus 42 Ländern. Es geht um moderne Landtechnik, neue Verfahren und digitale Lösungen in der Landwirtschaft, sowie um die traditionelle Preisverleihung der SIMA Innovation Awards.

Ein paar wichtige Eckdaten zur Messe:

  • Location: Messehallen des Parc des expositions Paris Nord Villepinte.
  • Öffnungszeiten: 8:30 bis 18:00
  • Eintrittspreise: 30€ inkl. MwSt. (Online), 40€ inkl. MwSt. vor Ort
  • Messedauer: 24 – 28 Februar

Die Gewinner der SIMA Innovation Awards 2019:

  1. Goldmedaillen (2x): Claas Januar 960 Terra Trac und LaForge DynaTrac
  2. Silbermedaillen (5x): Live NBalance von Airbus Defence and Space & John Deere, Field Sensor von Bosch Frankreich, Fernüberwachungssystem für John Deere Vertriebspartner, Redvista Augmented Reality Technologie von Kuhn, Tank-Air-Wheel (Puffertank) des französischen Felgenherstellers Sodijantes Industrie
  3. Bronzemedaillen (20x): 20 Preisträger

Auch wenn Paris in den letzten Jahren unter den DACH-Kollegen eine immer größere Beliebtheit gewonnen hat, bleibt der Termin in Hannover zum Jahresende unschlagbar. Mit über 2.800 Herstellern aus 52 Ländern in 23 Hallen ist und bleibt die Agritechnica DAS Treffpunkt für Landwirte aus der ganzen Welt.

Dürrejahr 2018: Die Konsequenzen sind bitter

Ein Katastrophenjahr – so beschreibt eine Vielzahl deutscher Landwirte das letzte Jahr.

Wochenlang schien die Sonne, kaum eine Wolke am Himmel und der Regen ließ lange auf sich warten. Die Schwimmbäder und Biergärten in Deutschland freuten sich über die Rekordumsätze, den Landwirten blieb nur der Blick auf öde Landschaften übrig. Dass dies für die zweiteren noch jede Menge Konsequenzen mit sich bringen wird, war uns klar.

Das Dürrejahr 2018 hat den meisten landwirtschaftlichen Betriebe einen Strich durch die Rechnung gezogen. Und das buchstäblich.

Die Zahl der Insolvenzen ist nur geringfügig nach oben gegangen. Laut Destatis sind letztes Jahr 114 landwirtschaftliche Unternehmen zahlungsunfähig geworden. Die Zahl ist deutlich niedriger als in den Jahren zuvor.

Es gibt eine Ausnahme: das Jahr 2017 gilt mit 109 angemeldeten Insolvenzen als das Jahr mit den bislang wenigsten Unternehmensinsolvenzen in der Landwirtschaft.

Das schlimmste erwartet uns noch, so die Prognosen des Finanzdienstleisters CRIF Bürgel.

„Im Zeitraum von August bis November 2018 ist die Zahl der insolvenzgefährdeten Unternehmen aus der Landwirtschaft um 11,1 Prozent angestiegen. Insgesamt gelten damit aktuell 5.049 landwirtschaftliche Betriebe als finanzschwach und haben derzeit ein erhöhtes Insolvenzrisiko.“

Quelle: CRIF Bürgel GmbH


Zum Vergleich: Der Trend in der Gesamtwirtschaft ging im gleichen Zeitraum mit -3,7% in die entgegengesetzte Richtung.

Welche Optionen bleiben einem landwirtschaftlichen Betrieb offen, um die heftigen Auswirkungen des letzten Jahres zu überleben?

Zum einen, kann es auf Rücklagen zurück greifen – vorausgesetzt die existieren und sind noch ok. Zum anderen, können Familie und Freunde einem kurzfristig mit einer Finanzspritze aushelfen.

Egal wie, man steckt in der Zange: die Ernte ist klein ausgefallen, d.h. die Erlöse sind eingebrochen und gleichzeitig sind die Kosten gestiegen. Deshalb gehen die Finanzdienstleister von einem Anstieg der Insolvenzzahl in 2019 aus.

Es gibt aber auch positive Nachrichten:

Landwirtschaftliche Betriebe gelten als „finanzstärker und robuster“ als die Gesamtwirtschaft. Hinzu kommt, dass der durchschnittliche Bonitätsindex in der Landwirtschaft einen besseren Wert ausweist (2,42) als in der Gesamtwirtschaft (2,70).

Für alle unter Euch die tiefer in die Materie einsteigen wollen, denen empfehle ich das neu erschienene Situationsbericht 2018/19 des Deutschen Bauernverbandes. Das 50-seitige PDF-Dokument kann auf der Webseite des DBV kostenfrei heruntergeladen werden.

Das Thema Artenschutz bringt endlich etwas mehr Bewegung in die Politik rein

Wie Ihr bereits wisst, spielen Artenvielfalt und Insektenschutz insb. Honigbienenschutz eine besonders grosse Rolle in meinem Leben. So kommt es auch, dass ich das Projekt Blumenwiese vor ein paar Jahren ins Leben gerufen habe.

Umso weniger wundert es mich, dass das bayerische Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ die Politik wieder massiv in Bewegung setzt.

Das Ergebnis: die Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will den Insektenschutz in Deutschland gesetzlich festschreiben. Dafür soll es laut Ministerin zusätzlich 100 Millionen EUR im Jahr geben.

Das Aktionsprogramm soll verbindliche Vorgaben u.a. bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und beim Zuführen von Schadstoffen im Lebensraum der Insekten machen. Das Vorhaben soll im April mit dem Landwirtschaftsministerium abgestimmt werden.

Der Anschub kam aus Bayern. Über 17 Millionen Bürger, das sind 18% der Wahlberechtigten haben mit ihren Unterschriften ein klares Zeichen für das Volksbegehren „Artenvielfalt“ gesetzt. Der Bayerische Bauernverband (BBV) wird an den Gesprächen mit der Politik teilnehmen.

Biodiversität geht nicht nur Bayern etwas an, sondern alle

Nachhaltige Landwirtschaft – dafür stehe ich bei Agrarbetrieb und mit mir ganz viele Kollegen aus Bayern und anderen Bundesländern.

Ich freue mich, dass die Initiative aus Bayern kommt und Mittelfranken da die Nase vorne hat, aber hier geht es um vielmehr als ein paar Stimmen aus einem Bundesland. Es geht um eine Steigerung der Sensibilität für wildlebende Insekten (nicht nur die Honigbiene), Arten- und Umweltschutz bei Landwirten und Bevölkerung gleichermassen. Es geht um eine engere Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Imkern.

Was können wir für den Artenschutz in Deutschland zusätzlich noch alles tun?

Zucker-Fiasko Preisverfall

Zucker-Fiasko: Preise fallen weiter, Jobs gehen verloren

Raus aus dem Zucker-Fiasko – nur wie? Die Zuckerpreise scheinen keine Grenze nach unten zu kennen. Der Binnenmarkt steht massiv unter Druck. Nordzucker will Sach- und Personalkosten reduzieren; Menschen verlieren ihre Jobs. Investitionen erfolgen außerhalb Europas.

Die Lage auf dem europäischen Zuckermarkt ist desaströs. So wie es derzeit aussieht, gibt es nur einen Gewinner, nämlich den Konsumenten.

Die Zucker-Akteure und Ihre Probleme im Einzelnen:

  • Rübenbauer: Die Dürre hat die Zuckerrübe auch nicht verschont. Die Rüben sind vielerorts sehr klein geworden und die Ernte war schwierig.
  • Konzerne / Industrie: Die beiden Zucker-Giganten Nordzucker und Südzucker stehen stark unter Druck. Beide Produzenten verzeichneten ein zweistelliges Minus im operativem Geschäft. Das hat bittere Konsequenzen: jetzt werden Stellen abgebaut. Investitionen erfolgen außerhalb des europäischen Kontinents.

Beide „Parteien“ kämpfen mit der gleichen Problematik:

Niedrige Zuckerpreise + einen mit Zucker überversorgten europäischen Markt

Zucker-Fiasko am Londoner Terminmarkt

Ein Blick auf die von der EU-Kommission veröffentlichten aktuellen Zahlen verdeutlicht das oben beschriebene. Im Oktober 2018 beliefen sich die Preise auf 320 EUR je Tonne. Ein historischer Tiefstand.

Damit kostete das Weißzucker 27 EUR/Tonne weniger als im September 2018 und ganze 100 EUR/Tonne weniger als im Vorjahr. Große Anbauländer wie Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien kämpften sogar mit Preisen von 307 EUR je Tonne.

Nach der kurzen Erholung im November rappelte es erneut auf dem Londoner Terminmarkt für Zucker. Die Preise gingen um mehr als 10% auf 340 USD/Tonne (ca. 299 EUR/Tonne) zurück. Wichtig hierbei auch die Anmerkung, dass die Weltmarktpreise für Rohrzucker  gesunken sind. Dies wirkte sich ebenfalls negativ auf die Zuckerpreise in Europa aus.

Der europäische Terminmarkt in London bleibt weiterhin pessimistisch. Von einer Preiserholung ist nicht die Rede. Die neue Ernte 2019 notiert mit 357 USD/Tonne (ca. 315 EUR/Tonne) und damit weniger als der Märzkontrakt.

Und wie sieht’s an der Börse in New York aus?

Nicht viel anders.

Die Weltmarktpreise für Rohrzucker sind seit Mitte Oktober um 10% zurückgegangen. Der Trend zeigt auch hier weiterhin nach unten. Eine Korrektur ist derzeit nicht in Sicht.

Was bedeutet das für die Rübenbauer?

Als Rübenbauer (ich gehöre nämlich auch dazu) stecken wir in einer Zweckmühle.

Je nachdem wie wir die Verträge abgeschlossen haben (kurz/ langfristig), wirkt sich dieser Preisverfall früher oder später auch auf uns aus. Die Bezahlung wird dann mager ausfallen.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (kurz BLE) schätzt die Rübenpreise für die aktuelle Saison auf ca. 26 EUR/Tonne. Das sind 3 EUR/Tonne weniger als das Jahresniveau.

Folgendes gilt es noch zu berücksichtigen:

  • Dürrebedingt ist die Ernte kleiner ausgefallen.
  • Die EU-Kommission schätzt die aktuelle Rübenernte auf 126,2 Mio. Tonnen (die Zahl wurde um 12% nach unten korrigiert). Die Zuckererzeugung wird auf 18,6 Mio. Tonnen geschätzt (2,5 Mio. Tonnen weniger als im Vorjahr).
  • Die verfügbare Zuckermenge übersteigt trotzdem den Bedarf (siehe weiter fallende Zuckerpreise).
  • Der innereuropäische Verbrauch liegt bei 18,5 Mio. Tonnen.
  • Die niedrigen Weltmarktpreise wirken sich negativ auf europäische Exporte aus.

Führt diese Situation dazu, dass die Anbauflächen für Zuckerrüben zurückgehen werden?

Zur Zeit geht die EU-Kommission von einem moderaten Rückgang aus.

Ob das so bleibt, muss abgewartet werden. Die gravierenden Probleme in der europäischen Zuckerwirtschaft deuten eher auf einen weiteren Rückgang der Anbauflächen für Zuckerrüben.

Quellen: Europäische Kommission, BLE, Telebörse.de

Quelle: Bayerischer Rundfunk, YouTube

Das Chaos nach der Quotenregelung ist perfekt

Vor einem Jahr, im Oktober 2017 hieß es „goodbye Quotenregelung“.

Seitdem herrscht Chaos auf dem europäischen Zuckermarkt. Die Preise sind im freien Fall. Die Industrie muss Stellen abbauen und Landwirte überlegen ihre Anbauflächen anders zu verteilen.

Auf Seiten der Industrie setzt Nordzucker ein klares Signal. Die Kosten in der Verwaltung müssen reduziert und Investitionen anderswo getätigt werden. Immerhin verzeichnen die Braunschweiger in diesem Jahr einen operativen Verlust von 40 Mio. EUR und auch nächstes Jahr werden die Ergebnisse voraussichtlich negativ ausfallen.

Ganz konkret heisst es:

  • Reduzierung der Sach- und Personalkosten um jeweils 20 Mio. EUR.
  • Investitionen in die Rohrzuckerproduktion außerhalb Europas wie z.B. Australien.

Wie geht’s weiter?

Sollen wir bei der Rübe bleiben oder unsere Anbauflächen lieber mit etwas anderem belegen? Ist denn Getreide so viel besser? Welche anderen Alternativen stehen uns zur Verfügung?

Diese und weitere Fragen gehen derzeit ganz vielen Rübenbauern durch den Kopf.

Klar hilft uns das tolle Ergebnis aus 2017 den Schlamassel aus diesem Jahr irgendwie zu überleben. Aber „Hoffnung“ und auf gute alte Zeiten zurückgreifen ist keine clevere Strategie. Überlegen ist angesagt. Gespräche mit Gleichgesinnten ist sicherlich etwas hilfreiches. Die endgültige Entscheidung liegt dann sowieso bei jedem Einzelnen von uns.

Raus aus dem Zucker-Fiasko: Welche Ideen und Überlegungen gehen Euch da durch den Kopf?

Afrikanische Schweinepest hält an

News: Afrikanische Schweinepest, Zuckerprobleme und Outdoor Smartphones

Kein Ende in Sicht was die Afrikanische Schweinepest anbelangt. Immer wieder werden neue Fälle aus Rumänien gemeldet. EU-weit breitet sich die Seuche in den Wildschweinpopulationen aus. Das Ganze ist jedoch nicht nur ein europäisches Problem; so kämpft China ebenfalls mit ASP.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich über ASP berichte (siehe Beiträge aus Februar und September). Und wenn das so weitergeht und wir die Problematik nicht baldmöglichst in den Griff bekommen, dann sicherlich auch nicht das letzte Mal.

Neue ASP-Fälle seit Ende September

Die gute Nachricht zuerst: Tschechien hat Ende November nach nunmehr 6 Monaten ohne neue Fälle, den ASP-Ausbruch in der Tschechischen Republik als beendet erklärt.

Drei Länder scheinen besonders schwer von der Plage betroffen zu sein; eins davon sind unsere Nachbarn in Belgien.

ASP in Belgien

In Belgien wurde ASP bis dato bei insgesamt 181 Wildschweinen nachgewiesen. Im letzten Monat meldeten die Behörden 21 neue Seuchenfälle. Die Tiere stammen aus der sog. infizierten Zone (Kernzone + Beobachtungszone). Die Kernzone wurde nun um 2,3 qkm erweitert.

ASP in Rumänien

Rumänien hat es europaweit am stärksten erwischt. Immer wieder melden die rumänischen Behörden neue Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest bei Hausschweinen.

  • Laut Daten des Tierseuchenmeldesystems (ADNS) der Europäischen Union gab es im aktuellen Jahr bis zum 9. Dezember 2018 insgesamt 1.131 ASP-Ausbrüche bei Hausschweinen und 381 Fälle bei Wildschweinen.
  • Seit dem Virusfund wurden 362.648 Schweine gekeult. (Quelle: ANSVSA, Rumänische Veterinärbehörde)

ASP in China

Noch schlimmer sieht es in China aus. Hier wurden bereits rund 570.000 Schweine vorsorglich getötet. Seit diesen Sommer gab es über 81 ASP-Ausbrüche bei Hausschweinen in 20 Provinzen.

Sowohl in Rumänien als auch in China waren hauptsächlich kleine Betriebe betroffen. Die Seuche tritt jedoch vereinzelt auch in kommerziellen Haltungen und auf Schlachthöfen auf.

Quellen: Friedrich Löffler Institut (FLI)

Die Afrikanische Schweinepest hat schon manch einen Tierhalter ins Ruin getrieben. So auch Züchter Andrzej Lyszczewski aus Polen. Seine 50 Schweine mussten umgebracht werden. Die Konsequenz für ihn und seine Familie: ein wirtschaftlicher Totalschaden.

In dem nachfolgenden Videobeitrag von SpiegelTV wird die ASP-Problematik näher beleuchtet. Wie soll man diese Seuche stoppen? Alle Tiere umbringen ist alles andere als eine optimale Lösung…

 

Quelle: spiegeltv, YouTube

Der hart umkämpfte Zuckermarkt

Mit einer gemeinsamen Resolution wenden sich drei Verbände aus Deutschland an die Politik.

Der Appell geht sowohl an die politisch Verantwortlichen in Deutschland als auch an diejenigen in der Europäischen Union. Es geht darum sich aktiv für den Erhalt des heimischen Zuckerrübenanbaus einzusetzen.

Die Akteure:

  • Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V.
  • Vereinigung der Zuckerrübenanbauer e.V.
  • Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V.

Hier sind die einzelnen Kritikpunkte aus der gemeinsamen Resolution kurz zusammengefasst:

  • Die Politik habe sich in eine Beobachterrolle zurückgezogen.
  • Es ist ein massiver Wettbewerbsdruck durch die Abschaffung der Produktionsquoten und Mindestpreisen entstanden.
  • Der Weltmarktpreis ist aufgrund von Exportsubventionen und interne Preisstützungen in Drittländern verfallen.
  • Unnötige Verbote von Pflanzenschutzmitteln in Verbindung mit einem schwerfälligen Zulassungssystem in Deutschland.
  • Abschaffung gekoppelter Prämien in anderen EU-Ländern wie z.B. Ungarn, Polen oder Italien.
  • Das hat als Konsequenz: sinkende Anbauflächen, Auslastung der Fabriken ist nicht mehr gewährleistet, es drohen Fabrikschließungen.

Ein fairer Wettbewerb sei durch die oben erwähnten Punkte laut Meinung der Verbände nicht möglich. Die Politik müßte aus seiner Beobachterposition raus und entsprechend handeln.

Quellen: ruebe.info, Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V.

Robust, wasserdicht, preislich OK – ein neues Outdoor Smartphone soll das alles können

Ein Robusthandy unter 200 EUR?

Genau dieses Versprechen gibt uns Handyhersteller RugGear bei der Präsentation seines Mittelklasse Outdoor-Smartphones RG 650.

RugGear ist eine bekannte Marke für Outdoorgeräte für Baustellen, Freizeit und die Landwirtschaft. Jetzt will uns das Unternehmen mit Sitz in Hong Kong mit einem günstigeren Robusthandy überzeugen.

Was zeichnet das neue RG 650 aus?

Das Smartphone ist gegen Wasser, Ölnebel, Vibrationen, Stöße, Staub und Stürze gut gewappnet.

  • Das Robusthandy erfüllt die Schutzklasse IP68 und MIL-STD 810G.
  • Das Gehäuse besteht aus einer Polycarbonat-Mischung mit speziell angeordneten Crash-Zonen, um die Aufprallenergie abzuleiten und die Elektronik zu schützen.
  • Stürze aus bis zu 1,5 m Höhe auf Beton sollte das Handy laut Herstellerangaben problemlos überleben.
  • 5,5 Zoll großes Display im Format 18:9.
  • 196 g Gewicht.
  • Dual SIM nano und Micro SD 128 GB.
  • Kameras: 8 MP Rückseite, 2 MP Frontal.
  • Android Betriebssystem.

Das Robusthandy kann man für 199 EUR (inkl. MwSt.) bei verschiedenen Elektronik-Händlern kaufen.

Rübenprobleme ja, Probleme mit der Schweinepest zum Glück (noch) keine

Trotz aller Vorsorgemaßnahmen, stellt sich schon die Frage wie lange wir von der ASP-Problematik in Deutschland verschont bleiben. Unsere Nachbarn in Polen und Belgien kämpfen seit Monaten mit der Seuche und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Wie bereits in dem SpiegelTV-Beitrag erwähnt, alle Haus- und Wildschweine umzubringen ist kein Lösung. Wir kämpfen weltweit mit diesem Phänomen und alle Jahre taucht es wie aus dem Nichts wieder auf. Trotz Technologien und Innovationspower stehen wir alle da und haben keine viable Lösungsansätze.

Welche Ideen habt Ihr? Wie können wir die Schweinepest ein und für alle Mal in den Griff bekommen?

Entwarnung fur Familienbetriebe in Deutschland

Entwarnung: Kein Aus für Familienbetriebe in Deutschland

Der langsame aber sichere Tod der Familienbetriebe in Deutschland wird schon lange prophezeit. Gierige Investoren, die nur eins im Visier haben, nämlich Profite schlagen, würden alles zunichte machen, um als alleinige Herrscher unserer Böden zu werden.

Es zeigt sich jetzt, dass dies nicht ganz der Realität entspricht.

Mag sein, dass die Sendung „Bauer sucht Frau“ bei einigen Zielgruppen gut ankommt, aber Fakt ist, dass „Bäuerlichkeit“ nicht mehr so ganz im Trend liegt.

Viele Betriebe mussten ihre Türen schließen. Die Agrarunternehmensstruktur in Deutschland zeigt jedoch weiterhin eine Dominanz der Familienbetriebe. Die letzte Agrarstrukturerhebung aus 2016 kam auf eine Anzahl von 274.500 landwirtschaftliche Betriebe (Quelle: Statistisches Bundesamt, Destatis).

Das sind rund 9.000 Betriebe weniger als drei Jahre zuvor.

Nun äußerte sich der Wissenschaftler Bernhard Forstner vom Thünen-Institut auf der Jahresversammlung des Europäischen Netzwerks der Agrarsozialversicherungssysteme (ENASP) wie folgt:

  • „Familienbetriebe werden weiterhin dominieren“
  • „Familienbetriebe werden größer, komplexer und wettbewerbsorientierter“

Familienbetriebe haben sich verändert. Sie haben sich einem erheblichen Wandel unterzogen.

Nebem dem vermehrten Einsatz neuer und innovativer Technologien, gab es folgende sichtliche Veränderungen:

  • Es werden Kooperationen gebildet.
  • Familienbetriebe setzen auf Diversifizierung (z.B. durch Gründung neuer Unternehmenszweige)
  • Es finden Beteiligungen an anderen Betrieben statt.

Ähnlich wie bei den Kollegen in Großbritannien, die sich jetzt mit dem Brexit herumschlagen müssen, stieg auch hierzulande die Bedeutung von Fremdarbeitskräften. Des weiteren nehmen immer mehr Familienbetriebe in Deutschland, die Angebote professioneller Dienstleister in Anspruch.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Familienbetriebe in Deutschland – Harte Arbeit, alle packen an

Jeder der auf einen Bauernhof aufgewachsen ist oder so wie ich, ein Familienbetrieb leitet, weiss ganz genau, was das mit sich bringt.

365 Tage pro Jahr arbeiten.

Alle Familienmitglieder, egal ob groß oder klein, alt oder jung, müssen anpacken.

Tja, kaum eine andere Berufsgruppe kommt an dieses Arbeitspensum bzw. erfordert so viel Einsatz von den Familienmitgliedern.

Was sagt der Wissenschaftler vom Thünen-Institut zum Thema Wettbewerbsfähigkeit?

Forstners Meinung nach, bieten Familienbetriebe in Deutschland folgende Vorteile im Vergleich zu Kapitalgesellschaften:

  • Hohe gesellschaftliche Akzeptanz
  • Hohes Maß an Flexbilität insb. in Krisensituationen
  • Breite politische Akzeptanz

Eins sollte bei der ganzen „Euphorie“ nicht aus den Augen gelassen werden, u.z. die

Betriebsgröße und wachsende Komplexität der Familienbetriebe.

Werden diese beiden Faktoren in den zukünftigen Auswertungen und Statistiken nicht berücksichtigt, dann kann es möglicherweise zu falschen agrarpolitischen Schlußfolgerungen kommen. Weiterhin wird dadurch auch die Qualität der Struktur- und Einkommensanalysen beeinträchtigt.

Welchen Einfluß hat die EU-Agrarpolitik auf unsere Agrarunternehmensstruktur?

Keinen entscheidenden Einfluß, so die Meinung von Forstner.

Quellen: Thünen-Institut, Agra-Europe

Familienbetriebe bekommen Rückendeckung aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium

Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens will das Bodenrecht verschärfen. Preismissbrauch auf dem Bodenmarkt muss unterbunden werden.

Landwirtschaftliche Bodenmärkte sollen vor Finanzinvestoren geschützt werden. Die negativen Auswirkungen müssen abgewehrt werden, so eine Pressemeldung von Agra-Europe.

Ein paar Zahlen zur Verdeutlichung der „Krise“ (laut Schätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums):

  • Rund 30% der Einzelflächen werden seit der Finanzkrise in 2007 jährlich an Nichtlandwirte veräußert.
  • 20% der Flächentransfers in Ostdeutschland erfolgen über Anteilsverkäufe, d.h. diese Deals entziehen sich der Kontrolle des Grundstückverkehrsgesetzes.
  • Nur in 2-3% der Fälle, in denen Nichtlandwirte kaufen möchten, wird das Vorkaufsrecht zugunsten aktiver Landwirte ausgeübt.

Schlussfolgerung des Staatssekretärs:

Der gigantische Preisanstieg für Agrarflächen lässt sich mit der Produktivitätsentwicklung der Landwirtschaft nicht erklären.

Wohin geht die Reise?

Ich bin alles andere als ein Wahrsager, aber folgendes kann ich auf Basis dessen was ich tagtäglich sehe und erlebe, sagen:

Es wird schneller. Wir müssen uns schneller verändern, anpassen, neues annehmen und umsetzen.

Es wird technologischer. Neue, innovative Technologien werden in unser Alltag als Landwirte integriert. Wir müssen lernen mit neuer Software und Apps zu arbeiten sowie hochmoderne Maschinen zu bedienen.

Es wird futuristischer. Roboter, Drohnen, Gentechnik 2.0, schwimmende Farmen – das muss unser menschliches Gehirn erstmals verstehen bevor wir damit arbeiten können. Von uns Landwirten wird erwartet, dass wir umsetzen. Die Weltbevölkerung auf dem Planeten wächst, die Agrarflächen schrumpfen. Das führt zu „jede Menge Spass“ bei der Umsetzung.

Es wird kompetitiver. Der ewige Kampf Großinvestoren vs. „kleiner Mann“ wird weitergehen, egal was uns die Politik verspricht. Wir leben nunmal auf einem Planeten wo Geld und Profitabilität die Oberhand haben und so schnell wird sich das wohl auch nicht ändern.

Die Starken werden überleben.

Der Rest wird, wie so oft in der Geschichte der Menschheit, auf der Strecke bleiben.

Wer hat behauptet, dass das Leben fair ist?!

Eure Meinung:

Welches Schicksal werden Familienbetriebe in Deutschland haben?