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Lebensmittelpreise explodieren Selbermachen angesagt

Lebensmittelpreise explodieren – Jetzt ist Selbermachen angesagt

Die Preise für Lebensmittel explodieren weltweit und da bringt ein schneller Einkauf im Nachbarland für diejenigen, die im Grenzgebiet leben, langsam überhaupt nichts mehr. Welche Alternativen bleiben einem übrig? Wie wär’s mit Selbermachen?!

Während die Gehälter ein paar mickrige Prozente gestiegen sind (wenn überhaupt), gehen die Inflation und damit einhergehend die Benzin-, Energie-, Düngemittelpreise und Co. durch die Decke.

Wer ein bisschen Ahnung von Ökonomie hat, weiß sehr wohl, dass die verzweifelte Aktion der Zentralbanken, allen voran der Federal Reserve (FED) in den USA, absolut nichts gegen die Unmengen an Geld tun wird, mit denen die Märkte in den letzten Jahren geflutet wurden. Auch das Motto „wir kämpfen gegen die Inflation“ ist nur ein weiterer cleverer Slogan für die Massen, die das Spiel von Wall Street und der „Too big to Fail“-Institutionen bis zum heutigen Tag nicht durchschaut haben.

Kehren wir doch zu den Alltagssorgen des Otto Normalbürgers zurück, der völlig verzweifelt auf die Regalpreise und Kassenbons schaut, wenn er einkaufen geht. Immer weniger Menschen können sich die Supermärkte und Reformhäuser des höheren Preissegmentes leisten, aber auch der Discounter musste preislich nachziehen , um seinen Beitrag zur Makroökonomie zu leisten, und wird weniger erschwinglich für viele.

Was tun? Denn die Probleme kennt jeder nur allzu gut.

Für diejenigen, die nicht in einer Top-Funktion in einem Finanzinstitut arbeiten, in der man fast schon lachend auf ein an die Bevölkerung klug vermarktetes Rettungspaket im Falle eines Kollapses rechnet, ist Handeln angesagt.

Selbermachen – Ein Antidot gegen die Wegwerf-Mentalität

Wir leben in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft, in der es nur noch um Kurzlebigkeit und damit einhergehend Profite geht. Es werden weiterhin gerne chemische Elemente benutzt, um Lebensmittel zu kennzeichnen und dadurch den Konsumenten völlig im Nebel zu halten, wenn es um die tatsächlichen Inhalte geht.

Zwar gibt es mittlerweile jede Menge clevere Shopper und Konsumenten, die auf diese Tricks nicht mehr so schnell reinfallen, nichtsdestotrotz bleibt das Thema der galoppierenden Preise wie ein Damoklesschwert über den Köpfen.

Hier ein paar Tipps zum Selbermachen:

  • Selbstanbau, ob auf dem kleinen Hinterhof, im kleinen Garten oder gar im Minigewächshaus – jedes bisschen hilft
  • Indoor Farming und Teslagärten – interessante Konzepte für Stadtbewohner, die mit ihren vier Wänden auskommen müssen
  • Einlegen, Einkochen, Räuchern, Säuern, Trocknen und Fermentieren – Omas Methoden wieder anwenden, um Nahrungsmittel richtig aufzubewahren und Vorräte anzulegen
  • Zurück zum Einsatz der Kochkiste, um einerseits Energie zu sparen und andererseits, die Vitamine und Aromen besser zu erhalten
  • Exkurs: Foodsharing – statt Lebensmittel auf den Müll zu schmeißen, lieber jenen helfen, die es am meisten nötig haben

Es ist nicht jedermanns Traum, eine Vielfalt von Obst und Gemüse zu waschen, die passenden Gläser zu besorgen und zu reinigen, zu lernen wie man das ganze „Zeug“ richtig aufbewahrt, um es später zu genießen. Diese Arbeit ist alles andere als sexy, auch wenn das Endprodukt hervorragend schmeckt und obendrauf auch noch äußerst gesund ist.

Vielleicht bringen die explosionsartigen Lebensmittelpreise auch etwas Positives mit sich, nämlich, dass bei einem Großteil der Menschen ein Umdenken von Fast und Junk Food auf gesundes Essen stattfindet. Alles ist möglich.

Die weltweite Nahrungsmittelproduktion kann durch Roboter und Künstliche Intelligenz nicht ersetzt werden

Als technologiebegeisterter Landwirt finde ich die Diskussionen rundum das Thema „Technologie kann Landwirtschaft ersetzen“ nicht nur lächerlich, sondern völlig absurd. Die industrielle Landwirtschaft ist von der Natur, also vom Boden und Regen abhängig. Wir können die Böden düngen bis der Arzt kommt, Nährstoffe hinzufügen und sogar ein Liedchen beim Säen singen; wenn wir auf folgende wichtige Faktoren nicht achten, wird aus der ganzen Sache nichts:

  • Wenn nicht alle wichtigen Nährstoffe sich in der richtigen Balance befinden,
  • wenn die Witterungsverhältnisse nicht stimmen,
  • wenn die Pflanzen ein schwaches Immunsystem aufweisen und dadurch anfälliger für Krankheiten und Insektenbefall werden,
  • wenn wir die menschliche Arbeit nicht würdigen, die für die handwerklich hergestellten Lebensmittel von entscheidender Bedeutung ist,
  • wenn wir weiterhin billige Arbeitskräfte ausbeuten, den Amazonas und Co. abholzen, um jeden Fleck der Erde auszuschöpfen,

dann haben wir als Spezies wahrhaftig nicht viel gelernt.

Wir mögen alle stolz auf unsere technologischen Innovationen sein, aber wenn wir die Basis unseres Überlebens und unserer Gesellschaft nicht respektieren, dann ist mit den „billigen“ Lebensmitteln, an die sich die jüngere Generationen so sehr gewöhnt haben, ein für allemal Schluß.

Klar können einzelne „Leckereien“, zum Beispiel durch Plasma und modifizierte DNA-Strukturen, substituiert werden (siehe hierzu meinen Beitrag zum Fleisch aus dem Reagenzglas), aber ist es wirklich das, was wir wollen?

Selbermachen ist kein „outgedatetes“ Modell, sondern etwas sehr Reales. Einige werden sich freiwillig hierfür entscheiden, andere wiederum werden gezwungen sein, anders zu wirtschaften, um Essbares auf dem Tisch zu haben.

Bildquelle: Foto von Gabriella Clare Marino auf Unsplash

Goodbye Plastik, hier kommen die essbaren Verpackungen aus Seegras

Goodbye Plastik, hier kommen die essbaren Verpackungen aus Seegras

Plastikmüll wo das Auge nur hinschaut. Zwar bringen wir die PET-Flaschen für das Pfandgeld zurück aber der Rest bleibt buchstäblich auf dem Strassenrand liegen. Wie wär’s mit einer biologisch abbaubaren und obendrauf auch noch essbaren Verpackung? Wie wär’s mit einem Plastik das auf natürlicher Weise verschwindet?

Nicht möglich?

Von wegen…

Ein Londoner Start-up macht genau das möglich. Das Unternehmen Skipping Rock Labs hat ein gelartiges, essbares Membran bestehend aus einem Gemisch aus organischen Zusätzen entwickelt, um das lästige Thema „Einwegplastik“ in die Ecke zu drängen. Notpla, so der Name dieses Membrans, besteht größtenteils aus Seegras, u.z. der Hauptanteil ist die Braunalge.

„Es ist eine der Ressourcen, die am häufigsten vorkommt“, sagt Rodrigo Garcia, Mitbegründer von Notpla. „Eine der Algen, die wir verwenden, wächst bis zu einem Meter pro Tag. Können Sie sich vorstellen, dass etwas so schnell wächst? Man braucht keinen Dünger und kein Wasser, und es ist eine Ressource, die wir schon seit langem nutzen.“

— Rodrigo Garcia, Mitbegründer von Notpla gegenüber Business Insider

Quelle: Business Insider

Wie sieht die derzeitige Lage auf dem Plastikmarkt aus?

Zwar bedienen wir uns heute schon sog. Bioplastik-Tüten und Co. beispielsweise in den Supermärkten, aber was die wenigsten wissen, ist dass viele dieser Materialien einerseits aus Erdöl hergestellt werden und andererseits auch nicht biologisch abbaubar sind.

Die derzeitige Definition die wir haben ist demnach eine Attrappe. Auf der Webseite des WWF lesen wir nämlich folgendes:

„Als Biokunststoff werden also auch Materialien bezeichnet, die zwar organisch hergestellt werden, aber nicht biologisch abbaubar sind. Ebenfalls als Biokunststoff gelten Materialien, die zwar biologisch abbaubar sind, aber aus Erdöl bestehen.“

WWF Deutschland

Werden wir hier also alle auf die Schippe genommen?

Bevor ich Euch ein paar Zahlen um die Ohren haue, kurz noch ein Hinweis:

Ich habe vor wenigen Wochen einen Artikel über Bioplastik aus Pflanzenabfälle und unerwünschte Lebensmitteln veröffentlicht, den ich Euch an dieser Stelle ans Herz legen würde. Die hier aufgeführten Materialien beinhalten 0% Mikroplastik und 0% Erdöl basierte Bestandteile.

Nun zu den Zahlen…

In 2019 ist die 5. Auflage des Plastikatlas erschienen, was ganz interessante Daten und Fakten über die Welt der Kunststoffe enthält.

  • 99% des Plastiks werden aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas hergestellt.
  • Die Plastikindustrie in den USA plant ihre Produktion in den kommenden Jahren um 30% zu steigern.
  • Zwischen 1950 und 2015 wurden weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert.
  • Die Verschmutzung von Böden und Binnengewässern ist je nach Umgebung zwischen 4 bis 23-mal so hoch wie im Meer!
  • In 2018 wurden in der EU für Essen und Trinken mehr als 1,13 BILLIONEN Verpackungen verwendet.
  • Eine Handvoll multinationaler Konzerne kontrolliert den globalen Plastikmarkt.
  • Ineos ist der größte europäische Plastikkonzern. Das Unternehmen investiert Milliarden, um mit billigem Fracking-Gas aus den USA den europäischen Plastikmarkt anzuheizen.
  • Sind die Deutschen tatsächlich Weltmeister im Recycling? In 2017 wurden von 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen nur 810.000 Tonnen wiederverwertet. Das entspricht 15,6%.
  • Deutschland ist der 3-größte Exporteur von Plastikmüll wenn wir Asien ausklammern. An erster Stelle befinden sich die USA gefolgt von Japan.

Das 52-seitige PDF-Dokument könnt Ihr kostenlos auf der Webseite der Heinrich Böll Stiftung herunterladen.

Was macht das Plastik aus Notpla so besonders?

Das neuartige an dem Plastik aus Notpla ist die Kombination biologisch abbaubar UND essbar.

Die beiden Absolventen des Imperial College of London sowie des Royal College of Art, Rodrigo Garcia Gonzalez und Pierre Paslier, die auch die Mitbegründer von Skipping Rock Labs sind, haben sich in 2013 mit einem viralen Video ihrer Verpackung Ooho etabliert. Dieses Video hat die Aufmerksamkeit des größten europäischen Investors für Klimainnovationen EIT Climate-KIC auf sich gezogen.

Quelle: Mashable

Egal ob bei großen Events wie z.B. dem Londoner Marathon aus 2019 oder im Supermarkt, bei Lieferketten und Restaurants, Ooho ist als Beutel für Flüssigkeiten, Soßen und Cocktails geeignet. Laut Unternehmensangaben ist Ooho essbar, geschmacksneutral, zum Einfrieren geeignet und zersetzt sich binnen 4-6 Wochen.

Haben die beiden kreativen Jungs aus London endlich eine Alternative zum „bösen“, nicht abbaubaren Plastik gefunden?

Es gibt noch einige Punkte zu klären, wie z.B. das Hygieneproblem beim direkten Kontakt mit dem essbaren Membran. Die größte Hürde ist sicherlich die Listung im Lebensmitteleinzelhandel, denn das gilt als Heimspiel der Plastikkonzerne.

Die ersten erfolgreichen Schritte sind getan und die Kooperation mit dem Lieferdienst Just Eat ist auf jeden Fall von sehr großer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung des Start-ups.

„Es geht um die Wirkung. Wir haben damit begonnen, weil wir Teil einer Lösung für diese Plastikkrise sein wollten. Das ist es, was das ganze Team antreibt“, sagt Mitbegründer Pierre Paslier. „Es ist also ein wirklich spannendes Problem, an dem wir arbeiten.“

— Pierre Paslier, Mitbegründer von Notpla gegenüber Business Insider

Erleben wir endlich einen gewaltigen Ruck durch unsere Gesellschaft oder tümpeln wir weiter vor uns hin und erlauben den Plastikkonzernen uns weiterhin ungeniert an der Nase herumzuführen?

Bildquelle: Foto von Anna Shvets auf Pexels

Bioplastik aus Pflanzenabfälle und unerwünschte Lebensmittel

Bioplastik aus Pflanzenabfälle und unerwünschte Lebensmitteln

Der Plastikmarkt ähnelt einem Haifischbecken. Sich mit Bioplastik in dieser Branche durchzusetzen, erfordert jede Menge Mut. Rückenwind erhalten innovative Unternehmer jedoch vom Konsumenten, denn dieser setzt sich verstärkt für die Umwelt ein und erwartet ein entsprechendes handeln seitens Konzerne. Aus Abfall gut abbaubare Bio-Kunststoffe herstellen ist daher eine spannende Idee, die mehr und mehr Anhänger findet.

Ich habe neulich einen sehr interessanten TV-Beitrag über die Herstellung von Bioplastik gesehen. Die Doku zeigte die Initiative einer Züricher Firma auf, die mit Hilfe von Pflanzenabfällen einen neuen Wind in die Plastikbranche bringt. Da ich selber unterschiedliche Getreidesorten anbaue, fand ich die Idee aus einem Komposit bestehend u.a. aus Haferhülsen, ein gut abbaubares Bio-Kunststoff herzustellen, absolut genial.

Ein Sockenhalter aus Bioplastik der sich binnen 5 Wochen in Komposterde abbaut, das klingt doch hervorragend, oder?

Genau das verspricht FluidSolids Composites aus der Schweiz. Dank ihrer patentrechtlich geschützten Technologie, lassen sich maßgeschneiderte Biokomposite herstellen.

Weiterhin verspricht die Firma folgendes:

  • 0% Mikroplastik
  • 0% Erdöl basierte Bestandteile
  • 80% weniger CO2-Ausstoss
  • 100% Heimkompostierbar

Wie gut lässt sich Bioplastik in der Erde abbauen? Einstein, eine Sendung von SRF Wissen hat den Test gemacht. Das Team hat im Sommer verschiedene Bio-Kunststoffe vergraben und nach vier Monaten nachgeschaut was passiert.

Was ist also dran am Versprechen Bioplastik?

Quelle: SRF Wissen, YouTube

Bioplastik aus Lebensmittelabfälle

Wer sich auf die Reise nach Hersteller für Bioplastik begibt, kommt an MakeGrowLab nicht vorbei. Das polnische Unternehmen hat sich auf die Herstellung von innovativen Verpackungen aus Biokunststoffe spezialisiert. Die symbiotischen Prozesse der Natur werden nachgeahmt und somit fossible Brennstoffe die in Verpackungen oder Textilien beinhaltet sind, durch etwas ersetzt, was die Umwelt nicht verschmutzt sondern bereichert. So kommen Lebensmittelabfälle zum Einsatz.

Über das Thema Lebensmittelverschwendung habe ich schon öfters berichtet. Während in vielen Teilen der Welt Hungersnot herrscht, „erlauben“ wir uns hier in Deutschland etwa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr in den Müll zu schmeissen.

Es geht uns gut in Europa und das soll auch weiter so bleiben, allerdings müssen wir einiges anders handhaben und das möglichst bald. Es gibt bereits jede Menge gute Lösungsansätze, um dieses Thema in den Griff zu bekommen wie z.B. die Tafeln, die soziale Bewegung Foodsharing, die Herstellung von Snacks aus geretteten Lebensmitteln oder Bananenbrot aus überreifen Bananen.

Aber wir wissen alle, dass diese Initiativen bei weitem nicht ausreichen, um das Thema einigermaßen in den Griff zu bekommen. Deshalb finde ich es toll, wenn Start-ups und clevere Unternehmerpersönlichkeiten branchenübergreifend nach Alternativen suchen. Die Plastikindustrie ist ein mächtiger Markt und wenn wir hier die fossilen Bestandteile durch natürliche Ressourcen ersetzen können, dann sollten wir das tun.

Als Landwirt bin ich mehr als bereit, die Getreiderückstände die nach der Ernte zwangsläufig auf dem Ackerfeld bleiben, an Unternehmen wie z.B. FluidSolids abzugeben, um Bioplastik herzustellen. Ich bin überzeugt, dass sich sehr viele Kollegen aus meiner Branche finden, die dieses Unterfangen unterstützen würden.

Umwelt, Nachhaltigkeit und Nutzenmaximierung

Der Einsatz von Bioplastik ist nicht nur umweltfreundlich und nachhaltig sondern bietet eine große Palette von Einsatzmöglichkeiten.

Ein paar Beispiele aufgezählt:

  • Flexible Verpackung für Lebensmittel und Kosmetika
  • Einwegverpackungen zum mitnehmen
  • Wiederverwendbare Verpackungen (oder Mehrweg)
  • Barriereschicht für Papier bzw. als Barriere-Beschichtungen
  • Hautpflegeprodukte
  • Flüssiges Verdickungsmittel
  • Biokomposit-Zusatzstoff

Ganz faszinierend finde ich die nachhaltige Lederalternative aus Lebensmittelabfällen hergestellt von MakeGrowLab. Diese ist 100% plastikfrei, veganerfreundlich und äußerst effizient, da es mit Hilfe von Supermikroben innerhalb weniger Wochen im Labor entsteht. Der Einsatz von Bio-Leder reicht von Mode bis hin zu Innenarchitektur.

Wir müssen wissen, dass es bessere, umweltfreundlichere Alternativen gibt als das was wir aktuell weltweit verwenden. Bewusstsein schaffen ist der erste Schritt zu Veränderung. Bioplastik aus Pflanzen- und Lebensmittelabfällen ist eine TOP Alternative zu konventionellen, erdölbasierten Kunststoffen.

Bildquelle: Foto von John Cameron auf Unsplash

Krummes Gemüse und Obst schmeckt lecker

Krummes Gemüse und Obst schmecken absolut lecker

Wir hier in Deutschland sind zusammen mit allen anderen Bewohnern industrialisierter Länder für einen Großteil der weltweiten Lebensmittelverschwendung verantwortlich. Nicht nur die Privathaushalte sind für dieses Fiasko zuständig, sondern auch die Tatsache, dass bereits vorher im Prozess, bis zur Hälfte der Ernte im Müll landet. Der Grund: das Gemüse sieht „unästhetisch“ aus.

In meinem heutigen Beitrag möchte ich das Bewusstsein für krummes Gemüse und Obst steigern. Viele meiner Leser besitzen die nötige Sensibilisierung für dieses Thema, andere wiederum sehen das was im Hintergrund passiert oft nicht. Wie denn auch?

Einerseits, haben die Marketing- und Werbeagenturen einen Klasse Job vollbracht, die Mehrheit der EU-Bürger davon zu überzeugen, dass jede Gurke kerzengerade und gleich groß aussehen muss und andererseits, scheuen sich Discounter, Supermärkte und Co. die krummen Gefährten im Sortiment aufzunehmen. Es wird also aussortiert was das Zeug hält.

Und wo landet dann das ganze krumme Obst und Gemüse?

Laut dem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen „The State of Food and Agriculture in 2020“ gelangen in industrialisierten Ländern 40-50% der Ernte im Müll! (Quelle: FAO)

Ich wiederhole: Die Hälfte der Ernte landet im Müll!

Als Landwirt ist das ein absolut unerträglicher Zustand. Das zeigt wie viel Schaden in den Köpfen aller Teilnehmer dieses Systems entstanden ist.

Da können wir jahrelang über Lebensmittelverschwendung diskutieren und argumentieren, sowie neue Gesetze und Standards herbeiführen aber wenn wir den Fehler an der Basis des Problems nicht beheben, dann wird aus dem Ganzen nichts.

Ich will an dieser Stelle die Privathaushalte und Lebensmittelkonzerne und deren Beitrag zur Lebensmittelverschwendung nicht klein reden (deshalb habe ich einen gesonderten Beitrag dazu verfasst: Lebensmittelverschwendung in Deutschland: 11 Mio. Tonnen pro Jahr landen im Müll), aber es kann nicht sein, dass wir am Anfang der sogenannten Distributionskette mit derartigen Verlusten kämpfen.

Quelle: Quarks, YouTube

Die Lösung: Ein klares JA zu krummes Gemüse und Obst

Wer in Bioläden, auf dem Wochenmarkt oder direkt vom Bauer einkauft, hat große Chancen ungleich große und „komisch“ aussehende Kartoffeln, Möhren, Äpfel und Co. einzukaufen.

Die Mehrheit unserer Mitbürger rennen jedoch weiterhin zu Aldi, Lidl, Rewe und Co. um einzukaufen, d.h. es muss vorher in den Köpfen der Menschen Klick machen, bevor der Handel da in die Pötte kommt und größere Änderungen in den Listungen vornimmt. Denn bleiben die kleineren, krummen Möhren im Regal stehen, dann wird der Handel bei der nächsten oder übernächsten Bestellung darauf verzichten.

Wie können wir die Menschen hierfür sensibilisieren und eine Verständnis- bzw. Verhaltensänderung herbeiführen?

Immer mehr Menschen verbringen einen Großteil ihres Alltags in der Onlinewelt. Daher bin ich der Meinung, dass Bauer und Unterstützer, die eine entsprechende Onlinepräsenz aufbauen, neben den oben aufgeführten Absatzkanälen von gigantischer Bedeutung sind.

Folgende Anbieter die sich auf den Verkauf dieser Lebensmittel spezialisiert haben, sind sehr empfehlenswert:

  • etepetete: Gemüse und Obst in Bio-Qualität, Versand nach Deutschland und Österreich.
  • Querfeld: Bio-Gemüsekiste, Abos für Berlin, München und NRW, Abholstationen stehen ebenfalls zur Verfügung.
  • Rübenretter: Konfiguriere Deine eigene Retterbox.
  • Iss mich: Bio Lebensmittel und Catering aus Wien; treu dem Motto „all veggies are beautiful“.
  • Rettergut: Bereits über 100.000 kg Gemüse gerettet; #stopfoodwaste.
  • Culinary Misfits: Bunte Esskultur mit kulinarischen Sonderlingen. Hier erfahrt Ihr welche Projekte gerade laufen.

Weitere Lösungsansätze

Jedes Mal wenn ich im Handel Kartoffeln aus Ägypten sehe, dann wird mir „schlecht“. Wir importieren das Zeug, wissen nicht wie viele Schadstoffe bei der Produktion genutzt wurden, haben keine Ahnung welches Ackerfeld dahinter steckt, nicht zu Schweigen von den lästigen Transportkosten inkl. dem Lieblingswort der Politik „CO2-Ausstoß“.

Liebe Freunde, wenn Ihr was für Eure Gesundheit tun wollt und gleichzeitig was für Deutschland, für die heimischen Familienbetriebe und das Klima übrig habt, dann kauft doch regional und so gut es geht, saisonal ein.

Wer Kontakte liebt und auf Bequemlichkeit nicht verzichten will, kann selbstverständlich Online einkaufen und anschliessend beim Produzenten die Ware abholen. So erfahrt Ihr direkt vom Bauer, welche Lebensmittel bei Euch auf dem Tisch landen und wer weiss, vielleicht werdet Ihr sogar Freunde.

Warum jede Woche Bananen, Orangen oder Grapefruit im Sommer einkaufen, wenn Ihr quasi um die Ecke, frisch geerntete Kirschen, Brombeeren, Tomaten und Paprika angeboten bekommt? Die Ware wird nicht ewig gelagert und muss auch nicht um die halbe Welt gekarrt werden, um bei Euch auf den Tisch zu landen.

Lasst Euch nicht von der Propaganda aus Brüssel oder sonst wo täuschen. Wenn die Qualität passt, dann schmeckt krummes Gemüse und Obst genauso gut oder sogar besser als das hochgelobte „Standard“-Zeug.

Bildquelle: Foto von Markus Spiske auf Unsplash

Wie versorgen wir uns in der Zukunft

Wie versorgen wir uns in der Zukunft?

Wie versorgen wir eine wachsende Weltbevölkerung die Mega Cities bevorzugt?

Wir sind umkreist von Wasser und trotzdem haben Millionen von Menschen keinen Zugang zu frischem Trinkwasser. Wir schmeissen hierzulande tonnenweise Lebensmittel weg, während andere verhungern. Wir haben unzählige Ressourcen, sind umgeben von einer wunderbaren Flora und Fauna, haben jede Menge freie Flächen wo wir uns austoben können und trotzdem, entscheiden sich die meisten von uns, wie Nageltiere in irgendwelchen Hochhäusern zu leben. Wir, Homo Sapiens sind schon eine komische Spezies.

So wie wir aktuell leben, funktioniert es nicht. Wir wissen es und noch wichtiger, wir spüren es. Kein Wunder, dass alles um uns herum kollabiert.

Die Systeme die wir aufgebaut und an die wir uns so gewöhnt haben, sind an ihre Limits gelangt. Die Städte explodieren, die Dörfer gähnen vor Leere, die Jungen verschmelzen mit ihren beliebten Tech-Geräten während die Alten vermehrt in Altersheime „entsandt“ werden. Wir sehnen uns mehr denn je nach Anerkennung und Liebe, lassen jedoch dem Ego vermehrt freien Lauf und wundern uns, weshalb wir so vereinsamt sind.

Wir stehen vor immensen Herausforderungen.

Werfen wir als erstes einen Blick auf ein paar Studien die sich in punkto Entwicklung der Weltbevölkerung widersprechen:

  • Nach neuen Berechnungen der Vereinten Nationen (Juni 2019) soll die Weltbevölkerung in 2060 rund 9,7 Milliarden Menschen betragen. Bis zum Jahr 2100 rechnet die UN mit 10,8 Milliarden Menschen. [Quelle: Statista, basierend auf UN DESA Population Division]
  • Zu einem ganz anderen Prognose-Modell kommen jedoch Wissenschaftler und Forscher der medizinischen Fakultät der University of Washington. Die Weltbevölkerung soll zwar bis zum Jahr 2064 auf 9,7 Mrd. Menschen steigen aber danach soll diese auf etwas 8,8 Mrd. Menschen bis zum Ende des Jahrhunderts zurückgehen. Der Hauptgrund: Rückgang der Geburtenrate. In Japan, Thailand, Italien und Spanien könne die Bevölkerung um bis zu 50% schrumpfen. [Quelle: The Lancet, Juli 14, 2020 – „Fertility, mortality, migration, and population scenarios for 195 countries and territories from 2017 to 2100: a forecasting analysis for the Global Burden of Disease Study“]

Ich persönlich finde widersprüchliche Studien sehr gut, da sie uns nicht blind einer Perspektive, Aussage bzw. Zahl folgen lassen.

Bevor ich auf unser heutiges Versorgungsthema eingehe, möchte ich noch eine weitere Statistik mit Euch teilen, denn sie spielt eine wesentliche Rolle dabei, wie wir uns aufstellen müssen, um das was buchstäblich auf uns zurollt, einigermassen zu meistern:

===> Heute lebt 55% der Weltbevölkerung in Städten. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. [Quelle: The Guardian]

Das Zusammenspiel Größenwahn und Versorgung

Es ist nicht das erste und sicherlich auch nicht das letzte Mal, dass ich hier auf Agrarbetrieb über das Thema Versorgung schreibe. Ich möchte hierbei nicht nur eine entsprechende Sensibilität für dieses herausfordernde Thema schaffen, sondern u.a. auch auf die Probleme hinweisen und vor allem, Lösungsansätze und -alternativen bieten.

Siehe hierzu:

Vor ein paar Tagen habe ich ein interessantes Interview mit dem norwegischen Wirtschaftsphilosophen und Bestsellerautor Anders Indset gehört, was mich dazu bewegt hat, der Versorgungsthematik einen neuen „Spin“ zu geben.

Was mir an Anders besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass er kein Theoretiker ist. Vor seiner Karriere als Business Philosopher und vertrauter Sparrings-Partner für CEOs und Politiker hatte er selbst ein Unternehmen gegründet und geleitet, d.h. er kennt die „Ups and Downs“ im Geschäft und die damit einhergehenden Herausforderungen nur allzu gut.

Quelle: phoenix, YouTube

Obwohl ich nicht in allen Themen mit ihm übereinstimme, finde ich den Ansatz von Anders wo er darauf hinweist, dass wir zukünftig die Probleme auf globaler und lokaler Ebene anpacken müssen, anstatt wie heute auf nationaler Ebene, mehr als richtig.

  1. Globale Herausforderungen: Nehmen wir als Beispiel das aktuelle Finanzsystem. Wir haben Privatbanken, staatliche Banken, dann Zentralbanken, unterschiedliche Währungen usw. Das mag zwar alles super funktioniert haben in der Vergangenheit aber heute und vor allem zukünftig, kommen wir mit diesem System ans Limit. Es muss ein anderer Ansatz her. Digitalisierung ist eine Sache, eine ganz andere hingegen, ein komplett neues Finanz- und Wirtschaftssystem aus dem Boden zu stampfen, was nachhaltig sein wird. Wir brauchen eine globale Lösung. Nationale Lösungen in einer 100% voneinander abhängigen Welt macht keinen Sinn.
  2. Lokale Herausforderungen: Es kann nicht sein, dass wir Gesetze auf nationaler Ebene festlegen und uns dabei an den Bedürfnissen von Mega Cities wie z.B. Berlin, London, New York, Sydney, Los Angeles, Bangkok usw. orientieren, um diese dann eins zu eins in alle anderen Städte, Gemeinden und Dörfer zu implementieren. Das ist jenseits von gut und böse. Was in Berlin, München oder Hamburg gilt, kann in einer Gemeinde mit 100.000 Einwohnern ganz anders aussehen. Bürgermeister werden zukünftig eine „echte“ Leadership-Rolle übernehmen und eigene Gesetze erlassen müssen, die lokal am meisten Sinn machen.

So sehr wir an dem Konzept der Nationalstaaten festhalten, müssen wir heute anders denken und uns anders organisieren, damit wir überhaupt eine Überlebenschance haben.

Wer die Konsequenzen der Digitalisierung, Robotisierung, Quantenwirtschaft / Quatencomputer, Künstliche Intelligenz und Superintelligenz nicht versteht bzw. bewusst ignoriert, wird in den kommenden Jahren ein paar böse Überraschungen erleben.

Übersetzt auf die Versorgungsthematik sehe ich den Ansatz von Anders Ingles wie folgt umgesetzt (ein paar Vorschläge):

A. Globale Versorgungssysteme

Erschaffung neuer Handelszonen die Sinn machen und nicht nur auf Profit bzw. Ausbeutung ausgelegt sind. Optimierung der Transportwege sowie der Logistik und des Supply Chain Managements mit Hilfe von Blockchain-Technologien. Erschaffung von Transparenz was wir ebenfalls mit Blockchain erzielen können. Förderung von Vielfältigkeit und Unterbindung sog. „Too Big To Fail“- Monopolinstitutionen (Big Banks, Big Tech) wie wir sie heute kennen.

B. Lokale Versorgungssysteme

Fokus auf regionale, lokale und saisonale Produkte. Dem Monokulturen-Wahnsinn einen Riegel vorschieben. Einsatz moderner Technologien (z.B. Entsalzungsanlagen) um frisches Trinkwasser vor Ort bereit zu stellen. Einbettung sog. ökonomischer Incentives zur Förderung von KMUs und kleinbäuerlicher Betriebe. Entwicklung moderner Bewässerungssysteme, um kleine landwirtschaftliche Betriebe und Familienwirtschaften in Drittländer zu unterstützen. Aufklärung der Bevölkerung über die Schäden einer „falschen“ Ernährungsweise. Programme zur Förderung der Bodenregeneration, der Insekten- und Bienenpopulation sowie von Wälder, Wiesen und Täler. Ausbau moderner Konzepte wie z.B. Vertikale Landwirtschaft, schwimmende Farmen, Vertical Gardening / Urban Gardening, urbane Landwirtschaft, Underground Farming usw. in den Mega Cities.

Steuern wir auf ein Versorgungschaos zu?

Wenn wir so weiter machen wie bisher, dann lautet die Antwort „JA“.

Wir befinden uns in einer Umbruchszeit. Wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Normen und Werte stehen verwirrt vor den Toren einer digitalen Revolution, die die Menschheit so wie wir sie seit Jahren und Jahrhunderten kennen, völlig verändern wird.

Gleichzeitig stellt diese Herausforderung auch eine tolle Chance dar, das bisherige Lebensmodell zu überdenken. Während die meisten Menschen voller Panik nur noch reagieren und dadurch problemlos von A nach B geleitet werden können, sehen diejenigen, die es schaffen innere Ruhe zu bewahren, jede Menge Gelegenheiten und damit einen radikalen Neuanfang.

Es geht hierbei nicht darum, dass wir alle Vegetarier / Veganer werden oder dass wir unser Fleischkonsum durch künstliches Fleisch aus dem Reagenzglas ersetzen. Eine neue Weltanschauung muss her. Wie der bekannte Wirtschaftsphilosoph Indset es recht passend formuliert hat:

„Unsere Führungskräfte von heute brauchen die Philosophie von gestern gepaart mit der Wissenschaft und der Technologie von morgen.“

– Anders Indset

Eine kontinuierliche und ausreichende Lebensmittelversorgung ist und bleibt ein fundamentaler Baustein für die Zukunft der Menschheit.

Bildquelle: ELEVATE, Pexels.com