Beiträge

2023-12 Der Boom der kleinstrukturierten Formen der Landwirtschaft - Agrarbetrieb

Der Boom der kleinstrukturierten Formen der Landwirtschaft

Von Mikrofarming über Urban Gardening und Selbstversorgerbalkons bis hin zur solidarischen Landwirtschaft, die kleinstrukturierten Formen der Landwirtschaft boomen. Während die aufgeführten Konzepte in ärmeren Ländern zur Normalität gehören, erleben wir in der westlichen Welt ein regelrechtes Revival dieser Strukturen.

Woran liegt das? Welche Faktoren treiben diese Entwicklung voran? Was bedeutet dieser Trend für unsere Gesellschaft?

Eine stetig steigende Inflation; die enorme Diskrepanz zwischen Reich und Arm, welche immer größer wird; das Absterben kleiner landwirtschaftlichen Familienbetriebe, um Platz zu schaffen für „Big Agribusiness“ und Monokulturen wohin das Auge nur hinschaut; das Schrumpfen der Ackerfelder, um Industriebauten und Co. Vorrang zu gewähren … damit habe ich direkt mit der Beantwortung der oben aufgeführten Fragen begonnen.

Unsere Böden beinhalten immer weniger Mineralien, was sich dann auch auf die Früchte auswirkt. Hinzu kommen die ganzen synthetischen Stoffe und Chemikalien, die alles belasten. Ganz zu schweigen von den Samen, die auch nicht mehr die Qualität wie zur Zeit unserer Großeltern aufweisen. Für alle diejenigen, die in der Stadt wohnen und keinen direkten Zugang zu frischen Lebensmitteln vom Bauernhof haben, bleibt nur der Gang zum Supermarkt übrig — was übersetzt soviel heißt wie: sie ernähren sich von „toten“ Lebensmitteln.

Für mehr zu diesem Thema schaut in meinen Beitrag: Tote Lebensmittel für die Konsumgesellschaft

Vor gut einem halben Jahr hörte ich ein Interview mit dem weltbekannten indischen Yogi Sadhguru über lebendige Nahrung, was mich sehr nachdenklich machte. Er berichtete darin, wie das Zubereiten des Essens in Indien erfolgte, bevor das Land von Pizza, Pasta und den großen Fast-Food-Ketten beschlagnahmt wurde.

Denn wir dürfen dabei eins nicht vergessen: Indien mit seinen über 1 Milliarde Einwohner ernährte sich jahrhundertelang vegetarisch und bevor alles „modernisiert“ wurde, war es zusammen mit Sri Lanka, das Land mit den geringsten Raten von Krebs, Diabetes und anderen heute verbreiteten Krankheiten.

Zurück zu Sadhguru. Er erzählte, dass traditionell das Essen in Indien binnen einer Stunde ab Pflücken oder Schneiden ganz frisch zubereitet wird. Dadurch wird die höchste Frequenz der Pflanzen behalten, welche dann als Lebensenergie auf den Menschen übertragen wird.

Eine äußerst interessante Perspektive, wenn man bedenkt, dass viele Menschen, die auf dem Land leben und sich aus dem eigenen Garten ernähren, öfters jünger und gesünder aussehen als die gleichaltrigen ‚Kommilitonen‘, die sich für ein Leben in den ‚Big Cities‘ entschieden haben.

Landwirtschaft – klein, aber fein: Von Mikrofarming bis hin zu Selbstversorgerbalkons

Wenn ein konventioneller Betrieb in eine solidarische Landwirtschaft transformiert wird, um mehrere Familien mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen, dann reden wir von einem erfolgreichen Mikrofarming-Konzept. Denn hier wird Gemeinschaft ganz groß geschrieben. Die Arbeit wird gemeinsam erledigt. Jeder packt dort an, wo er kann.

Dass dies ein lebensfähiges Konzept ist und sich auch auf andere landwirtschaftliche Familienbetriebe übertragen lässt, wird uns in den alljährlichen Marktgarten- und Mikrofarming-Konferenzen näher übermittelt. Hier ein Videobeitrag aus der Konferenz in 2022.

Quelle: YouTube, ReLaVisio – Regenerative Landwirtschaft

Das ist zwar alles schön und gut, aber was tun, wenn man in einer Großstadt wohnt und den ganzen Tag im Büro verbringen muss?

Für diejenigen, die einen Balkon haben, gibt’s auch hier eine geniale Lösung. Etagenhochbeete lassen sich auf einem kleinen Platz sehr gut installieren und maximal ausnutzen. Wer also Lust auf frische Cherrytomaten, Salat, Petersilien, Basilikum und Co. aus dem eigenen „Minigarten“ hat, kann seinen Balkon kurzerhand in ein kleines landwirtschaftliches Paradies umwandeln und seine Nachbarn sogar dazu inspirieren, das Gleiche zu tun.

Wie das konkret am besten und schnellsten zu bewerkstelligen ist, überlasse ich der bekannten Gartenmoni …

Quelle: YouTube, Gartenmoni

Folgende Beiträge, die eng mit dem heutigen Thema verknüpft sind, könnten Dich ebenfalls interessieren:

Gesundes Obst und Gemüse ist Heilung für Körper und Seele

Wenn wir die Maslowsche Pyramide betrachten, sehen wir sofort die Essenz unseres Lebens. Wenn wir keine Nahrung bekommen, dann leben wir nicht lange. Mittlerweile wissen wir auch, wenn wir uns falsch ernähren, dann werden wir früher als später krank — teilweise sehr krank.

Der Beruf des Landwirts wurde in den letzen Jahren mehr oder weniger durch den „Kakao“ gezogen. Dabei vergessen die Damen und Herren aus Politik und Co., dass sie ohne uns nur wenige Tage überleben können. Die Wertschätzung für das Land und die tollen Ressourcen, die wir haben, sind völlig auf der Strecke geblieben. Hauptsache, der Konsum boomt und die Marketingagenturen verzaubern uns mal wieder mit irgendwelchen toten Lebensmitteln, die Großkonzerne noch größer machen und die Portemonnaies von Aktionären noch dicker.

Zum Glück gibt es auch eine Gegenbewegung. Immer mehr Menschen suchen aktiv wieder den Kontakt zur Mutter Natur und wollen frische, gesunde Lebensmittel zu sich nehmen, auch wenn dies bedeutet, dass sie nach der Arbeit auch mal selber anpacken müssen. Wo es einen Willen gibt, da gibt es auch einen Weg.

Wir stehen an einem Scheideweg. Wenn wir so weiter machen, dann wird das System kollabieren und das ist jedem bewusst. Ein System basierend auf Gier ist auf Dauer eben nicht überlebensfähig.

Ich plädiere nach wie vor für eine nachhaltige Landwirtschaft, in welcher der Mensch die Natur wertschätzt und diese Wertschätzung von dieser im Gegenzug durch nahrhaftes Obst und Gemüse honoriert wird.

Bildquelle: Foto von Sigmund auf Unsplash