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Gewaechshaus der Zukunft - 3 innovative Konzepte

Gewächshaus der Zukunft – 3 innovative Konzepte

Ein eigenes Gewächshaus zu haben ist für viele Natur- und Lebensmittelliebhaber das Non-Plus-Ultra. Die einen verlassen ihre gut bezahlten „City“-Jobs und kaufen sich ein Stück Land, um endlich das zu tun, was sie schon immer wollten, andere wiederum kehren dem hektischen Alltag den Rücken und ziehen sich in ihr eigens gebasteltes Refugium zurück.

Gewächshäuser unterschiedlicher Größe, Art und Couleur schießen mittlerweile weltweit wie Pilze aus dem Boden. Was sie von den Standard-Gewächshäuser, die wir gewohnt sind, unterscheidet, ist ihre Funktionsweise. Saisonunabhängig Erdbeeren, Tomaten, Bohnen und Co. zu züchten, ist langweilig geworden; die neuen Konzepte sind innovativ, inspirierend und äußerst kreativ.

Heute möchte ich Euch drei innovative Gewächshaus-Konzepte präsentieren, als wichtiger Reminder dafür, dass es sich lohnt anders zu denken.

1. Ein Studentenwohnheim im Gewächshaus

Ein wandelndes Wohnbiotop in den 20 Studenten hausieren, ist schon etwas Außergewöhnliches. Das ESA Selbstbau-Projekt (Energiesparende Studentenwohnheim-Architektur) entstand in den 80er Jahren mit Hilfe von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern der TU Kaiserslautern sowie entsprechenden Handwerkern.

Das energieeffiziente Gebäude, das nach dem Haus-in-Haus-Prinzip gebaut wurde, befindet sich auf dem Campus der Uni, am Rande des Pfälzer Waldes. Die Einrichtung besteht aus:

  • 20 Wohneinheiten mit Zimmern und Gärten oder Terrassen
  • einer großen Gemeinschaftsküche
  • Gemeinschaftsräume
  • Bäder
  • Kellerräume

Die Hülle des Hauses besteht aus Folie und Glas.

Das Biotop erscheint wie ein Paradies aus Kletterpflanzen, heimischen Obst- und Gemüsesorten. Auch Exoten wie Kiwis und Feigen reifen in dem mit den Jahreszeiten wandelnden Gewächshaus.

Ich überlasse am besten den Studenten, die derzeit dort wohnen, Euch auf eine Besichtigungstour mitzunehmen:

Quelle: SWR Room Tour, YouTube

2. Walipini-Gewächshäuser eignen sich auch für den Westen

Das unterirdische Gewächshaus, das in den 90er Jahren von Freiwilligen in La Paz, Bolivien gebaut wurde, fasziniert seither die Menschen auf der ganzen Welt.

Die Idee bitterkalte Nächte und gar Jahreszeiten zu überwinden und dabei die Vegetationsperiode von Pflanzen zu verlängern, spricht immer mehr Seelen an. Dieses Grubengewächshaus in Ländern wie z.B. Norwegen, Schweden oder Kanada nachzubauen und über die dunklen Wintermonate von frischem Obst und Gemüse zu profitieren, ist sicherlich etwas wundervolles.

Walipinis sind grundsätzlich, wenn richtig gebaut:

  • warm aufgrund der Erdisolierung ==> Übrigens: Walipini bedeutet „Ort der Wärme“
  • gemütlich und
  • hell (Sonnenlicht dringt durch Plastikfolien oder Glas durch).
  • Hinzu kommt, dass diese sehr effizient sind.

Für detaillierte Informationen über Walipinis empfehle ich Euch meinen Beitrag mit dem gleichnamigen Titel.

Walipini: Grubengewächshäuser erobern die ganze Welt

3. Permakultur im geodätischem Kuppel-Gewächshaus

Von der Großstadt direkt in die sogenannte „Ecobubble – für manche ein Alptraum, für andere wiederum die absolute Traumwelt. „Goodbye Keyboard-Jobs!“ Das sagte sich ein kanadisches Paar als es aus Toronto wegzog und sich für ein Leben auf dem Land entschieden hat.

Inmitten des Grundstücks erstreckt sich heuer ein kleines Paradies, nämlich ein geodätisches Kuppelgewächshaus. Bei dem nördlichen Klima das ganze Jahr über frisches Gemüse und Obst zu haben, ist sicherlich eine Herausforderung. Doch die beiden meistern diese hervorragend.

Sie nutzen dabei die Permakultur– und Hügelkulturmethoden, um in den Gärten Lebensmittel anzubauen. Sie verwenden dabei keine Pestizide oder Herbizide. Die Mikrofarm produziert frische Lebensmittel für den Eigenbedarf, für die Nachbarn und auch für einen kleinen Verkaufsstand, an dem sie ihre Produkte zum Verkauf anbieten.

Quelle: Exploring Alternatives, YouTube

Lust auf so ein Kuppelgewächshaus?

Der Geodom Rechner hat sich als recht hilfreich bei der Planung von Geodomen bzw. geodätischen Gewächshäusern erwiesen. Hier geht’s zum Dome Calculator.

Kreativität ohne Grenzen

In jedem von uns schlummern jede Menge kreative Schätze und Ideen, leider setzen die Wenigsten diese in Realität um. Dabei wären wir als Gesellschaft und Spezies so viel weiter, wenn sich mehr Menschen trauen und ihre tollen Visionen umsetzen würden.

Wem die oben aufgeführten Ideen immer noch zu „Mainstream“-mässig klingen, kann selbstverständlich sein gesamtes Haus mit einem Gewächshaus umhüllen. Klingt verrückt und nicht realisierbar?

Mag verrückt klingen, aber ein schwedisches Paar hat auch dies bereits umgesetzt. (Lese hierzu meinen „Häusle bauen“ Beitrag)

Der Öko-Trend der die ganze Welt erobert hat, wird in den kommenden Jahren eine Vielfalt von jetzt wohl noch „merkwürdigen“ Konzepten und Projekten ans Tageslicht bringen. Es hängt einzig und alleine von uns ab, wie offen wir innovative Ideen annehmen und so vielleicht auch neue Ansätze für aktuelle Herausforderungen umzusetzen.

Könntet Ihr Euch vorstellen ein Gewächshaus rundum Euer Haus zu bauen bzw. in ein fertig gebautes einzuziehen?

Bildquelle: Foto von Dominika Gregusova auf Pexels

Walipini: Grubengewächshäuser erobern die ganze Welt

Walipini: Grubengewächshäuser erobern die ganze Welt

Von Südamerika über die Mongolei und England bis hin in die USA, überall basteln Menschen an innovativen Grubengewächshäusern, um das ganze Jahr über mit frischen Nahrungsmittel versorgt zu sein. Schluss mit langen Transportwegen und dem Logistikchaos. Beim Bau eines Walipini geht es um einen minimalen Energie- und Wasserverbrauch und den Verzicht auf Pestizide. Dafür geht es um die Verfügbarkeit von leckerem Obst und Gemüse – unabhängig von der Jahreszeit.

Der Begriff „Walipini“ stammt aus Südamerika. Das unterirdische Gewächshaus bedeutet für die Aymara-Ureinwohner von Bolivien ein „Ort der Wärme“. Wer auf 4000m Höhe baut, wird mit jeder Menge Herausforderungen konfrontiert. Hinzu kommt, dass es in dieser Region nur 3 Monate lang regnet, d.h. die Trockenheit macht alles zunichte. Um die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen, haben sich die Bolivianer diese versenkten Treibhäuser namens Walipinis zu eigen gemacht.

Die Bauweise der Walipinis hat es in sich: Die oberste Erdschicht wird als Boden des Gewächshauses verwendet. Der restliche Boden wird an der Schattenseite als Wand angebracht. Um Energie zu sparen, werden die Fenster so angelegt, dass der Winkel zur Sonne während der Wintersonnenwende 90 Grad beträgt.

Am besten lassen wir uns das Konzept von einem echten Bolivianer erklären …

Quelle: Bolivia ONGs, YouTube

Worauf sollte man beim Bau eines Walipini unbedingt achten?

Das Unwort beim Bau eines Grubengewächshauses ist Plastik. Deshalb gilt es auf jeden Fall auf Plastikfolien oder PVC-Plastikdächer zu verzichten. Der Grund hierfür liegt in der Verseuchung der Luft mit Mikroplastik und Weichmachern.

Welches Material eignet sich dann am besten für das Dach?

Wer transparente Dächer bevorzugt, kann auf Glas oder Plexiglas zurück greifen. Diejenigen, die Feststoff für den Bau heranziehen, können ein normales Dach bauen und dieses z.B. mit einer Fensterfront zur Sonnenseite kombinieren. Um Hagelschäden zu vermeiden, bietet sich die Verwendung von Hühnerdraht an. Die beliebtesten Konstruktionen sind in U- oder V-Form.

Weitere Tipps:

  • Wandmaterialien bzw. Wand stabilisieren mit Erdziegeln, Natursteine, Wasserfässer oder Erdsäcke
  • Tiefe: mindestens 1,2 Meter => Achtung: Grubengewächshäuser sollten unbedingt 1m über dem Grundwasserspiegel gebaut werden
  • Bewässerung: Regenwasser in Wasserfässer sammeln und damit die Pflanzen giessen => wer das Konzept der Permakultur anwendet, d.h. eine Hochbeet-Schichtung mit Holz, Laub und Kompost vornimmt, braucht nicht giessen
  • Die Fensterseite muss immer auf die Sonnenseite gerichtet sein
  • Die Belüftung sollte durch kleine eingebaute Fenster funktionieren

Eins der größten Vorteile dieser Walpini ist und bleibt die Ausnutzung der konstanten Temperatur der Erde.

Grubengewächshäuser auf der ganzen Welt

Die teilversenkten Gebäude sind kein Hype oder ein weiterer Trend der modernen Welt. Ganz im Gegenteil. Es handelt sich hierbei um ein Wissen, das seit Generationen in vielen Teilen der Welt ständig weiter gegeben wurde und wird.

So durfte es niemanden verwundern, dass wir die Grubengewächshäuser nicht nur in LaPaz (Bolivien) entdecken, sondern auf ähnlichen Höhen auf einem ganz anderen Kontinent, nämlich auf dem asiatischen Kontinent, in Nepal oder in der Mongolei. Weitere interessante Exemplare finden wir in Argentinien, Indien sowie in Europa, besser gesagt in England oder Nordamerika, sowohl in Kanada als auch in den USA.

Wie ausgefallen die Umstellung auf ein Grubengewächshaus sein kann, sehen wir am besten am Beispiel eines ehemaligen Raketensilos aus Nebraska (USA). Das verlassene unterirdische Haus ist der perfekte Anbauort für Kartoffeln, Tomaten, grüne Bohnen, Radieschen, Brokkoli und Knoblauch. Der Boden der Garage ist mit Holzboden und Kunstrasen ausgelegt. Die Konstruktion ähnelt zwar dem Set eines SciFi-Films, aber ansonsten ist an dem Ort und der Umsetzung nichts auszusetzen.

Anbei ein kurzer Videobeitrag über diese bizarre Transformation eines Relikts aus dem kalten Krieg …

Quelle: AP Archive, YouTube

In Europa scheint sich das Walipini-Konzept noch nicht so stark durchgesetzt zu haben, wie dies z.B. der Fall in den USA ist. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir mit dem derzeitigen Bewusstseinswandel und einer steigenden Anzahl von Gemeinschaften, die es bevorzugen so autark wie möglich zu leben, einen Boom dieser unterirdischen Grubengewächshäuser erleben werden.

Ist Euch ein bekanntes Walipini im DACH-Raum bekannt? Falls ja, was fasziniert Euch am meisten an der Konstruktion?

Bildquelle: Foto von nonstopsmile auf Pixabay

2022-04 Foodsharing Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Foodsharing – Sag Lebensmittelverschwendung den Kampf an

Auf der einen Seite landen mehr als 11 Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll und auf der anderen Seite erhöht sich die Anzahl der Menschen, die sich eine ausgewogene Mahlzeit aufgrund der steigenden Preise nicht mehr leisten können. Geht das mit den Preisen für Lebensmittel weiter ungebremst nach oben, dann wird Foodsharing sicher den einen oder anderen helfen, um kostenlos an Lebensmittel zu kommen.

Die Wegwerfkultur die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in den westlichen Ländern etabliert hat, egal ob es sich hierbei um Lebensmittel oder z.B. Haushaltsgeräte handelt, zeigt eine gewisse Dekadenz in unseren Gesellschaften auf, der wir sehr ungerne ins Gesicht schauen.

Solange die Profite steigen, wird ein Auge zugedrückt. Während dessen läuft vielerorts die Ware in den Regalen ab (sowohl zu Hause als auch im Supermarkt). So wird Obst und Gemüse vor Geschäftsschluss lieber auf den Müll gebracht anstatt eine vernünftige Aktion zu fahren, die Haushalten mit weniger Geld es ermöglicht diese Ware zu einem attraktiven Preis zu ergattern. Uns geht’s noch sehr gut, wenn wir uns erlauben können, dass Top Ware auf den Müll landet.

Zum Glück blühen überall in Deutschland und in anderen Ländern sogenannte Foodsharing-Initiativen, wo sich herzensgute Menschen zusammen tun, um Lebensmittel zu retten und diese Verschwendungskultur etwas abzubremsen.

Wie funktioniert Foodsharing?

An dieser Stelle überlasse ich die Vorstellung dieses Konzepts den Damen und Herren der Foodsharing Initiative Deutschland, denn sie leisten einen gewaltigen Beitrag zur Erhöhung des Bewusstseins in punkto Lebensmittelwertschätzung.

Quelle: FoodsharingTV, YouTube

Foodsharing ist und bleibt kostenfrei, so das Versprechen der Foodsharing Initiative.

Was ich an dem Konzept sehr gut finde, ist die Tatsache, dass die Foodsaver die rechtlichen Risiken und damit die volle Verantwortung für die weitere Verwendung dieser Lebensmittel übernehmen. Das bietet insbesondere Unternehmen eine Absicherung und dadurch auch einen zusätzlichen Anreiz, um bei solchen Aktivitäten teilzunehmen.

Des weiteren finde ich es toll, wenn junge Menschen angesprochen werden, da wir aus Studien wissen, dass jüngere Haushalte mehr Lebensmittel wegwerfen als Haushalte bestehend aus älteren Personen. Siehe hierzu die aktuelle GfK-Studie aus 2020 im Auftrag des BMEL.

Ein Auszug aus dieser repräsentativen GfK-Studie, zeigt welche Lebensmittel im Visier der Foodsaver bzw. der Foodsharing-Community stehen sollte. Es geht um den Anteil der Lebensmittel an den vermeidbaren Lebensmittelabfällen in privaten Haushalten:

  • 35% Obst und Gemüse
  • 15% Zubereitetes
  • 13% Brot und Backwaren
  • 12% Getränke
  • 9% Milchprodukte
  • 6% Fertigprodukte
  • 4% Fleisch, Wurst und Fisch

Quelle: BMEL, GfK-Analyse, Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten 2020, Seite 5.

Mitmachen kann bei Foodsharing jeder, der etwas für Lebensmittel übrig hat — egal ob es sich hierbei um Privatpersonen oder Unternehmen handelt.

Mehr dazu erfahrt Ihr auf der Webseite der Foodsharing-Initiative: https://www.we-share-food.de/

Warum ist Wertschätzung so schwierig?

Ich möchte nicht wie ein Motivationstrainer klingen, aber das Thema Wertschätzung nimmt in der heutigen Leistungsgesellschaft immer größere Dimensionen an. Dabei rede ich jetzt nicht von einem respektvollen Miteinander mit Kollegen auf der Arbeit oder mit Kunden. Es geht um die Wertschätzung von Nahrungs- und Lebensmitteln, den Ressourcen die uns Mutter Erde so großzügig zur Verfügung stellt, die von sehr vielen Menschen leider regelrecht „zertrampelt“ wird.

Wir müssen nicht erst vom Tisch aufstehen, wenn wir platzen und wir brauchen den Kühlschrank auch nicht komplett vollstopfen, um dann die Hälfte der Produkte in den Müll zu schmeissen.

Diese Einstellung hat nichts mit einem Leben im Überfluss zu tun. Es handelt sich hierbei sowohl um einen Mangel an Respekt für den eigenen Körper und damit einhergehend, der eigenen Gesundheit, als auch um einen respektlosen Umgang mit der Umwelt und der Natur.

Die Hauptursache dieses Verhaltens sehe ich schwerpunktmäßig in der Tatsache, dass die meisten ein entkoppeltes Leben führen. Sie leben entkoppelt von der Natur, von Familien und Gemeinschaften, und sogar vom eigenen Körper.

Traditionelle Familienstrukturen brechen immer stärker ein. Der wertvolle Austausch mit älteren Generationen findet in der schnellen Smartphone-Gesellschaft kaum mehr statt. Apps substituieren echte Gespräche, Freundschaften haben sich in die virtuelle Welt verlagert. Wer legt da noch wert auf frisches Obst, Gemüse und Co., wenn die nächstliegende Fast-Food-Kette den schnellen Hunger stillt? Dass Nährstoffe hier Fehlanzeige sind, interessiert den „busy Metaverse-Junkie“ herzlich wenig.

Massive Aufklärung ist notwendig. Wenn Schüler der Meinung sind, dass z.B. Popcorns auf Bäumen wachsen, dann machen wir alle einiges falsch.

Für alle diejenigen die ein großes Herz für Natur, Flora und Fauna haben und damit einhergehend Natur- und Lebensmittel schätzen, tut die derzeitige Entwicklung weh. Zum Glück gibt es Intitiativen wie Foodsharing, die dieses Thema an der Wurzel anpacken und versuchen das Ruder weitestgehend in die richtige Richtung zu lenken.

Bildquelle: Foto von Rachel Claire auf Pexels

Bienenstrom - Agrarbetrieb Blumenwiesenpatenschaft

Mit Bienenstrom die heimischen Pflanzen und Insekten retten

Biodiversität, Artenschutz, Lebensräume für Pflanzen und Insekten schaffen – das verspricht uns Bienenstrom, ein neues Konzept aus der schwäbischen Kleinstadt Nürtingen. Die Idee dahinter: Äcker in Blühflächen verwandeln.

Was genau versteht man unter Bienenstrom?

Das Problem des Insekten- und Bienensterbens in Deutschland ist nichts Neues. Auch ich habe des Öfteren hier auf Agrarbetrieb darüber berichtet und mit Hilfe meiner Blumenwiesenpatenschaft tue ich alles, um dieser gravierenden Problematik entgegen zu wirken.

Bei Bienenstrom handelt es sich um einen 100% Ökostrom mit dem Ziel, Lebensräume für Pflanzen und Insekten zu schaffen. Mit Hilfe des Blühhilfe-Beitrages in Höhe von 1 Cent pro kWh verbrauchten Stroms tragen Bienenstrom-Kunden dazu bei, die Äcker in Blühflächen zu verwandeln. Die Höhe des Tarifs kann direkt über die Homepage berechnet werden.

Die von den Beitragszahlern, auch Blühhelfer genannt, gesammelten Beträge gehen an die Blühpaten-Landwirte die mit ihrem besonders artenreichem Saatgut, die Biodiversität fördern. Damit werden die Landwirte aus der Region mit in das Konzept von Biostrom integriert, was dem Ganzen einen runden und professionellen Aspekt verleiht.

So dürfte es keinen verwundern, dass diese intelligente Förderung von Blühstreifen, als erster Ökostrom-Lieferant, die Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt erhielt. Die Preisverleihung fand auf der diesjährigen Internationalen Grünen Woche in Berlin statt.

Kurz zum Hintergrund der Verleihung solcher Prämien:

Die Vereinten Nationen haben die Zeitspanne 2011-2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Biodiversität entgegenzuwirken.

Das Interessante dabei: bis dato wurde noch nie ein Stromprodukt ausgezeichnet. Biostrom schreibt da Geschichte.

Quelle: RTF1, KlarnerMedien, YouTube

Bienenstrom – ein Franchisemodell zur Förderung von Blühstreifen

Das Kooperationsprojekt Bienenstrom im Biosphärengebiet Schwäbische Alb erblickte das Tageslicht im Frühjahr 2018.

Elf Landwirte aus der Region haben letztes Jahr insgesamt 14 ha Blumen und Wildkräuter angebaut. Heuer sind 6 weitere Hektar dazu gekommen. Im Herbst wird geerntet. Die Pflanzen landen anschließend in Biogasanlagen wo sie zu Strom und Wärme umgewandelt werden.

Dieses Erfolgsprojekt soll nun in ganz Deutschland ausgebreitet werden, als Franchise-Modell versteht sich.

Die Schwaben wollen ihren Bienenstrom auch anderen Stadtwerken und Regionalversorgern zur Verfügung stellen. Das was die Kunden der Stadtwerke Nürtingen heute für die heimischen Insekten tun, soll auch Kunden aus anderen Gebieten ermöglicht werden.

Eine clevere Strategie von Seiten der Stadtwerke Nürtingen und seiner Kooperationspartner, dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb, dem Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund und dem Fachverband Biogas e.V.

Unterstützung aus der Politik – CDU fordert größere Anreize für Landwirte bei Natur- und Artenschutzleistungen

Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner setzt sich ganz gezielt für den Ausbau der Biodiversität ein. Es sollen vernetzte Lebensräume für Fauna und Flora hergestellt werden. Pflanzenbauliche Produktionssysteme sollen konsequent genutzt und ausgebaut werden.

Dies soll u.a. durch die Förderung von Blühstreifen, Ausgleichsflächen und Heckenpflanzungen erreicht werden. Landwirte die sich hierfür einsetzen, sollen entsprechend honoriert werden. Überdies sollen auch Imker weiter unterstützt werden.

Gelder sollen darüber hinaus auch in die Forschung innovativer und bienenfreundlicher Pflanzenschutzmittel fliessen. Nicht-chemische Verfahren sollen forciert und zügig zugelassen werden.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema erhaltet Ihr auf den Seiten der BMEL und Volksbegehren Artenvielfalt, sowie hier auf Agrarbetrieb.

Folgende Beiträge möchte ich Euch ans Herz legen:

Landwirtschaft zwischen Artenvielfalt und Gentechnik

Gehört die Förderung von Artenvielfalt in den Pachtvertrag?

Bienenstrom für Bayern

Das was unsere Kollegen im Schwabenländle aufgebaut haben, benötigen wir dringend auch in Bayern.

Best Practices sind eine tolle Sache. Das was sich in einer Region oder einem Industriezweig bewährt hat, kann auch woanders entweder zu 100% gleich oder leicht adaptiert, eingesetzt werden. Lasst uns den Bienenstrom aus Baden-Württemberg auch zu uns nach Bayern holen.

Bienenstrom und / oder Blumenwiesenpatenschaft – Wie viel Blühfläche könnt Ihr finanzieren?

Landwirtschaft Wolf Nutztier

Der Wolf – ein Märchen mit Happy End?

Für Tierschützer wird ein Traum war, der sich für so manchen Landwirt zum Alptraum entwickelt. Der Wolf ist nach ca. 150 Jahren wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Und er sorgt zunehmend für heftige Diskussionen. Für die einen ist die Rückkehr des Wolfs eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, ein Märchen mit Happy End.

Mit zunehmender Population wachsen jedoch auch die Herausforderungen. 

Lasst uns heute mal schauen, was es mit dem ganzen Wolfsthema aufsicht hat. Denn es werden wohl nicht nur Besitzer von Weidetier betroffen sein. 

Was passiert, wenn Ihr bei der Feldbegehung einem Wolf begegnet? 

Aber fangen wir von vorne an.

Der Wolf in Deutschland

Die meisten von uns kennen Wölfe nur aus Märchen wie Rotkäppchen.

Diese alten, überlieferten Geschichten ebenso wie die beliebten modernen Serien und Filme mit Werwölfen prägen wohl unser Wissen und unsere Ideen über den Wolf:

ein unberechenbares, gefährliches Raubtier, das Schafe reißt, aber auch nicht vor einsamen Wanderern halt macht, die im Wald unterwegs sind.

Wachsende Population unter strengem Naturschutz

1990 wurde der Wolf bundesweit unter Naturschutz gestellt.

Aus den östlichen und südlichen Nachbarländern hat der Wolf anschließend seinen Weg zurück nach Deutschland gefunden.

Seit dem Jahr 2000, indem erstmals wieder Wolfswelpen bei uns geboren wurden, ist die Population stetig gewachsen.

Wölfe im Visier

Quelle: Fritzz derbub

Derzeit gibt es 70 Rudel und Paare in Deutschland. Dies entspricht etwa 700 Wölfen. Die Wölfe und Paare verteilen sich wie folgt auf die Bundesländer:

  • Brandburg: 24
  • Sachsen: 18
  • Niedersachsen: 11
  • Sachsen-Anhalt: 11
  • Mecklenburg-Vorpommern: 4
  • Bayern: 2

(Quelle: Nabu, Stand 01.03.2017)

Statistisch gesehen könnten in Deutschland 440 Rudel Platz finden.

Diese Anzahl wird wohl nicht erreichbar sein, da es durchaus auch Gebiete in Deutschland gibt, die für den sehr anpassungsfähigen Wolf als Lebensraum ungeeignet sind (zu wenig Nahrungsangebot, zu viele Straßen, …)

Größter „natürlicher“ Feind des Wolfes sind Autos. Es ist eher selten, dass ein Tier eines natürlichen Todes oder durch Abschluß stirb. 

Tierschützer sind begeistert von der zunehmenden Wolfspopulation. Das generell sehr scheue Tier lebt auch zurückgezogen.

Dennoch:

Es häufen sich die Meldungen über gerissene Nutztiere und über Wölfe, die dem Menschen sehr nah kommen. Der Wolf verliert anscheinend zunehmend die Scheu vor dem Menschen.

Tierschutzgesetz nicht mehr adäquat?

Zwar dürfen besonders auffällige Wölfe geschossen werden. Den Tierhaltern, deren Tiere auf der Weide in Nachbarschaft zum Wolf wohnen, ist dies jedoch keine Hilfe.

Denn der Wolf ist ein Tier, dass sich durchaus die Nahrung nimmt, die für ihn am leichtesten zugänglich ist.

Wenn der Wildtierbestand nicht dicht genug ist, greift der Wolf entsprechend Nutztiere auf der Weide an.

Für den Wolf gilt ein strenger Naturschutz. Dieser wurde allerdings aufgestellt, als das Tier in Deutschland als quasi ausgestorben galt.

Die Situation hat sich seitdem geändert.

In 2016 gab es in Sachsen 23 gemeldete Übergriffe des Wolfes auf Nutztiere. 125 Tiere überlebten diese nicht.

In Niedersachsen leben zwar weniger Rudel und Paare, diese schafften es jedoch auf 27 Angriffe mit insgesamt 135 gerissenen Nutztieren.

Kein Wunder also, dass die Stimmen, die ein besseres Wolfsmanagement einfordern immer lauter wurden und weiterhin werden.

Während Tierschützer fordern, dass die Landwirte ihre Tiere, beispielsweise durch Zäune, besser schützen sollen, argumentieren die Landwirte, dass ein rundum Schutz praktisch nicht umsetzbar und auch nicht bezahlbar ist.

Und endlich reagiert nun auch die Politik.

Eine Arbeitsgruppe soll nun prüfen, wie es um den Erhaltungszustand des Wolfes steht.

“Die Umweltminister von Bund und Ländern müssen sich der flächendeckenden Ausbreitung des Wolfes in Deutschland endlich ernsthafter widmen und Entscheidungen treffen. Wenn die Weidehaltung von Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden und Gehewild nicht wirksamer geschützt wird, ist das Ende dieser Haltungsform von Nutztieren eingeleitet.” Hendrik Wendorff, Präsidiumsmitglied des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Bauernpräsident von Brandenburg

Aber nicht nur für Nutztiere steigt die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf zu begegnen.

Wie sieht es mit Wanderern, Spaziergängern oder Fahrradfahrern aus, die mitten im Wald einem Wolf oder gar einem ganzen Rudel begegnen?

Es stellt sich für jeden, der im Wolfsgebieten lebt die Frage:

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Wie gesagt, normalerweise hält sich der Wolf von Menschen fern.

Meist wird man einzelnen Tieren begegnen. Ganze Rudel sind eher unwahrscheinlich.

Allerdings könnten Jungtiere, die generell unerfahrener und neugierer sind, ohne ältere Tiere auf Entdeckungstour sein.

Haltet die folgenden Regeln im Fall einer Begnung ein: 

  • Zeigt Respekt: es handelt sich um ein Wildtier. Anlocken oder gar Füttern sind ein absolutes Tabu.
  • Zieht Euch langsam zurück: behaltet einen kühlen Kopf, bleibt stehen und zieht Euch ggf. langsam zurück
  • Versucht Euch groß zu machen: wenn der Wolf sich nicht verzieht oder Euch gar folgt, dann versucht es mit Anschreien, Klatschen oder gar etwas werfen.

In Wolfsgebieten hören Hunde grundsätzlich an die Leine. Ein freilaufender Hund kann von Wölfen durchaus wenig Gegenliebe in deren Revier erfahren.

Verhaltet Euch mit dem Hund genauso wie ohne. Bleibt ruhig, damit Euer Hund nicht unruhig wird und auf die Idee kommt, Euch verteidigen zu wollen. 

Welche Erfahrungen konntet Ihr eventuell schon mit dem Wolf sammeln und was sollte Eurer Meinung nach ein wirksames Wolfsmanagement enthalten?