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2023-02 3D-gedruckte Hanfhäuser

3D-gedruckte Hanfhäuser – Green Deal mal anders

Die aktuellen Zeiten sind wirklich spannend. Mehr und mehr innovative Ideen werden erfolgreich umgesetzt, die nicht nur einzeln betrachtet, sondern gerade in ihrer Kombination miteinander ganze Bereiche revolutionieren können. Über den Einsatz von Hanfbeton im Bausektor habe ich bereits berichtet. Ebenso habe ich auch über die neuen High-Tech-Häuser aus dem 3D-Drucker geschrieben. Was den heutigen Beitrag so einzigartig macht, ist die einzigartige Kombination dieser beiden Ansätze: Hanfhäuser aus dem 3D-Drucker.

Die australische Firma Mirreco hat sich auf nachhaltige Baumaterialien bestehend aus Hanf spezialisiert. Das Biotechnologieunternehmen setzt für den Bau nicht nur dieses innovative Material ein, sondern setzt auch in der Produktion auf neueste Technologien: es entwickelt 3D-gedruckte Hanfplatten, die in Wänden, Fußböden und Dächern verwendet werden.

Was unterscheidet diese neuartigen Hanfplatten von herkömmlichen Materialien?

Sie sind einfach herzustellen, bieten eine solide Struktur und eine überlegene Wärmeleistung.

In Zusammenarbeit mit dem australischen Architekturbüro Arcforms, das seinen Sitz ebenfalls in Perth, wie auch Mirreco, hat, konnte ein neues Konzept für ein nachhaltiges Hanfhaus präsentiert werden:

Die Böden, Wände und das Dach werden aus Hanf-Biomasse hergestellt, und in den Fenstern kommt modernste Technologie zum Einsatz, die es ermöglicht, Licht durch Glas zu leiten, wo es in Strom umgewandelt wird.

— Mirreco, The Extract

Häuser aus dem 3D-Drucker

Während wir in Deutschland, in der westfälischen Stadt Beckum, das erste Haus aus dem 3D-Drucker bewundern dürfen, entsteht in der niederländischen Stadt Bosrijk, in der Nähe von Eindhoven, der weltweit erste Standort mit bewohnbaren 3D-gedruckten Häusern. Es handelt sich hierbei um das Projekt „Milestone“, das in Gänze fünf Betonhäuser beinhaltet, die mit Hilfe der 3D-Technologie konstruiert wurden.

Bevor ich den Vorteilen der 3D-gedruckten Hanfhäuser näher auf den Zahn fühle, möchte ich auf zwei mit dem Thema verwandte Artikel verlinken, welche ich hier auf Agrarbetrieb bereits veröffentlicht habe:

Die Klimaziele, wie etwa die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, werden hoch gesteckt. Wie können Hanfhäuser aus dem 3D-Drucker dabei helfen?

In erster Linie, nimmt Hanf, anders als herkömmliche Baumaterialien, CO2 auf und ist demnach ein umweltfreundlicher Baustoff. Anders als beim konventionellen Beton, benötigt man bei der Bauweise mit Hanfplatten keine Unmengen von Sand. Also müssen dafür keine Meere und Flüsse herhalten, um den steigenden Bedarf nach Wohnplatz zu decken. Es wird hierfür kein Ökosystem zerstört.

Hinzu kommt noch eine weitere wichtige Komponente, auf welche oft nicht eingegangen wird: das Haus bildet eine „echte“, natürliche Umgebung für den Wohn- und Nutzraum, d.h. sie kommt ohne Mineralölresiduen und weitere Toxine aus.

Tagein, tagaus hören wir über die Bedeutung von erneuerbaren Alternativen. Der Fokus liegt hier aber vor allem auf den Energie- oder Automobilsektor.

Warum nicht auch bei der Bauindustrie ansetzen?

Was spricht dagegen, Hanfbeton, Hanfplatten und Co. vollständig einzuführen?

Ganze Städte aus Hanfhäuser – Wunschdenken oder bald Realität?

Hanfhäuser, Hanfbatterien, Hanf-Flugzeuge, Hanf als Medizin … Was kann man aus Hanf denn alles basteln, was unseren Planeten vor der grausamen Ausbeutung von Ressourcen retten würde?

Es hängt sehr viel von unserer Bewusstseins- und Verhaltensveränderung als Spezies ab. Wie wir uns entfalten und weiterentwickeln bestimmt darüber, wie unsere Kinder leben werden. Ganze Siedlungen aus modernen High-Tech-Hanfhäusern, die jung und alt begeistern, könnten schaffen, dass sie ein Umfeld erschaffen, in dem Generationen wieder zueinanderfinden. Ein Leben in Gemeinschaft, in dem wir uns gegenseitig respektieren und ein nachhaltiges Miteinander kultivieren, ist nicht nur erstrebenswert, sondern auch bitter nötig.

Wir haben das außergewöhnliche Glück, einen wunderschönen Planet zu bewohnen. Als enger Verbündeter mit der Natur, freue ich mich jedes Mal, wenn mutige Menschen ihre Erfindungen präsentieren und umsetzen, die nicht nur uns Menschen kurzfristig ein schönes Leben bescheren, sondern auch im Einklang mit der Natur stehen. D.h. auf Ressourcen setzen, die die Natur auf diesen Planeten erhalten können, so dass die kommenden Generationen in einem gesunden Umfeld ohne Altlasten aufwachsen können.

Wie schnell wird sich ein Wandel vollziehen können? Werden wir die Hanfplatten demnächst auch bei uns in den Baumärkten erwerben können? Zählen Baugenehmigungen für Hanfhäuser bald zu unserem Alltag?

Bildquelle: Foto von giovanni gargiulo auf Pixabay

2022-03 Earthship ein autarkes Haus aus Abfall

Earthship – Ein autarkes Haus aus Abfall

Der Beton hat ausgedient; jetzt kommt das Earthship. Wie wär’s mit einem Haus aus lokal verfügbaren, natürlichen und recycelten Baumaterialien? Lust in einem Haus zu wohnen, wo man nicht von Nebenkostenabrechnungen erschlagen wird, da man Strom- und Heizenergie ausschließlich aus den eigenen Wind- und Solaranlagen gewinnt? Wenn ich Euch verrate, dass dieses Haus auch noch über die Möglichkeiten verfügt für eine kleine Community Nahrungs- und Lebensmittel zu produzieren, habe ich dann Euer Interesse geweckt?

Ich präsentiere Euch Earthship bzw. Erdschiff zu Deutsch.

Die Idee stammt von dem US-Amerikanern Michael Reynolds der nach seinem Architekturstudium das erste Earthship aus Bierdosen baute. Er substituiert Beton, Holz und Stein mit alten Autoreifen aus umliegenden Werkstätten, Altglas und Bruchfliesen von Gebäuden die das nicht mehr benötigen.

Beim Bau seiner Häuser legt er großen Wert auf folgende Punkte:

  • Die Häuser zeichnen sich durch geschlossene Energie- und Versorgungskreisläufe aus.
  • Baumaterialien sind lokal verfügbar, kommen aus natürlichen Ressourcen und sind re- bzw. upcyclebar.
  • Hinter der großen Glasfassade werden frisches Obst und Gemüse angebaut.
  • Energie wird aus Wind- und Solaranlagen generiert.
  • Regenwasser wird aufbereitet und entsprechend verwendet.

In der Zwischenzeit gibt es über 1000 Earthships auf der ganzen Welt.

Wie diese Earthships in der Realität aussehen, präsentiert Euch folgendes Video (5 min lang).

Quelle: Earthship 101 von Earthship Biotecture auf YouTube

Deutschlands erstes Earthship in Schloss Tempelhof

Im Landkreis Schwäbisch-Hall zwischen Nürnberg und Stuttgart befindet sich das Dörfchen Schloss Tempelhof. Im September 2015 ging es los mit den Baumaßnahmen. Im Mai 2016 wurde das erste Earthship auf deutschem Boden fertig gestellt.

Die Genehmigung für ein derartiges Unterfangen zu bekommen, war nicht so leicht. Anders als in den USA oder in anderen Ländern der Welt, konnte das Earthship leider nicht zu 100% autark in Betrieb genommen werden.

Der Kompromiss lautete wie folgt:

Das Haus ist an der öffentlichen Wasserversorgung und der Abwasserkanalisation angeschlossen.

Demnach kommt das Trinkwasser aus der Leitung aber die Waschmaschine und die Toiletten können ruhig mit Regenwasser betätigt werden.

Übersetzt heisst das: Es flattern doch ein paar Nebenabrechnungen ins Haus, aber diese lassen sich recht gut „managen“.

Wie groß ist das Anwesen? Wie viele Menschen wohnen darin?

Anders als bei anderen Projekten, handelt es sich hierbei nicht um ein Einfamilienhaus, sondern um ein Wohnkomplex. Das Mutterschiff erstreckt sich auf 155 qm und besteht aus einem Wohn- und Esszimmer, einer Küche, sowie Duschen und Toiletten für 25 Menschen. Rundum das Hauptkomplex befinden sich Bauwagen und Jurten. Diese dienen als Zimmer und Rückzugsorte für die Bewohner.

Der Fokus liegt aus Gemeinschaft. Man kocht und isst gemeinsam. Die Kinder werden versorgt und abends wird zusammen gesessen. Für Einzelkämpfer ist dieses Leben nicht geeignet, aber der Rest wird es sicher faszinierend finden.

Was hat der Spass gekostet und wer wohnt in dieser Community?

Die Kosten beliefen sich auf 300.000 Euro. Die Baugenehmigung gilt für das Earthship plus die 14 angedockten Wagen und Jurten als ein einziges Gebäude. Finanziert wurde das Projekt durch die Gemeinschaft sowie aus Spendengeldern.

Die rund 25 Menschen die hier zusammen wohnen sind Familien, Paare, Singles, Kinder und ältere Menschen.

Wer hat zum Bau des Earthship beigetragen?

Die Gemeinschaft Tempelhof hat Michael Reynolds als Architekten beauftragt. Der Projektleiter war Roman Huber. Beim Bau haben 5 hauptberufliche Earthship-Bauer, mehr als 50 Freiwillige aus unterschiedlichen Ländern sowie die Bewohner selbst angepackt.

Die größte Herausforderung war das Thema „Erlaubtes“. Denn das was in New Mexico USA geht, ist bei uns in Deutschland nicht immer erlaubt. Ein Beispiel dafür sind Reifen. Diese werden hierzulande nicht als Baustoff anerkannt.

Mehr dazu auf der Webseite des Tempelhofer Mutterschiffs.

Und so sieht das gute Stück dann in Deutschland aus…

Quelle: Ecovillage Finder auf YouTube

Alles nur noch Tech und / oder zurück zur Natur?

Der eine findet das obige Konzept grausam, der andere wiederum liebt es.

Als Befürworter eines Lebens im Einklang mit der Natur finde ich derartige Bauprojekte äußerst spannend insbesondere vor dem Hintergrund zukünftiger Herausforderungen.

Die heutige Infrastruktur die wir in den letzten Jahren skrupellos ausgebaut haben, zeigt ganz schön ihre Grenzen auf. Das was wir in manchen Mega Cities vorfinden, hat mit Respekt gegenüber der Natur und Mutter Erde wahrhaftig nichts mehr zu tun.

Sollen wir jetzt alle in Altreifen, Altglas und Co. Häuser umziehen?

Natürlich nicht. Das geht auch gar nicht. Wir können nicht mit einem Schalter 8 Milliarden Menschen einfach mal „umsiedeln“, „umerziehen“ oder was auch immer.

Earthship ist ein alternatives Baukonzept das selbstverständlich noch verfeinert und optimiert werden kann. Es ist nicht DIE eine Variante, sondern vielmehr eine Möglichkeit, die uns die Augen öffnen sollte, dass Bauen und Wohnen auch anders geht. Siehe hierzu auch meinen Beitrag über den Einsatz von Hanf im Bausektor.

Bildquelle: Foto von Ron Lach auf Pexels