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Das Honig Experiment

Das Honig Experiment: Manuka gegen die restliche Welt

Ein Honig Experiment jagt dem nächsten. Anscheinend will jedes Land beweisen, dass es den besseren Honig hat. Die Power-Wirkung des seit Jahren stark vermarkteten Manuka Honigs wird in Frage gestellt. Das was die Neuseeländer anbieten, sollen auch andere können.

Wurdest Du von einer Biene oder einem Insekten gestochen? Kein Problem, Honig drauf.

Hast Du Halsschmerzen? Einen Löffel leckeren Honig nehmen und schon geht’s einem besser.

Dass Honig heilende Kräfte hat, wussten nicht nur die Ureinwohner Neuseelands, die seit eher Honig verwendeten, um ihre Krieger zu verarzten. Verbrennungen, Wunden, Entzündungen, Erkältungen und sogar Magen-Darmbeschwerden – das und mehr kann man (bis zu einem gewissen Grad) auf natürlicher Weise mit z.B. Manuka Honig heilen.

Lange Zeit wurde die Wirkung von Honig von der westlichen Medizin belächelt. Heute lacht das „medizinische Establishment“ nicht mehr. Die antibakterielle und antientzündliche Wirkung von Honig ist mehrfach bewiesen worden. Siehe hierzu die mehr als 650 wissenschaftliche Studien zu Manuka Honig veröffentlicht in der US National Library of Medicine.

Warum spielt Honig eine immer wichtigere Rolle in unserem Leben?

Warum rückt das Thema Bienensterben immer stärker ins Bewusstsein der Menschen?

Bei der Beantwortung der ersten Frage fällt mir direkt folgender Begriff ein: Antibiotikaresistenz.

Eins der größten Probleme (wenn nicht sogar die #1 Herausforderung) der modernen Medizin und damit der Menschheit ist, dass Antibiotika nicht mehr so wirken wie sie sollten.

Die Bakterien / Keime werden immer stärker, sie mutieren, sie adaptieren sich super schnell an die neuen Gegebenheiten und die Ärzte haben keine Lösungen mehr parat. Man rotiert zwischen unterschiedlichen Antibiotika, man erhöht die Dosis und der Patient reagiert trotzdem nicht auf die Therapie. Was nun? Wie lange ist man noch bereit das zu ignorieren, was uns die Natur bietet?

Die zweite Frage lässt sich meiner Meinung nach am besten mit einem Zitat von Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein beantworten:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

– Albert Einstein

Warum dieser große Hype um Manuka Honig?

Der Manuka Honig und seine Heilwirkung sind eine Entdeckung der Neuzeit. Mitte des 18. Jahrhunderts begleitete der aus England stammende Botaniker Joseph Bank (1742-1820) den berühmten Seemann James Cook auf einer Weltumsegelung und entdeckte die heilenden Kräfte des neuseeländischen Honigs Manuka.

Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem Manuka Honig seit rund 30 Jahren. Zu den in zahlreichen klinischen Studien erforschten Wirkungen zählen unter anderem:

  • antibakteriell => verantwortlich hierfür ist das Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO)
  • antiviral
  • entzündungshemmend
  • keimabtötend
  • desinfizierend
  • antimykotisch
  • hautklärend
  • stärkt das Immunsystem

So kommt es, dass Manuka Honig immer häufiger für eine große Zahl an Anwendungen auch in der Medizin genutzt wird.

Das brachte die Wissenschaftler dazu, das sogenannte Medihoney™ (medizinischer Honig) zu entwickeln. Dieser wird zur äußerlichen Wundbehandlung und Wundpflege verwendet. Der Unterschied zum herkömmlichen Manuka Honig besteht in der nachträglichen Behandlung mit Gammastrahlen zur Sterilisierung. Seit 2004 ist Medihoney™ CE-zertifiziert und im europäischen Raum für medizinische Zwecke zugelassen.

Neueste Studien zeigen darüber hinaus, dass der Superkeim MRSA am erfolgreichsten in der Kombination Rifampicin (Antibiotikum) und Manuka Honig / Medihoney™ behandelt werden kann. Auch im Bereich der Onkologie und damit in der Krebsbekämpfung findet Manuka Honig verstärkt Anhänger.

Dr. Hiroshi Maruta von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf untersuchte den Wirkstoff CAPE (Kaffeesäurephenylethylester) welches für die Hemmung von Krebszellenwachstum verantwortlich ist. CAPE ist im neuseeländischen Manuka Propopolis im Vergleich zu anderen Honigsorten sehr hoch.

Quelle: Manukahealth, YouTube

Das Honig Experiment aus 2018: Irischer Honig ist genauso stark wie Manuka Honig

Wenn man seit langer Zeit den ersten Platz belegt, dann dauert es nicht lange bis die nächsten „Gold-Medaillen“ Anwärter an den Türen klopfen.

Ende 2018 veröffentlichte das Forscherteam des Trinity und Dublin City University eine Studie, in der die Wissenschaftler die gesundheitlichen Vorteile des irischen Heidehonigs präsentierten. Sie fanden heraus, dass der irische Heidehonig ähnlich starke Antioxidantien, sogenannte Phenolverbindungen, vorweist wie Manuka Honig.

Des weiteren wurde festgestellt, dass die mehrblumigen Honige die von städtischen Bienen produziert wurden, einen höheren Gehalt an antioxidativen Phenolverbindungen aufweisen als die ländlichen Honige. Der Grund hierfür liegt möglicherweise in der Blütenvielfalt.

Im Rahmen des Experiments wurden 131 irische Honigproben an 78 Standorten in ganz Irland direkt von Imkern gesammelt. Die Mehrheit waren mehrblumige Honige (124 Proben) aus städtischen und ländlichen Gebieten. Drei Proben waren Heidehonige, zwei waren Efeuhonige und zwei Rapshonige.

Die Ergebnisse wurden in der renommierten Zeitschrift Food Chemistry veröffentlicht.

5 Jahre langer Honig Experiment: Australischer Honig gegen Manuka Honig

Die Iren sind nicht die einzigen die derartige Studien durchgeführt haben.

Die „Rivalen“ vom Nachbarkontinent Australien sind schon seit längerem dabei zu beweisen, dass ihre Honige genauso wirkungsvoll sind wie die neuseeländischen Manuka Honige. Ein ausführlicher Bericht der ABC News aus Oktober 2019 berichtete über die Ergebnisse einer 5-jährigen Studie der Technischen Universität in Sydney in Kooperation mit der Universität Sunshine Coast, indem bewiesen wurde, dass die australischen Heidehonige den neuseeländischen gleichwertig oder sogar besser sind.

Der Kampf der australischen Imker geht also weiter.

Wissenschaftliche Studien

  • Manuka Honig in der medizinischen Literatur, PubMed / PMC in der US National Library of Medicine, NCBI.
  • Medihoney™ in der medizinischen Literatur, US National Library of Medicine.
  • „Rifampicin-Manuka Honey Combinations Are Superior to Other Antibiotic-Manuka Honey Combinations in Eradicating Staphylococcus aureus Biofilms“, veröffentlicht am 11. Januar 2018, PubMed, US National Library of Medicine.
  • „Intravenous Administration of Manuka Honey Inhibits Tumor Growth and Improves Host Survival When Used in Combination with Chemotherapy in a Melanoma Mouse Model“, veröffentlicht am 7. Februar 2013, PubMed, US National Library of Medicine.
  • Die Eigenschaften und Wirkungen von Malaysischem Honig im Vergleich zu Manuka Honig, PMC in der US National Library of Medicine.
  • Dr. Hiroshi Maruta, Forschung zu CAPE und Manuka Propolis, BIO30.
  • „Health benefits of Irish heather honey comparable to those of Manuka honey“, September 2018, Trinity College Dublin.
  • „Physicochemical properties and phenolic content of honey from different floral origins and from rural versus urban landscapes“, Food Chemistry, Volume 272, Pages 66-75, 30 January 2019, in Science Direct.
  • „Active Australian Leptospermum Honey: New sources and their bioactivity“, veröffentlicht am 22 Oktober 2019, ISBN: 978-1-76053-058-7, erhältlich bei AgriFuture Australia.

Unterstützung für die heimischen Honige

Die heilenden Eigenschaften von Honig waren nicht nur den Maori (Ureinwohner Neuseelands) bekannt, sondern auch den alten Ägyptern. In Kriegen wurden Wunden mit Honigtinkturen behandelt. Dann kamen die ersten Antibiotika auf den Markt und man vergaß über Honig. Das Naturheilmittel wurde verdrängt. Heute wo die westliche Medizin in vielen Bereichen an ihre Grenzen gestoßen ist, erlebt der Honig einen Revival.

Jawohl, Manuka Honig ist eine starke „Brand“ sozusagen und profitiert von einem ausgezeichneten Marketing. Jahrelang haben die Neuseeländer dafür gekämpft, dass ihr Honig weltweit für seine außergewöhnliche Heilwirkung anerkannt wird. Das haben sie geschafft.

Kein anderes Land und kein anderes Honig hat so viele klinische Studien vorzuweisen wie der neuseeländische Manuka Honig. Unsere heimischen Honige mögen genauso toll, lecker und wirkungsvoll sein, aber uns fehlen die zahlreichen Studien.

Bedeutet das, dass wir aufgeben und zukünftig nur noch zum teueren Manuka Honig greifen sollen?

Nein, auf keinen Fall.

Ganz im Gegenteil, wir sollen unsere heimischen Honige unterstützen und dafür sorgen, dass ihre Wirkungen stärker untersucht und für medizinische Zwecke eingesetzt werden. Das nächste Honig Experiment wartet irgendwo auf der Welt sicher auf seine Veröffentlichung.

GVO Volksbegehren Artenschutz

NEWS: GVO, Volksbegehren, Drohnen

Wir haben jahrelang mit dem Finger auf die Kollegen vom nordamerikanischen Kontinent gezeigt. Seitdem gentechnisch veränderte Organismen (GVO) auch bei uns auf dem alten Kontinent verstärkt zugelassen werden, brauchen wir uns über andere nicht mehr lustig machen.

Die EU-Kommission hat neuerdings zehn GVO zur Verwendung in der EU zugelassen. Ganz konkret handelt es sich hierbei um folgende Produkte – 9 davon sind für die Verwendung in Lebens- und Futtermitteln und 1 Nelke als Zierschnittblume:

  • Baumwolle GHB614xLLCotton25xMON1598 – Erstzulassung
  • Mais 5307 – Erstzulassung
  • Mais MON 87403 – Erstzulassung
  • Mais 4114 – Erstzulassung
  • Mais MON87411 – Erstzulassung
  • Mais Bt11xMIR162x1507xGA21 – Erstzulassung
  • Soja MON87751 – Erstzulassung
  • Ölraps Ms8xRf3 – erneuerte Zulassung
  • Mais 1507xNK603 – erneuerte Zulassung
  • Nelke als Zierschnittblume – Erstzulassung

Die Zulassung der oben aufgeführten GVO gilt für 10 Jahre. Produkte, die aus diesen GVO hergestellt werden, müssen in der EU entsprechend gekennzeichnet werden. Selbstverständlich müssen diese auch rückverfolgbar sein.

Wenn Ihr wissen wollt, welche genetisch veränderte Pflanzen in der EU zugelassen werden inkl. deren Geltungsbereich, dann lohnt sich ein Blick in das EU-Register für „authorized GMO“ (was soviel heisst wie zugelassene GVO).

Was die EU in punkto GVO plant, erfahrt Ihr auf der GMO-Webseite der Europäischen Kommission.

Landwirtschaft zwischen Artenvielfalt und Gentechnik – so lautete noch letztes Jahr eins meiner Blogs hier auf Agrarbetrieb. Es ging dabei um eine Entscheidung der US-Behörden Genome Editing gezüchtete Pflanzen nicht unter die Gentechnik-Vorschriften fallen zu lassen. Ich beschrieb das Genome Editing Verfahren und wies auf unterschiedliche Gefahren hin.

In Deutschland gilt unser Fokus auf das Thema Artenvielfalt und Biodiversität, was absolut richtig ist. Wir dürfen jedoch nicht aus den Augen verlieren, was am „Rande“ – fernab von „Big Media“ passiert. Gefilterte Informationen zu erhalten sind wir ja schon gewohnt, umso wichtiger ist es daher, dass wir auf dem Laufenden bleiben mit dem was uns „ungern“ kommuniziert wird.

Artenvielfalt nebst GVO

Heute, wo wir der Meinung sind, dass wir mit den Aktionen „Rettet die Bienen“ zumindestens im Süden der Republik jede Menge Gutes erreicht haben, kriegen wir eine „Ohrfeige“ aus Brüssel. Es heisst, wir hätten zu wenig getan – Deutschland wurde von der EU-Kommission aufgefordert, den Schutz von blütenreichen Wiesen zu verstärken.

Was wird von der EU bemängelt?

Wir würden die Verpflichtungen der Habitat-Richtlinie 92/43/EWG des Rates nicht erfüllen. In der Richtlinie aus 1992 geht es vor allem um den Schutz von Bestäuberinsekten wie z.B. Bienen. Nach Ansicht der EU, kommt Deutschland dieser Verpflichtung nicht nach.

Betroffen sind 2 Lebensraumtypen: magere Mähwiesen und Berg-Mähwiesen.

Diese haben sich in den letzten Jahren stark verkleinert bzw. sind gänzlich verschwunden. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung den Erhaltzustand dieser Gebiete versäumt hätte zu überwachen und beschützen.

Deutschland hat zwei Monate Zeit zu reagieren. Die EU-Kommission erwartet eine entsprechende Stellungsnahme.

Quelle: Europäische Kommission

Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Baden-Württemberg

Nachdem Bayern seine Landwirte mit einem neuen Gesetz zu mehr Artenschutz verpflichtet hat, soll nun auch Baden-Württemberg den gleichen Weg einschlagen. Den Antrag haben 35.865 Wahlberechtigte unterschrieben (3x mehr als benötigt). Das Stuttgarter Innenministerium hat jetzt drei Wochen Zeit, um die Zulässigkeit des Antrages zu prüfen.

Für das Volksbegehren sind rund 770.000 Unterschriften (10% der Wahlberechtigten) innerhalb von 6 Monaten nötig. Die bereits gesammelten Unterschriften sind aus und vor.

Zur Erinnerung, hier nochmal die Forderungen des Volksbegehrens:

  • 50% Ökolandbau bis zum Jahr 2035
  • Verbot von bestimmten Pestiziden in Naturschutzgebieten, die die Artenvielfalt gefährden
  • Halbierung des mit Pestiziden belasteten Flächenanteils bis 2025
  • Schutz der Streuobstbestände

Das Volksbegehren Artenschutz kommt nicht bei jedem gut an. So äußert sich Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbands immer wieder kritisch zu dieser Aktion, da er der Meinung ist, dass der Gesetzesentwurf insb. kleineren Familienbetriebe sehr schaden würde.

Anbei ein interessanter Videobeitrag (nur 5 min), wo mehrere betroffene Parteien ihre Meinung äussern…

Quelle: quer, YouTube

Ich habe grosses Verständnis für meine Kollegen, denn ich weiss nur allzu gut wie hart es heute ist als Familienbetrieb hochqualitative Produkte zu produzieren, sich entsprechend gegen Großinvestoren und -konzerne zu positionieren und gleichzeitig noch „am Leben“ zu bleiben.

Ich liebe die Natur ungemein und daher versuche ich mit dem Projekt Blumenwiesenpatenschaften immer mehr Naturliebhaber dafür zu begeistern, den Honigbienen, Hummeln, Schmetterlinge und anderen kleinen Insekten ein tolles Zuhause zu bieten.

Schweizer setzen auf Sprühdrohnen

Helikopter vs. Drohnen – the battle is on. Weniger Lärmbelästigung und geringerer Abdrift – das was uns bei Helis mächtig stört, machen Drohnen wett. Nun sollen die kleinen Multikopter nicht nur Flächen vermessen, Schlupfwespen verteilen oder Wildvieh fündig machen, sondern auch Präparate versprühen.

Die Schweiz soll als erstes europäisches Land künftig flüssige Pflanzenschutzmittel mittels Drohnen versprühen.

Was gilt beim Einsatz von Sprühdrohnen zu beachten?

  • Vorschriften der Flugsicherheit sind zu erfüllen
  • Abdrift darf festgelegten Grenzwert nicht überschreiten
  • Bis zu 30 kg Gewicht kann ohne Bewilligung eingesetzt werden => Voraussetzung: Pilot hat permanent Sichtkontakt zu seiner Drohne
  • Alle 3 Jahre ist ein Spritzentest erforderlich
  • Flug über Menschenansammlungen ist verboten

Details zum Genehmigungsverfahren erfahrt Ihr auf der Webseite des Bundesamts für Zivilluftfahrt BAZL. Weiterführende Infos gibt’s auf Agroscope.

Gentechnik, GVO, Genome Editing

Fleisch aus dem Reagenzglaz, Roboterbienen, Pflanzen deren Erbgut mit Genome Editing Technik verändert wird (was laut USA nicht zu GVO zählt) – was kommt als Nächstes?

Man sagt uns, dass alles „safe“ ist, sicher zum Verzehr / Einsatz, dass Mensch und Tier davon keine gesundheitliche Schäden tragen werden. Ob das alles stimmt, werden uns die nächsten Jahre zeigen. Tests sind eine Sache, Einsatz über mehrere Jahre, eine ganz andere.

Das ist erst der Anfang. Die neuen Technologien sind mächtige Waffen die ohne Benutzerhandbuch uns zum experimentieren einladen.

Wir kommen auf diese Welt ohne Benutzerhandbuch, wissen nicht was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Viele suchen nach Orientierung, fragen sich was der Sinn ihre Lebens ist, andere wiederum laufen wie Zombies durch die Gegend. Vergessen wir nicht, dass wir diejenigen sind, die diese Technologien erfinden und einsetzen. Solange der Mensch die Technologien versteht und kontrolliert ist alles super. Wehe aber diese Rollen tauschen…

Wie lautet Euer Standpunkt zum Thema GVO? Dafür, dagegen oder neutral? Und wieso?

Pflanzenschutzmittel und Insektensterben

News: Pflanzenschutzmittel, Insektensterben, Verbrauchererwartungen

In wenigen Wochen heißt es goodbye Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Flurtamone. Damit sind ein paar weit verbreitete Getreideherbizide und -fungizide nicht mehr zugelassen. Der Industrieverband Agrar e.V. (IVA) spricht von „gravierende Eingriffe in Eigentumsrechte der Landwirte“.

Die drei Getreideherbizide Bacara, Bacara Forte und Cadou Forte dürfen bis zum 27. Dezember 2019 weiter verkauft und müssen bis zum 27. März 2020 aufgebraucht werden. Zum 30. April 2019 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auch die Zulassung aller Getreidefungizide mit dem Wirkstoff Fenpropimorph widerrufen. Die vier Präparate Corbel, Diamant, Juwel Top und Opus Top müssen bis zum 30. Oktober 2019 verkauft und bis zum 30. Oktober 2020 aufgebraucht werden.

Da die Zulassung für Capalo planmäßig am 30. April 2019 endet, ist kein gesonderter Widerruf nötig. Selbstverständlich gelten auch hier die genannten Abverkaufs- und Aufbrauchfristen.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Es handelt sich hierbei um eine EU-weite Entscheidung. Es heißt:

„Im Verfahren zur Erneuerung der Genehmigung konnten Risiken für Verbraucher und die Umwelt nicht abschließend bewertet werden.“

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Deshalb haben sich die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten darauf geeinigt, die Genehmigung nicht zu erneuern. So kommt es, dass bestehende Zulassungen widerrufen werden müssen.

Windräder: Tolle Energiequelle und gleichzeitig schuldig am Insektensterben?

Der starke und langanhaltende Wind in Deutschland hat einem besonders gut getan: den Windrädern.

Seit Jahresbeginn haben die großen spinnartigen Hochgenossen 33 Milliarden Kilowattstunden Strom geliefert. Letztes Jahr wurden die 33 Mrd. kWh erst Ende März erreicht. Sollte der starke Wind bis Ende diesen Monats anhalten, dann rechnet der Energiekonzern Eon mit 38 bis 40 Mrd. kWh im ersten Quartal.

Der diesjährige Höchstrekord wurde am 8. Januar erzielt. An diesem Tag wurden 961.000 Megawattstunden produziert.

Sollte die Windgeschwindigkeit mehr als 90 km pro Stunde betragen, also Windstärke 10, dann werden die Windräder automatisch abgeregelt und aus dem Wind gedreht.

Quelle: Handelsblatt

Als nächstes möchte ich auf eine aktuelle Studie des Instituts für Deutsche Luft- und Raumfahrtforschung (DLR) eingehen. Denn hier heißt es, dass des Ausbau von Windparks (seit 1990) für einen erheblichen Teil der Dezimierung der Population von Fluginsekten verantwortlich sind.

Am Insektensterben sind mehrere Schuldige verantwortlich, unter anderem:

  • die intensive Landwirtschaft
  • der Einsatz von Pestiziden
  • der Trend hin zur Urbanisierung und die Entstehung sog. Mega-Cities
  • der stetig steigende Verkehr und die damit einhergehende Infrastruktur
  • der Klimawandel

Nun soll also ein weiterer Faktor in die obige Liste mit aufgenommen werden: Windparks.

Das Thema Insekten- und Bienensterben ist auch so schon komplex genug, aber mit der neuen Perspektive, steigen auch die Lösungsanforderungen und -erwartungen ungemein.

Ein paar Erkenntnisse aus der Studie:

  • Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Abnahme von Fluginsekten und der Zunahme von Windparks.
  • Korrektur folgender Annahmen: (1) Fluginsekten bewegen sich fast ausschließlich außerhalb des Bereichs der meisten Windrotoren (FALSCH). (2) Insekten fliegen nicht bei hohen Windgeschwindigkeiten (FALSCH).
  • Der Insektenschlag auf den Rotorblättern der Windkraftanlagen verursacht Verschmutzungen, was wiederum zu Effizienzverlusten von bis zu 50% führen kann.
  • Die Zahl der durch die Rotoren getragenen Insekten liegt laut Modellanalyse bei etwa 24.000 Tonnen pro Jahr nach 2003.
  • Die geschätzten Verluste liegen bei durchschnittlich 5-6 Mrd. Insekten pro Tag während der warmen Jahreszeit von April bis Oktober.

Wichtig hierbei ist folgendes: diese Insektenverluste wirken sich nicht nur auf den Reproduktionsprozess negativ aus (Dezimierung der Insektenpopulation), sondern auch auf die nachfolgende Nahrungskette.

Was raten uns die Forscher?

In erster Linie weisen die Forscher darauf hin, dass ihre theoretischen Modellanalysen dringend empirisch verifiziert werden sollten. Des weiteren, sollte der Zusammenhang von Insektenmigration und Windparkbetrieb besser verstanden werden.

Weitere Maßnahmen wären das Monitoring der Insektenmigration und die Installation von „automatischen Schwarmerkennungssystemen in Verbindung mit einer entsprechenden Steuerung der Rotoren“.

Hier geht’s zur Studie.

SocialLab: so ticken Verbraucher, Landwirte und der Handel

Auf 76 Seiten versuchen Wissenschaftler aus acht Forschungseinrichtungen Antworten auf ein paar kritische Fragen zu finden.

Wie soll man mit Tieren umgehen? Was versteht der Verbraucher unter Tierwohl und was erwartet dieser von tierhaltenden Betrieben? Welche Rolle spielt der Handel als Bindeglied zwischen Landwirt / Viehzüchter und Konsument?

Das Forschungsprojekt „SocialLab“ unter Federführung des Thünen-Instituts hat am 13. März 2019 seine Ergebnisse im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgestellt.

Ein paar Ergebnisse im Überblick:

  • Verbraucher bewerten Tierwohl höher als Umweltschutz, arbeitswirtschaftsliche Ziele der Betriebe und Arbeitssicherheit.
  • Verbraucher in Deutschland legen Wert auf die Vielfalt von hochwertigen Lebensmitteln.
  • Regionalität spielt weiterhin eine große Rolle.
  • Konflikte ergeben sich beim Thema Preis: Die Mehrheit verlangt mehr Tierwohl und regionale Produkte ist gleichzeitig jedoch selten bereit dafür mehr Geld auszugeben.
  • Auffällige Diskrepanzen gibt es weiterhin zwischen Verbrauchererwartungen und -verhalten. (Beispiel: Tierwohl ja, aber mehr bezahlen nein)

Eine der Schlußfolgerungen von Bundesministerin Julia Klöckner lautet deshalb wie folgt:

Die Mehrkosten für alle oben aufgeführten Themenschwerpunkte kann nicht alleine der Landwirt tragen.

Die Verbraucher müssen mehr Verständnis für den Landwirt aufbringen und genauso gilt das auch umgekehrt. Das Schlüsselwort hier ist: Bewusstsein für die Position des anderen schaffen.

Dem Projekt ist eins recht gut gelungen, und zwar Zielkonflikte aufzuzeigen. Diese betreffen landwirtschaftliche Betriebe gleichermassen: An welchen Stellschrauben soll ich als Landwirt drehen, ohne an den Verbraucherwünschen vorbei zu produzieren? Was kann ich tun, um nicht auf den Mehrkosten sitzen zu bleiben wenn schonmal klar ist, dass der Konsument dafür nicht bereit ist zu zahlen?

Hier geht’s zur Studie von SocialLab.

Kurz noch zurück zu den Insekten

Blumenwiesen, eine bunte Vielfalt von Blumen an Wegrändern, Ackerstreifen und in Gärten – das können wir Landwirte u.a. tun, damit unsere Bienen und Insekten nicht aussterben.

Die Zeitung inFranken.de hat einen Beitrag über die Intiative „Mürscht blüht auf“ geschrieben. Zusammen mit meinem Imkerkollegen Dieter Schölzke wollen wir die Münnerstädter dazu animieren, wieder mehr Blumenkästen anzupflanzen. Wir bieten im Mai dazu auch einen Workshop an und bereiten uns damit kräftig auf das Stadtjubiläum 2020 vor.

Hier geht’s zum Artikel „Münnerstadt soll aufblühen„.

Wer Interesse an einer Blumenwiesen-Patenschaft hat, der kann mir gerne hier einen Kommentar hinterlassen oder mich direkt kontaktieren. Ich freue mich auf Eure Nachricht!

Was können wir noch gemeinsam gegen das Insektensterben tun?

Tech-Trends Unkrautbekämpfung mit Lasertechnik

Tech-Trends: Unkrautbekämpfung mit Lasertechnik

Müssen sich Monsanto, Bayer, BASF & Co. Sorgen machen? Können wir demnächst auf chemische Pflanzenschutzmitteln zur Unkrautbekämpfung gänzlich verzichten? Eine Traumvorstellung für Umweltorganisationen weltweit; ein Traum der durch eine neue Lasertechnik näher rückt.

Wir mögen in Deutschland in punkto Digitalisierung und High-Tech hinterherhinken aber wenn es um Kreativität und Innovationslust geht, dann spielen wir gerne vorne mit. Ein neuer Prototyp soll etwas bemerkenswertes erreichen:

Optische Unkrauterkennung in Kombination mit einer laserbasierten Unkrautbeseitigung

Das Projekt wurde von mehreren Laser-Spezialisten aus Deutschland ins Leben gerufen. Robuste Lasersysteme die genau das erzielen, sollen zukünftig auf den Anbauflächen zum Einsatz kommen.

Die größten Vorteile im Überblick:

  1. Man verzichtet auf chemische Pflanzenschutzmittel.
  2. Es bilden sich keine Resistenzen wie bei den chemischen Stoffen (laut der Deutschen Bundesstiftung Umwelt).
  3. Nützlinge (z.B. nützliche Beikräuter, Nützlingsinsekten) die zur Biodiversität beitragen, werden geschont.
  4. Evtl. eine Zukunft ohne Gentechnik beim Pflanzenbau.

Umweltfreundliche Unkrautbekämpfung – Laser statt Pflanzengift

Goodbye Gießkannenprinzip, hello selektive Vorgehensweise …

Das was Wissenschaftler(innen) des Laser Zentrum Hannover (LZH) zusammen mit den Mitarbeitern der Unternehmen LASER on demand und IPG Laser in Burbach vorhaben, ist revolutionär.

Das Ziel des Projekts „NUBELA“ ist es weniger Herbizide auf Anbauflächen auszubringen. Dafür sollen Unkräuter selektiv durch Laserstrahlung entfernt werden.

Wie funktioniert das Ganze?

Teil #1: Es gibt bereits mehrere Verfahren zur Pflanzenerkennung, darunter auch optische Methoden.

Teil #2: Der Nachweis, dass Laserstrahlen zur Schädigung von Pflanzengewebe durch Wärme führen, liegt ebenfalls vor (Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt).

Das besondere an der laserbasierten Unkrautbekämpfung liegt darin, dass die Strahlung schnell und präzise bestimmte Pflanzen ausschaltet (Unkräuter die vorher einzeln ausgesucht wurden). Dabei wird das Wachstumszentrum dieser Pflanzen „verschmort“. Kulturpflanzen und Tiere bleiben unbeeinflußt.

Marktreife in Sicht?

Die Projektmitarbeiter wollen als erstes einen vorindustriellen Demonstrator mit einem „robusten, feldtauglichen und sicheren Lasersystem“ verschiedenen pflanzenbaulichen Firmen zur Verfügung stellen.

Das Lasersystem soll später neben anderen Sensor- und Fahrzeugsystemen zum Einsatz kommen.

Dieses Vorhaben wird sowohl fachlich als auch finanziell von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit insgesamt rund 315.000 EUR unterstützt.

Wenn Ihr Lust habt einen tieferen Blick hinter die Kulissen dieses Projekts zu werfen, dann empfehle ich Euch den kurzen Videobeitrag der vom Fernsehsender SAT 1 Regional am 14. November 2018 ausgestrahlt wurde.

Hier geht’s zur Mediathek:

https://www.sat1regional.de/laser-statt-pflanzengift-forscher-in-hannover-arbeiten-an-umweltfreundlicher-unkrautbekaempfung/

Parrot Bluegrass Fields: Drohne + App + PC-Anwendung für Kartierungssoftware

Für 4.490 EUR ohne Umsatzsteuer gibt es ab Ende November was ganz tolles für alle Drohnen- und Kartenfans. Im Rahmen seines Business-Portfolios bietet Parrot Bluegrass Fields neben seiner Drohne nun auch eine gesonderte App inkl. einer Desktop- und Cloudbasierten Drohnenkartierungssoftware.

Die Drohne ist mit einer 14 MP-Front-RGB-Kamera ausgestattet. Das ermöglicht scharfe Aufnahmen in Full-HD (1080p), super geeignet für Erntekartierung und visuelle Bonituren aus der Luft.

Zur ParrotFields Mobile Mapping App:

  • 1-jährige Lizenz dabei
  • Erstellen von Echtzeit-NDVI-Karten
  • On-Demand Foto- und Videoaufnahmen
  • Fotos und Textnotizen können vor Ort abgespeichert werden

Zur Pix4Dfields Desktop- und Cloud-Software:

  • 1-jährige Lizenz inklusive
  • Bearbeiten der Live-Aufnahmen via Mobile App
  • Erstellen von Indexkarten
  • Erstellen von Applikationskarten
  • Exportieren dieser Karteien in Farm-Management-Systeme

Weitere Tech-Neuigkeiten im Überblick

1. John Deere schließt das Geschäftsjahr 2018 mit Plus ab

Deere & Company hat sein Geschäftsbericht 2018 veröffentlicht. Das weltweit größte Landtechnikunternehmen schliesst das Geschäftsjahr mit einer zweistelligen Umsatzsteigerung ab. Der Jahresumsatz 2018 belief sich auf 37,358 Mrd. USD (+26% ggü Vorjahr).

Der Nettogewinn betrug 2,368 Mrd. USD (2,159 Mrd. USD in 2017).

Das entspricht 7,24 USD pro Aktie (6,68 USD in 2017).

Der Grund für die tolle Performance liegt laut Unternehmensangaben an der „Verbesserung der Marktbedingungen“ und der „starken Nachfrage“ nach dem umfangreichen JD-Sortiment.

Die Prognosen für das Geschäftsjahr 2019 sind ebenfalls positiv. Die Amerikaner gehen von einer Umsatzsteigerung von ca. 7% aus. Darin enthalten sind auch die Umsatzbeiträge der Wirtgen Group (12 Monate in 2019 vs. 10 Monate in 2018).

2. John Deere erhält zwei SIMA Innovation Awards 2019

Vom 24.-28. Februar 2019 findet die SIMA in Paris statt. Die Jury hat jedoch bereits entschieden. Zwei Preise gehen an John Deere: einmal für Connected Support, das zweite für das Live NBalance System.

Bei Connected Support handelt es sich um die neueste Ferndiagnose-Anwendung aus dem Hause JD. Mit Hilfe der Maschinendashboard können die Maschinen fernüberwacht werden. Benachrichtigung über den Maschinenzustand erhält man über JDLink. Über das Expert Alert System werden Vertriebspartner einerseits, über mögliche Störungen/ Probleme informiert und andererseits, erhalten diese Anweisungen zur Behebung der Störungen.

Die beiden Connected Support Anwendungen sind in allen neuen Maschinen enthalten. Ältere Modelle können nachgerüstet werden.

Den zweiten Preis erhält John Deere in Kooperation mit Airbus für die gemeinsam entwickelte Live NBalanace Anwendung mit deren Hilfe eine Live-Überwachung der Stickstoffbilanz im Ackerbau ermöglicht wird.

3. Veenhuis und Kverneland Group lösen langjährige Partnerschaft auf

Der Grund für die Trennung: Strategiewechsel in beiden Unternehmen.

Im Jahr 2011 übernahm die Kverneland Group Deutschland GmbH den Vertrieb der Veenhuis Gülletechnik in Deutschland und Österreich. Jetzt heißt es Schluss damit, u.z. mit Wirkung zum 30.11.2018.

Ab dem 01.12.2018 erfolgt der Vertrieb der Gülletechnik aus dem niederländischen Raalte direkt durch Veenhuis Machines B.V.

4. Amazone hat sein neues Werk in Bramsche eröffnet

Am 13. November 2018 hat Amazone sein neues Werk in Bramsche offiziell eingeweiht. Die Investitionen beliefen sich auf rund 16 Mio. EUR.

Der neue Standort liegt sehr verkehrsgünstig, direkt an der BAB A1 und damit ca. 25 km vom Hauptsitz in Hasbergen-Gaste entfernt. Ab sofort erfolgt hier die Endmontage der UX-Anhängespritzen, wodurch in anderen Werken freie Plätze und Kapazitäten geschaffen werden.

Zu dem Neubauprojekt zählt ein Verwaltungsgebäude und mehrere Hallen für Montage, Versand und Lagerung mit insgesamt 16.000 qm Fläche. Die Belegschaft soll bis Ende nächsten Jahres auf rund 150 Mitarbeitern erhöht werden.

Lasertechnik in der Landwirtschaft

In den medizinischen Bereichen gehört der Einsatz eines Lasers fast schon zum Tagesgeschäft. Beim Augenarzt, in der Dermatologie, bei manchen OPs – ohne Laser wäre vieles unvorstellbar.

Wird uns das auch im Bereich der Landwirtschaft wiederfahren? Werden zukünftig alle Landmaschinen mit Lasersysteme ausgestattet werden?

Was haltet Ihr vom obigen Projekt zur Unkrautbekämpfung mittels Lasertechnologie?

News von Eurotier und Hofabgabeklausel

News: EuroTier, Hofabgabeklausel und hormonwirksame Substanzen

Wenn nicht Agritechnica, dann eben EuroTier. Alle zwei Jahre trifft man sich in Hannover auf der Leitmesse für die Tierhaltung. Es geht um Effizienz, Produktivität und Tierwohl; digitale Lösungen und neue technologische Konzepte dürfen da nicht fehlen.

Die Hofabgabeklausel bereitet nicht nur Landwirten, sondern auch der Politik jede Menge Kopfschmerzen. Jetzt heißt es: streichen. Eine Gesetzesänderung soll noch bis Ende des Jahres erfolgen. Unklar bleibt, wer die Mehrkosten für die Alterssicherung übernimmt.

Zuletzt greifen wir noch das Thema hormonwirksame Substanzen in Getreidefungiziden und Insektiziden auf. Die Wirkungen dieser Cocktailmischungen sind größtenteils unbekannt. EU-Behörden wollen nun die Rechtsvorschriften überprüfen.

Goodbye EuroTier 2018

Die weltweite Leitmesse für Tierhaltungs-Profis hat letzten Freitag seine Tore geschlossen. Von Dienstag, dem 13. November bis Freitag abend war in Hannover „die Hölle los“. Rund 155.000 Besuchern aus über 130 Ländern trafen auf 2.597 Ausstellern aus 62 Ländern.

Das größte Interesse galt der Tierart Rind (65% der Besucher), gefolgt vom Schwein (39%) und Geflügel (32%). Zu den Highlights zählten Innovationen aus den Bereichen Stallbau, Züchtung, Fütterungs- und Haltungstechnik. Selbstverständlich spielten digitale Lösungen und Softwareprogramme ebenfalls eine wichtige Rolle.

Es gab auch Prämien. Insgesamt wurden 11 Produktneuheiten mit der Auszeichnung „Produkt des Jahres“ prämiert. Darunter befand sich auch der Publikumspreis 2019. Dieser ging an DairyMilk M6850 von GEA.

Wenn Ihr es nicht auf die diesjährige EuroTier 2018 geschafft habt, dann verleiht Euch Vlogger-Kollege Sibbers mit dem unten aufgeführten Video, einen schicken Blick auf die Stände inkl. vieler Neuheiten.

Quelle: Sibbershusum, YouTube

Wie sieht es mit der Investitionsbereitschaft aus?

Für Tierhalter aus der ganzen Welt sind derartige Messen eine Top Gelegenheit sich nicht nur mit Fachkollegen auszutauschen, sondern auch über ihre Investitionsplanung nachzudenken.

Die deutschen Landwirte sind bereit zu investieren, allerdings wünschen sie sich klare politische Entscheidungen und verlässliche Strukturen für Zukunftsinvestitionen. Darüber würde sich aus der Rest der landwirtschaftlichen Community freuen, die nicht direkt mit Viehzucht zu tun hat.

EuroTier unterstützt Aktion gegen Krebs

Erst wurde ein Rennrad im Wert von 2.200 EUR für den guten Zweck versteigert und am Tag danach fuhren rund 30 Radfahrer (Landwirte) auf das Messegelände zum DLG-Stand, um noch mehr Aufmerksamkeit für diese schreckliche Krankheit die so viele Menschen frühzeitig und oft unter qualvollen Bedingungen in den Tod zerrt, zu generieren.

Die Initiative BIG Challenge Deutschland e.V. wurde von Georg und Petra Biedemann zusammen mit anderen Landwirten gegründet. Es werden soziale Sportevents organisiert und die eingegangenen Sponsoren- und Spendengelder zu 100% an die Deutsche Krebshilfe übertragen.

Auf der EuroTier war die DLG e.V. ein wichtiger Sponsor und Unterstützer der Big Challenge Aktion.

Hat die Hofabgabeklausel ausgedient?

Wer übernimmt die Kosten für die Alterssicherung der Landwirte? Wird es Agrarministerin Klöckner sein oder Finanzminister Scholz?

Das steht noch nicht fest.

Worüber jedoch in Berlin heftig debattiert wird, ist die Streichung der Hofabgabeklausel. Eine Gesetzesänderung muss her. Allerdings muss erstmals die Frage nach der Übernahme der Mehrkosten geklärt werden.

50 Millionen EUR Mehrkosten.

Die muß jemand übernehmen.

Option #1: Mehrbelastung aktiver Landwirte.

Wie wäre es, diese Summe auf die aktiven Landwirte zu übertragen und damit die Beiträge zur Landwirtschaftlichen Krankenversicherung (LKV) zu erhöhen? Keine tolle Alternative insb. vor dem Hintergrund, dass wir von einer steigender Zahl älterer Versicherten ausgehen.

Option #2: Kompensation der Mehrkosten durch höhere Bundesmittel.

Das ist ja die aktuelle Diskussion.

Option #3: Förderung für Junglandwirte.

Wie wäre es wenn wir Anreize für Junglandwirte schaffen, damit diese die Betriebe von älteren Kollegen übernehmen?

Noch ist nichts entschieden. Aber über eins sind sich wohl alle in Berlin einig:

Die Hofabgabeklausel, die 1957 eingeführt wurde und wonach ein Anspruch auf eine Altersrente nur dann besteht, wenn man sein landwirtschaftsliches Betrieb abgibt, ist heute in der Form nicht mehr zu halten.

EU will Rechtsvorschriften für endokrine Disruptoren überprüfen

Endokrine Disruptoren befinden sich in Kosmetika, Kunststoff und Pflanzenschutzmitteln. Diese chemischen Stoffe wirken sich auf das Hormonsystem aus (sowohl bei Menschen als auch bei Tieren), führen zu Veränderungen und damit einhergehend, gefährden sie der Gesundheit.

Die Cocktaileffekte sind weitestgehend unbekannt. Wissenslücken zu endokrinen Disruptoren werden seitens der EU-Kommission eingeräumt. Jetzt sollen die Rechtsvorschriften überprüft werden.

Warum traut sich keiner so richtig an das Thema?

Die Konsequenzen sind nicht ohne. Viele Präparate aus dem Bereich Pflanzenschutzmitteln, insb. Fungizide und Insektizide könnten ihre Zulassung verlieren und vom Markt fliegen.

Kritiker sind der Meinung, dass diese Produkte längst hätten verboten werden müssen. Sie hätten in Kosmetika, Pflanzenschutzmitteln und Co. nichts zu suchen. Die Damen und Herren aus Brüssel würden die Problematik auf die lange Bank schieben.

Fakt ist, dass sich die EU nicht einmal darüber im Klaren ist, was Disruptoren sind. Die Definition sollte bereits in 2013 konkretisiert werden.

Was wird aus den drei Themen in 2019?

Bei Punkt eins fällt die Antwort leicht. Es geht im November erneut nach Hannover, dieses Mal jedoch auf die Agritechnica. Da werde ich sicherlich auch dabei sein. Ist wirklich ein Muss für unsere Branche. Und ganz ehrlich, ich will mir die vielen tollen Gespräche mit Gleichgesinnten nicht entgehen lassen.

Was die Hofabgabeklausel anbelangt, so bin ich sehr gespannt, was sich die Koalitionsregierung hierbei ausdenkt. Ich gehe davon aus, dass sie die aktuelle Regel streichen werden und ich wer weiß was mit den Kosten passiert? Vielleicht muss das Agrarhaushalt erneut herhalten.

Dann wären noch die hormonwirksamen Substanzen. Da steckt soviel Zündstoff dahinter, dass ich in punkto einer schnellen Lösung bzw. Vorschriften nicht ganz so optimistisch bin. Die Konzerne deren Gewinn- und Verlustrechnungen davon stark beeinträchtigt wären, sind darüber sicherlich nicht amüsiert.

Wart Ihr auf der diesjährigen EuroTier? Was hat Euch am meisten beeindruckt?