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Goodbye Solardeckel

Goodbye Solardeckel – das sind die Pros

Der Solardeckel von 52 GW Ausbaukapazität ist abgeschafft. Viele Landwirte können jetzt endlich auch bei uns in Deutschland aufatmen und in Ruhe überlegen, welche Flächen für eine PV-Nutzung sinnvoll sind. Der Markt kann seine Dynamik entfalten.

Endlich hat die Bundesregierung eine Entscheidung getroffen. Seit Monaten wurde die Gesetzesänderung zur Beseitigung der Förderstopps für neue Solaranlagen vertagt und das obwohl Verbände immer wieder darauf hinwiesen, dass eine Förderunterbrechung massive Schäden in der Solarwirtschaft verursachen würde.

So hatten sich z.B. Ende März diesen Jahres rund 2.000 Unternehmen aus der Energiebranche in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel gewandt, mit der Bitte, den Förderdeckel für neue PV-Anlagen zu streichen. Hinzu kommt, dass die Solarbranche eine Beschwerde gegen den Solardeckel vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erhoben hat. [Quelle: BSW]

Der Solardeckel wurde also gekippt. Im Klartext bedeutet das folgendes:

Eine Förderung ist auch dann möglich, wenn der Zubau von 52 Gigawatt überschritten wird.

Für uns in der Landwirtschaft ist das Wegfallen der bisher geltenden Höchstgrenze von 52 GW ein positives Signal. Es ergeben sich neue Chancen. Wer innovativ und offen ist, kann mit dem „basteln“ neuer, lukrativer Geschäftsmodelle loslegen.

Agro-Photovoltaik: oben PV-Anlagen, unten Weizen

Keine Betonklötze und 80% Ertrag klingt nach einem interessanten Deal, oder?!

Landwirt Florian Reyer von der Hofgemeinschaft Heggelbach am Bodensee hat sich auf ein Experiment eingelassen. Auf dem Ackerfeld hat er Winterweizen angebaut. Über dem Acker wurde eine PV-Anlage mit 720 Modulen gebaut.

Die Challenge lautet wie folgt:

Kann Landwirtschaft unter einer Photovoltaikanlage funktionieren?

Das Pilotprojekt wird vom Fraunhofer Institut in Freiburg wissenschaftlich begleitet.

Quelle: Bayerischer Rundfunk, YouTube

Solardeckel Ade: Was sind die Vorteile?

Superreich wird man heuer mit PV-Anlagen nicht mehr; das ist den meisten schon bewusst. Was Solaranlagen jedoch durchaus ermöglichen sind regelmässige Einnahmen aus einer zweiten Quelle.

Wie im Falle des Landwirts vom Bodensee, lassen sich Photovoltaikanlagen nicht nur auf dem Dach oder am Boden montieren, sondern auch oberhalb von Agrarflächen (sog. Freiflächenanlagen). Diese müssen aber nicht gleich über einer profitablen Getreidefläche platziert werden. Denkt dabei an „schlechtere“ Standorte, sei es, dass die Landstücke kleiner sind oder der Boden nicht so fruchtbar ist. Wer kreativ ist, findet sicher eine passende Lösung.

Ein weiterer wichtiger Vorteil von Solaranlagen im Vergleich von z.B. Windkraftwerken ist die höhere Akzeptanz des erstgenannten in der Bevölkerung. Es gibt unzählige Bürgerinitiativen gegen Windkraftprojekte; Solarpanele hingegen sind von den Aktivisten zumindest bis dato eher verschont geblieben.

Nachdem politische Vertreter zusammen mit einigen Medien und Umweltverbänden das Thema Biogas in ein schlechtes Licht gerückt haben, gilt es den momentanen PV-Aufschwung maximal auszunutzen. Wie sonst wollen die Damen und Herren die Energiewende vorantreiben, wenn Biogas, PV und Windkraft als „böse“ eingestuft werden?

Die Abschaffung des Solardeckels ist schonmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Aber…

… es muss mehr passieren. Es ist wichtig, dass weitere Marktbarrieren abgebaut werden, so wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) dies auch fordert. Hierzu zählen u.a.:

  • Sonnensteuer bzw. EEG-Umlage: Selbst- und Direktversorger mit Solarstrom dürfen nicht länger mit der EEG-Umlage ausgebremst werden.
  • PV-Anlagen auf XL-Dächern: Aufhebung der Beschränkungen (z.B. Marktprämien-Gewährung) für die Errichtung grosser PV-Anlagen auf großen Industriehallen.
  • Standorte für Solarparks: Aufhebung der Standorteinschränkungen; die Rahmenbedingungen sind viel zu restriktiv.

Was lässt sich mit Solaranlagen alles basteln?

Welche Konzepte haben sich bewährt und was können wir von anderen Ländern lernen?

Solardeckel weg – inwieweit hilft Euch diese Entscheidung? Habt Ihr Euch ein paar lukrative Modelle schon ausgedacht?

Foto von mrganso, Pixabay.com

Globale Energiewende 2050

Globale Energiewende 2050: So purzeln die Billionen

Während Regierungen weltweit mit immer mehr Hilfspaketen und höheren Summen versuchen die jeweiligen Wirtschaften wieder zum Laufen zu bringen, lässt der Druck in punkto Energiewende nicht nach. Es geht u.a. um ehrgeizige Dekarbonisierungsziele, die mehr Arbeitsplätze, sauberere Lebensbedingungen und ein höheres Wirtschaftswachstum versprechen. Dieses Vorhaben kostet jede Menge Geld; es ist die Rede von einem dreistelligen Billionen-Betrag.

Die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA – International Renewable Energy Agency) hat vor wenigen Tagen ihren aktuellsten Report „Globaler Ausblick Erneuerbare Energien: Energiewende 2050“ veröffentlicht.

Der 292 Seiten lange Guide beschreibt die Investitionen und Technologien, die zur Dekarbonisierung des Energiesystems gemäß dem Pariser Abkommen erforderlich sind. Übersetzt geht es darum, die Kohlendioxidemissionen (CO2) möglichst auf Null zu senken.

Ein paar Eckpunkte dieser umfassenden Analyse:

  • Das ultimative globale Klimaziel = Null Emissionen. Aufgeführte mögliche Wege hierzu: Wasserstoff und synthetische Krafstoffe, direkte Elektrifizierung, fortschrittliche Biokraftstoffe, Kohlenstoffmanagement, strukturelle Veränderungen, innovative Geschäftsmodelle.
  • Zwischenziel: die globalen energiebedingten CO2-Emissionen bis 2050 sollen um 70% gesenkt werden. Über 90% dieser Senkung soll durch erneuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen erzielt werden.
  • Return on Investment von 1:3 bis 1:8, d.h. für jeden in kohlestoffarme Technologien investierte Dollar könnten Einsparungen in Höhe von drei bis acht Dollar generiert werden. Investments in die Energiewende bis 2050 würden 19 Billionen US-Dollar kosten und einen Zuwachs von mindestens 50 Billionen USD bringen. Investments um die CO2-Emissionen vollständig zu beseitigen würden 26 Billionen USD kosten. Den Gesamtkosten von 45 Billionen USD (19+26) würden Gesamteinsparungen von mindestens 62 Billionen USD gegenüberstehen.
  • Höherer BIP-Wachstum: Dieser Umbau könnte das kumulierte globale Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um 98 Billionen USD zusätzlich steigern.
  • Mehr Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien: 42 Mio. Arbeitplätze sollen bis 2050 im Bereich der erneuerbaren Energien entstehen, 4 mal mehr als heute. Die Gesamtzahl der Arbeitsplätze im gesamten Energiesektor würde sich bis 2050 auf 100 Millionen belaufen; das sind 40 Mio. mehr als heute.

Welche Investitionen sind für diese weltweite Energiewende denn noch notwendig?

Auf Seite 34 des Reports werden wir mit dieser Zahl konfrontiert.

Bis 2050 werden Investitionen in Höhe von 110 BILLIONEN USD benötigt. Für die „Zero“-Dekarbonisierung belaufen sich die Investment-Prognosen auf 130 BILLIONEN USD.

Quelle: Global Renewables Outlook: Energy transformation 2050, April 2020, IRENA.

Klimaabkommen und globale Energiewende ohne USA?

Trotz heftiger internationaler und nationaler Kritik sind die USA ganz offiziell aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen. Diese ganze Klimageschichte war für den aktuellen Präsidenten Donald Trump von Anfang an ein Dorn im Auge. Die USA würden sich fortan an ein „realistisches und pragmatisches Modell“ orientieren, so die Aussagen des Außenministers Mike Pompeo. [Quelle: Der Tagesspiegel]

Globale Energiewende ohne DIE Weltwirtschaftsmacht USA: Wie soll das gehen?

Auf diese Fragen sind die IRENA-Experten der obigen Studie nicht eingegangen. Die dreistelligen Billionenbeträge die im Dokument aufgeführt wurden, sind ohne die Unterstützung seitens der größten Wirtschaftsmacht der Welt, nicht bzw. kaum zu realisieren.

Wer soll denn für diese gigantischen Summen aufkommen? Der deutsche Steuerzahler? Die EU-Bürger, deren Wirtschaft derzeit vor dem Kollaps steht? Wie wär’s mit China oder den Technokraten aus Silicon Valley?

Erneuerbare Energien sind wichtig. Biogas spielt bei uns in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle, genauso wie PV-Anlagen und bei einigen Kollegen im Norden, die Windräder. Des Weiteren finde ich derartige Studien essentiell, um das Status Quo in Frage zu stellen und uns neue Perspektiven, Chancen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Nachhaltigkeit ist super wichtig, genauso wie eine tolle Luft- und Wasserqualität.

Was ich damit sagen will ist folgendes: wir benötigen echte, pragmatische Lösungswege, realistische ‚How to‘-Szenarien mit denen auch der Otto-Normalbürger etwas anfangen kann. Die Top-Down Methode die seit Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten angewandt wird, hat im Informationsalter ausgedient. Wir benötigen Ansätze die von unten nach oben getragen werden; sog. Down-Top Lösungsideen.

In diesen Gremien, die derartige Studien und Analysen zusammenstellen, fehlen oft die Menschen die tagein tagaus nichts anderes machen als sich mit erneuerbaren Energien „praktisch“ auseinanderzusetzen. Theoretiker müssen endlich mit den Praktikern zusammen arbeiten, sonst wird aus dieser ganzen Energiewende und Klimastrategie nichts.

Geld drucken scheint derzeit absolut kein Problem zu sein. Gigantische Geldmengen in sinnlose Maßnahmen reinpulvern kann auch jeder. Auch wenn die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind, muss man Wege finden, mit den Kollegen von Übersee zu kooperieren. Es geht um uns alle. Es geht um unseren tollen Planeten.

Gegensätzliche Meinungen sind gut

Ganz sachlich über ein Thema diskutieren, scheint heute etwas ganz außergewöhnliches zu sein. Wir müssen uns alle Positionen anhören, Pro und Kontra Argumente zusammen tragen und voneinander lernen. Nur weil die USA eine andere Meinung vertreten, bedeutet nicht, dass sie die Bösen sind.

Die Fragen die wir uns stellen sollten sind: Was sehen die USA anders? Wie wollen sie das Thema Energiewende angehen? Welche Chancen und Gefahren haben sie erkannt bzw. sind sie noch am eruieren?

Wie so oft im Leben, liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Wie lautet Eure Position zur Energiewende? An welche Punkte hat im Rahmen dieser Dekarbonisierungsdebatte bis jetzt keiner so richtig gedacht?

Foto: PIRO4D / Pixabay.com

Erneuerbare Energien Windkraft

Erneuerbare Energien mit 43% vom Stromverbrauch auf Rekordniveau

Erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch, nicht zuletzt auch wegen dem „straffen“ Zeitplan der Bundesregierung. In 2019 lag der Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch nach Angaben der Energiebranche bei knapp 43%. Jetzt heisst es Gas geben, denn bis Ende der Dekade, also bis 2030 will Deutschland den Anteil von Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen auf 65% steigern.

Für alle nochmal kurz zur Erinnerung:

In 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. Spätestens 2038 soll Schluss sein mit dem Strom aus Kohlekraftwerken.

Während sich Brüssel und die hiesige Regierung auf die einen oder anderen Ziele festgebissen haben, steigen die Strompreise kontinuierlich weiter. Letztes Jahr erreichten die durschnittlichen Strompreise in Deutschland einen neuen Rekordwert von 30,88 Cent pro Kilowattstunde. Vor rund 20 Jahren lag der Strompreis bei 13,94 Cent pro Kilowattstunde. Das ist eine Verdoppelung der Preise in nur zwei Dekaden. (siehe hierzu Check24)

Was erwartet uns denn mit dem Wegfall des Atom- und Braunkohlestroms?

Liebe Kollegen aus der Landwirtschaft und liebe Verbraucher, uns macht keiner mehr aus der Politik etwas vor. Wir wissen doch was auf uns zukommt: höhere Strompreise, was sonst?! Lasse Schmid, der Geschäftsführer des Strompreis-Vergleichsportals Check24 hat es ganz passend formuliert:

„Jeden Monat wird Strom für Verbraucher ein bisschen teurer. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht.“

Quelle: EUWID

Das Battle der regenerativen Quellen

Erneuerbare Energien deckten 2017 rund 36,3% des Stromverbrauchs in Deutschland. In 2018 stieg diese Prozentzahl auf 38,2% und erzielte letztes Jahr mit knapp 43% einen Rekordwert. Diese vorläufige Kalkulation kommt vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Insgesamt wurden über 244 Mrd. kWh aus regenerativen Energiequellen erzeugt. Der Splitt je Quelle ergibt sich wie folgt:

  • 104 Mrd. kWh geliefert duch Windkraftanlagen an Land
  • 45 Mrd. kWh erzielt durch Photovoltaik
  • fast 45 Mrd. kWh durch Biomasse
  • 24 Mrd. kWh durch Wind offshore; größte Zuwachsrate mit 25%, in 2018 lag diese bei 19,5 Mrd. kWh
  • 21 Mrd. kWh erzeugt durch Wasserkraftwerke

Quelle: BDEW

Erneuerbare Energien brauchen Unterstützung sonst wird das mit den Zielen nichts

Auf der einen Seite hantieren wir mit ‚Hoffnung‘ und auf der anderen mit ‚Fakten‘. Hoffnung ist genauso wie Glück, keine besonders clevere Strategie. Es zählen die harten Fakten und diese sehen momentan alles andere als rosig aus.

Ganz konkret heißt das:

  • Wir haben hierzulande die Potenziale in punkto Wasserkraft weitgehend ausgereizt. Daran wird sich auch nicht viel ändern, außer wir ‚homo sapiens‘ machen einen derartigen technologischen Sprung in der kommenden Dekade, dass wir das gesamte Thema komplett anders angehen.
  • Mit erheblichen Potenzialen können wir hingegen in der Windkraftbranche rechnen. Offshore ist eine super Sache obwohl die Basis noch recht klein ist. Wenn es jedoch beim gestoppten Zubau von Windkraftanlagen an Land bleibt, dann wird das mit dem Switch von Braunkohle & Co. auf erneuerbare Energien extrem schwer bis fast unmöglich.
  • Sollte in der Photovoltaik-Branche weiterhin auf die Bremse anstatt aufs Gaspedal gedrückt werden – übersetzt: (1) werden hier weiterhin Jobs gekürzt anstelle das man neue Arbeitsplätze kreiert und so wie eine aktuelle Studie der Marktfoschungsfirma EuPD Research Sustainable Management im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft wonach bis 2040 rund 50.000 neue Jobs entstehen könnten UND (2) werden die Photovoltaik- und Speicherkapazitäten nicht deutlich stärker ausgebaut als bisher – DANN wird das mit dem Ziel von 65% Strom aus erneuerbare Energien bis 2030 nichts.

Dabei spricht einiges dafür, dass die Transformation des Energiesystems gelingen könnte, wenn man in die Ausbaudynamik der beiden Hauptquellen Wind und Sonne/ Photovoltaik stärker investieren würde. Denn Windenenergie hat in 2019 erstmals mehr Strom erzeugt als jeder andere Energieträger und hat dadurch die fossile Energiequelle Braunkohle von Platz eins verdrängt. (Quelle: Bundesverband Windenergie BWE)

Die No-Goes worüber keiner reden will

Das mit den regenerativen Energiequellen ist zwar alles schön und gut aber was in den Diskussionen kaum angesprochen wird, sind die Schattenseiten. Während wir mit Braunkohle, Erdgas und Atomkraftwerke eine gewisse Stabilität erreichen, verhält sich das bei der Stromproduktion aus Wind und Sonne ganz anders. Wir haben es hierbei mit recht hohen Volatilitäten zu tun. Mal scheint die Sonne, mal vergisst sie uns für mehrere Wochen. Das mit dem Wind hat auch seine Herausforderungen.

Hinzu kommt das Thema Speicherung und Transport. Die Stromnetze werden immer komplexer und die ‚Verkabelung‘ des Landes gestaltet sich auch schwierig. Im Klartext: wir brauchen Stromleitungen, die den Windstrom z.B. aus dem schönen Norden in die Verbrauchszentren im Westen und Süden des Landes transportiert.

Ein weiterer Punkt dessen wir uns bewusst sein müssen, sind die Risiken eines Strom-Blackouts. Wir kennen sogenannte Mega-Blackouts sehr wohl aus TV-Berichten aus Südamerika. Sind wir denn hier in Deutschland so sicher vor Stromausfällen?

Eins muss uns klar sein, egal wieviel Geld wir in den Ausbau von Windrädern und Photovoltaikanlagen pumpen, es kann immer mal wieder vorkommen, dass wir längere Phasen ohne Stromproduktion aus Wind und Sonne irgendwie überbrücken müssen (siehe hierzu meinen Punkt zur Volatilität). Was dann? Wäre es nicht sinnvoll, eine entsprechende Reserve an konventionellen Kraftwerken parat zu haben, um im Extremfall auf diese zurückzugreifen? Ich kann mir gut vorstellen, dass wir im Falle eines Mega-Blackouts jede Menge Klimaaktivisten auf den Strassen erleben werden, die sich darüber beschweren, dass sie ihre Smartphones nicht laden können 😉

Versteht mich nicht falsch, ich bin ein Befürworter der regenerativen Energiequellen. Alles was unserem Planeten, der Natur und uns Menschen gut tut, das liegt mir 100% am Herzen. Gleichzeitig müssen wir auch Maßnahmen treffen, einen Plan B und C haben, wenn das Ganze, aus was auch immer Gründen, sich in eine völlig andere Richtung dreht. Wie so oft im Leben, steckt auch hier die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Neue Dekade, neue Chancen und Herausforderungen. Das Thema erneuerbare Energien bleibt für uns alle auf der Tagesordnung.

Agrophotovoltaik Pilotanlagen

Agrophotovoltaik in Österreich: erste Pilotanlage in Betrieb genommen

In Deutschland forscht das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) bereits seit den 80-er Jahren zum Thema Agrophotovoltaik. Ende Oktober geht nun auch unser Nachbarland Österreich mit einer Pilotanlage in Guntramsdorf an den Start. Hinter dem Projekt steckt Wien Energie.

Genauso wie wir hier in Deutschland, kämpfen auch die Österreicher mit ihren Klimazielen. Wenn das Land diese bis 2030 erreichen möchte, dann muss es in Punkto Photovoltaik noch richtig Gas geben. Die Experten rechnen mit einem PV-Ausbau von bis zu 15 Terawattstunden. Mit Dachflächen-Anlagen alleine klappt das nicht; da müssen auch die Landwirte mit an Bord. Neue Chancen verspricht die Agrophotovoltaik oder Agrar-Photovoltaik, kurz auch AVP genannt.

Die erste Agrar-Photovoltaik in Guntramsdorf

Anders als bei Dachflächen-PV-Anlagen kann bei einer Freiflächen-PV-Anlage die Grundfläche auch anderweitig bewirtschaftet werden. Erfolgt die Anordnung der PV-Anlagen in Bahnen, so lassen sich z.B. Kartoffeln oder Brokkoli problemlos ernten.

Ganz konkret handelt es sich im österreichischen Guntramsdorf um eine Pilotanlage bestehend aus 60 bifazialen, also doppelseitig, vertikal montierten Modulen die in zwei Reihen angeordnet sind. Die Anlage hat eine Leistung von 22,5 Kilowattpeak und soll rund 23.300 Kilowattstunden Sonnenstrom pro Jahr erzeugen.

Neben Wien Energie beteiligt sich an diesem ersten AVP-Pilotprojekt auch die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Zweitere ist für die Analyse der neuen Technologie zuständig. Erste Ergebnisse zeigen, dass der CO2-Einsparungseffekt bei der oben aufgeführten Konstruktion (vertikal + zweiseitig) hoch ist. Die detaillierten Ergebnisse gibt es im Frühjahr 2020.

Wichtig zu erwähnen ist noch folgendes:

In Guntramsdorf befindet sich bereits seit 2015 eine der größten Freiflächen-PVA Österreichs. Auf einer Fläche von ca. 7 Fussballfeldern wird Ökostrom für rund 1.390 Haushalte produziert.

Quellen: Wien Energie, Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)

Was sind die Vorteile der Agrophotovoltaik?

Den Acker landwirtschaftlich bewirtschaften UND gleichzeitig auch noch Sonnenstrom erzeugen, das ist ja mal was cleveres.

Ordnet man die PV-Anlagen vertikal in Bahnen, so wie im Falle von Guntramsdorf, dann dienen diese aufgrund ihres Schattenwurfs als Bodenschutz für Ackerkulturen. Des weiteren vermindern sie den Wasserverbrauch und schützen den Boden vor Austrocknung, so das Statement von Wien Energie.

Was bedeutet das konkret in Zahlen?

Nehmen wir doch am besten das Beispiel „APV-Resola“ zur Orientierungshilfe.

Es handelt sich hierbei um die deutschlandweit größte Agrophotovoltaikanlage. Für das Projekt „Agrophotovoltaik – Ressourceneffiziente Landnutzung“ (kurz APV-Resola) wurden unter der Leitung des Fraunhofer ISE über eine Ackerfläche von einem Drittel Hektar der Demeter Hofgemeinschaft Heggelbach am Bodensee, Solarmodule installiert. Es stellt sich heraus, dass die Doppelnutzung der Fläche zu einer Steigerung der Landnutzungseffizienz um über 60% führt. (Quelle: Fraunhofer ISE)

Weitere Vorteile im Überblick:

  • Zeitgleiche Produktion: Nahrungsmittel + Ökostrom
  • Weniger Flächenkonkurrenz
  • Dezentrale Produktion: Landwirte profitieren + Gemeinde profitiert + KMUs profitieren
Quelle: BR Unser Land, YouTube

Die weltweit größte Agrophotovoltaikanlage befindet sich in China

Die einen werden vom Staat gefördert, die anderen wiederum nicht. In Japan, China und im Nachbarland Frankreich wird die Agrophotovoltaik staatlich gefördert. Deshalb durfte es auch keinen wundern, dass China weiterhin die Nase ganz vorne hat wenn es heißt Solaranlagen aufbauen.

Und wenn diese Solaranlagen auch noch aus dem Weltall ganz deutlich zu sehen sind, dann ist das Wort „grandios“ wohl passend. Auf dem tibetischen Plateau in China, in der nordwestlichen Provinz Qinghai erstreckt sich der Longyangxia Dam Solar Park. Die Solarfarm ist ungefähr 30 Quadratkilometer groß und kann 850 Megawatt Ökostrom erzeugen. Damit können 200.000 Haushalte mit sauberem Strom versorgt werden. (Quelle: South China Morning Post)

Faszinierend ist es wenn degradierte Flächen mittels Agrophotovoltaik zu landwirtschaftlich nutzbare Flächen umgewandelt werden. Genau das passiert derzeit in China. Auf derartige Flächen werden u.a. Beerensträucher angebaut, die anschließend getrocknet und im Müsli verarbeitet werden. Mit Hilfe des Solarstroms wird das Grundwasser rausgepumpt und auch noch entsalzt.

„… es ist so etwas wie eine Art ‚Carbon Capture‘, also eine negative CO2-Bilanz und dazu noch ein Beitrag zum Klimaschutz“, so Stephan Schindele vom Fraunhofer ISE

Quelle: Deutschlandfunk

Aber China kann mehr; neben normale PV-Anlagen und Agrophotovoltaik gibt es nunmehr auch sogenannte „Floatovoltaik“-Anlagen, besser bekannt als schwimmende PV-Kraftwerke.

In einem ehemaligen Kohlebergbau- und Überschwemmungsgebiet in der chinesischen Stadt Suzhou in der Nähe von Shanghai erstreckt sich heute eine 70 Megawatt starke schwimmende Photovoltaik-Anlage. Das Komplex erstreckt sich über eine Fläche von 140 Hektar bzw. 1,4 Quadratkilometer und soll in den kommenden 25 Jahren bis zu 1,94 Millionen Megawattstunden Strom erzeugen. (Quelle: Ciel & Terre)

Egal ob auf Dächern, in Flüssen oder auf landwirtschaftlichen Flächen, PV-Anlagen bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

Wenn dadurch so wie im Falle der Agrophotovoltaik zwei und mehr Branchen ressourceneffizient zusammengekoppelt werden können, dann ist das gut für die Menschheit und auch für’s Klima.

Klimaschutz und CO2-Preis

Deutschlands Klimapläne und der Kampf mit dem CO2-Preis

Klimaschutz, CO2-Preis, eine 16-jährige die Staatsoberhäupte anbrüllt und durch ihre „Message“ Scharen von Jugendlichen mit auf die Strasse zerrt – kein anderes Thema polarisiert derzeit stärker; die Sorgen um unseren Planeten sind groß. Hört man auf die einen (nämlich die grosse Masse), dann gibt es bald einen Weltuntergang. Liest man zwischen den Zeilen, dann könnte es sich hierbei auch um einen riesengroßen Schwindel handeln.

Die Medien verbreiten weltweit die „Weltuntergangs“-Story. Es gibt jede Menge Forscher, Wissenschaftler und Publikationen die darauf hinweisen, dass wir dringend etwas tun müssen, um das Ganze aufzuhalten. Andere behaupten, dass das Karussell gar nicht mehr aufzuhalten ist. Wiederum andere, darunter auch jede Menge Wissenschaftler und Forscher, bezeichnen die Untergangstheorie für nichts weiteres als ein wirksames Mittel zur Massenmanipulation.

Wer hat Recht? Ist es tatsächlich so, dass die Ergebnisse der Studien stark davon abhängen wer die Studie in erster Linie finanziert hat? Geht’s auch hierbei wieder einmal nur um Profit?

Bei einer Sache sind sich beide Opponenten einig: den ganzen Müll in die Meere zu schütten, weiterhin sinnlos Plastikberge anpeilen zu lassen und die natürlichen Ressourcen schonungslos auszubeuten – ist ein absolutes NO GO.

Mit Angst zu regieren hat schon immer funktioniert und funktioniert heute mit Hilfe solcher Turbobooster wie z.B. Instagram, Snap oder Tik Tok, besser denn je. Diejenigen die am lautesten brüllen, kennen nicht immer die ganze Story. Oft verbirgt sich hinter einem offensichtlichem Wunsch vielleicht etwas ganz anderes. Die „restliche“ Detektivarbeit überlasse ich Euch.

Fokussieren wir uns doch auf das was auf uns zurollt.

Um die Klimaschutzziele 2030 einzuhalten, muss Deutschland jede Menge tun. In einem ersten Schritt sieht das Klimaschutzpaket bis 2023 Maßnahmen von mehr als 54 Milliarden EUR vor. Ein wichtiger Standbein dieses Pakets sind die Einnahmen aus dem CO2-Preis.

CO2-Preis für Verkehr und Heizen

Die Einnahmen aus dem geplanten CO2-Preis für Verkehr und Heizen sollen bis 2023 auf 18,8 Milliarden EUR steigen, so die Kalkulation und Prognosen der Bundesregierung. Was mit diesen Einnahmen danach passiert, ob sie in Klimaschutzmaßnahmen oder in die Entlastung der Bürger fliessen wird, ist derzeit noch unklar.

Was genau ist denn dieser CO2-Preis?

Ganz einfach erklärt, handelt es sich hierbei um folgendes: der CO2-Preis soll klimaschädliche Brennstoffe aus Öl, Erdgas und Kohle verteuern. Durch die Einführung dieser sogenannten „Penalty“ erhofft sich die Politik einen Anreiz für z.B. Elektroautos und klimafreundliche Heizungen zu schaffen.

Die Gebührenstruktur in den Bereichen Verkehr und Heizen soll wie folgt aussehen:

  • 10€ pro Tonne Kohlendioxid (CO2) bis 2021
  • 35€ pro Tonne CO2 bis 2025
  • 60€ pro Tonne CO2 ab 2026 => zunächst gedeckelt

Was will die Bundesregierung im Gegenzug fördern?

Die Initiativen umfassen folgende Maßnahmen:

  • Pendlerpauschale für lange Strecken soll steigen.
  • EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms soll ab 2021 gesenkt werden.
  • Austauschprämie von bis zu 40% der Kosten für den Wechsel von alten Ölheizungen auf klimafreundliche Modelle.
  • KfZ-Steuer für Neuwagen soll stärker an den CO2-Emissionen gekoppelt werden.
  • Bahnfahren soll billiger werden.
  • Fliegen soll teurer werden.

Ob es bei den oben aufgeführten Gebühren bleibt ist noch offen. So fordern die Grünen einen höheren CO2-Preis, nämlich 40€ pro Tonne statt den geplanten 10€ und ab 2021 sogar 60€ statt den geplanten 35€.

Munich-Re-Finanzchef Christoph Jurecka äußerte sich in einem aktuellen Handelsblatt-Interview wie folgt: „Ein CO2-Preis muss wehtun.“

Quelle: Handelsblatt

Bevor wir weiter machen, hier noch ein netter Beitrag über Klimaschutz und den neulich verabschiedeten CO2-Preis. Lachen ist selbstverständlich erlaubt 😉

Quelle: ZDF heute-show, YouTube

EEG-Umlage erhöht sich in 2020

Bevor es ab 2021 zu einer eventuellen Entlastung kommt, müssen wir im kommenden Jahr mit höheren Strompreisen rechnen. Die EEG-Umlage steigt in 2020 um 5,5% und wird 6,756 Cent pro Kilowattstunde betragen. Derzeit liegt es bei 6,405 Cent.

Wie setzt sich denn eigentlich der Strompreis zusammen?

  • Die EEG-Umlage macht rund 25% des Strompreises aus und wird für die Einspeisung des Ökostroms verwendet.
  • Die restlichen Positionen beinhalten Produktionskosten, Netzentgelte, Steuern, anderen Abgaben und Umlagen.

Die EEG-Umlage wurde zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen (Wind- und Wasserkraft, Solar-/ PV-Anlagen) eingeführt.

Quelle: Spiegel Online

Das Leben mit dem CO2-Preis

Geplant ist es, die Ökostrom-Umlage ab 2021 als Gegenpol zum CO2-Preis, zu senken. Interessant, denn jetzt soll sie im kommenden Jahr um 5,5% erhöht werden.

Wird der Betrag im darauffolgenden Jahr um 5,5% reduziert? Daraus haben wir Otto Normalbürger nichts gewonnen; wir haben dann wieder die Basis aus 2019. Wird der Betrag um weniger als 5,5% gesenkt, dann haben wir auch nichts davon.

Interessantes „Spiel“. Es erinnert einen an die Umstellung Deutsche Mark auf Euro. Damals wurden in vielen Bereichen (z.B. Gastronomie) die Preise fast 1:1 übernommen.

Was haltet Ihr von dieser ganzen Debatte rundum den CO2-Preis?