Beiträge

2023-04 Food in the nude Schluss mit dem Plastikwahnsinn - Agrarbetrieb

„Food in the nude“ – Schluss mit dem Plastikwahnsinn

Das Projekt „Food in the nude“ hat die neuseeländischen Verbraucher völlig überzeugt. Die Verkäufe für Obst und Gemüse schossen in die Höhe, teilweise bis zu 300%. Nun schwappt das „nackte Essen“ auch zu uns nach Europa rüber: in Frankreich und Spanien per Gesetz, in britischen Supermärkten erstmal als Test.

Wir werden mit Plastik regelrecht überflutet. Einzelne Karotten oder Paprika in Plastik umhüllt ist kein Horrorszenario aus irgendeiner Hollywood-Serie sondern die bittere Realität. Einerseits wird loses Obst und Gemüse in Supermärkten und Discountern kaum angeboten und andererseits ist dieses oft teurer als die „Kollegen“, die in Plastik umhüllt sind.

Die Meere und Ozeane sind mit Plastik verschmutzt. In Städten gehören Müllecken voll Plastik mittlerweile ebenso zum Alltag wie etwa auch an Zugstrecken immer wieder Plastiktüten rumhängen oder leere Plastikflaschen entlang der Gleise liegen. Unsere Generation ernährt sich praktisch von Plastik: wir essen, trinken und atmen Plastik ein. Das dies alles andere als gesund ist, brauch ich an dieser Stelle nicht anführen.

Wie beenden wir diesen Plastikwahnsinn?

Wenn es anders nicht geht, dann halt per Gesetz.

Seit dem 1. Januar 2022 dürfen in Frankreich per Gesetz, 30 Obst- und Gemüsesorten nicht mehr in Plastik verpackt werden. Dazu zählen u.a. Zitronen, Orangen, Birnen, Bananen, Kiwis, Lauch, Paprika, Gurken, Auberginen oder Zucchini. In 2023 ist in Spanien ein ähnliches Gesetz in Kraft getreten. Spanische Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte dürfen nur noch „nacktes“ Obst und Gemüse anbieten. Das Verbot gilt für Produkte mit einem Gewicht von weniger als 1,5 Kilogramm.

Quelle: Euronews (deutsch), YouTube

„Plastikfrei“ geht schneller als uns weis gemacht wird

Wer verdient denn an Plastik?

Man muß nur die richtigen Fragen stellen, um an die Profiteure zu gelangen. Da es sich hierbei um eine äußerst starke Lobby handelt, klappt das mit den Verboten oft nur noch per Gesetz.

Wie oft haben wir die Aussage von Politikern, Industrievertretern, Supermärkten und Discountern gehört, welche lautet: „Wir brauchen 10 Jahre um alles umzustellen und plastikfrei zu werden“.

Das dies eine glatte Lüge ist, beweist ein britischer Supermarkt, der es geschafft hat, binnen 10 Wochen plastikfrei zu werden. Es handelt sich hierbei um Thorntons Budgens, ein im Norden Londons befindlicher Supermarkt. Dieser bietet seinen Kunden 1700 Produkte in kunststofffreien Verpackungen an.

Der Verkauf von „nacktem“ Obst und Gemüse zahlt sich aus. In Neuseeland zum Beispiel, wo das Projekt „Food in the nude“ seinen Ursprung hat, verzeichneten Supermärkte einen Anstieg von 300% für gewisse Gemüsesorten, so der NZ Herald.

Frankreich prescht vor. Bis 2026 soll jegliches Obst und Gemüse nur noch „nackt“ im Regal stehen dürfen. Bis dahin haben Erzeuger von Sorten, die sich nicht ohne weiteres lose verkaufen lassen, wie z.B. Himbeeren oder Kirschtomaten, Zeit, auf andere Alternativen umzusteigen.

Wie wär’s mit „Food in the nude“ in Deutschland?

Das Spiel, das im Bereich Lebensmittel getrieben wird, ist wirklich verrückt. Bleiben wir beim Obst und Gemüse.

Während der Konsument vermehrt nach Bio, regional, saisonal und plastikfrei verlangt, bietet uns der Handel z.B. Trauben aus Indien schön in Plastik verpackt an. Hinzu kommt, dass unverpacktes Obst und Gemüse häufig teurer ist als die verpackten Produkte — so eine aktuelle Studie der Verbraucherzentrale Hamburg aus 2019. (hier findest du mehr über aktuelle Ernährungstrends)

Warum werden kleine Tomaten in Plastikdosen angeboten?

Wieso muss man Bio-Bananen in Plastik umhüllen?

Eins ist ganz wichtig, wenn wir mit diesem ganzen Plastikwahnsinn aufhören wollen:

Es muss Schluss sein mit dem zu krumm, zu dick, zu dünn, zu gerade, zu lang oder zu kurz. Diese Kriterien haben mit der Landwirtschaft nichts zu tun. Wer glaubt, dass Obst und Gemüse nach Standardmaßnahmen wächst, der sollte seinen nächsten Urlaub am besten auf dem Ackerfeld verbringen.

Ich begrüße die Initiative unserer französischen und spanischen Nachbarn. Manchmal muss man solche Sachen leider per Gesetz durchpeitschen, damit wir auch eine Änderung sehen. Und siehe da, auf einmal wird der Mensch kreativ und findet schnell auch bessere und nachhaltigere Alternativen als Plastik.

Ich gehe davon aus, dass sich auch bei uns in Deutschland in punkto Plastik etwas tun wird. Manchmal sind wir halt langsamer, wenn es darum geht, Änderungen durchzuführen. Wenn wir jedoch etwas entscheiden, dann ziehen wir es auch durch.

„Food in the nude“ demnächst auch hierzulande?

Bildquelle: Foto von Michael Burrows auf Pexels

2023-02 Neue Supermarktkonzepte - Agrarbetrieb

Neue Supermarktkonzepte: Erst der Zug, jetzt ein Bus

Ihr dachtet „Rewe To Go“ oder „Amazon Fresh“ sind innovative Supermarktkonzepte? Was meint Ihr dann zu einem Supermarkt auf Rädern, der kleine Gemeinden und Dörfer erreichen kann, in denen teilweise „der Bär tobt“? Ein Einkaufsbus, der frische und regionale Lebensmittel quasi vor der Haustür anbietet, ist für manche Teile der Bevölkerung ein absolutes Novum.

Wenn sich zwei Giganten der Wirtschaft zusammen tun, dann kann auch mal was ganz Tolles entstehen. So auch das Endprodukt aus der Kooperation des Transport- und Logistikgiganten Deutsche Bahn mit der Supermarktkette Rewe. Nachdem die beiden im Jahr 2021 einen Supermarkt-Zug in Hessens Bahnhöfen stationiert haben, um die Einwohner für ein faires, nachhaltiges Einkaufen zu begeistern, steht im Frühjahr diesen Jahres der Supermarkt-Bus als neue Initiative an.

Tolle Idee oder sinnloses Unterfangen?

Die Meinungen über diesen „Schachzug“ der beiden Akteure gehen, wie es oft der Fall ist, extrem auseinander. Die einen sehen darin eine klasse Sache, die anderen halten vom „roten Weihnachtstruck“-Imitat (gemeint ist damit Coca-Cola) nicht viel.

Bevor wir das Konzept überhaupt beurteilen können, lohnt es sich, das Ganze mal näher unter die Lupe zu nehmen. Zu den Fakten:

  • Der Zug war 150 m lang.
  • 3 Waggons wurden umgebaut: es wurden Kühltruhen und Regale, wie in einem üblichen Einkaufsmarkt, platziert.
  • Das Grundsortiment wurde unverändert durchgängig angeboten.
  • Frischware wurde nicht im Zug mitgeführt, sondern in jedem Ort direkt extra angeliefert.
  • Das Sortiment bestand aus rund 3.000 Artikel.
  • Ein Leergut-Automat stand ebenfalls zur Verfügung.

Der Zug hielt u.a. in folgenden Bahnhöfen an: Frankfurt, Kassel, Gießen, Fulda und Darmstadt.

Um das Projekt kümmerten sich in erster Linie die Auszubildenden der jeweiligen regionalen Rewe-Märkte.

Weiterführende Informationen zu dieser Zusammenarbeit findet Ihr auf der nachfolgenden Webseite: https://supermarktzug.de/

Und wie sah denn dieser Zug nun wirklich aus?

Der folgende Videobeitrag gibt einen sehr guten Einblick ins Innere (und Äußere) dieses Supermarktkonzepts …

Quelle: Einsenbahn in Ö, D, CH via YouTube

Innovative Supermarktkonzepte auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin 2023

In der letzten Januar-Woche drehte sich in der Hauptstadt Deutschland fast alles um die Internationale Grüne Woche (IGW). Hier trifft sich alles was „Rang und Namen“ hat, wenn es darum geht, Ernährungstrends rechtzeitig aufzugreifen und klar, auch zu beeinflussen.

Aussteller aus aller Herren Länder präsentieren ihre kulinarischen Besonderheiten und hier und da trifft man auch auf die eine oder andere Persönlichkeit. Neben den vielen Veranstaltungen und Podiums-Diskussionen, ist der Spaziergang durch die bunten Hallen ein wirklich schönes Spektakel für die Sinne.

Ein Highlight der diesjährigen IGW waren sicherlich die beiden Supermarktkonzepte der Rewe in Kooperation mit der Deutschen Bahn. Zwischen den Hallen 1-4 durften die Besucher sowohl den Supermarkt-Zug als auch den Supermarkt-Bus, der in wenigen Tagen an den Start geht, betreten und begutachten.

Was wissen wir über den Supermarkt-Bus?

Einkaufen vor der Haustür – das, was für „City“-Bewohner das Gewöhnlichste der Welt darstellt, ist für Einwohner ländlicher Regionen ein innovatives Konzept. Das Auto endlich mal stehen lassen und frische, regionale Produkte um die Ecke einkaufen, gilt für viele wahrhaftig als Traum.

Ein paar Fakten zum Supermarkt-Bus:

  • Der Bus hat eine Länge von 18 Meter.
  • Das Sortiment soll aus 700 Artikel bestehen.
  • Die im Bus eingebauten hochleistungsfähigen Akkus erlauben es dem Markt auf Rädern, bis zu 8 Stunden ohne externe Stromversorgung zu funktionieren.
  • Der Testpilot ist für Nordhessen gedacht und umfasst mehrere Gemeinden der Landkreise Hessen, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg.
  • Der Fokus liegt auf Regionalität, Frische und „Bio aus Hessen“.

Das Pilotprojekt geht in wenigen Tagen, in März 2023, an den Start.

Mehr hierzu könnt Ihr auf der Seite der Deutschen Bahn lesen.

Neue Wege in der Nahversorgung erschließen

Unabhängig von den ganzen Diskussionen rund um das Thema „Klima“, werden für Menschen in ländlichen Regionen bessere Konzepte in Punkto Nahversorgung benötigt – egal, ob es sich dabei um Supermärkte, Drogeriemärkte und Co. handelt. Es kann nicht sein, dass wir Dörfer und Gemeinden haben, deren Bewohner, um Grundnahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs erhalten zu können, auf die eigene Fähigkeit, mit einem Auto einige Kilometer fahren zu können, angewiesen sind. Ohne Auto ist man in vielen Regionen mittlerweile aufgeschmissen, weil das regionale Netzwerk aus kleinen Dorfläden und guten Anbindungen durch öffentliche Verkehrsmittel, schon lange nicht mehr gegeben ist.

Von daher bin ich der Meinung, dass wir solche Kooperationen, wie die beiden oben aufgeführten Projekte durchaus unterstützen und testen sollten. Denn wenn wir nichts Neuartiges ausprobieren, dann kommen wir auch Null voran.

Dies erwähne ich, weil mir durchaus die nicht besonders konstruktiven Kommentare, die gerne auf Social Media, am besten auch noch als „Anonym“, zu solch Projekten hinterlassen werden, aufgefallen sind.

Ja, wir alle machen Fehler und lernen „hoffentlich“ aus diesen. Sicherlich kann man gewisse Supermarktkonzepte verfeinern bzw. komplett neu aufziehen, aber ohne diese vorher zu testen, lässt sich nicht beurteilen, wie valide diese in der Realität sind. Und wir können vor allem auch eins nicht: kreativ das regionale Netzwerk ausbauen und weiterentwickeln, so dass alle Beteiligten maximal etwas von haben.

Wir sind eine kreative Spezies und anders als Roboter, benötigen wir frische Lebensmittel, um ein gesundes und harmonisches Leben im Einklang mit der Natur zu führen.

Welche innovativen Supermarktkonzepte habt Ihr z.B. im Ausland gesehen? Was können wir von anderen Ländern lernen, die in diesem Bereich mehr Erfahrung gesammelt haben?

Bildquelle: Foto von Matheus Cenali auf Pexels