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2023-12 Food Forest Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur - Agrarbetrieb

Food Forest: Das Power-Duo aus Landwirtschaft und Natur

Was ist denn ein Food Forest? Wie kann uns das bei den aktuellen Krisen ggf. aus der Patsche helfen? Den Begriff „Stickstoffkrise“ können die meisten von uns langsam nicht mehr hören. Egal ob man in der Landwirtschaft oder Viehzucht unterwegs ist, oder einem anderen Industriezweig angehört, es gibt Schlagwörter, die von der Politik und den Medien dermaßen missbraucht wurden, dass sie unerträglich geworden sind. Dabei muss es zwischen Ökologie und Landwirtschaft keinen Widerspruch geben.

Wenn man bedenkt, dass ein kleines Land wie die Niederlande zum größten Fleisch- und zweitgrößten Obstexporteur Europas zählt, dann stellt man das bestehende Ernährungssystem sehr wohl in Frage. Dass die Bauern es dort mit allerlei Maßnahmen zu tun haben, die als Ziel eine Reduzierung der Stickstoffmengen anpeilen, lässt die Kollegen in allen anderen Ländern aufhorchen.

Worüber jedoch wenig bis gar nicht gesprochen wird, ist die Tatsache, dass es auch anders geht. Denn steht einmal die Natur, die Gesundheit und das Wohlsein des Menschen anstelle des Profits im Mittelpunkt, dann lassen sich auch völlig andere Ernährungssysteme konzipieren. Diese wiederum stützen sich auf Polykulturen, Artenvielfalt und dem Einklang zwischen Mensch und Natur.

Eins dieser Konzepte ist der Lebensmittelwald oder Waldgarten, im Englischen auch als Food Forest bekannt.

Food Forest bzw. Nahrungswald als Lösungsalternative gegen die Enteignung von Bauern

Bleiben wir doch bei unseren Nachbarn in den Niederlanden und schauen uns dort an, wie denn so etwas aussehen könnte.

In 2009 kauften zwei Herrschaften ein 2,4 Hektar Ackerland in Groesbeek, wo hauptsächlich Silomais angepflanzt und als Viehfutter verwendet wurde. Sie pflanzten Bäume, Hecken und Sträucher an, und legten einen gewundenen Bachlauf für Frösche und Kröten an. Die beiden nutzten ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus der Permakultur und verzichteten bewusst auf GVO und Pestizide. Artenvielfalt wird ganz groß geschrieben im Lebensmittelwald der beiden.

Das Ergebnis ist bemerkenswert und ist zum Nachahmen geeignet. Zu den angepflanzten Arten zählen Stachelbeeren, Nashi-Birnen, Kaki, Papaya, Edelkastanien, Walnüsse, Haselnüsse, Pflaumen, Hickory und Mispel. Erstaunlich dabei sind auch die über 15 Meter hohen Bäume sowie über 30 Vogelarten, Biber, Ringelnattern und Co.

Wie das ganze aussieht, erfahrt Ihr in dem nachfolgenden Videobeitrag über den Food Forest Ketelbroek.

Quelle: Wouter van Eck, YouTube

Es ist absolut faszinierend zu beobachten, wie sich die Natur mit ein bisschen Hilfe regenerieren konnte.

Außerdem, was ich besonders spannend finde, ist die Aussage, dass der niederländische Waldgarten nach rund 5 Jahren mehr „abwirft“ bzw. Ernteerträge erwirtschaftet, als ein auf Monokulturen basierendes System – und das ganz ohne Erntemaschinen, Dünger, Pestiziden und Co.

Ganz umstellen oder lieber ein Hybrid-Konzept aufsetzen?

Für diejenigen, die diesen Schritt wagen, stellt sich die Frage, ob sie ganz oder nur teilweise umstellen sollten.

Dabei muss man sich im Klaren sein, dass die Anfangsinvestitionen größer ausfallen können. Deshalb lohnt es sich mit jemanden zu sprechen bzw. sich von einem sog. Food Forester beraten lassen, der diesen Weg bereits gegangen ist. Selbstverständlich stehen der Kreativität keine Grenzen im Wege, d.h. es gibt Betriebe, die etwa eine Kombo aus Food Forest und Ökotourismus bevorzugen. Andere wiederum stellen z.B. Apfelmost oder Wallnussöl her und verkaufen diese Online oder auf den Märkten.

Wouter van Eck hat für diesen Zweck einen Verein gegründet. Wenn Ihr also mehr Infos hierzu benötigt, dann könnt Ihr ihn über seine Webseite voedselbosbouw.org kontaktieren.

Immer wieder höre ich von Deutschen, die nach Portugal, Ungarn, Gambia, Südafrika, Argentinien oder Paraguay (um einige Beispiele zu nennen) ausgewandert sind, um dort solch grüne „Paradieslandschaften“ für sich und ihre Familien zu gestalten.

Viele dieser Menschen hatten vorher mit Landwirtschaft nicht viel am Hut bzw. waren nicht in unserer Branche tätig, aber ihre Liebe für die Natur hat sie in Länder getrieben, wo sie ihrer Leidenschaft leben einflößen konnten.

Müssen wir denn unser Heimatland verlassen, um derartige Projekte zu stemmen? Ich glaube nicht.

Mit meiner Aroniaplantage stoße ich in eine ähnliche Richtung. Die Bio-Aroniabeeren, die ich unter der Marke Frankenaronia vermarkte, habe ich mir einen zweiten Standbein aufgebaut, um meine Leidenschaft für eine nachhaltige Landwirtschaft noch stärker in den Fokus zu rücken.

Schaut vorbei. Besucht mich auf Frankenaronia.de

Bildquelle: Foto von BjoKib auf Pixabay

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Nitrat im Grundwasser – noch keine Einigung

2017 steht vor der Tür. Aber die politische Umsetzung von Lösungen, die zur Reduzierung von Nitrat im Grundwasser führen, steht weiterhin aus. 

40 Seiten. 1500 Dokumente im Anhang. Das ist die Klageschrift gegen Deutschland. Der Umfang und der Ton machen es klar: die Europäische Kommission meint es ernst.

Die zu hohen Belastungen mit Nitrat im Grundwasser, welche seit Jahren zunehmen, sowie die Untätigkeit Deutschlands, bessere Schutzmaßnahmen umzusetzen, werden nicht mehr geduldet.

Lösungen zu Reduzierung von Nitrat im Grundwasser gesucht

Seit Jahren wird über eine Neuordnung der Düngeverordnung diskutiert.

Und die Diskussion dauert an. Denn die Verabschiedung des Düngepackets steht weiterhin aus.

Frühestens im März nächsten Jahres kann damit gerechnet werden, dass eine Beschlussfassung im Bundesrat erfolgen wird.

Das Tauziehen der politischen und wirtschaftlichen Interessengruppen geht also weiter.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) setzt sich für eine schnellst mögliche Verabschiedung ein, um uns Landwirten endlich Planungssicherheit zu geben.

„Die Landwirte brauchen endlich Gewissheit, wie sie ihre Düngeplanung machen können“, meint Bernhard Krüsken, Generalsekretär des DBV

Gleichzeitig sprach er sich warnend gegen eine Verschärfung des aktuell vorliegenden Entwurfes zur Düngeverordnung aus:

„Nach unserer Einschätzung bietet der Verordnungsentwurf genügend Instrumente, um die Probleme in den Hotspots lösen zu können.“

Fest steht, im Januar nächsten Jahres wird der Bundestag nochmals den Rat der Sachverständigen einholen.

In Ihrer Klage wirft die EU-Kommission Deutschland beispielsweise vor, das eine Überdüngung der Äcker zugelassen wird oder das neueste wissenschaftliche Standards nicht berücksichtigt werden.

Etwa weil die gesetzlichen Düngepausen von maximal drei Monaten einfach zu kurz seien. Nach heutigem Stand der Wissenschaft, müssten diese mindestens fünf bis sieben Monate betragen.

Wieso ist es so schwer, die Grenzwerte der EU für Nitrat im Grundwasser zu erreichen?

Neue Düngeverordnung: Weniger Nitrat im Trinkwasser

Quelle: Bayerischer Rundfunk

Einige Faktoren, die im Beitrag angesprochen werden, zeigen die Probleme auf: um optimale landwirtschaftliche Erträge zu erwirtschaften, benötigt es ein Düngen, das auf optimales Pflanzenwachstum ausgelegt ist.

Oder angepasst an die Nachfrage für den Weltmarkt, wird heutezutage in großen Massentieranlagen Fleisch produziert. Eine kostenoptimale Antwort auf die Frage „Wohin mit der Gülle?“ steht aus.

D.h. es geht letztendlich auch darum, zu wettbewerbsfähigen Preisen die benötigte Qualität und Quantität für die Märkte produzieren.

Nitratbelastungen im Grundwasser sind das Ergebnis eines sehr komplexen Systems, in welchem wirtschaftliche und regionalpolitische Ziele ebenso wie die Ziele einzelner landwirtschaftlicher Betriebe aufeinander treffen.

Die Reduzierung von Nitrat ist „nur“ ein Teil eines Systems, in dem viele Interessen berücksichtigt und unterschiedlichste Ergebnisse erreicht werden müssen.

Aber der Druck auf Deutschland steigt. Die Zeit für lange Reden läuft aus. Die Geduld für solche ist bei vielen Beteiligten bereits überstrapaziert.

Auch wenn Sie nochmals verschoben wurde, im nächsten Jahr werden wir mit ihr rechnen können, die Neuordnung der Düngevorschriften.

Und diese wird jede Menge Verschärfungen mitsichbringen.

Mit ziemlicher Sicherheit werden wir zukünftig beim Düngen weniger flexibel in unserem Handlungsspielraum sein. Wir werden die spezifischen Ansprüche des Bestandes infolge von Standort und Witterung wohl weniger berücksichtigen können.

Im Gegenzug werden wir alle mit einem deutlich stärkeren Dokumentationsaufwand rechnen können, um den zunehmenden Nachweispflichten nachkommen zu können.

Vielleicht wird nach Verabschiedung der neuen Düngeverordnung dann über eine Reform beim Pflanzenschutz diskutiert.

Denn auch im Hinblick auf die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, hat die EU nichts Gutes zu Deutschland zu sagen:

Zulassung von Pflanzenschutzmitteln: Behördendschungel und fehlende Ressourcen

120 Tage beträgt die gesetzliche Frist, in derer über die Zulassung von neuen Pflanzenschutzmitteln entschieden werden sollte.

Um durchschnittlich 600 Tage wird diese Frist in Deutschland überschritten.

600 Tage! Dies bedeutet, wir deutschen Landwirte warten knapp 2 Jahre länger darauf, moderne und innovative Pflanzenschutzmittel einsetzen zu dürfen.

Dies ergab ein Audit, welches im Auftrag der EU durchgeführt wurde. Das die EU mit einem derart systematischen Verstoß der Gesetzesfristen nicht zufrieden ist, ist selbsterklärend.

Wichtiger jedoch: das wir beim Pflanzenschutz unseren europäischen Nachbarn einen nicht unerheblichen Zeitraum hinterherhinken, kann uns zum Nachteil werden.

Woran liegt es, dass in Deutschland die Zulassung so lange dauert?

Zum einen gibt es in Deutschland keine zentrale Behörde für die Zulassung. Wir haben direkt vier Behörden, die in dieser Hinsicht verschiedene Aufgaben wahrnehmen.

An für sich kann dies auch was Gutes sein, wenn vier spezialisierte Behörden aus unterschiedlichen Blickwinkeln ein neues Pflanzenschutzmittel bewerten.

Problematisch wird es nur, wenn diese jede mehr oder weniger für sich selbst arbeiten. Die Koordination und Abstimmung mit anderen Behören im In- und Ausland fehlt.

Vielleicht liegt das auch daran, dass die aktuell verfügbaren Ressourcen, dem steigenden Antragsvolumen nicht gewachsen sind.

Auch in diesem Bereich sind Lösungen und damit Reformen gefragt, damit Deutschland den Europäischen Gesetzesvorgaben nachkommt.

Aber aktuell ist jeder Blick wohl erstmal auf den Reformkrimi um die Düngerverordnung gelenkt.

Was meint Ihr: welche Maßnahmen müssen in der neuen Reform verankert werden, um die Belastung von Nitrat im Grundwasser effektiv senken zu können, ohne die landwirtschaftlichen Betriebe zu stark zu belasten?