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2022-07 Zwei Nischen-Events für gesundheitsbewusste Menschen

Zwei Nischen-Events für gesundheitsbewusste Menschen

Jenseits großer und altbekannter Mainstream-Veranstaltungen, wie z.B. die Internationale Grüne Woche (IGW), auf der sich Großkonzerne und Politik gerne herumtummeln, gibt es jede Menge tolle Nischen-Events, bei denen gesundheitsbewusste Menschen neue Ideen und Anstösse erhalten, auf Gleichgesinnte treffen und gleichzeitig ganz frische Bio-Produkte aus unserer Heimat verkosten dürfen.

Versteht mich nicht falsch, ich finde große Messen, wie z.B. die Agritechnica oder die IGW ganz spannend, weil wir hier die Möglichkeit haben, uns mit internationalen Kollegen auszutauschen und ein bisschen hinter die Kulissen großer Unternehmer zu blicken, die die nötigen Ressourcen haben, um Projekte in Bewegung zu setzen, die wir als kleine und mittelständische Familienbetriebe nunmal nicht stemmen können.

Aber egal wie faszinierend die technischen Innovationen und Umsetzungen sind, die wir auf diesen internationalen Großveranstaltungen sehen, bin und bleibe ich eher ein Fan von Familienbetrieben und kleinen Unternehmen, bei denen die enge Verbindung zur Kundschaft nicht verloren gegangen ist bzw. durch einen Algorithmus ersetzt wurde. Sie repräsentieren die Nähe zum Kunden. Das menschliche Miteinander bzw. das Zusammenwachsen einer Community sind hier nicht nur irgendwelche banalen Instagram-Schlagworte, sondern sie sind absolute Realität für mich.

Für diejenigen von Euch, die Wert auf Gesundheit, Gemeinschaft und gleichzeitig Bio-Produkte aus unserer Heimat, d.h. produziert von heimischen Bauern und nicht von irgendwelchen gesichtlosen Logos, legen, empfehle ich folgende zwei Nischen-Events:

1. Rohvolution – Die kleine, aber feine Vitalkostmesse in Speyer

Die Vitalkostmesse Rohvolution findet zweimal im Jahr statt (früher 4 mal), jeweils im Frühling und Herbst. Unter dem Motto „Gesunde Ernährung für Körper, Geist und Seele“ geht es auf dieser Veranstaltung um wesentlich mehr als nur roh-vegane Kost. Es finden interessante Fachvorträge, Workshops, Zubereitungs-Shows und für die kleinen Besucher auch jede Menge Mitmach-Aktionen statt.

Die Neuigkeiten aus der Branche werden mit Menschen, die nach gesunden Alternativen suchen, in netter Atmosphäre diskutiert und debattiert. Ich selber bin kein Veganer oder Rohköstler, finde jedoch, dass diese Veranstaltung eine hervorragende Chance ist, um sich über Lebensmittel, Rohkost-Zubereitung, Wasserfilter und -aufbereitung, natürliche Körperpflege und Bio-Kosmetika, Bekleidung und Co. eingehender informieren zu können.

Selbstverständlich werdet Ihr auch hier auf ein paar „Big Brands“ aus der Branche treffen, aber Start-Ups und innovative Familienbetriebe sind bei Rohvolution gerne gesehen und entsprechend zahlreich vertreten.

Habt Ihr Lust in einer gelassenen Atmosphäre auf neue Menschen zu treffen, die ähnlich wie Ihr an einer gesundheitsbewussten Lebensweise interessiert sind und Wert auf Bio, Qualität, Regionalität und Frische legen?

Dann schaut mal auf der Webseite von Rohvolution vorbei und entscheidet selbst, ob diese Messe etwas für Euch ist.

2. Bio-Balkon-Kongress – Die Onlineveranstaltung für Liebhaber von Artenvielfalt

Nicht jeder meiner Leser hat einen Garten und die Wenigsten von Euch leben auf dem Bauernhof. Durch die massive Verlagerung von Jobs in die Big Cities, inklusive der in den letzten Dekaden verstärkten Umwandlung von Ackerfeldern in Wohngebiete, wohnen zahlreiche gesundheitsbewusste Menschen in Betonbauten und tun sehr viel dafür, um dennoch möglichst viel Natur in ihr Leben einzubeziehen.

Jeder dieser Menschen, der einen Balkon oder eine Terrasse hat und bereit ist, diesen „Abstellraum“ in eine grüne Oase zu transformieren, wird den Bio-Balkon-Kongress sehr inspirierend finden. Selbstverständlich geht es hierbei nicht darum einen Hektar Tomaten anzubauen (wie denn auch), sondern vielmehr darum, bewährte Tipps und Ratschläge rundum Pflanzengefässe, Bewässerung, geeignete Pflanzen, Bio-Dünger & -Pflanzenschutz und ähnliches zu erhalten.

Im Mai 2022 fand bereits der 10. Onlinekongress statt. Wer dieses kostenlose Event verpasst hat, kann die Jubiläums-Edition dieser Veranstaltung auf der Webseite erwerben. Wenn Ihr beim nächsten kostenfreien Onlineevent dabei sein möchtet, dann folgt einfach den Anweisungen auf Bio-Balkon unter der Leitung von Birgit Schattling.

Wer also an Vertical Farming auf kleinstem Raum interessiert ist, wird bei dieser Veranstaltung jede Menge dazu lernen. Siehe hierzu auch meinen Beitrag zu Teslagärten.

Eine gesundheitsbewusste Lebensweise

Lasst Euch von diesen beiden Events inspirieren. Trefft neue Leute und seid offen für neuartige Ideen. Es hilft immer die eigene Perspektive zu erweitern, denn nur so kommen wir als Mensch und Spezies weiter.

Zum Glück wird immer mehr Erdbewohnern klar, dass wir nicht mehr so naturfremd weiter leben können wie bisher. Die Ignoranz, die viele Mitmenschen gegenüber unserer wunderbaren Flora und Fauna an den Tisch legen, kostet uns bitter.

Die Herausforderungen mit denen wir uns konfrontieren lassen sich mit Monokulturen, Globalisierung und Co. nicht beantworten. Wir benötigen dringend lokale Lösungen, in dem wir auf Regionalität und Artenvielfalt aufbauen. Hier und da mögen globale Konzerne und Lieferketten ihre Berechtigung haben, aber diese sind keine Allheilmittel.

Die Natur durch irgendwelche synthetischen Utensilien zu ersetzen ist kein Fortschritt. Die Kraft liegt in der Symbiose, in der cleveren Kombination von Natur und Technologie. Ein respektloser Umgang mit der Natur und den Ressourcen die uns Mutter Erde so üppig und wohlwollend zur Verfügung stellt, ähnelt einem barbarischen Verhalten.

Wer in dieser immer stärker technologiegetriebenen Welt sich sehr gezielt für eine gesundheitsbewusste Lebensweise entscheidet, ist gut beraten sich die Kraft der Natur zu eigen zu machen und nicht mit ihr zu rivalisieren. Die finale Entscheidung liegt letzten Endes bei einem selbst.

Bildquelle: Foto von Christine Sponchia auf Pixabay

2022-05 Pflanzliche Milchalternativen selber herstellen

Pflanzliche Milchalternativen selber herstellen

Immer mehr Menschen verzichten auf Milch und Milchprodukte tierischer Herkunft und steigen auf Pflanzenmilch um. Doch sind diese pflanzlichen Milchalternativen aus Drogeriemärkten, Reformhäuser und Supermärkten wirklich so gesund wie wir glauben? Verstecken sich da nicht auch andere Zutaten, wie z.B. Zucker, drin, die alles andere als förderlich für unsere Gesundheit sind? Wie wäre es, wenn wir günstig Getreide- und Nussmilch selber herstellen können?

Was vor rund 10-20 Jahren noch absolut unvorstellbar war, ist jetzt Realität geworden. Hafer-, Mandel- und Kokosmilch kann man heute problemlos bei fast jedem Discounter um die Ecke einkaufen. Zwar wird Milch tierischer Herkunft in diesen Märkten immer noch prominent auf einer Halbpalette platziert, aber die Zeiten des Versteckspiels sind vorbei. Immer häufiger finden wir neben der Standardplatzierung im Biobereich auch Zweit- und Drittplatzierungen für Hafermilch und Co. Dies zeigt eindeutig den Trend in Richtung pflanzlicher Milchalternativen auf.

Die Nachfrage ist vorhanden und das Angebot muss sich an diese Gegebenheit anpassen. Daher wird es mich nicht wundern, wenn wir in weiteren zehn Jahren, oder sogar früher, eine Halbpalette mit Pflanzendrinks aller Art und Couleur in jedem Aldi, Lidl und Co. vorfinden werden.

Achtung Zuckerfalle: Vegane Milch aus dem Tetrapack

Leider steckt in manchen Packungen jedoch auch zusätzlicher Zucker, obwohl dieser draußen nicht aufgeführt wird. Wieso ist dem so?

Das Ganze hat mit dem Verfahren bzw. der Herstellungsweise zu tun. Nehmen wir Hafermilch als Beispiel. Zur Herstellung werden Hafer und Brei aufgekocht und anschließend mit Enzymen versetzt, die einen Teil der Stärke in Zucker umwandeln. Dieses Verfahren der Stärkeumwandlung mit der einhergehenden Zuckerentfaltung muss auf dem Etikett nicht angegeben werden.

Dem nicht genug, die Enzyme, die beigemischt werden, basieren oft auf gentechnisch verändertem Material, welches ebenfalls nicht angegeben werden muss. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, sollte folgende Lektüre zur Stärkeverzuckerung von Transparenz Gentechnik nicht verpassen.

Die Frage ist: was nun?

Die kurze und schmerzlose Antwort lautet: Hafermilch und Co. einfach zu Hause selber machen.

Der nachfolgende Videobeitrag von „Welt der Gesundheit“ bietet ein paar tolle Tipps rund um hausgemachte, pflanzliche Milchalternativen und spricht zudem ganz am Anfang der Sendung sehr gezielt auch das oben von mir aufgeführte Zuckerthema an.

Quelle: Welt der Gesundheit, YouTube

Selbstgemachte pflanzliche Milchalternativen

Kommen wir also zu der benötigten heimischen Technik, dem Mixer, sowie den jeweiligen Zutaten für die Herstellung der leckeren Pflanzendrinks. Zunächst ist es wichtig darauf zu achten, dass der Mixer sehr leistungsstark ist, damit dieser die Nüsse, Körner und Samen auch fein genug zerkleinern kann.

Was die Zutaten anbelangt, so benötigen wir zuallererst die Hauptkomponente, welche nicht nur die Sorte unserer pflanzlichen Milchalternative, sondern klar, auch den Geschmack bestimmt. Bevor wir diese in den Mixer geben (eine Handvoll), ist es notwendig, dass sie in der Regel über mehrere Stunden im Wasser einweichen — unabhängig davon, ob wir z.B. Reis- oder Sojamilch herstellen möchten. Zu den üblichen Sorten bzw. Geschmacksrichtungen zählen: Mandeln, Hafer, Reis, Kokos, Soja, Macadamia, Kokos, Hanf oder Haselnüsse.

Bevor wir den Mixer anschalten, müssen wir noch ca. 1 Liter Wasser hinzugeben und schon kann es losgehen. Wem diese rustikalen Zutaten sehr einseitig und langweilig vorkommen, kann selbstverständlich noch eine Prise Meersalz, und für die natürliche Süße ein paar Beeren, Feigen oder Datteln, beifügen. Jetzt kann der Mixer auf höchster Stufe eingeschaltet werden.

Der Pflanzendrink ist fertig und kann serviert werden. Wem das Ganze zu üppig und dickflüssig vorkommt, gibt einfach noch ein bisschen Wasser dazu und filtert das so erzielte Getränk anschließend durch ein Säckchen. Nun dürften keine „lästigen“ Partikeln mehr im Getränk vorhanden sein. Lasst es Euch schmecken!

Wenn das mit der Herstellung zu Hause so einfach funktioniert und obendrauf auch noch gesünder und günstiger ist, weshalb greifen wir dann für diese Pflanzendrinks so tief in die Tasche?

Selbstverständlich funktioniert die Marketingmaschinerie auch für dieses Trendprodukt extrem gut. Zwar versucht die Industrie gerne mit den Themen Subventionen und Mehrwertsteuer eine Antwort auf den Preisunterschied zwischen Kuhmilch und pflanzlichen Milchalternativen zu liefern, aber wir wissen doch alle, dass da wesentlich mehr dahinter steckt, als uns präsentiert wird.

Es ist ein hochprofitables Unterfangen und wenn der Verbraucher, aus welchen Gründen auch immer, bereit ist, das x-fache für diese Pflanzendrinks zu bezahlen, dann werden clevere Unternehmen auch alles dafür tun, um diesen Trend möglichst lange am Leben zu halten.

Der nachfolgende Beitrag der Sendung „Besser Essen“ vom ZDF, in welchem der Koch und Lebensmittelentwickler Sebastian Lege die Firma Oatly in Schweden besucht, zeigt das „Spielchen“ in diesem Bereich recht gut auf.

Quelle: ZDF besseresser, YouTube

Wissen, was drin ist

Kein Industrieprodukt der Welt, so gut es schmecken und aussehen mag, kann ein selbst gemachtes Produkt schlagen. Hinzu kommt, dass wir zu Hause immer wissen, was wir beimischen. Wir müssen uns nicht auf die Verpackungsinhalte verlassen, die nicht immer aufgezählt werden, so wie auch im obigen Fall.

Die Entscheidung ob Ihr zu Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch oder eine der diversen pflanzlichen Milchalternativen greift, liegt ganz bei Euch. Zu wissen, dass man Letztere mit relativ wenig Aufwand auch zu Hause in den eigenen vier Wänden herstellen kann, ist sicherlich sehr inspirierend.

Bildquelle: Foto von Lisa Redfern auf Pixabay

Jetzt kommt das vegane Ei um die Ecke

Jetzt kommt das vegane Ei um die Ecke

Vegane Produkte sind „in“. Kein Discounter erlaubt sich noch ein Sortiment ohne vegane Käse- und Fleischalternativen. Supermärkte richten ganze Flächen mit vegane Delikatessen her. Dem nicht genug, jetzt hat ausgerechnet eine bekannte Handelskette aus der Schweiz das vegane Ei neu im Angebot.

Das ist tatsächlich eine Weltneuheit, denn an das Eiweiß- und Proteinliebling vieler Menschen hat sich bis jetzt kaum eine Firma getraut. Die Huhn-Ei-Kontroverse nimmt dadurch ein Ende, denn die pflanzenbasierte Ei-Alternative braucht ein Huhn gar nicht mehr. Tier- und Klimaschutzfans können endlich feiern und am besten mit einem „V-Love The Boiled“ direkt anstossen. So heisst nämlich das von der Migros Handelskette in Eigenregie entwickelte Sensation.

Woraus besteht denn das vegane Ei?

Eins schonmal vorneweg: Es handelt sich um ein hartgekochtes Ei das von der Migros Tochtergesellschaft ELSA in der Schweiz hergestellt wird. Damit ist die lästige „Made in“ Frage beantwortet.

Die pflanzenbasierte Ei-Alternative besteht auf zwei unterschiedliche Massen deren Hauptkomponenten Sojaproteine sind. Die eine Masse wird für die weiße Hülle verwendet und das Innere wird mit einem sojabasiertem Eigelb gefüllt. Schneidet man das Ei auf, so sieht dieser aus wie ein gewöhnlicher Picknick-Ei.

Das nachfolgende kurze Video von Migros zeigt den Herstellungsprozess auf.

Quelle: Migros, The Boiled, YouTube

Das vegane Ei: Zutaten & Allergene

Ich finde die Zutatenliste derartiger Produkte sehr spannend und interessant, deshalb möchte ich Euch diese nicht vorenthalten. Diese stammt von der Produktbeschreibungs-Webseite der Schweizer Supermarktkette. [Quelle: Migros]

  • Wasser
  • Sojaproteinisolat => Allergen
  • Reisstärke
  • Lösliche Maisfaser
  • Rapsöl
  • Weizenfasern glutenfrei => Allergen
  • Natürliche Aromen => Welche Aromen wurden hier verwendet? Woher stammen diese?
  • Geliermittel: Gellan und Agar-Agar
  • Säuerungsmittel: Milchsäure, Kochsalz
  • Trennmittel: Calciumphosphate => Phosphatzusätze sind nicht ganz ungefährlich, siehe hierzu die Studie „Gesundheitsrisiko durch Phosphatzusätze in Nahrungsmitteln“ veröffentlicht vom Deutschen Ärzteblatt
  • Verdickungsmittel: Carrageen
  • Farbstoff: Carotine

Wie Ihr gegen Ende des Videobeitrages gesehen habt, fällt bei dieser veganen Ei-Variante etwas aussergewöhnliches in punkto Verpackung auf:

Jedes Ei wird separat in einer Plastikhülle verpackt. Warum ist dem so? Kurz nachdenken: Das künstliche Ei hat keine herkömmliche Eierschale, daher muss ein Schutz her. Zwar braucht man keine Tiere für die Herstellung dafür aber jede Menge Verpackung.

Kommen wir zur nächsten wichtigen Frage: Was kostet das vegane Ei?

Das Produkt wird in einem Viererkarton für 4,40 CHF angeboten; das entspricht ungefähr 4,15 EUR.

Damit ist auch dieses Ersatzprodukt teurer als die herkömmlichen Varianten. Der Preis einer Viererpackung hartgekochter Bio-Eier liegt bei 3,85 CHF.

Migros feiert mit dem veganen Ei unter dem Label V-Love bereits zum zweiten Mal eine Weltneuheit. In 2020 wurde die weltweit erste Joghurt-Variante auf Basis von Kichererbsen gelauncht. Für 1,65 CHF kann man sich mit einem 150g V-Love Vegurt die Kante geben. [Quelle: Migros]

Was erwartet uns als Nächstes in der geheimnisvollen V-Welt?

Die Entscheidung ob vegan oder vegetarisch gut für Euch ist oder nicht, überlasse ich jedem einzelnen von Euch. Nicht desto trotz möchte ich Euch an dieser Stelle darauf hinweisen, die Zutatenlisten dieser alternativen Produkte mit großer Sorgfalt durchzulesen. Manchmal versteckt sich der Teufel im Detail.

Als Landwirt und großer Verfechter von Naturprodukten finde ich die aktuellen Ernährungstrends äußerst faszinierend. Zwar entscheidet der Konsument mit seiner Geldbörse was er / sie kauft aber inwieweit kommt diese Entscheidung aus dem tiefen Inneren?

Welche Rolle übernimmt das Marketing und die aggressiven Werbekampagnen bei der Gestaltung des Konsumverhaltens?

Welchen Einfluß hat die Industrie und der Handel auf unsere Entscheidung? Vergessen wir die wesentliche Rolle dieser beiden wichtigen Player bei der Gestaltung der Regale und Sortimente nicht.

Während der Push in Richtung Kunstfleisch bzw. Laborfleisch aus dem Reagenzglas samt Mehlwürmer- und Insektenburger immer auffälliger wird, zieht es eine andere Konsumentengruppe verstärkt in Richtung Regionalität und Saisonalität und damit einhergehend auf Bauernhöfe, Märkte und in die Reformhäuser.

Kommt als nächstes eine vegane Kunstfleischalternative? Da wäre sicherlich auch eine vegane Insektenburgeralternative beziehungsweise ein paar vegane Mehlwürmer-Paties denkbar, oder nicht?

Das vegane Ei, der vegane Joghurt und alles was wir aktuell in den Supermarktregalen vorfinden sind der Anfang einer neuen Esskultur. Ich darf an dieser Stelle nochmal an die Nestle-Studie Gegrille Heuschrecken und Mader: So isst Deutschland in 2030 erinnern.

Bildquelle: Foto von Tengyart auf Unsplash

Fleischalternativen - Jetzt kommen die Hybride um die Ecke

Fleischalternativen: Jetzt kommen die Hybride um die Ecke

Ein großer Befürworter von Fleischalternativen ist kein geringerer als die Weltwirtschaftsorganisation. Von Fleisch aus dem Reagenzglas bis hin zu fleischfreien, pflanzenbasierten Alternativen – die Suche nach „Fleischersatz“ scheint in den letzten Monaten an Tempo aufgenommen zu haben.

Die Fleischbranche befindet sich momentan unter einem enormen Druck. Immer wieder geraten Schlachthöfe in die Schlagzeilen und dann flammt hier und da noch das leidige Thema Schweinepest auf. Die Kollegen aus der Viehzucht haben es diese Tage verdammt schwer. Es ist aber kein heimisches Problem, sondern ein globales Phänomen.

Dabei dürfen wir eins nicht vergessen, u.z. das Ganze wird durch die unzähligen Klimaaktivisten und die lieben Medien ins Extreme gepuscht. Warum das alles jetzt eskaliert und wieso namhafte Investoren wie z.B. Bill Gates oder Richard Branson sich von diesem Trend eine goldene Ära versprechen, das überlasse ich an dieser Stelle Eurem Verstand.

Hier auf Agrarbetrieb.com habe ich des öfteren über diese Ernährungstrends geschrieben. Für diejenigen von Euch die neu sind bzw. diese Beiträge noch nicht gelesen habt, empfehle ich als Einstieg folgende Artikel:

Food-Trends: Fleisch aus dem Reagenzglas

Impossible Burger 2.0: fleischfrei, cholesterolfrei, glutenfrei

NEWS: Kunstfleisch, Schwarzwaldmilch, Nordzucker

Laborfleisch jetzt auch im Weltall erhältlich

Im Januar 2019 hat das Weltwirtschaftsforum einen 32-seitigen Bericht mit dem Titel „Meat: the Future series. Alternative Proteins“ (übersetzt: „Fleisch: Die Zukunftsserie. Alternative Proteine“) veröffentlicht, in dem aufgrund des exponentiell steigenden Fleischkonsums (insb. in Entwicklungsländern), die Dringlichkeit beschrieben wird, „mehr pflanzliche Proteinalternativen in die weltweite Ernährung zu integrieren“.

Quelle: World Economic Forum, YouTube

Warum müssen pflanzenbasierte Fleischalternativen her?

Gemäß dem Bericht der Damen und Herren des WEF (World Economic Forum), geht es einerseits um die „menschliche Gesundheit“ und andererseits, um die „ökologische Nachhaltigkeit zu verbessern“.

Im Klartext heisst es:

Die Sorgen sind gross, dass wenn die Weltbevölkerung bis 2050 wie prognostiziert auf 10 Mrd. wächst, dann wird das mit dem Senken der globalen Temperaturen um mehr als 2 Grad Celsius eine Herausforderung.

Wer Lust hat dieses White Paper zu lesen, kann den Report unter folgendem Link herunterladen:

WEF_White_Paper_Alternative_Proteins

Welche Fleischalternativen ringen um unsere Aufmerksamkeit?

Auf der einen Seite tummeln sich die traditionellen Food Companies wie z.B. Nestle, Unilever oder Rügenwalder die mit ihren pflanzenbasierten Fleischalternativen mittlerweile sowohl die Supermärkte als auch die Discounter regelrecht „überschwemmt“ haben. Viele dieser Produkte sind sojabasiert und enthalten jede Menge Zusatzstoffe die den Otto-Normalbürger völlig überfordern.

Dann haben wir die ganzen Food Tech Startups wie z.B. Impossible Foods oder Beyond Meat die mit ihren fleischfreien Varianten zuerst in den USA und dann auch bei uns in Deutschland für Furore gesorgt haben. Im Endeffekt produzieren beide Gruppen ein ähnliches Produkt, der einzige Unterschied ist, dass die einen seit Jahrzehnten/Jahrhunderten im Lebensmittelbusiness sind, während die anderen diese Branche erst seit 2-3 Jahren für sich entdeckt haben.

Es gibt jedoch ein vollkommen anderer Ansatz wenn es darum geht Fleisch zu produzieren und dieser kommt aus der Bio-Tech-Sparte. Es geht um Laborfleisch, Kunstfleisch bzw. Fleisch aus dem Reagenzglas. Es handelt sich hierbei um die Clean Meat Bewegung.

Während es dem einen alleine schon bei dem Klang dieser Worte eiskalt den Rücken herunterläuft, feiert eine andere Gruppe von Menschen diese Experimente und buttert massive Geldsummen in die Projekte rein. Wenn globale Konzerne wie Merck (Pharma) und Cargill (Agro) sowie bekannte Multimilliardäre wie Bill Gates (Microsoft) und Richard Branson (Virgin) in Laborfleisch investieren, spätestens dann wissen auch wir Normalsterbliche, dass sich hier etwas ganz Mächtiges anbahnt.

Dem nicht genug, denn jetzt taucht ein neuer Konkurrent um die Ecke: es handelt sich um einen Hybriden. Also nicht ganz pflanzenbasiert und auch nicht ganz aus dem Reagenzglas.

Die Firma Peace of Meat bietet einen Fleischhybriden an. Die hybriden Nuggets bestehen aus 15% kultiviertem Entenfett und extrudiertem Erbsenprotein. Das in 2019 gegründete B2B Unternehmen ist der europaweit erste Hersteller, der in der Lage ist, eine GVO-freie Stammzellenlinie herzustellen, die die Produktion grösserer Mengen zulässt.

Was genau lockt denn die ganzen Clean Meat und Cultured Meat Startups in diese Branche?

Die Antwort finden wir in den neuesten Prognosen von Statista sowie einer aktuellen Studie von A. T. Kearney wonach:

  • … sich der weltweite Markt für pflanzliches Fleisch von 10 Mrd. USD (2018) auf voraussichtlich 31 Mrd. USD in 2026 mehr als verdreifachen wird. [Quelle: Statista]
  • … 60% des Fleischmarktes in 2040 aus kultivierten und pflanzenbasierten Produkten bestehen wird. [Quelle: „How will Cultured Meat and Meat Alternatives disrupt the Agricultural and Food Industry?“ Studie von A. T. Kearney]

Kurz zusammengefasst für uns Normalbürger:

Es handelt sich um ein äußerst lukratives Geschäft!

Gemäß dem bewährten Prinzip „Follow the money“ wissen wir alle nur allzu gut, dass dort wo Milliarden fliessen, ein sehr lohnendes Business wächst.

Ist das die Ernährungszukunft?

Sind das die letzten Tropfen die das Glas zum überlaufen bringen?

Übersetzt: Ist das das Ende der Fleischindustrie so wie wir sie kennen?

Lebensmittel: Der ultimative Kampf der Giganten

Stimmt das alles oder ist es nur Propaganda? Was sagen die unabhängigen Medien sowie die Experten, Forscher und Wissenschaftler die nicht von BIG Agrochemie, BIG Banks, BIG Pharma, BIG Tech, BIG XYZ finanziert werden?

Ich bin für Innovation, Nachhaltigkeit und Lebensmittel die nahrhaft und gesund sind. Allerdings machen mir diese Tech-Innovationen von irgendwelchen Startups die buchstäblich NULL Affinität und Respekt für Mutter Erde haben, Angst.

Wenn es nur darum geht Profite zu schlagen, dann hat das nichts mehr mit Gesundheit der Weltbevölkerung, Tierschutz oder Nachhaltigkeit zu tun, auch wenn diese Begriffe gerne als Marketingslogans genutzt werden.

Was steckt wirklich hinter dieser ganzen Suche nach Fleischalternativen? Was glaubt Ihr?

Foto von Clker-Free-Vector-Images, Pixabay.com

Impossible Burger fleischfrei

Impossible Burger 2.0: fleischfrei, cholesterolfrei, glutenfrei

Impossible Burger 2.0 war das absolute Highlight auf der letztjährigen CES in Las Vegas. Das Food Tech Unternehmen Impossible Foods nutzte die weltweit größte Consumer Tech-Messe und verteilte 12.000 pflanzenbasierte Burger an die Teilnehmer. Ein cleverer Schachzug was zu drei Top Auszeichnungen führte.

Jedes Jahr, in der zweiten Januarwoche werden die neuesten und innovativsten Tech-Produkte auf der weltweit größten Consumer Technology Messe CES in Las Vegas, USA präsentiert. Es ist der Ort wo wir mit den verrücktesten Ideen konfrontiert werden, von Humanoid-Robotern bis hin zu eher alltäglichen Konsumgütern wie Smart TVs. Die Plattform ist perfekt dafür geeignet, um die coolsten Gadgets vorzustellen, egal ob es sich hierbei um Medizin-Wearables handelt oder ein rotierender Fernseher (siehe hierzu den Samsung Sero TV, welcher heuer auf der CES 2020 gelauncht wurde).

Letztes Jahr passierte jedoch etwas außergewöhnliches auf der CES.

Eine Food Tech Company namens Impossible Foods überraschte die Gäste mit einem Truck voller Burger. Es waren jedoch keine gewöhnliche Burger, sondern eine pflanzenbasierte Variante. Der Truck wurde in der Central Plaza positioniert, d.h. keiner kam an den gut riechenden und geschmackvollen Burger vorbei. Eine fantastische Idee und Umsetzung seitens der Marketingabteilung von Impossible Foods.

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten.

Impossible Burger 2.0 räumte direkt drei Preise ab:

  • „Most Unexpected Product“
  • „Most Impactful Product“
  • „Best of the Best“

Was macht Impossible Burger 2.0 so besonders?

Pflanzenbasierte Fleischprodukte sind am boomen. Obwohl das Mainstream-Publikum weiterhin die klassischen Burger, Steaks und Schnitzel konsumiert, weichen immer mehr Menschen auf vegetarische und vegane Optionen aus. Diejenigen die auf die tasty Burgers nicht gänzlich verzichten wollen, greifen auf pflanzenbasierte Alternativen zurück.

Impossible Burger 2.0 ist 100% pflanzenbasiert, Koscher und Halal zertifiziert. Der Burger ist glutenfrei, hat 0 mg Cholesterin und beinhaltet so viel bioverfügbares Eisen und Protein wie herkömmliches Rindfleisch.

Quelle: CNET, YouTube

Ich habe des öfteren über Veggie-Burger, die neuesten Kunstfleisch-Alternativen und Laborfleisch welcher jetzt auch im Weltall erhältlich ist, geschrieben.

Wenn große Fast-Food Ketten wie Burger King, KFC, Dunkin‘ Donuts oder etablierte Konzerne wie Nestle und Rügenwalder pflanzenbasierten Fleischprodukte anbieten und zum festen Bestandteil ihres Sortiments machen, dann bannt sich hier etwas gigantisches an.

Vom Hype zum Trend und bald Mainstream?

Derzeit haben wir es mit 3 Player-Kategorien zu tun, die einerseits pflanzenbasierte Burger und andererseits Burger aus Kunstfleisch anbieten.

#1 Traditionelle Food Companies wie z.B. Nestle, Tyson Foods oder Rügenwalder.

#2 Food Tech Companies (viele darunter Startups). Zu den bekanntesten zählen Beyond Meat und Impossible Foods.

#3 Hersteller von Laborfleisch wie z.B. Memphis Meats oder Mosa Meat.

Während die Player in den ersten beiden Kategorien mit verschiedenen veganen Rezepten herumexperimentieren, fließen in die sog. Clean Meat Innovationen gigantische Geldsummen rein. Namhafte Investoren wie Bill Gates (Microsoft Gründer) und Richard Branson (Virgin Gruppe) sowie globale Konzerne wie Merck und Cargill setzen verstärkt auf Fleisch aus dem Reagenzglas.

In 2013 wo Memphis Meats seinen ersten Burger aus Kunstfleisch präsentierte, kostete das gute runde Stück ganze 330.000 USD. Heute liegt der Preis bei 40 USD pro Gramm. Der niederländische Konkurrent Mosa Meat will noch in diesem Jahr einen Burger aus Kunstfleisch für nur 10 USD anbieten.

Werden wir bei McDonald’s, Burger King und KFC bald Burger, Whopper, Wings und Co. aus Kunstfleisch serviert bekommen?

Bleiben die pflanzenbasierten Alternativen dann noch im Sortiment oder werden diese gänzlich durch geschmackvolles und top aussehendes Laborfleisch substituiert?

Fakt ist, sobald die großen Fast-Food-Ketten Kunstfleisch zum Teil ihres Produktportfolios machen, binnen kurzer Zeit dann ‚echtes‘ Fleisch auslisten, bleibt dem Konsumenten nur eins übrig: geniessen oder sein Geld für etwas anderes ausgeben.

Ich gehe davon aus, dass wir eine Übergangsperiode haben werden, wo alle drei Alternativen angeboten werden. In dieser Zeit wird jeder die Gelegenheit haben den ultimativen Trio-Test durchzuführen und zu entscheiden, welche Option ihm am besten schmeckt: der klassische Burger aus echtem Fleisch, der pflanzenbasierte Burger oder der Burger aus Laborfleisch.

Impossible Burger 2.0 war auf der CES 2019 ein absoluter Hit. Wird Impossible Foods seine Marktposition halten bzw. ausbauen können oder wird die Konkurrenz sein Wachstum hindern? Es bleibt super spannend. Unsere Gesellschaft und damit einhergehend auch unser Ernährungsverhalten ändern sich kontinuierlich.