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Zuckermarkt Zuckerrueben im Agrarbetrieb

NEWS: Zuckermarkt, Agrarexporte, Übernahmen

Trendwende am Zuckermarkt? Von wegen! Wer sich über die leichte Erholung der Preise gefreut hat, ist jetzt bitter enttäuscht. Die Preise schauen erneut in die ungewollte Richtung – und zwar nach unten. Der im August 2018 erreichte Preistief wurde heuer erneut erreicht. In London rutschten die Kurse unter 300 USD je Tonne Weißzucker. In New York gings mit den Rohrzuckerpreisen zeitweise sogar unter 11 Cent je lb.

Wieso fallen die Zuckerpreise weltweit weiter? Was steckt dahinter?

Steigen wir doch tiefer in die Materie ein und schauen auf die von der International Sugar Organization (ISO) aktuell veröffentlichten Zahlen.

  • Aktuelle Wirtschaftsjahr 2018/19: Zuckerüberschuss in Höhe von 1,7 Mio. Tonnen erwartet (frühere Prognose lag bei 1,8 Mio. t).
  • Prognose Wirtschaftsjahr 2019/20: globales Zuckerdefizit von 4,8 Mio. Tonnen.
  • Globalen Bestände sind sehr hoch; Zuckerüberschuss im Wirtschaftsjahr 2017/18 lag bei 7,3 Mio. Tonnen.
  • Zuckerproduzent #1 BRASILIEN: Die Produktion soll in 2019/20 auf 34,1 Mio. Tonnen steigen (+17,4%). Hinzu kommt, dass die Brasilianer die zollfreien Importe von Ethanol aus den USA von aktuell 600 Mio. Liter pro Jahr auf 800 Mio. Liter pro Jahr erhöhen; das könnte heissen Ethanol-Produktion aus Zuckerrohr runter und Zuckerproduktion hoch.
  • An der New Yorker Börse werden vermehrt Short-Positionen platziert; diese setzen die Zuckerpreise weiterhin unter Druck.
  • Zuckerproduzent #2 INDIEN: Die Produktion soll in 2019/20 aufgrund der Dürre und der verzögerten Monsunzeit auf 28 Mio. Tonnen (-15%) sinken. Aus Indien kommen jedoch zwei weitere Probleme, die die globale Entwicklung am Zuckermarkt stark beeinflussen: (1) die rekordhohen Zuckerbestände von geschätzten 14,2 Mio. Tonnen und (2) die Zuckersubventionen womit die indische Regierung Exporte von bis zu 6 mio. Tonnen Zucker in 2019/20 unterstützen will.
  • EUROPA: Auch hier müssen Zuckerbestände abgebaut werden. Derzeit geht man von einer kleineren Rübenernte (aufgund reduzierter Anbauflächen und der anhaltenden Dürre) und einer sinkenden Zuckerproduktion aus.

FAZIT: Demnach schrumpfen zwar weltweit die Produktion und Überschüsse, jedoch nicht genügend stark um den Preisverfall am Zuckermarkt aufzuhalten.

Rübenfahrer gesucht

Zuckerrüben fahren ist nicht einfach. Deshalb suche ich immer eifrig nach Kollegen die Lust haben mitzufahren und Teil einer besonderen Community zu werden.

Folgendes solltet Ihr wissen, wenn Ihr Euch auf diese Reise einlassen wollt.

EU weiterhin weltgrösster Agrar- und Lebensmittelexporteur

EU-Produkte punkten weiterhin mit ihrer Qualität und ihrem ausgezeichneten Ruf. Laut EU-Kommission liegt der Exportwert bei rund 138 Mrd. EUR, nur 0,2% weniger als in 2017. Damit behält die Gemeinschaft weiterhin den #1 Platz als weltgrößter Exporteur von Agrar- und Lebensmittelprodukten.

Was die Importe dieser Produktgruppe anbelangt, so sind diese in der EU um 1,4% auf 116 Mrd. EUR zurückgegangen. Damit liegt die EU nunmehr auf Platz #2 hinter den USA.

Positiv auf die Bilanz haben sich die zuletzt geschlossenen Handelsübereinkünfte mit folgenden Ländern ausgewirkt:

  • den Mercosur-Ländern => südamerikanisches Staatenbund bestehend aus fünf Mitgliedstaaten Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay, Venezuela und den assoziierten Mitgliedern Bolivien, Chile, Peru, Kolumbien und Ecuador
  • sowie mit Kanada, Mexico, Japan, Singapur, Südkorea und Vietnam.

Zudem lies uns der irische EU-Agrarkommissar Phil Hogan in seiner letzten Pressemitteilung wissen, dass die Verhandlungen mit Chile, Neuseeland und Australien gut voranschreiten.

Eine weitere Betriebsübernahme im Milchsegment

Hört man den Begriff Übernahme in unserer Branche, dann denkt fast jeder sofort an die Mega-Fusion Bayer-Monsanto.

Diesmal geht es um einen wesentlich kleineren Deal, jedoch nicht unbedeutend für die Milchbranche. Das Deutsche Milchkontor (DMK) übernimmt zum 1. Januar 2020 das holländische Joint Venture DV Nutrition bestehend aus DOC Kaas (Teil der DMK Group) und Volac vollständig.

Damit ist Volac komplett raus. Diese war für das Marketing und den Vertrieb aller DV Nutrition hergestellten Produkte zuständig. Nun übergehen die gesamten Vermögenswerte in den Besitz der DMK Group.

Was kostet dieser Deal?

Weder die DMK Group noch Volac haben sich zum Kaufpreis geäußert.

Die Wettbewerbsbehörden müssen noch ihre Freigabe erteilen.

220 Mio. EUR für eine 13.400 ha große britische Farm

Verkauft! Eine der bekanntesten und größten Farmen Englands hat seinen Besitzer gewechselt. Es handelt sich hier um die Strutt & Parkers Farm. Diese gehört fortan der Investmentgesellschaft „Robigus und Belport“.

Der Verkaufspreis lag bei 220 Mio. EUR. Ob das auch der Endpreis war, ist noch unklar. Fakt ist, die 100 Jahre alte englische Farm mit rund 13.400 ha Fläche befindet sich nun in den Händen von Investoren. Die Investmentgesellschaft hat ihren Sitz ebenfalls in Großbritannien. [Quelle: Farmers Weekly]

Kurz vor dem Brexit, so einen Deal abzuschliessen ist sicherlich sehr mutig. Was für den Kauf spricht aus Sicht europäischer Investoren die sich finanziell beteiligt haben, ist der billige Pfund.

Der Zuckermarkt im Wandel

Ich bin selbst Rübenbauer und „spüre“ daher die ganzen Veränderungen ‚live‘ sozusagen.

Das Wetter hat in den letzten beiden Jahren nicht ganz so mitgespielt. Die fallenden Preise an den Börsen in London und New York sorgen weiterhin für Spannung. Und die Tatsache, dass z.B. Indien getrieben von staatlichen Subventionen verstärkt aufs Export-Gaspedal drückt, macht die Sache auch nicht einfacher.

Die Konzentration im Agrarsektor geht weiter. Ich gehe davon aus, dass wir weitere Werksschließungen bzw. Übernahmen auch im Zuckermarkt bald wieder erleben werden.

Was glaubt Ihr? Rechnet Ihr mit einer Erholung am Zuckermarkt in 2020 oder geht’s weiter runter mit den Preisen?

Artenvielfalt bei Agrarbetrieb - Hummel auf Phacelia

NEWS: Artenvielfalt, Pflanzenschutz-Gigant, Rübenanbau

Während das Thema Klimawandel die Menschheit stärker polarisiert denn je, sind sich in punkto Artenvielfalt und Biodiversität alle einig: bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Viele davon sogar in den kommenden Jahrzehnten. Wir müssen dringend etwas tun.

Artenvielfalt liegt mir besonders am Herzen. Dies ist auch der Grund weshalb ich das Projekt Blumenwiesenpatenschaften ins Leben gerufen habe. Dadurch entsteht ein bunter Fleck von Blumen mitten in der Landschaft, ein wahres Paradies für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und zahlreiche Insektenarten. Es ist ein zusätzlicher Lebensraum und Nahrungsangebot für die kleinen Genossen.

Wenn Ihr die Natur unterstützen und Mutter Erde etwas zurück geben möchtet, dann helfe ich Euch gerne dabei. Detaillierte Informationen erhaltet Ihr unter dem Menüpunkt Blumenwiese.

Kommen wir zu den Fakten.

Zum ersten Mal in 14 Jahren hat der Weltbiodiversitätsrat IPBES einen umfassenden Bericht zum Zustand der globalen Artenvielfalt veröffentlicht und der Allgemeinheit präsentiert. Darin wurde der Sachstand zur globalen Situation dargestellt und Problemlösungen vorgeschlagen.

Ein paar Erkenntnisse im Überblick:

  • 1,000,000 Spezies (Pflanzen- und Tierarten) sind vom Aussterben bedroht
  • Die Menschheit verbraucht derzeit mehr Nahrungsmittel und andere Ressourcen als innerhalb eines Jahres wieder nachwachsen könnten [Einschätzung der Organisation Global Footprint].
  • Mehr als ein Drittel der Landoberfläche der Welt und fast 75% der Süßwasserressourcen werden für die Ernte- oder Viehproduktion verwendet.
  • Der Wert der landwirtschaftlichen Kulturpflanzenproduktion ist seit 1970 um etwa 300% gestiegen, die Rohholzernte ist um 45% gestiegen. Jedes Jahr werden weltweit etwa 60 Milliarden Tonnen erneuerbare und nicht erneuerbare Ressourcen gefördert – die Zahlen haben sich seit 1980 fast verdoppelt.
  • Mehr als 40% der Amphibienarten, fast 33% der reefformenden Korallen und mehr als 30% aller Meeressäuger sind gefährdet.
  • Im Jahr 2015 wurden 33% der Meeresfischbestände auch nicht nachhaltiger Weise geerntet.
  • Die städtischen Gebiete haben sich seit 1992 mehr als verdoppelt.
  • Die Plastikverschmutzung hat sich seit 1980 verzehnfacht! Etwa 300-400 Millionen Tonnen Schwermetalle, Lösungsmittel, giftiger Schlamm und andere Abfälle aus Industrieanlagen werden jährlich in die Gewässer der Welt geschüttet. Wir reden hier von einer Gesamtfläche von mehr als 245.000 km2 – eine Gesamtfläche, die größer ist als die des Vereinigten Königreichs.

Drei Jahre lang arbeiteten 145 Experten aus 50 Ländern, um diesen fundierten Artenvielfalt-Bericht zusammenzustellen. Weitere 310 Autoren haben beigetragen, um das Wissen aus Tausenden von Studien zusammen zu tragen. Die Ergebnisse wurden letztes Wochenende auf der Pariser-Weltkonferenz präsentiert.

Wie stoppen wir die Zerstörung der Artenvielfalt

Ob uns Landwirte das gefällt oder nicht, die Landnutzung wird nunmal als Haupttreiber des Biodiversitätsverlustes einschließlich des Insektenschwundes angesehen. Deshalb müssen wir aktiv etwas tun und nicht darauf warten ob die Politik in die Pötte kommt und etwas entscheidet oder nicht.

Des weiteren müssen die „Rahmenbedingungen für unser Finanz- und Wirtschaftssystem“ verändert werden. Der Fokus muss auf der „Wiederherstellung von geschädigten Landschaften“ liegen, so Jörg-Andreas Krüger vom WWF.

Selbstverständlich muss auch die Politik mit ins Boot. Politische Maßnahmen, Anstrengungen und Handlungen sind auf allen Ebenen nötig, so die Anschlussworte von Sir Robert Watson, Präsident des IPBES. Die Beweise liegen vor. Jetzt muss entsprechend agiert werden.

Wenn Ihr tiefer in die Studie einsteigen möchtet, hier geht’s zum IPBES Bericht.

Bayer bekommt Konkurrenz: Mit Corteva AgriScience entsteht ein neuer Pflanzenschutz-Gigant

Ein harter Konkurrent für Bayern steht in den Startlöchern. DowDuPont’s Agrarchemiesparte Corteva geht an die Börse.

Die Agrochemie-Branche wurde in den letzten drei Jahren so richtig aufgemischt. Drei Mega-Deals – (1) Fusion Dow und DuPont, (2) Chemchina hat Syngenta übernommen und (3) Bayer hat Monsanto übernommen – und zahlreiche kleinere Deals haben die Landschaft komplett neu strukturiert.

Ab Juni agiert das US-Unternehmen Corteva als eigenständiger Agrarchemie-Anbieter.

Der designierte Firmenchef Jim Collins startet mit rund 14 Milliarden Dollar Umsatz und einer ähnlichen Struktur wie Bayer. Der Umsatz ist jedoch rund ein Drittel kleiner als der von Bayer. Das Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäft ist stark aufgestellt und bildet die Basis des neuen Konzerns. Der Chef will mit Forschung und Produktinnovationen es dem Marktführer ungemütlich machen.

Werksschließungen bei der Südzucker-Tocher in Frankreich – Nicht mit uns, sind sich Rübenbauern einig

Die Franzosen sind seit der Geschichte dafür bekannt, dass sie für ihre Rechte auf die Strasse gehen und kämpfen. Deshalb dürfte es auch keinen so richtig wundern, dass unsere Nachbarn die geplanten Werksschließungen von Südzucker nicht so hinnehmen.

Die betroffenen Rübenbauern wollen das Kapital zur Fortführung der Werke in Eppeville und Cagny gemeinsam aufbringen, so der Verband der französischen Zuckerrübenproduzenten (CBG). Zusammen mit Wirtschaftsjuristen wird derzeit an einem Rettungsplan getüftelt.

Die Lage unter den Rübenbauern in Frankreich ist alles andere als entspannt insbesondere jetzt wo die Genossenschaft Cristal Union die Schließung seiner Zuckerfabriken in Bourdon (älteste Zuckerwerk Frankreichs) und Toury angekündigt hat. Auch der Verpackungsstandort Erstein soll teilweise stillgelegt werden.

So richten sich nun logischerweise alle Blicke auf Tereos, dem größten Zuckerhersteller Frankreichs. Dieser plant derzeit keine Kapazitäten abzubauen bzw. seine Werke still zu legen.

Wir alle sind gefragt

Wenn wir die Schönheit und Vielseitigkeit unseres Planeten beibehalten möchten, dann müssen wir ALLE etwas dafür tun. Wenn wir möchten, dass unsere Kinder und Enkelkinder die Erde so bunt erleben wie wir, dann können wir nicht nur zuschauen und jammern.

Ersetzt Plastikflaschen mit Glas. Nimmt Eure Stoffbeutel mit wenn Ihr einkaufen geht. Kauft loses Gemüse. Habt eine Kaffeekanne dabei wenn Ihr zu Starbucks oder McDonald’s geht. Verzichtet auf Plastiktüten und -verpackungen soweit wie möglich. Die Müllberge müssen kleiner werden.

Wie unterstützt Ihr die Artenvielfalt?

Zucker-Fiasko Preisverfall

Zucker-Fiasko: Preise fallen weiter, Jobs gehen verloren

Raus aus dem Zucker-Fiasko – nur wie? Die Zuckerpreise scheinen keine Grenze nach unten zu kennen. Der Binnenmarkt steht massiv unter Druck. Nordzucker will Sach- und Personalkosten reduzieren; Menschen verlieren ihre Jobs. Investitionen erfolgen außerhalb Europas.

Die Lage auf dem europäischen Zuckermarkt ist desaströs. So wie es derzeit aussieht, gibt es nur einen Gewinner, nämlich den Konsumenten.

Die Zucker-Akteure und Ihre Probleme im Einzelnen:

  • Rübenbauer: Die Dürre hat die Zuckerrübe auch nicht verschont. Die Rüben sind vielerorts sehr klein geworden und die Ernte war schwierig.
  • Konzerne / Industrie: Die beiden Zucker-Giganten Nordzucker und Südzucker stehen stark unter Druck. Beide Produzenten verzeichneten ein zweistelliges Minus im operativem Geschäft. Das hat bittere Konsequenzen: jetzt werden Stellen abgebaut. Investitionen erfolgen außerhalb des europäischen Kontinents.

Beide „Parteien“ kämpfen mit der gleichen Problematik:

Niedrige Zuckerpreise + einen mit Zucker überversorgten europäischen Markt

Zucker-Fiasko am Londoner Terminmarkt

Ein Blick auf die von der EU-Kommission veröffentlichten aktuellen Zahlen verdeutlicht das oben beschriebene. Im Oktober 2018 beliefen sich die Preise auf 320 EUR je Tonne. Ein historischer Tiefstand.

Damit kostete das Weißzucker 27 EUR/Tonne weniger als im September 2018 und ganze 100 EUR/Tonne weniger als im Vorjahr. Große Anbauländer wie Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien kämpften sogar mit Preisen von 307 EUR je Tonne.

Nach der kurzen Erholung im November rappelte es erneut auf dem Londoner Terminmarkt für Zucker. Die Preise gingen um mehr als 10% auf 340 USD/Tonne (ca. 299 EUR/Tonne) zurück. Wichtig hierbei auch die Anmerkung, dass die Weltmarktpreise für Rohrzucker  gesunken sind. Dies wirkte sich ebenfalls negativ auf die Zuckerpreise in Europa aus.

Der europäische Terminmarkt in London bleibt weiterhin pessimistisch. Von einer Preiserholung ist nicht die Rede. Die neue Ernte 2019 notiert mit 357 USD/Tonne (ca. 315 EUR/Tonne) und damit weniger als der Märzkontrakt.

Und wie sieht’s an der Börse in New York aus?

Nicht viel anders.

Die Weltmarktpreise für Rohrzucker sind seit Mitte Oktober um 10% zurückgegangen. Der Trend zeigt auch hier weiterhin nach unten. Eine Korrektur ist derzeit nicht in Sicht.

Was bedeutet das für die Rübenbauer?

Als Rübenbauer (ich gehöre nämlich auch dazu) stecken wir in einer Zweckmühle.

Je nachdem wie wir die Verträge abgeschlossen haben (kurz/ langfristig), wirkt sich dieser Preisverfall früher oder später auch auf uns aus. Die Bezahlung wird dann mager ausfallen.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (kurz BLE) schätzt die Rübenpreise für die aktuelle Saison auf ca. 26 EUR/Tonne. Das sind 3 EUR/Tonne weniger als das Jahresniveau.

Folgendes gilt es noch zu berücksichtigen:

  • Dürrebedingt ist die Ernte kleiner ausgefallen.
  • Die EU-Kommission schätzt die aktuelle Rübenernte auf 126,2 Mio. Tonnen (die Zahl wurde um 12% nach unten korrigiert). Die Zuckererzeugung wird auf 18,6 Mio. Tonnen geschätzt (2,5 Mio. Tonnen weniger als im Vorjahr).
  • Die verfügbare Zuckermenge übersteigt trotzdem den Bedarf (siehe weiter fallende Zuckerpreise).
  • Der innereuropäische Verbrauch liegt bei 18,5 Mio. Tonnen.
  • Die niedrigen Weltmarktpreise wirken sich negativ auf europäische Exporte aus.

Führt diese Situation dazu, dass die Anbauflächen für Zuckerrüben zurückgehen werden?

Zur Zeit geht die EU-Kommission von einem moderaten Rückgang aus.

Ob das so bleibt, muss abgewartet werden. Die gravierenden Probleme in der europäischen Zuckerwirtschaft deuten eher auf einen weiteren Rückgang der Anbauflächen für Zuckerrüben.

Quellen: Europäische Kommission, BLE, Telebörse.de

Quelle: Bayerischer Rundfunk, YouTube

Das Chaos nach der Quotenregelung ist perfekt

Vor einem Jahr, im Oktober 2017 hieß es „goodbye Quotenregelung“.

Seitdem herrscht Chaos auf dem europäischen Zuckermarkt. Die Preise sind im freien Fall. Die Industrie muss Stellen abbauen und Landwirte überlegen ihre Anbauflächen anders zu verteilen.

Auf Seiten der Industrie setzt Nordzucker ein klares Signal. Die Kosten in der Verwaltung müssen reduziert und Investitionen anderswo getätigt werden. Immerhin verzeichnen die Braunschweiger in diesem Jahr einen operativen Verlust von 40 Mio. EUR und auch nächstes Jahr werden die Ergebnisse voraussichtlich negativ ausfallen.

Ganz konkret heisst es:

  • Reduzierung der Sach- und Personalkosten um jeweils 20 Mio. EUR.
  • Investitionen in die Rohrzuckerproduktion außerhalb Europas wie z.B. Australien.

Wie geht’s weiter?

Sollen wir bei der Rübe bleiben oder unsere Anbauflächen lieber mit etwas anderem belegen? Ist denn Getreide so viel besser? Welche anderen Alternativen stehen uns zur Verfügung?

Diese und weitere Fragen gehen derzeit ganz vielen Rübenbauern durch den Kopf.

Klar hilft uns das tolle Ergebnis aus 2017 den Schlamassel aus diesem Jahr irgendwie zu überleben. Aber „Hoffnung“ und auf gute alte Zeiten zurückgreifen ist keine clevere Strategie. Überlegen ist angesagt. Gespräche mit Gleichgesinnten ist sicherlich etwas hilfreiches. Die endgültige Entscheidung liegt dann sowieso bei jedem Einzelnen von uns.

Raus aus dem Zucker-Fiasko: Welche Ideen und Überlegungen gehen Euch da durch den Kopf?

Zucker-Giganten leiden unter Preissturz

Zucker-Giganten kämpfen mit dem dramatischen Preissturz bei Zucker

Die beiden Zucker-Giganten Nordzucker und Südzucker kämpfen mit rückläufigen Umsätzen. Die Ursache liegt an dem starken Rückgang der Zuckerpreise am Weltmarkt und am europäischen Binnenmarkt.

Seit dem Ende der Quotenregelung im Oktober 2017 ist nichts mehr wie es war. Der EU-Zuckerpreis soll laut Nordzucker um mehr als 120 EUR pro Tonne gesunken sein. Trotz höheren Absatz- und Exportmengen konnte der massive Preisrückgang nicht aufgehoben werden.

Tauchen wir doch ein bisschen in die Zahlen der jeweiligen Zucker-Giganten ein. Los geht’s mit den Kollegen aus Braunschweig.

Nordzucker AG meldet zweistelligen Umsatzeinbruch

Die ersten drei Monate des Geschäftsjahres 2018/19 sind für den Braunschweiger Konzern alles andere als rosig. Der Umsatz ist um 18% auf 343 Mio. EUR gesunken (Zeitraum März – Mai 2018). In der Vorjahresperiode lag der Umsatz bei 418 Mio. EUR.

Der Periodenüberschuss betrug 3,4 Mio. EUR. In der Vergleichsperiode von 2017 lag dieser bei 41,5 Mio. EUR. Ein dramatischer Gewinneinbruch.

Die Ursachen für das schlechte Ergebnis:

  • Deregulierung des Marktes
  • Einbruch der Zuckerpreise
  • Trotz erhöhtem Absatz konnte der Umsatzrückgang nicht kompensiert werden

Das Geschäft mit Bioethanol und Futtermitteln ist hingegen weitgehend stabil geblieben. Das lag vornehmlich daran, dass die Herstellungskosten um 7,2% unter dem Niveau der Vorjahresperiode gesunken sind. Einerseits wurde weniger Zucker eingesetzt und andererseits gab es einen Rückgang bei den Rübenkosten. Im Gegenzug stiegen die Vertriebskosten aufgrund höheren Mieten, Pachten und Fremdlagerkosten nur geringfügig.

Ziel des Konzerns für das aktuelle Geschäftsjahr 2018/19:

Verlust vermeiden.

Kostendeckend bei den aktuellen Preisen zu produzieren sei eine Utopie. Das weiss auch Nordzucker. Gleichzeitig bleibt die Hoffnung groß, dass die Niedrigpreisphase kein Dauerzustand bleiben wird.

Der Konzern erwartet eine Marktkonsolidierung und ist dafür gut aufgestellt.

Quelle: Q1-Zwischenbericht von Nordzucker

Für alle die näher wissen wollen, wie das mit der Rübenernte bis hin zum verpackten weißen Pulver, dem Zucker, so wirklich abläuft, anbei ein interessanter Beitrag von NDR in Kooperation mit Nordzucker.

Quelle: NDR Documentaries, YouTube

Südzucker erwartet ein schwaches Wirtschaftsjahr bei Zucker

Beide Zucker-Giganten leiden. Und so kommt es, dass die Mannheimer in punkto Umsatz zwar besser da stehen, jedoch genauso trüb auf den dramatischen Preissturz bei Zucker blicken.

Wie sieht’s denn ganz konkret bei den Mannheimern aus?

Der Konzernumsatz belief sich auf 1.741 Mio. EUR, leicht unter dem Vorjahresniveau (1.783 Mio. EUR).

Das operative Konzernergebnis verringerte sich um 50%, von 153 Mio. EUR im letzten Geschäftsjahr zu aktuell 78 Mio. EUR. Grund dafür war die schlechte Performance der beiden Bereiche Zucker und CropEnergies.

1. Segment Zucker

Trotz höheren Exportmengen sank der Umsatz um 11% auf 695 Mio. EUR (im Vorjahr: 777 Mio. EUR). Das operative Ergebnis brach dramatisch ein. Dieser lag im Berichtszeitraum bei lediglich 8 Mio. EUR. Im Vorjahr waren es noch 64 Mio. EUR.

An der Rübenanbaufläche der Südzucker-Gruppe gab es keine großen Veränderungen. Diese liegt mit 435.800 Hektar auf Vorjahresniveau (445.000 ha). Aufgrund der milden Temperaturen begann die Aussat Anfang April; zwar spät aber die Bedingungen waren recht gut.

2. Segment CropEnergies

Die niedrigen Ethanolpreise haben zu einem Umsatzeinbruch im Segment CropEnergies von 214 Mio. EUR (Vorjahr) auf 176 Mio. EUR geführt. Dadurch verringerte sich auch das operative Ergebnis auf 5 Mio. EUR; im Vorjahr waren es noch 23 Mio. EUR.

3. Segment Spezialitäten

Ganz anders sieht es im Bereich Spezialitäten aus, wo der Umsatz auf 558 Mio. EUR gesteigert werden konnte (im Vorjahr: 481 Mio. EUR). Die positive Entwicklung basiert auf den Umsätzen des Tiefkühlpizzaherstellers Richelieu Foods Inc. und HASA GmbH, die im Vorjahr nicht enthalten waren.

4. Segment Frucht

Stagnation im Segment Frucht: die Umsätze lagen mit 312 Mio. EUR auf Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 1 Mio. EUR und lag bei insgesamt 26 Mio. EUR.

Die Erwartungen für das aktuelle Geschäftsjahr 2018/19 sind auch bei Südzucker zurückhaltend. Die Mannheimer erwarten ein Konzernumsatz von 6,8 bis 7,1 Mrd. EUR – quasi eine Stagnation; im Vorjahr lag der Umsatz bei 7 Mrd. EUR.

Die Prognosen für die beiden Segmente Zucker und CropEnergies fallen negativ aus. Die Rückgänge sollen teilweise durch die Bereiche Spezialitäten und Frucht aufgefangen werden.

Quelle: Quartalsergebnis von Südzucker

Agrarfreihandel trotz Brexit

Nachdem die britische Königin ihren „Segen“ gegeben hat, kann ja dem Brexit nichts mehr im Wege stehen. Ende März 2019 verlassen die Briten die EU.

Das Chaos ist groß. So richtig steht nichts fest; keiner weiß wie alles ab April nächsten Jahres weiter geht. Bürger warten ab. Firmen und Banken warten ab. Die Politik scheint auch zu warten. Mal schauen was aus diesem Warten wird…

Die britische Regierung rundum Premierministerin Theresa May hat erste Vorstellungen.

Sie möchten auch nach dem Brexit Agrarprodukte und Lebensmittel mit der EU frei handeln. Dem Londoner „White Paper“ zufolge, soll im Rahmen einer wirtschaftlichen Partnerschaft mit der EU das bisherige Regelwerk weitgehend beibehalten werden.

Für Großbritannien sollen WTO-Regeln maßgeblich sein (WTO = Welthandelsorganisation).

  • GAP soll durch eigene Subventionsmaßnahmen ersetzt werden
  • Für den Handel mit der EU soll ein neues, vereinfachtes Zollsystem eingeführt werden
  • Zolltarife auf Waren aus dem „Rest der Welt“ will Großbritannien zukünftig selbst bestimmen

Alles Zucker oder was? Zucker-Giganten bleibt die Hoffnung

So wie es aussieht, haben Brexit und die Zucker-Branche eins gemeinsam: Hoffnung auf bessere Zeiten.

Seit dem Wegfall der Quotenregelung von Zucker, scheinen die Preise in einer Abwärtsspirale hängen geblieben zu sein. Es heißt, mit dem Weltmarkt zu konkurrieren; Nachfrage und Angebot regelt das schon.

Für Nordzucker und Südzucker keine schönen Aussichten. Keine EU-Quoten, keine Mindestpreise für Quotenrüben und keine Produktionsabgaben. So lebt es sich in der freien Marktwirtschaft.

Dass es nicht einfach ist, zeigen die Zahlen der beiden Konzerne. Die Sorgen sind groß, die Hoffnung, dass sich der Markt konsolidiert und die Preise sich bald wieder erholen werden, noch größer. Wir werden sehen.

Halten das die beiden Zucker-Giganten aus Deutschland aus oder wird diese Situation zu Jobverlusten führen?

Glyphosat-herbizid-pestizid

Landwirtschaft: Ja für Glyphosat, Nein für John Deere

Ende 2017 wär sie ausgelaufen, die Zulassung für Glyphosat. Während Umweltverbände ein EU-weites Verbot fordern, da das Mittel unter anderem krebserregend ist, kam ein Gutachten der Europäischen Chemikalienagentur zu einem anderen Ergebnis.

Der Ausschuss für Risikobewertung in der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) hat die Ergebnisse bereits existierender Studien ausgewertet, also keine eigenen Test durchgeführt.

Außer schweren Augenschädigungen und dass es giftig für das Wasser-Ökosystem ist, soll das Mittel demnach ungefährlich sein.

Es bestehe demnach kein Krebsrisiko, wie es unter anderem von der Internationalen Krebsforschung kommuniziert wurde.

10 weitere Jahre für Glyphosat

Über die Gefährlichkeit des Mittels wird es wohl weiterhin kontroverse Aussagen geben.

Im Jahr 2015 wurde das Mittel von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Im Jahr darauf attestierte sie jedoch das genaue Gegenteil, dass das Pestizid keinerlei Risiko für Krebs birgt. Es denke sich jeder seinen Teil.

Die EU-Kommission muss aber in diesem Jahr über die weitere Zulassung entscheiden. Die Aussage der ECHA ist hierfür die Grundlage.

Und die Wissenschaftler der Agentur bescheinigen Glyphosat die Ungefährlichkeit.

EU-Verbraucherkommissar Vytenis Andriukaitis legte nun auch den langerwarteten Vorschlag vor.

Demnach soll die Zulassung für das Pestizid um weitere 10 Jahre verlängert werden, während das Netzmittel Tallowamin weiterhin verboten ist.

Ein Verbot soll es für den Einsatz von Glyphosat vor der Ernte und in öffentlichen Parks und Spielplätzen geben.

Im Juni wird über den Vorschlag von dem Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (PAFF) entschieden.

Nur wenn die EU-Staaten mit einer qualifizierten Mehrheit dem Vorschlag nicht zustimmen, wird dieser nochmals überarbeitet werden müssen.

Eine Verlängerung wär bis zu 15 Jahre möglich gewesen. Auf welchen Verlängerungszeitraum der Ausschuss sich letztendlich einigt, bleibt noch abzuwarten.

Es könnte hierbei zu Kompromissen kommen, um die eine oder andere Stimme eines Mitgliedsstaates noch zu erhalten.

EU-Agrarkommissar Phil Hogan äusserte sich positiv zu dem Vorschlag und begrüsst, dass Glyphosat nun weiterhin in der Landwirtschaft eingesetzt werden kann.

Bei John Deere ist man hingegen derzeit alles andere als glücklich.

Übernahme von Monsanto-Sparte durch John Deere geplatzt

Der Landmaschinenhersteller wird das „Pecision Planting LLC equipment“ – Geschäft von Monsanto nicht übernehmen.

Monsanto hat sich von den seit 2015 laufenden Verhandlungen zurückgezogen.

Im August letzten Jahres leitet bereits das US-Justizministerium rechtliche Schritte gegen die Übernahme ein. Es argumentierte, dass die Akquisition dem Wettbewerb schaden würde.

Die Übernahme der Sparte durch John Deere hätte dazu geführt, dass die Verwendung von schneller und präziser Pflanztechnologien den Landwirten teuer zu stehen kommt.

John May, Präsident der Abteilung Agricultural Solutions bei John Deere, äusserte sich, dass John Deere „tief enttäuscht über dieses Ergebnis ist“.

John Deere und Monsanto hatten sich darauf vorbereitet, in diesem Jahr ihren Fall nochmals vorzutragen, um die Genehmigung für die Übernahme zu erhalten.

„Mit der Chance dies zum Abschluß zu bringen, glauben wir, es war klar ersichtlich, dass die Hürde der Transaktion auf eine falsche Einschätzung des Marktes beruhte.“ John May

Monsanto bestätigte unterdessen, dass seine Tochtergesellschaft Climate Corp. weiterhin an dem Verkauf des Geschäftsfeldes mit präzisen Pflanztechnologien interessiert ist. Das Unternehmen möchte sich ausschließlich auf seine digitale Landwirtschaftsplattform fokussieren.

Es werden derzeit Gespräche mit anderen potentiellen Käufern geführt.

Das Precision Planting Equipement Geschäft wurde im Jahr 2012 für 210 Millionen Dollar von Monsanto erworben.

Mit der gescheiterten Akquisition ist auch die digitale Kooperationsvereinbarung hinfällig.

Kunden von John Deere, die die Climate FieldView-Plattform und John Deeres Wireless-Data-Server-Technologie zur Datenübertragung nutzen, sind hiervon aber nicht betroffen.

Aber schauen wir doch zum Schluss noch aufs Feld. Derzeit steht bei Zuckerrüben die zweiten oder dritten Nachlaufbehandlungen an.

Bekämpfung von Unkräutern bei Zuckerrüben

Der Landwirtschaftliche Informationsdienst Zuckerrübe (LIZ) erwartet eine rasche Entwicklung der Rüben aufgrund des wüchsigen Wetters.

Die Rüben befinden sich auf den Großteil der Flächen in einem guten und stabilen Zustand.

Die Unkrautsituation variiert von Feld zu Feld sehr stark, aber es ist nun die Zeit, auf eine sichere Bekämpfung der Unkräuter zu achten.

Unkrautbekämpfung bei Zuckerrüben

Quelle: Housi Bracher

Nachlaufbehandlungen haben sich als effektive und kostengünstige Unkrautkontrolle bewährt.

Folgende Herbizide empfiehlt der LIZ 

  • Gänsefuß und Melde im Laubblatt: Metamitron, blattaktive PMP-Produkte und Öl
  • Große und/oder schwere bekämpfbare Unkräuter: blattaktiv Debut einsetzen
  • Spezielle Unkräuter im Laubblatt: Chlopyralid (Lontrel/Vivendi) zusetzen
  • Verhindern des erneuten Auslaufens: Spectrum aufgrund seiner versiegelnden Wirkungen; Additivwirkung des Mittels bei Mischungen beachten
  • Starker Grasdruck: separate Behandlung vor der dritten Nachlaufbehandlung

Mittelkombinationen aus Blatt- und Bodenherbiziden erzielen nicht nur witterungsunabhängig gute Wirkungen, sie erlauben auch Wirkungslücken zu erschließen, so dass verschiedene Unkrautarten wirkungsvoll bekämpft werden.

Stellt sich abschließend die Frage, wie es um Eure Meinung zum Glyphosatvorschlag und der gescheiterten Fusion steht. Begrüßt Ihr diese oder bedauert Ihr eher das Ergebnis? Warum?