Zucker-Giganten leiden unter Preissturz

Zucker-Giganten kämpfen mit dem dramatischen Preissturz bei Zucker

Die beiden Zucker-Giganten Nordzucker und Südzucker kämpfen mit rückläufigen Umsätzen. Die Ursache liegt an dem starken Rückgang der Zuckerpreise am Weltmarkt und am europäischen Binnenmarkt.

Seit dem Ende der Quotenregelung im Oktober 2017 ist nichts mehr wie es war. Der EU-Zuckerpreis soll laut Nordzucker um mehr als 120 EUR pro Tonne gesunken sein. Trotz höheren Absatz- und Exportmengen konnte der massive Preisrückgang nicht aufgehoben werden.

Tauchen wir doch ein bisschen in die Zahlen der jeweiligen Zucker-Giganten ein. Los geht’s mit den Kollegen aus Braunschweig.

Nordzucker AG meldet zweistelligen Umsatzeinbruch

Die ersten drei Monate des Geschäftsjahres 2018/19 sind für den Braunschweiger Konzern alles andere als rosig. Der Umsatz ist um 18% auf 343 Mio. EUR gesunken (Zeitraum März – Mai 2018). In der Vorjahresperiode lag der Umsatz bei 418 Mio. EUR.

Der Periodenüberschuss betrug 3,4 Mio. EUR. In der Vergleichsperiode von 2017 lag dieser bei 41,5 Mio. EUR. Ein dramatischer Gewinneinbruch.

Die Ursachen für das schlechte Ergebnis:

  • Deregulierung des Marktes
  • Einbruch der Zuckerpreise
  • Trotz erhöhtem Absatz konnte der Umsatzrückgang nicht kompensiert werden

Das Geschäft mit Bioethanol und Futtermitteln ist hingegen weitgehend stabil geblieben. Das lag vornehmlich daran, dass die Herstellungskosten um 7,2% unter dem Niveau der Vorjahresperiode gesunken sind. Einerseits wurde weniger Zucker eingesetzt und andererseits gab es einen Rückgang bei den Rübenkosten. Im Gegenzug stiegen die Vertriebskosten aufgrund höheren Mieten, Pachten und Fremdlagerkosten nur geringfügig.

Ziel des Konzerns für das aktuelle Geschäftsjahr 2018/19:

Verlust vermeiden.

Kostendeckend bei den aktuellen Preisen zu produzieren sei eine Utopie. Das weiss auch Nordzucker. Gleichzeitig bleibt die Hoffnung groß, dass die Niedrigpreisphase kein Dauerzustand bleiben wird.

Der Konzern erwartet eine Marktkonsolidierung und ist dafür gut aufgestellt.

Quelle: Q1-Zwischenbericht von Nordzucker

Für alle die näher wissen wollen, wie das mit der Rübenernte bis hin zum verpackten weißen Pulver, dem Zucker, so wirklich abläuft, anbei ein interessanter Beitrag von NDR in Kooperation mit Nordzucker.

Quelle: NDR Documentaries, YouTube

Südzucker erwartet ein schwaches Wirtschaftsjahr bei Zucker

Beide Zucker-Giganten leiden. Und so kommt es, dass die Mannheimer in punkto Umsatz zwar besser da stehen, jedoch genauso trüb auf den dramatischen Preissturz bei Zucker blicken.

Wie sieht’s denn ganz konkret bei den Mannheimern aus?

Der Konzernumsatz belief sich auf 1.741 Mio. EUR, leicht unter dem Vorjahresniveau (1.783 Mio. EUR).

Das operative Konzernergebnis verringerte sich um 50%, von 153 Mio. EUR im letzten Geschäftsjahr zu aktuell 78 Mio. EUR. Grund dafür war die schlechte Performance der beiden Bereiche Zucker und CropEnergies.

1. Segment Zucker

Trotz höheren Exportmengen sank der Umsatz um 11% auf 695 Mio. EUR (im Vorjahr: 777 Mio. EUR). Das operative Ergebnis brach dramatisch ein. Dieser lag im Berichtszeitraum bei lediglich 8 Mio. EUR. Im Vorjahr waren es noch 64 Mio. EUR.

An der Rübenanbaufläche der Südzucker-Gruppe gab es keine großen Veränderungen. Diese liegt mit 435.800 Hektar auf Vorjahresniveau (445.000 ha). Aufgrund der milden Temperaturen begann die Aussat Anfang April; zwar spät aber die Bedingungen waren recht gut.

2. Segment CropEnergies

Die niedrigen Ethanolpreise haben zu einem Umsatzeinbruch im Segment CropEnergies von 214 Mio. EUR (Vorjahr) auf 176 Mio. EUR geführt. Dadurch verringerte sich auch das operative Ergebnis auf 5 Mio. EUR; im Vorjahr waren es noch 23 Mio. EUR.

3. Segment Spezialitäten

Ganz anders sieht es im Bereich Spezialitäten aus, wo der Umsatz auf 558 Mio. EUR gesteigert werden konnte (im Vorjahr: 481 Mio. EUR). Die positive Entwicklung basiert auf den Umsätzen des Tiefkühlpizzaherstellers Richelieu Foods Inc. und HASA GmbH, die im Vorjahr nicht enthalten waren.

4. Segment Frucht

Stagnation im Segment Frucht: die Umsätze lagen mit 312 Mio. EUR auf Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 1 Mio. EUR und lag bei insgesamt 26 Mio. EUR.

Die Erwartungen für das aktuelle Geschäftsjahr 2018/19 sind auch bei Südzucker zurückhaltend. Die Mannheimer erwarten ein Konzernumsatz von 6,8 bis 7,1 Mrd. EUR – quasi eine Stagnation; im Vorjahr lag der Umsatz bei 7 Mrd. EUR.

Die Prognosen für die beiden Segmente Zucker und CropEnergies fallen negativ aus. Die Rückgänge sollen teilweise durch die Bereiche Spezialitäten und Frucht aufgefangen werden.

Quelle: Quartalsergebnis von Südzucker

Agrarfreihandel trotz Brexit

Nachdem die britische Königin ihren „Segen“ gegeben hat, kann ja dem Brexit nichts mehr im Wege stehen. Ende März 2019 verlassen die Briten die EU.

Das Chaos ist groß. So richtig steht nichts fest; keiner weiß wie alles ab April nächsten Jahres weiter geht. Bürger warten ab. Firmen und Banken warten ab. Die Politik scheint auch zu warten. Mal schauen was aus diesem Warten wird…

Die britische Regierung rundum Premierministerin Theresa May hat erste Vorstellungen.

Sie möchten auch nach dem Brexit Agrarprodukte und Lebensmittel mit der EU frei handeln. Dem Londoner „White Paper“ zufolge, soll im Rahmen einer wirtschaftlichen Partnerschaft mit der EU das bisherige Regelwerk weitgehend beibehalten werden.

Für Großbritannien sollen WTO-Regeln maßgeblich sein (WTO = Welthandelsorganisation).

  • GAP soll durch eigene Subventionsmaßnahmen ersetzt werden
  • Für den Handel mit der EU soll ein neues, vereinfachtes Zollsystem eingeführt werden
  • Zolltarife auf Waren aus dem „Rest der Welt“ will Großbritannien zukünftig selbst bestimmen

Alles Zucker oder was? Zucker-Giganten bleibt die Hoffnung

So wie es aussieht, haben Brexit und die Zucker-Branche eins gemeinsam: Hoffnung auf bessere Zeiten.

Seit dem Wegfall der Quotenregelung von Zucker, scheinen die Preise in einer Abwärtsspirale hängen geblieben zu sein. Es heißt, mit dem Weltmarkt zu konkurrieren; Nachfrage und Angebot regelt das schon.

Für Nordzucker und Südzucker keine schönen Aussichten. Keine EU-Quoten, keine Mindestpreise für Quotenrüben und keine Produktionsabgaben. So lebt es sich in der freien Marktwirtschaft.

Dass es nicht einfach ist, zeigen die Zahlen der beiden Konzerne. Die Sorgen sind groß, die Hoffnung, dass sich der Markt konsolidiert und die Preise sich bald wieder erholen werden, noch größer. Wir werden sehen.

Halten das die beiden Zucker-Giganten aus Deutschland aus oder wird diese Situation zu Jobverlusten führen?

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